Reality Collection


Effekte am Bass, im Bass oder ... für den Bass

[Die Zeiten ändern sich, die Technik auch. Daher wurde dieser Artikel zum letzten Mal im Juli 2001 überarbeitet. d.S.] BOSS SX-700

Eigentlich wollte ich mich ja aus dem ganzen Technik-Kram heraushalten. Andererseits habe ich bei dem Thema in der letzten Zeit so meine Erfahrungen (gute und schlechte) hinter mir. Also werde ich damit nicht hinter dem Berg halten. Man gibt ja nie auf, wenn man sich selbst erst einmal die Finger verbrannt hat, dies vermitteln zu wollen. Obwohl Schmerz nur am eigenen Körper langfristig heilsam wirkt. Sei's drum: es geht um Effekte, die für Bassisten hilfreich, sinnvoll, dämlich oder störend sind. Und worauf man achten sollte. Und worauf nicht.

Was sind die Effekte überhaupt?

Effekte dienen in irgendeiner Weise dazu, den Klang oder die Wahrnehmung des Klangs zu verändern. Das wäre die physikalische Sichtweise. Den Kern kann man leicht übersehen. Wie die Spielweise und die Auswahl eines Tonmaterials tragen Effekte dazu bei, bestimmte Eindrücke, Emotionen oder Stimmungen zu transportieren. So wäre dann ein Liebeslied mit einem brutal verzerrten Bass oder ein wabernder, in dickem Hall umherwuselnder Bass in einem luschtigen Folksong das Letzte. Also, mit den Effekten ist einiges verbunden. Und die Folge ist, dass ein Effekt am falschen Platz eher eine Störung sein kann.

Braucht der Bass überhaupt Effekte?

Wintitsch-orientierte Rock-Bassisten werden dies streng verneinen. Ich, so dazwischen, würde sagen: Na ja, also an sich und überhaupt ...

Wovon ich dringend abrate, ist die Verwendung von Effektgeräten nur um ihrer selbst willen, als Versteck oder Kosmetik für musikalisches Unvermögen oder weil die Gitarristen auch so viele Büchsen haben. Oder weil nur der Effekt geil klingt, so als Konsum-Aspekt.

Effekt-Geräte können dazu beitragen, den Sound des Basses breiter und markanter zu machen, oder eine bestimmte Stimmung für einen Song zu bringen, oder auch nur wiederzuspiegeln. Es gibt Effekte, die sind weitverbreitet bei Bassisten, und, dezent eingesetzt, können sie tatsächlich helfen, besser, variabler und fülliger zu klingen. Für die wichtigste Merkregel halte ich in jedem Fall:

Die wichtigsten Effekte und Effektgeräte beim Bass sind die,
die man erst einmal gar nicht so direkt hört.

Als als da wären:

Die Basis-Effekte

Wenn nun jemand nicht weiss, wie die einzelnen Basis-Effekttypen im Detail arbeiten: In Harmony Central gibt es eine Sektion über Effekte. Zwar alles in Englisch, aber für eine Zuordnung zwischen Effekt und Namen ist das auch für Nicht-Anglophile verständlich. Hörbeispiele gibt es aber auch dort, ein Kopfhörer empfiehlt sich als Abhörmethode statt PC-Lautsprecher.

Ich gehe jetzt erst die Liste durch, welche Effekte ich wie bewerte. Wohl an, dies ist meine persönliche Einschätzung, aber an irgendetwas muss ich mich ja orientieren. Hier also, mit fallender Priorität, die Effekte in meiner privaten Hitliste der besten und wichtigsten Effekte für den Bass. Danach kommen dann noch meine Erfahrungen für Kauf und Auswahl. Und, ebenso am Ende der Seite, Alternativen.

Compressor/Limiter

Dieses Gerät halte ich mittlerweile für ein unverzichtbares. Musste ich auch erst selbst erfahren.

Effekt:

Der Compressor ist einer der fast unhörbaren Effekte. Er tut erst einmal 'nichts anderes', als das Signal vom Bass auf einen gleichmässigeren Level zu bringen, als er aufgrund unterschiedlicher Anschlagsstärke und Spielweise vom Instrument kommt. Zwei Begriffe sind wichtig: Threshold und Ratio.

