The Bass Collection


Ping!

Was?

Kaum ein Kapitel bei den Spieltechniken geniesst so viel Aufmerksamkeit und zugleich wenig praktische Anwendung wie die Harmonics, die Natural and Artificial Harmonics, die Flageolettes, die Obertöne oder welche Namen es sonst noch gibt. Da muss es eine Unmenge von Leuten geben, die das für das Ultimo des Bass-Spiels halten, und doch dient es nur als Imagefaktor. Die praktische Einsetzbarkeit ist geringst. Aber Ihr habt's nicht anders gewollt ...

Musikalische Physik, 2. Vorlesung, 1. Semester

Ja, klar, jetzt natürlich mal wieder am liebsten drei Griffbrett-Diagramme und ein Kochrezept und abgehakt. Nix da, so billig kommt Ihr nicht davon. Und ich bleibe dabei: wirklich sicher einsetzen und erweitern kann man Techniken erst, wenn man die Zusammenhänge dahinter im Grunde intus hat.

Was sind Harmonics?

Wie schon im Kapitel 'Fretless' begonnen, haben wir uns mit dem Verhalten der Saiten und des Instruments auseinandergesetzt. Wir hatten dort schon angesprochen, dass der Klang und die Dynamik der Töne aus dem Zusammenwirken unterschiedlicher Materialien und den physikalischen Effekten resultiert. Bringen wir eine Saite unseres Basses in's Schwingen (Nich' mit dem Plec, Mann ...), so läuft eine ganze Kette von Dingen ab. Was hier bei dem Thema Harmonics entscheidend ist, ist der Effekt der stehenden Wellen und alles, was mit Resonanz-Prinzipien zu tun hat. Genauer:

Spanne ich eine Saite zwischen zwei Punkten ein und versetze diese Saite in Bewegung, so entsteht auf der Saite eine Schwingung, die von Material, Spannung, Gewicht, Reibungseinflüssen und anderen Faktoren abhängt. Die tiefste Frequenz dieser Schwingung ist die entstehende Grundnote.
Die Schwingung entsteht dadurch, dass der Saite kinetische Energie zugeführt wurde. Man kann sich nun vorstellen, dass diese Energie an den Aufhängpunkten (nämlich Sattel und Bridge) weitergegeben wird, an den Korpus. Dieser wiederum gibt die Energie zum Teil auch wieder an die Saite zurück.
Der Witz ist aber nun, dass der grösste der Teil der Schwingungsenergie gar nicht in den Korpus geht, sondern von Sattel und Bridge reflektiert wird, so wie ein Spiegel Licht oder auch eben Schall reflektiert. Was macht die arme Energie nun? So kann nicht anders als auf der Saite hin und zurückzulaufen, jeweils von einem Ende zum anderen geschickt.
Und nun kommt das Feine: durch die Energie-Reflektionen entstehen auf der Saite stehende Wellen, die die Saite ausser in der Grundfrequenz auch noch zu Schwingungen in gradzahligen Vielfachen der Grundfrequenz bringen (also 2x, 3x, 4x ... etc.). Und das sind die Obertöne der Grundfrequenz.

Sehen kann man so etwas, wenn man in einer Schüssel mit Wasser Wellen erzeugt, z.B. durch Wassertropfen, die man in die Mitte fallen lässt. Auch dann entstehen Wellen und Reflektionen.

Wie die Saite klingt, hängt von der Oberton-Struktur der schwingenden Saite ab. Je mehr und je höher reichend die Obertöne, desto metallischer und brillianter der Klang. Da der Sattel und die Bridge ja die Reflektoren sind, spielt ihr Verhalten auch eine grosse Rolle. Eine Bridge aus Gussmaterial (hart und spröde) reflektiert viel stärker als ein Blechwinkel, in dem die Schwingungsenergie durch innere Reibung verbraten wird. Ein harter Knochensattel reflektiert viel stärker als ein wabbeliges Plastik-Teil. Und an all diesen Stellen muss Reibung vermieden werden, die die Energie schluckt. Darum sind Sachen wir richtig gefeilte Sättel und Auflageflächen auf der Bridge so wichtig.

