Bass Collection FAQ


Combo oder Stack, das ist hier die Frage

Oder auch nicht. Also mal ehrlich, an uns Amateure die Frage wo wir denn spielen? Proberaum, Kneipen, Clubs, eventuell mal eine kleine Halle. Dafür brauchen wir etwas. Für das Open Air oder ein Stadium gibt es vom Veranstalter doch so wie so eine fette 4 x 4kW-PA. Und wen will man denn mit einer 2000 Watt-Bass-Anlage umbringen?

Also zuerst die Kernfrage. Combos gibt es in Bauformen von 15 Watt und 8"-Speaker bis 300++Watt und 15" + 10" + 1"-Speaker. Also eine satte Bandbreite. Reine Amps, sogenannte Tops, fangen bei ca. 150 Watt an, Ende offen. Speaker ab 1 x 10" bis 18" + 12" + 10" + 1.5". Schwierige Entscheidung, gebe ich zu. Schauen wir uns zur Gesamtschau die Definitionen näher an.

Die Bauformen

Unter einem Combo versteht man einen Verstärker und einen oder mehrere Lautsprecher in einem Gehäuse. Der Begriff Combo stammt vom Wort combination, was auch plausibel ist. Alternative dazu ist die Bass-Anlage bestehend aus einem Verstärker (amp, top oder auch head) und einem oder mehreren Lautsprechersystemen (Box, enclosure, speaker). Bei den Verstärkern wird unterschieden zwischen Röhren-Verstärkern, Transistor-Verstärkern und Hybrid-Systemen. Letztere haben in den Vorstufen, der Erst-Verstärkung, Röhren, die Leistung für die Lautsprecher wird aber durch eine Transistor-Endstufe erbracht. Da sich bei Bass-Amps (im Gegensatz zu Ketarren-Amps) der Sound nicht durch Übersteuerung von Endstufen-Röhren ergibt, ist diese Hybrid-Bauform ein guter Kompromiss: man bekommt den weichen, sahnigen, warmen Sound der Röhre, geringes Gewicht und Unempfindlichkeit und satte Leistung durch Transistoren. Was aber nicht heisst, dass Röhren immer die ultima ratio sind, auch reine Transistor-Verstärker klingen gut und sind sogar für cleane, crispe, funkige Sounds oft die bessere Wahl. Da muss das Ohr entscheiden. Die reine Elektronik der Verstärker ist in Combos und Amp/Speaker-Kombinationen übrigens ziemlich die gleiche. Es gibt schwächliche Transistor-Amps als Tops, und fette Röhren-Amps als Combos. Nicht eine Frage der Technik, sondern des Preises und des Marketings.

Inzwischen, so seit Mitte der 90er-Jahre, hat sich eine Generation von Verstärkern entwickelt, die frühere Gewohnheiten und Meinungen in Frage stellt. Ursprünglich hatte man Leistung jenseits der 200 Watt nur in einzelnen Verstärkern, nicht in Combos. Aktueller Trend ist nun, sogar Verstärker mit Leistungen deutlich jenseits der 500 Watt-Grenze auch in Combos zu verbauen.

Der Kompromiss, und die Begrenzung, findet bei den Lautsprechern statt. Combos sind dazu da, dass man seine Bass-Anlage einigermaßen kompakt transportieren kann. Diese Funktion begrenzt den Combo von vorn herein in Volumen und Gewicht. Aufgabe des Lautsprechers ist es, den Schall aus der elektrischen Form in Luftbewegung umzusetzen. Nun arbeitet ein Bass aber in sehr niedrigen Frequenz-Bereichen (siehe auch Physik des Bass-Lautsprechers), daher (man erlaube mir die Vereinfachung) braucht man möglichst viel Membran-Fläche in den Lautsprechern. Die Rock-Bassisten der Sixties hatten es da einfach, ihre Flatwound-Strings auf ihren Precisions produzierten eh kaum Höhen, ein paar 15-Zoll-Lautsprecher waren völlig ausreichend.

Mit Aufkommen des Jazz-Rock und Prog-Rocks änderten sich diese Verhältnisse. Nun waren auch bei Bassisten cleane Sounds mit Höhenanteilen erwünscht. Einfach einen Hochtöner in die Boxen einbauen, brachte es nicht, die Mitten und Hochmitten kamen zu kurz. Dies war die Geburtsstunde der 12er und 10er-Boxen. 10-Zoll-Lautsprecher haben kleinere Membranen, die den Mitten bis Hochmitten besser folgen können, weil die Masse der Membranen geringer ist. Mini ist fixer als Sharan, Corsa ist wendiger als ein Panzer. 12-Zoll-Lautsprecher sind ein Kompromiss, haben sich aber nie richtig durchsetzen können, nicht Fisch, nicht Fleisch. Bleiben noch die Exoten, 18"-Speaker. Riesige Teile, bewegen Unmengen an Luft. Für die Royal Albert-Hall, oder das Münchener Olympiastadium. 3 x 8"-Speaker habe ich auch schon gesehen.