Bis zu einem bestimmten Eingangspegel macht der Kompressor erst einmal nichts. Das Signal wird unverändert weitergegeben. Ab einem voreingestellten Pegel jedoch regelt der Compressor das Signal herunter, in welchem Grad (Ratio) ist ebenfalls voreinstellbar. Das heisst, dass das Eingangs-Signal im Vergleich zum Ausgangs-Signal weniger stark lauter wird als ohne Compressor. Ab einem Ratio-Wert von ca. 10:1 sogar gar nicht mehr wesentlich, das Signal wird in seiner Lautheit ab dem eingestellten Threshold-Pegel quasi eingefroren (Limiter-Funktion, Begrenzer). Abhängig von dem Verhalten im Regelpunkt, nämlich ob die Begrenzung direkt und knickartig oder weich und gemässigt einsetzend kommt, spricht man von Hardknee- oder Softknee-Regelung. Macht der Compressor das Komprimieren über das gesamte Signal, hat man einen Fullband-Kompressor vor sich, fast immer verwendet beim Recording.

Für den Bass sinnvoller ist eine Zweiband-Kompression. Hier kommen zwei parallele Kompressor-Stufen zum Einsatz, eine für die tiefen Frequenzen bis z.B. 200Hz, eine für die oberen Frequenzen. Das untere Frequenzband wird meistens gar nicht oder kaum geregelt, das obere Frequenzband standardmäßig mit 4:1. So bleibt in den Bässen Spiel-Artikulation und Druck erhalten, lediglich der Oberton- und Anschlags-Bereich wird komprimiert.

Wirkung:

Der eigentliche Effekt ist, dass der Bass gleichmässiger und mit mehr Druck und Punch kommt, was aus der technischen Sicht der Arbeitsweise nicht direkt ersichtlich ist. Obwohl der Compressor ja eher nivellierend wirkt, sind es das Regelverhalten beim Anschlag und die Nivellierung, die diesen Effekt bewirken. Gerade mit der Zweiband-Regelung bekommt der Sound mehr Push und Druck, er ist gleichmäßiger, bleibt in den Tiefen aber druckvoll und prägnant. Man spricht deshalb bei einem Kompressor richtigerweise von einer 'Lautheits-Regelung' statt einer Pegel-Regelung.

Highly recommended. Würde ich auf meiner Weihnachts- oder Geburtstags-Wunschliste auf jeden Fall auf Position #2 für Beginner und Position #1 für Fortgeschrittene setzen. Noch vor Chorus oder POD.

Effekt-Folge:

Verwendet man mehrere Effektgeräte, gehört der Compressor so weit wie möglich nach vorn.

Chorus

Der einzige Effekt ausser Compressor, den ich wirklich oft verwende.

Effekt:

Das Original-Signal wird (heute) digital in seiner Frequenz moduliert und wieder mit dem Originalsignal gemischt. So kommen das Original-Signal und das in seiner Frequenz nach oben und unten veränderte Signal zusammen. Durch die Frequenz-Differenzen entstehen Modulationen, Schwebungstöne, die wiederum subharmonische Zusatzfrequenzen hineinmischen. Wesentliche Parameter des Chorus sind Frequenz = Geschwindigkeit der Tonhöhenmodulation, Depth = Stärke der Modulation und eventuell Prephase = Zeitunterschied zwischen ursprünglichem und modulierten Signal. Erhältlich sind noch Mono- und Stereo-Chorus. Beim Stereo-Chorus können Original- und moduliertes Signal auf die beiden Seiten verteilt werden oder die beiden Stereo-Kanäle unterschiedlich gemischt werden.Rein technisch gibt es immer noch zwei Verfahren, wie diese Chorus-Effekte arbeiten: analog, mit einer Art Speicherbausteinen für Analog-Signale, und rein digital über Resampling-Algorithmen. Rein analog arbeitenden Systemen wird mehr Wärme und Breite nachgesagt, sie sind aber auch deutlich teurer, rauschen oft etwas mehr (z.B. der Guyatone Microchorus oder BOSS CE-5).

Wirkung:

Der Sound wird dicker, breiter, weicher, flächiger. Lange Noten klingen weniger statisch. Für den Bass sind geringe Modulations-Frequenzen (10 .. 20 Hz) sinnvoll. Je höher der Anteil des Effektsignals, desto fetter wird's. Aber Vorsicht! Hier gilt nicht Viel hilft viel. Gerade in den tiefen Regionen kann Mamsch und Gegrummel drohen. Eine Prise Chorus ist prima. Ein Stereo-Chorus verbreitert den Sound. Für den Bass wesentlich günstiger sind Zweiband-Chorus-Effekte. Bei diesen sind zwei Chorus-Stufen im Einsatz, für die man eine Trenn-Frequenz einstellen kann. So kann der Chorus-Effekt nur für die oberen Frequenz-Anteile verwendet werden, die tiefen Frequenzen bleiben (fast) unverändert und es entsteht kein Matsch in den unteren Frequenzbereichen.