Und dann ist da noch der Korpus und das Griffbrett und der Hals. Abhängig von innerer Struktur und Härte wird da entweder ebenfalls viel Schwingungsenergie verbraten oder wieder an die Saite übertragen. Und noch weitere viele, viele Einflüsse (Saitenmaterial und -Struktur, Pickups, Anschlagsweise), die bestimmen, welche und wie stark sich die Obertöne ausbreiten und in welchem Verhältnis zueinander.

Was könnte uns das sagen?

Es sagt uns, dass wir mit geschliffenen, drei Jahre alten Saiten, Balsaholz-Korpus und 1.2mm Abstand der Pickups zu den Saiten jeden Oberton umbringen, und auch keine Flageolettes hinbringen. Es sagt uns, dass wir für dieses Thema frische Saiten, ein ordentliches Instrument und Energie brauchen. Sagt es uns, so einfach.

Und was nun mit die Harmonics?

Jede Schwingung, die die Saite ausführt, führt auf der Saite zu Stellen, an denen die Saite ausschwingt oder in der sich Schwingungsbögen treffen, also Schwingungsbäuche und -knoten. Beim Grundton ist das am einfachsten: da schwingt die Saite in der Mitte mit maximaler Auslenkung, an den Enden gar nicht. Der 1. Oberton (Frequenz = 2 x Grundton) hat sein Tal genau in der Mitte der Saite und an den Enden, seine Hügel jeweils ein Viertel von Anfang und Ende der Saite entfernt. Und so weiter und so fort.

Und graphisch sieht das dann so aus:

Nicht schön, aber man erkennt das Prinzip.Schaut man sich jetzt mal genau an, für diese drei Schwingungen, wo die Täler liegen, wird auch schon das Prinzip sichtbar.

So entstehen auf der Saite stehende Wellen mit feststehenden Knoten und Bäuchen, wobei die Abstände zwischen diesen pro Schwingung gleich sind.

Was wir wollen, ist, dass die Saite nicht mehr auf der Grundfrequenz schwingt, nur noch auf Obertönen. Wenn wir das hinkriegen, dann haben wir Harmonics, genauer: Natural Harmonics (weil es Obertöne der ungegriffenen Saite sind), oder: Flageolettes, der klassische Begriff.

Und um das zu erreichen, müssen wir die Saite hindern, auf dem Grundton, oder auch bestimmten nicht erwünschten Obertönen zu schwingen. Das machen wir, in dem wir der ungeliebten Frequenz an den Bauch packen (pfui!!).

Schauen wir uns dazu das Bildchen oben mal an und denken uns die Saite an einer Stelle, sagen wir ein Viertel der Saitenlänge von links, bedämpft. Was passiert? Die Grundschwingung der Saite erwischt's dann, sie wird abgedämpft. Die erste Oberwelle erwischt's auch, denn die hat da sogar ihren Schwingungsbauch. Die nächsthöhere Schwingung hat aber just da einen Knoten, sie wird kaum bedämpft (abhängig davon 'wie breit' die Bedämpfung stattfindet), sie kann einigermassen frei schwingen. Und das ist alles, was passiert: gezieltes Abdämpfen einer oder mehrerer Obertöne durch gezieltes Fingerauflegen.

First natural harmonic, please ....

Wir nehmen unseren Bass, wohlgestimmt, frische Saiten, ordentliches Holz. Wir wollen nämlich gern den ersten Oberton hören, der hat die zweifache Frequenz des Grundtons, welches die Oktave ist. Um zu verhindern, dass beim Anreissen der Saite die Saite einfach auf dem Grundton schwingt, legen wir die Kuppe eines Fingers der Greifhand ganz leicht in der Mitte einer Saite, sagen wir D, auf. Und diese Position ist leicht zu finden: es ist ziemlich genau über dem 12. Bund. Finger leicht aufgelegt. Da lassen, weiterlesen ....

Nun braucht es Energie in die Saite zum Schwingen. Egal wo anschlagen? Nein, das wissen wir jetzt besser. Am günstigsten dort, wo für den gewünschten Oberton ein spaeterer Bauch liegt, denn da wird die Energie gebraucht. Also ein Viertele der Saitenlänge von der Bridge entfernt, an der Mitte zwischen Flageolette-Finger und Bridge. Dort anreissen, dann den Finger wieder weg von der Saite. Na, geht's? Versuchen und Üben.

