Moon over Bourbon Street


Gordon Matthew Sumner (02.10.1951 - )

Der Musiker und Schauspieler Gordon Sumner, besser bekannt als Sting, wurde in Wallsend, Newcastle-upon-Tyne, England geboren. Seine Mutter war Pianistin und brachte ihn daher schon früh mit der Musik in Kontakt. Nach diversen anderen Versuchen gründete er 1977 die Band The Police, einer der erfolgreichsten Pop-Bands in der Geschichte. Nach diversen Alben und einer Riesen-Welttour stieg er 1984 aus. Das war das Ende von The Police, und der Beginn seiner Solo-Karriere.

Sein Job als Schauspieler begann 1979 mit dem Film Quadrophenia, er tauchte auch als Feyd-Rautha im legendären Film Dune (1984) auf. Als Schauspieler war Sting aber nie wirklich erfolgreich.

Von seinen Solo-Alben war für mich das 1985er Debut-Album The Dream Of The Blue Turtle mit den Stücken Russians, Moon Over Bourbon Street und We Work The Black Seam immer das Highlight, knapp gefolgt von Soul Cages, ein sehr persönliches Album, entstanden nach dem Tod seines Vaters.

Moon Over Bourbon Street ist laut Stings eigener Aussage nach einer Sendung der BBC über Jack The Ripper entstanden.

Sting's Internet-Site

Einen ham'mer noch

Für The Dream Of The Blue Turtle hatte Sting sich eine Schar hochkarätiger Musiker zusmmen gesammelt, von denen die meisten im Jazz zuhause waren. Und so kommt auf dieser Scheibe eine wundersame Mischung aus Jazz und Pop-Musik zusammen, die ihre ganz eigene Faszination hat. Ich möchte hier dieses Stück nutzen, um noch einmal eine kleine Übung für Notation zu liefern, und dann hat man gleich einen Song, den man auch spielen kann, wenn der Drummer krank ist, oder noch nicht ausgenüchtert.

Moon over Bourbon Street Sting

Ziel ist, das Stück zu transkribieren und die Basslinie in Standardnotation umzusetzen. Um das Stück zu transkribieren, bin ich hier mal von der Basslinie ausgegangen, daraus ergeben sich dann sehr einfach die Akkorde. Die Basslinie selbst ist (für uns Jazzer ) simpel, aber effektiv. Sting hat sich für diesen Song einfach an eine eingefärbte ii-V-I-Kadenz gehalten, eine Tritonus-Substitution dazu und den Chorus als i-IV ohne Auflösung über die Dominante. So einfach und überschaubar kann Songwriting sein. Moment mal, ich glaube, da klopft die Jazz-Polizei an der Tür ...

Demnach steht das Stück in F-Moll, was vier Bs als Tonart in der Notation heißt. Spielen wir testweise einfach mal F-Moll auf dem Instrument, bekommen wir als Noten

F - G - Ab - Bb - C - Db - Eb - F        

Aha, da sind sie also. Das können wir gleich auf's Blatt übernehmen. Der Rest ist Handwerksarbeit.

Noch ein Hinweis an dieser Stelle

Ich würde empfehlen, sich wirklich nur die textliche Transkription zu nehmen, das Notenpapier dazu und ohne Instrument, nur im Kopf zu schreiben. Dies hier ist eine Übung! Noch etwas als Anmerkung: Misty war in Eb-Dur, hatte drei Bs, nämlich Eb, Bb und Ab. Hier ist es F-Moll, vier Bs = Ab, Bb, Db und Eb. Auch dieses merken. Sehen wir in Zukunft drei Bs, wissen wir: aha, Eb-Dur.

Zur Tat

Aber nicht schummeln! Erst selbst schreiben, und dann nachschauen. Hier ist meine Version. Schwierigkeiten mit den Passing Notes gehabt? Ich auch. Daher diese weitere Anmerkung:

  • Brauchen wir Passing Notes, also chromatische Auf- und Abgänge und liegen diese in der Gegend unserer Leiter-spezifischen Noten (hier Ab, Bb, Db und Eb), so müssen wir einen Trick anwenden. Wir sollten die general-versetzten Noten nur dann anfassen, wenn es nicht anders geht. Und sonst die Finger davon lassen. Denn sie sind ja die, die unsere Tonart ausmachen. Für C-Dur und A-Moll gilt das allerdings weniger. Anmerkung zur Notation

Zum ersten Mal tritt das Problem in Takt 4 auf, der chromatische Abgang zum Db im Takt 5. Das F ist noch als Tonika in Ordnung. Nun kommt in Beat 2 ein E, ..., hm, das haben wir aber nicht mehr, das ist jetzt ein Eb geworden. Wir könnten nun das Eb durch ein Aufhebungszeichen wieder zum E machen, wäre aber unübersichtlich (weil wir in F-Moll sind und immer ein Eb spielen, wo wir innerhalb eines Taktes ein E sehen). Stattdessen machen wir jetzt ein F mit einem b zum Fb. Und Fb ist enharmonisch gleich E. So haben wir das leiterspezifische Eb nicht angepackt, und doch die gewünschte Note bekommen. Beat 3 darf das Eb bleiben. In Beat 4 haben wir wieder das gleiche Prob. Hier haben wir aber keine Möglichkeit zur enharmonischen Verwechselung, wir könnten zwar das C mit zwei # vergewaltigen, aber das wäre noch blödsinniger. Also beißen wir in den sauren Apfel und das Db bekommt ein , und es bleibt das D übrig. In Takt 5 beginnt ein neuer Tag und das Db bleibt wie es ist.

In Takt 7 kommt die D/Db-Situation wieder auf. Gleiche Lösung wie zuvor. Eine kleinere weitere Abweichung in Takt 13: das G# vom Beat 2 muss für den Beat 3 das Auflösungszeichen bekommen, innerhalb eines Taktes gelten ja #s und bs sonst weiter. Hier noch ein kleines MIDI-File zum Üben.

Moon over Bourbon Street (ohne Bass)

Alles klar? Schön. Noch einen? Ich suche mal was raus, ein bisschen schwieriger. Aber nicht zu schwierig.


Ein geneigter Leser informierte mich über einen Kommentar seines Musiklehrers, dass man in einer Notation bevorzugt die Versatz-Symbole benutzt, die die Tonartangabe verwendet. Also hier würde man in Takt 13 kein Kreuzchen verwenden, sondern die Noten nur mit einem 'b' versetzen. Ich habe nachgeforscht und festgestellt, dass dies nicht einheitlich gehandhabt wird, sondern so bevorzugt bei klassischen Musikern. Jazzer und Popper/Rocker verwenden auch in einer Kreuzchen-Tonart b oder in einer b-Tonart Kreuzchen. Wollte ich nur drauf hinweisen.

 
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