Effekt-Folge:

Möglichst weit hinten in der Kette, vor den Amp.

Reverb

Noch so ein empfindliches Teil, das einem bei unsachgemässer Handhabung mehr schaden als helfen kann. Deutscher Begriff: Nachhall, Hall (nicht zu verwechseln mit Echo = Delay)

Effekt:

Kennt jeder aus der Kirche oder grossen Hallen. Durch Mehrfachreflektionen des Ausgangssignals entsteht ein Teppich von Echos. Echo und Hall sind schon verwandt, aber der Hall ist ein Teppich von Echos, nicht nur ein einzelnes. Dieser Teppich entsteht durch Reflektionen des Schalls an Decken und Wänden sowie die Überlagerung dieser Einzelechos ('Mehrfach-Reflektion'). Die verschiedenen Reverb-Typen unterscheiden sind in der Länge des Nachhalls (entspricht der Raumart und -Größe), dem reflektierten Frequenzband (ein Wohnzimmer anders als ein Badezimmer) und dem Grad der Überlagerungen. Gängige Reverb-Typen sind Cathedral (Dom), Room (Räume), Arena (Freiluft-Theater) oder Garage. Plate soll die Hall-Platten früherer Studio-Platten als Hall-Erzeuger simulieren und ist immer noch ein sehr beliebter Hall-Typ. Mögliche Parameter sind Reverbtime = Länge des Nachhalls, Depth/Density = Dichte der Mehrfach-Reflektionen oder Feedback = Dämpfung der Mehrfach-Reflektionen.

Wirkung:

Gefährliche Sache. Zwar bekommt der Sound mehr Räumlichkeit, dies ist aber mehr ein psychoakustischer Effekt als Wahrheit. Für eher weichere, gefälligere Musik kann das Reverb einen Tucken Weichheit und Räumlichkeit bringen. Sobald es um Druck und Groove geht, kann man das Reverb aber vergessen. Beim Fretless unterstützt ein Reverb das Klagen und Knarren.

Effekt-Folge:

Eher mittig, hinter Compressor, vor Chorus.

Die 'Nicht-Effekte'

Darunter fallen bei mir zwei Gruppen:

DI-Boxen: Dienen dazu, zwischen Verstärker und Speaker oder irgendwo am Ende der Effekt-Kette ein Signal für Mischpult oder PA abzuzweigen. Die DI macht das Signal erdfrei und damit weniger brummempfindlich sowie auch über längere Kabelstrecken übertragbar. Heisst auch: es entkoppelt Verstärker und PA/Mischpult, so dass keine störenden Ausgleichströme durch verschiedene Phasen/Kreise der Netzversorgung entstehen. Mehr Details ...

Equalizer: Zähle ich mal nicht zu den echten Effekten. Ganz einfach Klangregelungen mit mehreren Frequnzbändern, entweder um sich sound-mässig an unterschiedliche Räume anzupassen oder seinem Bass mehr Kick in den Tiefbässen oder Glanz in den Höhen zu verschreiben. Oder: wenn man blitzschnell zwischen aktiven und passiven Bässen umswitchen muss und nicht am Verstärker drehen will, denn die besseren Equalizer haben auch eine Pegeleinstellung.

Wirkung:

Seit den 80er-Jahren ist oft beim Bass von einem HiFi-Sound die Rede, geprägt wurde dieser von den Slappern und schnellen Spielern wie Mark King, Stanley Clarke (den Alembic nicht vergessen) oder Mr. Graham. Dieser Sound entsteht eben nicht, wie der Name vermitteln soll, durch eine lineare Wiedergabe, sondern durch einen Equalizer (EQ) in Badewannen-Einstellung, Höhen und Mitteltiefbässe stark angehoben (+3 .. +5dB), Tiefbässe gering angehoben (+1 .. +2dB) und Mittelfrequenzen um 5 .. 6dB abgesenkt. So findet sich an vielen Bass-Amps auch gerade eine Funktion, die diese Sound-Einstellung mehr oder weniger komplex realisiert, benamst als Presence oder Preshape.

Die andere, sinnvollere Anwendung ist die Anpassung an die Raumakustik. Hat ein Raum starke Resonanzfrequenzen, wenn es dröhnt oder klirrt, kann man mit dem EQ diese Frequenzen absenken und so den Sound an die Raumakustik anpassen.

Pitch Shifter/Octaver

Viele schwören drauf. Pino Palladino. Kann Fundament bringen.