Was ist passiert?

Wir haben kinetische Energie in die Saite hineingepackt, durch das Anreissen. Da nun aber unser freches Fingerchen an der Stelle, an der die Saite am liebsten kräftig schwingen würde, aufliegt, kann sie das nicht. Aber für die Obertöne geht es, denn die haben an der befingerten Stelle ja einen Schwingungsknoten, wo sich eh nix tut. Und so schwingt die Saite eben auf den Obertönen. Und da die Obertöne mit steigender Frequenz immer schwächer werden, hört man am lautesten den niedrigsten Oberton, und das ist der mit der zweifachen Frequenz des Grundtons.

Damit wäre das Prinzip klar und wir können es ausfeilen.

Next harmonics, please ...

Was uns aber hier schon klar wird (alter Irrtum der Gitarristen):

Die Flageolette-Punkte liegen selten genau dort,
wo die Bünde sind!

Für die Oktave war das so, weil eben der 12. Bund genau in der Mitte der Saite liegt. Für die anderen Schwingungs-Knoten gilt die Zuordnung zu Bünden aber nur bedingt, sozusagen als Orientierung. Nur für wenige Punkte stimmen die Positionen überein, weil die Bundaufteilung ja auf einer prozentualen Einteilung der Saite beruht, nicht auf einer symmetrischen wie bei den Schwingungsknoten.

Nun habe ich lange überlegt, wie ich das graphisch darstelle. Und dann habe ich mich der Hauptdirektive der Gitaristen erinnert: Besser gut geklaut als schlecht gespielt. Auf Dave's Sixstring Page findet sich eine schöne Darstellung der Flageolette-Punkte. Also:

Hier sind die wichtigsten Flageolette-Punkte für einen Sechssaiter, die armen Viersaiter-Bassisten ignorieren einfach die äusseren Saiten.

Wie man sieht, liegen nur die Flageolettes über dem 12., 7. und 5. Bund einigermassen auf gleichen Positionen wie die Bünde. Der Rest liegt deutlich woanders. Nochmals zur Verdeutlichung: Die Bällekes markieren die Schwingungsknoten der jeweiligen Obertöne einer leeren Saite.

Und wenn Ihr nun probiert, diese Töne zum Klingen zu bringen, ein paar Anmerkungen vorweg:

  • Die Harmonics über dem 5. 7,. und 12. Bund gehen eigentlich immer. Der Rest hängt von Saitenzustand, Instrument und auch Pickups ab, wieviel sie dämpfen und was sie an Hochtonbereich aufnehmen.
  • Das Anreissen geht für den Mix an Harmonics am besten so im Bereich des Hals-Pickups oder der Bridge zu. Ausprobieren, Feeling entwickeln.
  • Ansonsten nicht vergessen: Harmonics sind wie Fretless-Spiel eine Menge Übung, Feeling und Erfahrung.
  • Der Anschlag für Harmonics muss erheblich kräftiger sein als standardmässig, um die Saite auch kräftig in Fahrt zu bringen. Nicht zu vorsichtig. Bisschen Power.
  • Die Farbe der Punkte hat eine Bedeutung. Findet Ihr raus, welche?

Soweit zu Harmonics/Flageolettes und wo sie herkommen. Noch ein paar Hinweise, und dann zu den Noten.

Was an Flageolettes so schwierig ist

Das Spielen dieser Flageolettes hat so einige Tücken, und die gilt es zu meistern. Wenn man zum ersten Mal darangeht, funktioniert es oft nicht. Daher ein paar Kommentare und 'Arbeitsanweisungen':