An dieser Stelle noch eine kurze Betrachtung wegen der Speaker-Größen und Membranflächen. Warum klingt ein 15-Zöller anders als eine Box mit 2 x 10"? An den Membranflächen kann es nicht liegen, denn zwei der kleinen Lautsprecher haben fast die gleiche Membranfläche wie der Dicke. Es liegt an den Resonanzfrequenzen der Speaker, der Frequenz, bei der die Membran schwingt, wenn sie es so ganz alleine tun dürfte. Die ist wegen der größeren Masse und Fläche bei einem größeren Lautsprecher niedriger als bei einem kleinen, und daher ist der Wirkungsgrad (= Schalldruck pro Leistung) bei den niedrigen Frequenzen höher.

Eins haben aber alle Bass-Lautsprecher-Systeme gemeinsam: um effektiv zu arbeiten, brauchen sie Gehäusevolumen. Bei einzelnen Lautsprecher-Boxen ist das kein Thema. Bei Combos schon. Da ist das Limit im Volumen konstruktions- und zweckbedingt vorgegeben, da muss sich der Combo-Speaker mit dem begnügen, was da ist. In einer Fullsize-Box wie dieser Trace Elliot 1048H, da können die Speaker so richtig frei atmen, und darum auch viel Strom in Schall umsetzen.

Wat is' denn nu mit die Combos?

Also wenn voller Saft bei optimalem Druck gesucht ist, führt kein Weg an einem Amp und einer oder mehreren Boxen vorbei. Beliebt sind in diesem Fall Amp > 300 Watt und z.B. zwei Boxen [1 x 15"] + [4 x 10" + Hochtöner]. Die '410-er' liefert Punch und Kristall, die 15er Saft im Keller für den Bauch. Schon eine 410er wie die da oben macht enorm Dampf, die reicht schon für fast alles in geschlossenen Räumen.

Wenn's aber gar nicht soooooo dicke sein muss, wenn man einen Amp für den Proberaum und den Club oder die Uni-Mensa braucht, dann sind 200 Watt völlig ausreichend, ein guter 15"-Speaker und eventuell ein guter dynamischer Hochtöner. Da ist ein guter Combo die möglicherweise richtige Wahl: kompakt, gut zu transportieren, und heute gar nicht mehr so boxy und schmal im Sound.

Obwohl: Combos scheinen den Eindruck zu vermitteln, sie seien leichter zu transportieren und handlicher. Bei hoher Leistung. Für einen 60 Watt-Combo mit 12"-Speaker trifft das in gewisser Weise auch zu. Wer jedoch mal einen Peavey TNT150 in's Auto gehievt hat, weiß anderes zu berichten, so mit seinen 50kg ein fettes Teil. Dann kommen ja noch Preise dazu in's Spiel, das macht die Entscheidung auch nicht leichter. Gehen wir lieber von den Einsatzbereichen aus, da bietet sich dann eher eine Argumentation an.

Zu Hause und für kleine Sessions

Angesprochen sind Akustik-Bassisten, Liedermacher-Bands und auch Tanzmucker, zum Teil. Hier reicht der Combo mit 100 oder 150 Watt und 12"- oder 15"-Lautsprecher dicke aus. Für zu Hause zum Üben ist sogar ein 15 Watt-Combo mit 10"-Speaker völlig ausreichend.

Rock, Pop, Prog und Jazz

Wer sich jemals gegen einen Satz Tröten mit dem Bass verteidigen musste, oder gegen einen Brutalo-Drummer, wird die Durchsetzungsfähigkeit und das Fundament einer Amp/Speaker-Kombination zu schätzen wissen. 300 Watt und 4x10" oder 1x15" für das richtige Subsonic-Feel sind hier gute Anhaltswerte. Da reicht dann auch für Amateur-Einsätze beim großen Schützenfest oder für 'normale' Gigs in Kreisstadt-Hallen. Zu Preisen kommen wir gleich.

Metal, Punk, Hard Core

Jo, da wären wir dann schon bei Amps ab 500 Watt, möglichst Röhre, und 2 x 15" oder 2 x 4 x 10". Das geht dann auch schon locker in die Richtung einer Gebrauchtwagen-Anschaffung.