Effekt:

Dem Originalsignal wird die gleiche Note hinzugefügt, i.d.R. eine Oktave tiefer. Oder die Quinte. Die neue Note wird mittels digitaler Techniken aus dem Originalsignal gewonnen, analog geht das nicht. Die Knäcke und der wunde Punkt an Octavern oder Pitch Shiftern ist, wie gut die Algorithmen implementiert sind und wie schnell der Prozessor ist. Zum Verfahren: nach der Wandlung Analog zu Digital muss die tiefste vorhandene Note identifiert werden, das kostet Zeit, denn der Prozessor muss erst ein paar Schwingungsdurchgänge analysieren, dann weiss er, welche Frequenz im Eingangssignal die wesentliche ist. Durch Resampling kann dann die zusätzliche Frequenz erzeugt und hinzu gefügt werden. Dadurch entsteht ein Zeitverzug, bis die zusätzliche Note parat steht. Problem Nummer 2: das Verrecken der Zusatzfrequenz. Ist eine Saite angeschlagen und schwingt aus, verschiebt sich der Anteil Obertöne zur Grundnote, die Obertöne bekommen einen höheren Anteil im Signal und der Prozessor weiss nicht mehr, was die Grundnote ist und stellt seine Arbeit ein.

Im Gegensatz zu den statischen Effekten wie Chorus oder Reverb, wo einfach nur permanent Bits herumgeschoben werden, ist der Octaver ein dynamischer Effekt. Es muss permanent viel Prozessorzeit zum Analysieren und Berechnen verbraten werden. Solche dynamischen Effekte sind daher viel kritischer und künstlicher, trifft im Rahmen auch für die Amp-/Speaker-Simulatoren zu.

Wirkung:

Kann man sich leicht vorstellen. Es gibt einen breiteren, mächtigeren Klang. Mit den Nicht-Oktaven ist das so eine Sache. Ist nicht einfach einzusetzen. Kritisch ist das Tracking, also wie lange der Prozessor braucht, bis er die Frequenz des Originalsignals analysiert hat.

Effekt-Folge:

Weit vorne, hinter Compressor.

Overdrive/Distortion

In Metal und Very Hard Rock ein Muss. Mit dem richtigen Gerät gar nicht übel.

Effekt:

Durch Veränderung der eingehenden Sinus-Signale entstehen zusätzlich gerade und ungerade Oberwellen, der Klang wird harsch oder scharf. Allen diesen Effekten ist gemein, dass das sinus-ähnliche Signal des Instruments verbogen wird. Je nach Verzerrungsgrad spricht man von Overdrive (röhren-ähnliches Übersteuern = leichtes, weiches Abflachen der Sinus-Gipfel), Distortion (steilere Flanken, stärkere Abflachung der Sinus-Spitzen) bis zum Fuzz (hartes Abschneiden der Sinus-Bögen). Bill Gates zum Trotze arbeiten immer noch fast alle Verzerrer rein analog, z.B. durch Übersteuerung von bipolaren oder Feldeffekt-Transistoren, durch Kappen von Signal-Anteilen mittels Dioden und Operations-Verstärkern bis hin zum Übersteuern alter Germanium-Transistoren (AC127, AC128, AC153). Lediglich die Amp-Simulatoren machen die Verzerrung digital, aber auch mit verdammt schnellen Prozessoren und enorm komplexen Algorithmen.

Verzerrer für Gitarre sind für Bass meistens nicht brauchbar, da gibt es spezielle Varianten, weil die Gitarren-Verzerrer tiefe Frequenzanteile heraus filtern. Es sei denn, man will diese Filterwirkung. Gerade der Verzerrer im Gitarrenlager, der TS9, TS808 oder TS5, ist für Bass gar nicht brauchbar. Der nebenstehende ODB-3 von BOSS ist ein Verzerrer nur für Bass, denn es kann ein Mix zwischen unverzerrten und verzerrten Signal eingestellt werden (Regler Balance), so dass immer noch ein passender Anteil unverzerrter Tiefbass vorhanden ist und der Druck in den Tiefen erhalten bleibt. Dieser ODB-3 ist aber auch teuer, wenn auch gut.

 

Wirkung:

Der Sound wird härter und agressiver, aber auch durchsetzungsfähiger und metallisch. Passt aber eben nur zur entsprechenden Musik.

Effekt-Folge:

Weit vorne, hinter Compressor.

Flanger/Phaser

Die sind ganz gefährlich. Aber im Einzelfall auch ganz brauchbar, so bei sphärischen Sachen oder sehr statischen Bass-Linien.