  • Da wir die Saiten mit der unteren Fingerkuppe bedämpfen, passiert auch eine Dämpfung der gesamten Saite. Denn die Fläche, die unser Finger auf der Saite bildet, ist relativ breit (verglichen mit der Breite des Schwingungsknotens). Achtet darauf, das dass Ihr die Saite wirklich nur ganz leicht berührt und nach dem Anreissen den Finger sofort wegnehmt. Wegen dieser grossen Fläche geht es auch mit dem kleinen Finger besser als z.B. mit dem Zeigefinger.
  • Ich würde extensives Nutzen von Flageolettes ein wenig mit dem bundlosen Bass vergleichen. Auch dort hat man höchstens Markierungen für die ungefähre Lage der Noten. Richtig treffen braucht die internalisierte Präzision.
  • Das Anreissen, besser die Anschlagsstelle, ist für die verschiedenen Obertöne unterschiedlich. Daher erfordert es ein wenig Experimentieren und Erfühlen der optimalen Position zum Anreissen. Weil man ja nicht für jeden Flageolette eine andere Anschlagsstelle nehmen möchte, muss man einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden.
  • Diese mitteloptimale Anreissstelle ist auch abhängig vom Instrument. In der Regel findet sich diese entweder im Bereich des Hals-Pickups oder nahe zur Bridge hin.
  • Flageolettes sind übungsintensiv. Lasst Euch Zeit und entwickelt ein Gefühl dafür, ohne Hast. Es wird am Anfang nicht besonders gut klappen, vor allen Dingen bei den Harmonics höherer Ordnung. Das ist so.

So, jetzt aber zu den Noten.

Müsste eigentlich ganz einfach sein

Im Grunde schon, wenn man weiss, welche Intervalle zum Grundton in welchem Verhältnis stehen. Für alle Frequenzen, die ein binäres Vielfaches des Grundtons sind (x2, x4, x8) , ist das easy: das sind Oktaven. Für die anderen Noten brauchen wir etwas Dreisatz und Verhältnisse der Noten.

Also zuerst einmal eine Tabelle der Intervalle und der Frequenzverhältnisse:

Prime Unison

1 : 1

Kl. Sekunde Minor Second

27 : 25

 
Sekunde Major Second

9 : 8

 
Kl. Terz Minor Third

6 : 5

 
Terz Major Third

5 : 4

 
Quarte Perfect Fourth

4 : 3

 
Verm. Quinte Diminished Fifth

64 : 45

Quinte Perfect Fifth

3 : 2

 
Überm. Quinte Augmented Fifth

25 : 16

 
Kl. Sexte Minor Sixth

8 : 5

 
Sexte Major Sixth

5 : 3

 
Kl. Septime Minor Seventh

9 : 5

 
Septime Major Seventh

15 : 8

 
Oktave Octave

2 : 1

 

Einige dieser Intervalle sehen ja nu wirklich ein wenig abartig aus, aber einige kommen den Frequenzverhältnissen unserer Obertöne schon etwas näher, nämlich die in Grün.Lange Rede, kurzer Sinn: Mittels des Dämpfens durch den aufgelegten Finger unterdrücken wir bestimmte Obertöne. Was dann als tiefster Oberton übrig bleibt, ist der Ton, der zu hören ist. Mit der obigen Tabelle und etwas Rechnerei kann man dann auch die verbleibenden Obertöne bestimmen. Da man aber sowieso in der Praxis nicht alle nutzt, hier die wichtigsten vier:

über dem 12. Bund: Oktave

über dem 5. Bund: 2. Oktave (warum????)

über dem 7. Bund: Quinte + 1 Oktave

ca. über dem 4. und 9. Bund: Grosse Terz + 1 Oktave

Und damit kann man dann auch schon was anfangen. Und Ihr könnt ausrechnen, welche Noten das für welche Saiten sind. Und die Farben der Bällekes identifizieren. Viel Spass.

Akkorde mit Flageolettes

Was dann nichts anderes ist als Akkorde, bei denen alle oder einige Noten nicht als gegriffene Positionen, sondern als Harmonics gespielt werden. Da ja unsere Harmonics nicht beliebig verschiebbar sind, sondern auf der Saite feststehen, muss also alles schön zusammenpassen. Beispiel:

Die 12. Bund-Harmonics sind ja Oktaven zu den Grundtönen. Nehme ich die die D- und G-Saite im 12. Bund als Harmonics, so habe ich wieder D und G. Und D und G wiederum sind mögliche Bestandteile eines G5-Akkordes. Sieht dann so aus ('<> kennzeichnet eine Flageolette-Position):

.0.....1.....2.....3.....4.....5.....6.....7.....8.....9.....10....11....12....
G|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|----<|>----|
D|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|----<|>----|
A|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|--G--|-----|-----|-----|
E|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|


Heisst: Wir greifen ein G auf der A-Saite im 10. Bund, halten die Note und bilden auf D- und G-Saite jeweils ein Flageolette dazu, z.B. mit dem Ring-Finger oder dem kleinen Finger.

