|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
und das Ganze als MIDI-Version:
Damit hätten wir dann alles zur Hand, was wir brauchen. A different approachDie ersten Annäherungsverfahren a) Grundnoten, b) Grundnoten+Quinten, c) Akkordnoten sind bekannt und natürlich wieder so anwendbar. Die Hauptarbeit ist der Übergang zur Walking Bassline. Bisher haben wir gerne erst eine harmonische Analyse gestartet, daraus entsprechende Modes resp. Leitern abgeleitet und daraus folgend die Basslinie entwickelt. Es geht aber auch anders, nämlich in die Richtung, dass wir das Stück erst als solches nehmen und unsere Ohren entscheiden lassen. Und diesen Weg würde ich auch einmal empfehlen zu gehen. Er wird in den meisten Fällen, nicht für jeden, an ein paar Stellen auf's Glatteis führen. Sehen wir im Leadsheet zum Beispiel ein Dm7, liegt uns die äolische Leiter zu Füßen, scheint es. Doch genau das sind die Stolpersteine, denn ein m7 steht ja auch mal auf der 2. Stufe einer Dur-Kadenz, wo dann Dorisch mit seiner großen Sexte angesagt wäre. Was machen wir mit einem A7b9? Was ist denn zum Teufel ein G7+? Und was spielt man darüber? Wo wir irgendwann mal hinkommen möchten, wäre die Fähigkeit, ein im Grunde beliebiges Stück nur mittels Leadsheet plus vielleicht Jam-Track zu erarbeiten. Ein sicher hehres Ziel, aber auch nicht einfach zu erreichen. Noch einmal, weil's wichtig ist: unsere wichtigste Referenz ist unser Gehör, zu hören, und idealerweise im Voraus zu erahnen, welche Note nun passt und welche nicht. Können wir das an einer Stelle nur unsicher, haben wir immer noch unsere Notbremsen: Grundnoten und Grundnoten+Quinten, die können wir mit relativer Trefferwahrscheinlichkeit erwischen. Natürlich kommt am Ende noch eine harmonische Analyse, bin ich Masochist genug. Aber versuchen wir doch erst einmal Freiflug. Dazu nehmen wir uns hier in schriftlicher Form mal die einzelnen Akkorde und denken ein wenig drüber nach.
Klar, wo der Hund lang läuft? Entweder ich weiß einigermaßen, was los ist, wie beim F7 oder beim Em7b5, oder ich ziehe mich auf die sichere Seite zurück, wie beim Cm7. Aber ich könnte eventuell ja auch sehen, dass, wenn Cm7 die ii ist, und F7 die V, dann ist das ii-V für Bb-Dur. Wobeo Bb auch unsere Haupt-Tonika ist. Ergibt für den Cm7 eben nicht Äolish, sondern korrekterweise Dorisch. Hieße dann:
Weiter im Text.
Das mit dem vorausschauenden Erkennen von ii-V-I ist so etwas wie
das Abschwingen beim Buckelpisten-Fahren, dauert etwas, bis man
es drauf hat, aber dann rettet es einen zuverlässig.
Takt 12 ist erst einmal rätselhaft. Aber auch recht ungefährlich, da wir pro Akkord nur zwei Noten unterbringen können. Was mir aber schon die ganze Zeit fehlt ist der empörte Aufschrei. Na, nicht aufgepasst? Die Jazz-Polizei ist ruhig geblieben und sitzt immer noch entspannt mit dem Bier in der Hand am Tresen. Na, dann muss ich mal wecken.
Richtig! Auf der 5. Stufe in Dur steht der 7-er Akkord. Auf der 5. Stufe in Moll stünde aber ... m7. Wieso ist dann hier immer ein 7 zu finden, und nicht der m7, der doch harmonisch korrekt wäre? Ich sage nur: Zwischendominante. Alter Jazzer-Trick. Der m7 klingt in der Kadenz nicht besonders aufregend. Also machen wir an dieser Stelle etwas. Wir fügen vor der Auflösung in die Moll-Tonika eine Zwischendominante ein. Die Zwischendominante ist der Dominantsept-Akkord zur kommenden Tonika. Kommende Tonika ist aber den Quintfall entfernt. Damit ist der Grundton des Akkordes der Zwischendominante mit dem Grundton des 'harmonisch korrekten' Akkordes auf der 5. Stufe identisch. Anders formuliert: es klingt besser, wenn wir statt des m7 in ii-v-i als Dominante den 7-er-Akkord verwenden und ii-V-i spielen. Wir ersetzen den v durch die Zwischendominante V. Erwischt! Gehen wir weiter.