Effekt:

Phaser und Flanger sind prinzipiell mit dem Chorus verwandt. Während der Chorus ein nur frequenz-moduliertes Signal wieder hinzu mischt, werden bei Flanger und Phaser auch Phasen-Modulationen verwendet. So dass beim Chorus der Effekt durch Bildung von harmonischen Frequenzen entsteht, jedoch finden bei Phaser und Flanger durch die Phasenverschiebungen sogenannte Auslöschungs/Kammfilter-Effekte statt, wodurch sich ein starker Sound-Effekt ergibt, der aus dem verändernden Fehlen von Frequenzanteilen im Summensignal resultiert. Da diese Auslöschungen quasi durch das Frequenz-Spektrum wandern, klingt es wie ein Aufsteigen und Absteigen von Frequenzanteilen. Aber nur, weil hier etwas an Frequnzen fehlt, eben durch die Auslöschungs-Effekte. Typische Parameter sind ähnlich wie beim Chorus Speed = Geschwindigkeit der Modulation, Depth = Anteil Original-/Effekt-Signal und Resynch = Rückführung des bereits modulierten Signals in die Effekt-Sektion.

Wirkung:

Vergleiche mit vorbeifliegenden Jets und Enterprise-Starts sind berechtigt. Kann man nicht beschreiben, muss man hören.

Effekt-Folge:

Eher mittig, hinter Compressor, vor Reverb. Auf keinen Fall Kombinationen von Chorus/Flanger/Phaser, klingt immer grausam. Es hat seinen Grund, dass bei den Multi-Effekten diese drei Effekte nur alternativ eingesetzt werden können, machbar wäre es schon, sie parallel zu verwenden.

Delay

Deutsch: Echo. Sagt alles.

Effekt:

Das Eingangssignal wird zeitverzögert dem Original-Signal wieder hinzugefügt. Zeit kann sein wenige Milli-Sekunden oder auch drei Sekunden. Stereo-Delays oder Pong-Delays finden auf beiden Seiten des Steo-Spektums abwechselnd statt. Mögliche Anwendungen sind richtige Echos, wenn das Echo wieder in den Eingang zurückgeführt wird und so eine Kette von Einzel-Echos entsteht, oder ein sogenanntes Slapback-Echo. Im letzteren Fall gibt es nur ein einzelnes Echo, dies jedoch in sehr kurzer Zeit nach dem Original, z.B. 8 .. 20ms. Dieses Slapback-Echo dickt den Sound ebenfalls an, weil ja zwei Signal-Quellen vorhanden sind. An Parametern finden sich Delaytime = Verzögerungszeit zwischen Original und Echo, Feedback = Rückführung des Ausgangssignals in den Eingang zurück (für Mehrfach-Echos) sowie Dämpfungs-Parameter, wo dann mit jedem Echo ein oberer oder auch unterer Frequenzanteil bedämpft wird. Diese Funktion soll den Sound alter Band-Maschinen-Echos imitieren, wo durch abnehmende Aufzeichnungsqualität das Mehrfach-Echo langsam vermatschte.

Auch Delays arbeiten heute zu 99% digital, weil Echos sehr einfach zu realisieren sind, es ist ja nichts groß zu transformieren oder zu analysieren.

Wirkung:

Eigentlich mit Mehrfach-Echos beim Bass nur für Spezialeffekte sinnvoll (Pink Floyd: Echoes, One Of These Days von der LP/CD Meddle). Eher sinnvoll ist das Slapback-Echo, nämlich um den Sound des Basses zu verbreitern, durch Imitation eines zweiten Basses.

Effekt-Folge:

Eher vorne, hinter Compressor. Vorsicht mit Kombinationen Reverb + Delay. Gibt leicht den Sumpf an sich.

PODs, J-Station, Amp-/Speaker-Simulationen

Das ist relativ neu, und ich kann hier nicht mehr drumrum.