Der Witz in Akkorden mit Flageolettes ist es gerade, gegriffene Noten und Flageolettes zusammen zu benutzen. Was wiederum voraussetzt, dass die Finger schon ein wenig autark arbeiten können müssen. Wie man das hinbekommt? Ist das eine ernsthafte Frage?

Noch ein wenig mehr? Gut. Interessanter wird es noch, wenn man Akkordfolgen mit Flageolettes spielt: Beispiel hier: 'Hatred', in TAB, Flageolettes sind geklammert:

g ||------(12)-|----(5)-|----(5)-|----(7)-||
D ||--(12)-----|-(7)----|-(5)----|-(7)----||
A ||10--------0|8------8|7------7|6------0||
E ||-----------|--------|--------|--------||

Schön aufpassen mit dem Fingersatz. Haben wollen?

g ||------<4>-|------<1>---|------<1>---|------<4>-||
D ||---<4>----|---<2>------|---<1>------|---<4>----||
A ||<1>------0|<4>------<4>|<3>------<3>|<1>------0||
E ||----------|------------|------------|----------||

Flageolette Line: Hatred MIDI TablEdit  

Und die Systematik an der Geschichte

Die Systematik endet dort, dass man die drei, vier wichtigsten Flageolettes kennen sollte. Danach ersetzt man dann gegriffene Noten durch Flageolettes. Das war's. Eigentlich. Oder doch nicht? Wie ich sagte, die praktische Verwendbarkeit von Flageolettes ist begrenzt. Also zum Schluss noch ein paar Flageolette-Akkorde, an denen man arbeiten und Ideen gebären kann. So als Vorlage für eigene Ideen, oder zum Üben. '#' ist eine gegriffene Note, 'O' ein Flageolette.

A

A7
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|---O---|
A|---|---O---|---|---|---|
E|---|---|--#|---|---|---|
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---|---|---|---|
A|---|---O---|---|---|---|
E|---|---|--#|---|---|---|

A6/9

Asus4
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---O---|---|---|---|
D|---|---O---|---|---|---|
A|---|---O---|---|---|---|
E|---|---|--#|---|---|---|
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---|---|---O---|
D|---|---|---|---|---O---|
A|---|---|---|---|---|---|
E|---|---|--#|---|---|---|

A# maj7

A#6
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---O---|---|---|
E|---|---|---|--#|---|---|
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---|---|---|---|
E|---|---|---|--#|---|---|

B add9

B m7
.....5...6...7...8...9...10
G|---|---|---|---|---O---|
D|---|---|---|---|---O---|
A|---|---|---|---|---O---|
E|---|---|--#|---|---|---|
.....5...6...7...8...9...10
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---|---|---|---|
E|---|---|--#|---|---|---|

C sus2

C 6/9
.....5...6...7...8...9...10
G|---O---|---|---|---|---|
D|---O---|---|---|---|---|
A|---|---|---O---|---|---|
E|---|---|---|--#|---|---|
.....5...6...7...8...9...10
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---O---|---|---|
E|---|---|---|--#|---|---|

C maj7/6

D
.....5...6...7...8...9...10
G|---|---|---|---|---O---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---O---|---|---|
E|---|---|---|--#|---|---|
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---|---|---O---|
D|---|---|---|---|---O---|
A|---|---|--#|---|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|

D sus4

D 6
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|--#|---|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---O---|---|---|---|
D|---|---O---|---|---|---|
A|---|---|--#|---|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|

D# maj7

B/D#
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---|--#|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|
.....3...4...5...6...7...8
G|---|---O---|---|---|---|
D|---|---O---|---|---|---|
A|---|---|---|--#|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|

E sus2

E 7/4
.....5...6...7...8...9...10
G|---|---|---|---|---O---|
D|---|---|---|---|---O---|
A|---|---|--#|---|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|
.....5...6...7...8...9...10
G|---|---|---O---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|--#|---|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|

E m7

F sus2
.....5...6...7...8...9...10
G|---O---|---|---|---|---|
D|---O---|---|---|---|---|
A|---|---|--#|---|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|
.....5...6...7...8...9...10
G|---O---|---|---|---|---|
D|---|---|---O---|---|---|
A|---|---|---|--#|---|---|
E|---|---|---|---|---|---|

So, das sollte als Anregung erst einmal reichen. Wer tiefer in das Thema hinein will: es gibt auch zu diesem Thema mittlerweile Bücher und Videos. Umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben ...