Also Takte 12 und 13 müssen wir uns explizit vornehmen. Später.
Mit dem G7+ muss man etwas herumprobieren. Und sich erst einmal auf's Gehör verlassen. Dann kommt dabei heraus, dass diese Leiter hier tatsächlich passt.
Was ist das? 1-2-3-4-5-b6-b7-1. Das ist nix Geringeres als Mixolydisch mit einer b6. Und da b6 = #5 ist, und G7+ = G7#5 = G7b13, ist es alles plausibel und logisch. Hinterher. Chord/scale relationship funktioniert doch. Nennen wir es Mixolydisch#5, oder Mixolydisch b13. Harmonische Betrachtung sparen wir uns hier. Übrigens kann ein 7+ auch Dom7-alteriert genannt werden, und dann als z.B. G7alt notiert werden. G7+, G7#5, G7b13, G7alt, alles mögliche Bezeichnungen. Alteriert trifft es am besten, denn dieser Akkord tritt bei den Stammtonleitern nicht auf, er ist ein synthetisches Produkt im Jazz.
Das war ja einfach.
Das macht Spaß, da braucht man nicht viel zu überlegen.
Nette Abwärtsbewegung, die uns wegen der geketteten ii-V wenig Überlegung kostet, da sie sich nie auf die jeweilige Tonika auflöst. Ein wenig kniffelig kann, kann eben nur, die b9 sein. Manchmal klingt sie, manchmal klingt auch nur die 2 besser. Mitgekommen?Hier auf dem Papier, öh - Bildschirm, ist das die eine Sache. Das MIDI-File nehmen, in einem Player laden und langsam und gemächlich abspielen, hinhören, was die Akkorde sind und wie sie klingen, das ist des Pudels Kern. Zwar haben wir nun die harmonische Analyse fast schon intus. Grundübung war und ist aber, den Akkorden und ihrem Ablauf hinterher zu hören und ein Feel dafür walten zu lassen, was passt und was passt nicht. Und noch etwas. Nachdem wir die Regel 1-auf-1 ja nun massenhaft hatten (Grundton des Akkordes auf Beat 1 eines jeden Taktes), ist das für solche Fälle, wo zwei oder sogar mehr gleiche Akkorde in aufeinander folgenden Takten auftreten, nicht ganz so glücklich. Und diese Fälle haben wir bei SBS direkt mehrfach. Darum wollen wir für diese Fälle nun eine Ausnahmegenehmigung bei der Jazz-Polizei einholen.
Und das hilft uns, solchen Akkordketten etwas von ihrer Statik zu nehmen.
oder auch
Man sollte trotzdem darauf achten, dass auf den Beat 1 des Folgeakkords in allen Fällen ein 'starker' Akkordton landet, z.B. Terz oder Quinte. Eine ausnotierte Basslinie habe ich glücklicherweise und ganz zufällig parat. Da kommen natürlich auch an einigen Stellen Durchgangsnoten zum Einsatz, Arpeggios und Leiterteile. Ach ja, genau, sich eine Basslinie mal ganz ausführlich und bewusst auszunotieren, hilft auch dem Verständnis.
Zuletzt nun im Kurzabriss (wie immer ohne Gewähr): Harmonische Analyse
Dur/Moll-Wechsel ist ein weiterer Trick aus der Songwriter-Kiste. How to continue?Die nächsten zwei Stücke stehen schon fest. Zuerst ein wenig Entspannung mit der Jazz-Version eines Folkrock-Songs einer britischen Band, deren Frontmann auf einem Bein stehend und mit Querflöte bekannt wurde, und das etwas mit Zuhause zu tun hat. Danach wieder ein Standard über den Tanz von Tieren, die manche Leute immer noch für Fische halten, die aber Säugetiere sind. Und der Komponist wird von den Franzosen 'erbie 'ancock genannt. Und dieses Stück ist Stella By Starlight und zwei Schüppchen drauf. Na denn Prost. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
©Rainer
Böttchers, 1998-2006 Impressum/Credits
& Maintainer |