Effekt:

Man nehme einen realen Verstärker und reale Boxen, am besten Standards wie einen Marshall-Stack, einen Fender Blackface, einen VOX AC30 sowie noch dazu als Nachtisch Combo-Speaker, 2x12er-Boxen, 4x12- oder auch 4x10er-Speaker-Kombinationen. Nun hängt man an die entscheidenden Stellen innerhalb des Verstärkers Messpunkte und füttert den Verstärker mit unterschiedlichen Signalen, die einem Instrumenten-Signal entsprechen. Bei den Speakern nimmt man zusätzlich Mikros und lässt noch Raum-Einflüsse zu, eventuell. Nun kann man mit einem oder vielen schnellen Computern das Sound- und Dynamik-Verhalten des realen Equipments aufzeichnen und analysieren. Das Ergebnis ist eine Art Sound-/Signal-Signatur, wie der Verstärker verzerrt, wie sich sein Frequenzgang im Bezug zum Eingangspegel verhält, wie er auf unterschiedliche Eingangspegel im Sound reagiert. Sogar das Verhalten der Klangregelung und die mechanische Hallspirale geht in diese Signaturen ein. Mittels des gewonnenen Profils kann man nun dieses Verstärker- oder Lautsprecher-Verhalten mit digitalen Prozessoren nachvollziehen versuchen, man simuliert den realen analogen Verstärker, den Speaker und/oder die mechanische Hall-Spirale mit einem Computer-Programm. Wie ein Flugsimulator oder eine Fuzzy-Logik in einer Waschmaschine.

Die unterschiedlichen Signaturen werden nun im Simulator abgelegt, für Verstärker und für Speaker-Typen. Fertig ist der POD, der V-Amp oder die J-Station, der BOSS AC-5 simuliert akustische Gitarren. So kann man dann einen Fender Silverface über eine Marshall 1860er-Box spielen, oder einen Trace-Elliot Bass-Verstärker über eine Ampeg 15"-Box. Alles digital simuliert und vorfabriziert.

Hinzu kommt eine Effekt-Sektion mit Chorus/Flanger/Phaser, Delay und Reverb. Während der POD hier ebenso alt bekannte Tretminen oder Geräte simuliert, ist die Effekt-Sektion in der J-Station neutral, liefert also keine simulierten Alt-Geräte, sondern einen üblichen Satz frei programmierbarer digitaler Effekte wie ein Boden-Multi.

Wirkung:

Diese Geräte sind in der Hauptsache für Recording und Studio gedacht, wo man den Sound einer echten Anlage nachahmen will, oder wenn man keine Container von Equipment transportieren möchte. Tatsächlich klingen diese Geräte, dank hochperformanter digitaler Signal-Prozessoren und schneller Wandler, verdammt nah am Original. Trotzdem sagen viele Musiker (und auch Gitarristen), es sei eben nur digital simuliert und es fehle das echte dynamische Verhalten. Auch gibt es zum Beispiel immer wieder Latenz-Zeiten, wo durch die aufwendige Verarbeitung ein Zeitverzug zwischen Eingangs-Signal und Ausgangs-Signal entsteht. Der Anschlag kommt halt etwas verzögert am Lautsprecher oder Kopfhörer an.

Auch kann man sich, logo, abschminken, aus seinem Hochtöner-freien 15"/75Watt-Combo mittels Simulation eines SWR-Amps und einer 410er-Trace Elliot-Box einen Sound nur annähernd dem Original entsprechend zu zaubern. Braucht man jedoch den Distortion-Sound eines Marshall-Amps und die eingebauten Grund-Effekte (oder auch emulierten Vintage-Effekte) kann eine dieser Dosen nützlich sein. Aber eben in Maßen, man fährt nur im ersten und zweiten Gang. Hat man eh' eine gute Bass-Anlage und ist mit seinem Sound im Grunde zufrieden, ist der Simulator das völlig Falsche. Da fährt man mit einem Unimog zum Brötchen-Holen.

Trotzdem sind Simulatoren für zu Hause und im Studio eine tolle Sache, weil man Unmengen an Sounds und Effekten in einer Kiste zusammen hat. Im Live-Betrieb leiden die Geräte oft (vom 19"-POD Pro abgesehen) unter der mechanischen Beschränkung der Bauweise und der eingeschränkten Flexibilität. Es sind eben Heim-Geräte, und für den rauhen Live-Betrieb sind einige Vorkehrungen gegen Bruch und Schwund notwendig.

Ich persönlich habe nur Erfahrung mit der Johnson J-Station. Vielleicht ist mein Testbericht schon online ...

Und das ist nur eine ganz beschränkte Liste von Effekten. Mittlerweile gibt es Bass-Synthesizer, Bass-Multieffekte in unzählbarem Angebot, kleine und vereinfachte Simulatoren wie das Pandorra-B und ... und ... und. Somit ist die Vielfalt schon fast wie bei Gitarren-Effekten. Und dementsprechend verwirrend. Was man nun wirklich nutzt, ist Geschmacks- und Stilfrage. Hört Euch Eure Heroen an und versucht mal heraus zu hören oder heraus zu bekommen, was die verwenden, so als erste persönliche Leitlinie.