Zum Schluss: Natural vs. Artificial

Während die Natural Harmonics auf den ungegriffenen Saiten entstehen, entstehen dann die Artificial Harmonics auf gegriffenen Saiten. Aufgebracht hat diese Technik (wer sonst?) Jaco Pastorius. Nicht, dass er es erfunden hätte, aber ...

Man kann jede Saite in Oberton-Schwingungen versetzen, indem man sie in einem Schwingungsbauch dämpft. Am besten geht das in der Mitte der schwingenden Saite. Also muss das nicht nur bei leeren Saiten möglich sein. Erst mal theoretisch:

Schritt 1: Greifhand greift Note.

Schritt 2: Da wir die Dämpfung der Basis-Note mit der Greifhand nun nicht machen können, muss was anderes her (Na na na, ... die Idee ist vielleicht was für Punk-Bands ...). Es ist die Anschlagshand. Genauer: der Daumen oder der Zeigefinger der Anschlagshand.

Schritt 3: Bevor wir die Saite z.B. mit dem Mittelfinger oder dem Zeigefinger anreissen, legen wir den dämpfenden Finger leicht auf die Saite, und zwar in der Mitte der gegriffenen Saitenlänge. Wo liegt die? Jau, (Greifposition + 12 Bundpositionen) / 2 höher. Und dann schlagen wir die Saite mit einem restlichen Finger der Anschlagshand an.

Der Gag hier ist, dass diese Flageolette-Funktion ja nun auch wieder an einem Schwingungsbauch der Saite ansetzen muss. Da sich aber mit dem Greifen verschiedener Noten auf einer Saite auch immer die aktive Saitenlänge ändert, wandern auch die Flageolette-Punkte auf N + 12 Bundpositionen. Wo ein Knoten für's A lag, muss er für's B noch lange nicht liegen.

Und so sieht das praktisch aus (ich hatte mir auch vorher die Hände gewaschen), AH = Anschlagshand, GH = Greifhand:

Nennen wir dies mal die Steve Bailey-Technik. Gegriffen im 7. Bund, dämpft der Zeigerfinger der AH im 7+12=19. Bund. Anschlag erfolgt hier mit dem Ringfinger der AH (fällt mir leichter).
Gleiche Positionen, aber Anschlag mit dem Mittelfinger (fällt mir schwerer ...). Die verkrampfte Handhaltung dient dem Sichtbarmachen, normal spiel' ich anders ...

Das ist die Jaco Pastorius-Technik. Hier erfolgt das Dämpfen mit dem Daumen und der Anschlag kommt über den Zeige- oder Ringfinger der AH. Ob die SB- oder JP-Technik, muss man für sich selbst entscheiden. Mir persönlich zum Beispiel liegt die JP-Methode besser. Die SB-Technik ist wiederum für Akkorde aus Artificial Harmonics günstiger, was Jaco so nicht macht, ..., und überhaupt ...

Akkorde aus Artificial Harmonics? Klar, ey ...

Greifen im 5. Bund A-Saite Abdämpfen im 5+12=17. Bund, Anschlag, klingenlassen!
Greifen im 7. Bund D-Saite Abdämpfen im 7+12=19. Bund, Anschlag, klingenlassen!
Greifen im 7. Bund G-Saite Abdämpfen im 7+12=19. Bund, Anschlag!

Artificial Harmonics erfordert eine ganze Menge Übung. Ich halte sie aber auch für noch weniger nützlich als Natural Harmonics. Es sind so Gimmicks, mit denen man Eindruck schindet. Und wenn man einen Song im Set hat, der mit NH arbeitet, kann man das Thema auch schon für die anderen Songs vergessen.

Na ja, wenigstens haben wir das Thema im Grunde abgehakt.

 
©Rainer Böttchers, 1998-2006      Impressum/Credits & Maintainer