Die Kernargumente

Combos in kleiner Bauform sind zwar leicht zu transportieren, keine große Verkabelung etc. pp., haben aber häufig ein Problem mit Durchsetzungsfähigkeit und Sound, und das ist Bauart-bedingt. Grosse Combos ab 150 Watt und mit 15"-Speaker können da zwar Beträchtliches leisten, der begrenzte Raum im Gehäuse ist aber hinderlich. Da aber nun mal Combos für den Transport gebaut sind, hat aufgrund des Volumens der normale Combo Mankos. Noch ein Argument für Combos ist der Preis. Ein 200 Watt-Combo ist oft schon billiger zu bekommen als ein Amp und eine Box. Das liegt wieder am Material-Einsatz und am Zielpublikum, denn Combos sind das untere Ende des Angebotes, von Geräten wie Workingman's, Roland VS-Serie oder AcousticCube abgesehen. Wenn, dann sind hier Combos wie von Warwick, Peavey oder Laney gemeint. Und ein Combo bleibt ein Combo, er wächst nicht mit.

Eine Kombination Amp + Speaker hat i.d.R. vom Sound-Fundament her und auch hier Bauart-bedingt ein dickeres Fundament und mehr Durchsetzungsfähigkeit. Ich denke, dass für alles Rockige und Fetzige eine Amp/Speaker-Kombination die bessere Wahl ist. Bei Amps fängst das dann im sinnvollen Rahmen mit 300 Watt RMS an, bei reinen Röhren-Verstärkern (nicht nur Röhre in der Vorstuef) können 200 Watt schon mehr als genug sein. Ein 4x10"-Speaker ist eher mitten-orientierter und prägnanter, eine 15"-Speaker-Box liefert mehr unteres Fundament, kann aber für den Proberaum schon zu viel Gebrumme machen. Hinzu kommt Flexibilität. Genug Amp-Power vorausgesetzt liefert die Amp/Speaker-Kombination mehr Flexibilität. Denn man sollte diese Investitionen eher langfristig sehen, und man wächst immer noch. Zuerst ein Amp mit z.B. einer 410er-Box, später dann eine 210er dazu, für die einfachen Einsätze, oder eine 15"-Box für Open Air.

Oder auch einen 2x10"-Combo mit Anschluss für einen externen Speaker (z.B. 15") und genug Power. Aber da wird das nun wiederum teurer als der Amp/Speaker-Ansatz.

Nochmal zu Preisen: meinen Trace Elliot AH300-7 und meine 4x10"-Box habe ich für ca. 2000,-- DM bekommen, liefern zusammen 280 Watt. Bräuchte ich mehr, käme eine 15er oder eine 2 x 10" dazu. Und das reicht.

Fazit

Ich habe den Eindruck, dass Combos im unteren und mittleren Preis-Segment so etwas wie Marketing-Modelle sind, wo mit geringem Aufwand das gerade eben Machbare geliefert wird. Combos, die es tatsächlich mit Amp/Speaker-Kombinationen aufnehmen können, kosten mindestens das Gleiche (Ashdown, Gallien-Krüger, EBS Drome, Workingman's, RedHat, Roland VS etc.).

Es gibt definitiv gute Combos. Ich hätte mich beinahe mal in einen Ashdown verliebt. Über 500 Watt RMS, noch einen 4 Ohm-Ausgang für eine externe Box, der Sound allererste Sahne. Aber da reden wir dann auch schon über 1400, 1500, 1600€. Von Laney gibt es einen 2 x 10" Combo mit 2 x 300 Watt, Biamping (getrennte Endstufen für Bässe und Mitten/Höhen) und allem Schnick-Schnack. Geht dann schon an die 2000€-Grenze. Um gut und satt klingende Combos zu bauen, braucht man gutes Material, gute Elektronik, Neodym-Lautsprecher, hochverdichtete MDF-Platten für's Gehäuse, Dämm- und Versteifungsmaßnahmen. Das kostet alles Geld und Verarbeitungsaufwand.

Wenn irgendwie möglich, würde ich daher immer zu einer Amp/Speaker-Anlage raten, weil mehr Sound, weil kostengünstiger, weil flexibler und weil auch nicht wirklich schlechter zu transportieren. Man kann auch klein anfangen, mit einen guten Amp und erst mal einer 2 x 10"-Box. Das reicht für jeden Proberaum. Geht's dann zum ersten Gig, kommt eine zweite 2 x 10"- oder eine 1 x 15"-Box dazu. Nebenbei ist bei Einzel-Komponenten die Auswahl auch größer.

Gute Combos muss man sich leisten können.

 

 
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