Multieffekte versus Tretminen

Mehrere Effektgeräte in einem, als Bodengerät oder zum Einbau in ein 19"-Rack, gibt es genug. Die Alternative sind Einzeleffekte für den Boden, sogenannte Tretminen, die hintereinandergeschaltet werden. Die teuren PODs im 19"-Format liefern sicher eine interessante Alternative zu drei Amps und acht Effekt-Geräten.

Ich würde, wenn die Wahl ansteht, erst einmal ein Multieffekt-Gerät vorziehen. Zwar verliert man dadurch einen Teil Flexibilität, denn man kann nicht mehr einen einzelnen Effekt ersetzen oder nach dem Prinzip Best Of Breed (= Nur vom Feinsten ...) vorgehen. Aber ...

Erstens erspart man sich den Kabelwust, die Stolperfallen und Netzteil-Batterien. Zweitens sind mit allen Multis Effektkombinationen und -parameter mit einem Tastendruck umschaltbar. Und gerade bei den Rackversionen, wie beim SX-700 auf dem Seitenanfang, aber auch bei Behringer's Virtualizer oder Alesis MidiVerb, sind alle Funktionen per MIDI-Board schaltbar und sogar stufenlos kontrollierbar, nämlich mit einem sogenannten Expression Pedal. Ich meine, dass die meisten Argumente für das Multi sprechen. Die Tretminen-Schlachten habe ich auch hinter mir. Und wenn es dann erst mit Pegel-Inkompatibilitäten anfängt, wird's ganz übel mit den Einzelgeräten, vom Schalten und Walten abgesehen, die einen Kisten vor dem Amp, die nächsten im Einschleifweg.

Und was nehme ich denn nun?

Mein Vorschlag für den beginnenden Effekt-Bassisten:

  • Ein Chorus macht Laune. Kann nie schaden. Metaller und Punker werden's weniger vermissen.
  • Der Compressor ist für den praktischen Einsatz wichtig, nicht unbedingt für zu Hause. Aber eben wichtig.
  • Wenn man härtere Gangart spielt, kann ein Overdrive nicht schaden.
  • Wird's Funky, schwören viele auf einen Octaver/Pitch Shifter. Oder einen EQ.
  • Ist man eher auf der gemässigten Seite zuhause oder spielt man einen Grätenfreien, ist ein Reverb nicht von Nachteil. Chrous + Reverb sind die Standards für Fretless.
  • Sobald es an's Mischpult oder an die PA geht, ist eine DI sinnvoll. Es muss nicht ein 400 Marks-Teil sein. Ab 70,-- kriegt man akzeptables, passives Gerät. Nimmt man eine aktive DI-Box, fängt wieder das Theater mit der Stromversorgung an.
  • Gleiches gilt für Amp-Simulatoren: Instrument, Simulator und ab in die PA. Kein Boxen-Schleppen, keine Kabel-Probleme. Zu Hause den Sound des Stadions und allen Komfort und Komm-Nach. Aber: kein Ersatz für eine sorgsam zusammen gestellte Bass-Anlage.
  • Es sei denn, man nimmt ein Rack-Multieffekt und baut sich alles schön verkabelt in so eine 19"-Zoll-Kiste. Dann wird es übersichtlich und einfach bequem.

Mehr würde ich aus meiner Sicht heute nicht mehr tun. Mein Rack enthält ein BOSS SX-700 Multieffekt sowie Netzteile für dieses Gerät und die MIDI-Fussleiste, und mehr nicht. Punkt, reicht. Ein Rack mit zwei Höheneinheiten, leicht zu transportieren, im Proberaum und zuhause nutzbar.

Hersteller

Aussagen dazu beziehen sich auf Qualität, Zuverlässigkeit und Grundeigenschaften. Der Chorus, den ich mag, kann bei einem anderen Bassisten Würgen hervorrufen. Dafür kann ich dann seinen Verzerrer nicht ab.

Die 'grossen' Hersteller wie Roland/BOSS, Behringer, Alesis, T.C., EBS, A.R.T und wie sie sonst noch heissen, liefern bis auf gelegentliche Ausreisser anständige Qualität (soll's bei Autoherstellern aber auch geben). Von einem Rückruf der 14.000 Verzerrer des Typs XY-9 wegen defekter Tank-Deckel habe ich noch nicht gehört. Ob die Effekte gut sind, hängt vom eigenen Ohr ab. Je nach Geldbeutel kann auch ein ZOOM oder Nobels völlig ausreichen. Am Anfang der Musiker-Karriere würde ich eh nur einfache Sachen kaufen, die nicht im Geldbeutel weh tun, wenn man sie mal wieder aussortiert, oder wenn man merkt, dass diese alten Säcke mit ihren Warnungen doch ein wenig recht hatten.

Effekt ist nicht gleich Effekt

Viele Hersteller bieten inzwischen spezielle Bass-Effekte an, sei es als Multi oder als Tretmine. Hier kann man davon ausgehen, dass sich die Entwickler etwas dabei gedacht haben, oder auch nicht.

Gitarren-Effekte sind selten für den Bass nutzbar, da sie für einen anderen Frequenzbereich ausgelegt sind. Während Flanger/Phaser/Chorus noch eventuell gehen, sind Verzerrer und Pitch Shifter nicht von Gitarren auf Bass übertragbar. Ein Tubescreamer von Ibanez klingt mit Gitarre toll, dem Bass raubt er das Tiefen-Fundament und den Druck.

Ausnahme sind die Kisten, die sich Studio Effektprozessoren nennen, z.B. SX-700 oder Behringer Virtualizer. Diese sind von vornherein auf universellen Einsatz ausgelegt und können auch Bass sauber bearbeiten.

Wo kaufen?

Nicht unbedingt da, wo's am billigsten ist. Entweder beim lokalen Händler, der zwar ein paar Mark mehr haben will, den man aber auch persönlich in den Hintern treten kann, wenn was nicht funktioniert. Service kann so wichtig sein.

Oder bei grossen Häusern mit gut funktionierendem Versand und Service, Thomann, Musik Produktiv, Art Of Sound. Erst mal vorsichtig testen und ein paar Kleinteile bestellen. Wenn's gut klappt und man nicht blöde behandelt wird, kann man es dann mit grösseren Sachen versuchen. Die Erfahrungen sind aber immer unterschiedlich. Am besten man kann hin fahren.

Fazit

Effekte: ja. Aber mit Augenmass und nur jeweils eine Prise. Für abgedrehte Sachen auch mal schweres Geschütz wie Distortion + Chorus + Delay in voller Breitseite. Ich würde aber niemals Sound-Effekte zu meinem Markenzeichen machen, oder meinen Sound bestimmen lassen. Muss ich mal über eine andere Anlage spielen, ohne meine 30 Tretminen und 17 Höheneinheiten Rack-Equipment, mal unplugged oder anderes Material, ist meine Spielweise, mein Sound, mein Markenzeichen futsch.

Bevor man nun auf die unendliche Suche nach Effekten geht: oft ist eine Verbesserung des Klangeindruckes und auch der Spielfreude über eher konventionelle Maßnahmen möglich. Das Ersetzen billiger oder dünn klingender Pickups in einem Bass oder gute Saiten können oft für weniger Geld mehr Sound bringen als Effektgeräte. Dynamisches, farbiges und abwechselungsreiches Spiel hilft mehr als die besten Drahtschachteln. Und sogar aufwändigere Sachen wie Nachrüsten eines J-Pickups an der Bridge in einem P-Typ-Bass oder Austesten verschiedener Saiten-Arten und -Fabrikate können langfristig mehr bringen. Und sie sind keine solchen Krücken wie Effekte.

Eine oft übersehene Form der Klangvielfalt ist der Wechsel der Anschlag- und Spieltechniken, wie im vorherigen Kapitel angedeutet. Man kann mit unterschiedlichen Anschlagtechniken schon eine Menge reissen. Oder durch entsprechende Instrumente. Wie wäre es z.B. mit Kontakt zu einem fretless Bass oder, falls zur Zeit vier Saiten aktuell sind, mal mit sechs Saiten? Und mit einem (relativ billigem) Equalizer kann man bereits eine Menge anstellen.

Lasst Euch also nicht in den Equipment-Wahn und in die Effekt-Schlachten hineinziehen, wenn einem die Firma XYZ wieder beibringen will, dass man ohne ihren neuen ABC-Prozessor nur ein halber Mensch, ..., 'tschuldigung, halber Bassist ist. Ein halbwegs nüchterner und musikalisch vorgebildeter Zuhörer merkt schon nach ein paar Takten, was da hinter den 24bit, 800 Watt und 8,5 km Kabeln wirklich steht. Es gibt nichts Schlimmeres als Musiker im Publikum. Na gut, 'Kutten' sind noch schlimmer.

Seht Euch Eure Freunde, die Drummer an: Ein paar Holz- oder Plastik-Kisten mit Fell drüber, ein paar Blechteller und zwei Holzstöcke,

und ab geht die Post ....

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