Summertime


George Gershwin (1898 - 1937)

Geboren in Brooklyn am 26. September 1898, gestorben in Hollywood am 11. July 1937. Über Gershwin etwas halbwegs Vollständiges zu schreiben ist eher schwierig, zu umfangreich war sein Schaffen und seine Bedeutung für die Jazz-beeinflusste populäre Musik.

Gershwin war eigentlich Autodidakt, begann als Begleitmusiker und arbeitete in amerikanischen Musikverlagen. Schon als Teenager fing er an populäre Songs zu schreiben und produzierte von 1919 bis 1933 eine Reih erfolgreicher Musicals (1924: Lady, be Good!, 1926: Oh, Kay!, 1927: Strike up the Band, 1927: Funny Face, 1930: Girl Crazy etc.). Die Texte schrieb meistens sein Bruder Ira. Bekannt wurde Gershwin ab 1924, als er Rhapsody In Blue schrieb, ein Konzert für Piano und Paul Whiteman's Jazz-Combo. Dieser Erfolg führte ihn dazu ernstere Kompositionen in Angriff zu nehmen. Dazu gehören das Piano-Konzert in F (1925) und das Musikalische Gedicht An American in Paris (1928). Er arbeitete aber auch weiter für das Musiktheater, in diese Zeit fielen auch weitere seiner ganz großen Erfolge (Strike up the Band, Girl Crazy, Of Thee I Sing). 1934 bis 1935 schrieb er Porgy and Bess, eine Adaption des Romeo&Julia-Themas im schwarzen Amerika. Obwohl es damals am Broadway kein so großer Erfolg war, hat sich dieses Musical über die Jahre zu einem seiner bekanntesten Werke gemausert. Charakterisch für Gershwin war die Synthese zwischen Jazz und Klassik und die Einbeziehung schwarzer Einflüsse. Ab 1936 arbeitete Gershwin in Hollywood und schrieb Filmmusik.

Gershwin war ein sehr sensibler Songwriter und hat für die Integration der Musik der Schwarzen viel geleistet. Er starb 1937 an einem Gehirntumor.

(Mehr und weitere Details)   

George Gershwin (links) und sein Bruder Ira

Warum nun gerade dieser alte Shantie? Erstens ist es ein sehr bekanntes Stück, zweitens gut dokumentiert und drittens mag ich es einfach sehr. Und es ist kein so typisches Jazzer-Stück. Rhapsody in Blue ist auch schon seit meiner frühen Jugend eines meiner Lieblingsstücke. Nun gut, das Stück ist mal einfach etwas simpler gestrickt. Dachte ich erst .... ?

Summertime

Ich habe kaum einen bekannten Namen gefunden, der das nicht gemacht hat. Dabei tauche auch ganz unerwartete Namen auf: Stevie Wonder, Peter Gabriel, George Benson, Louis Armstrong und Sarah Vaughn passen natürlich sonst auch hervorragend. Vom Arrangement her finde ich die Version von Glen Miller einen Knaller. Man muss aber wirklich mal im Detail zuhören, was Miller dort für Kunststückchen untergebracht hat:

Summertime Glen Miller Orchestra

Mal abgesehen von diesem amerikanischen Schmalz: ist die Anwendung von Arpeggios als Turnaround aufgefallen? Und schon mal ein Posaunen-Arpeggio gehört? Finde ich genial. Ach ja, Gershwin ist angesagt, nicht Miller.

Chordchart(s)

Welches denn nun? Man findet defacto bald ein Dutzend verschiedener Listen an Changes, angefangen von der Originalversion über eindeutig Jazz-berauschte bis hin zu Pop-Versionen. Hier auf der rechten Seite zur Einstimmung eine Version, die dem Original ziemlich nahe kommt:

Die hat aber für unsere Zwecke und Ziele nicht so viel Sinn, weil sie eher auf die Begleitung und ein Piano orientiert ist. Wie nehmen eine etwas andere, nämlich die von SongTrellis, da haben wir gleich ein MIDI-File dabei, das wir in TablEdit importieren und adaptieren können:

Summertime (G. Gershwin):

It's quite simple

Summertime gehört bei den Standards in die Kategorie "Play it, or leave it", fordert uns nicht besonders viel ab, da es nicht die Komplexität anderer Standards hat, und wir kommen mit einem Satz an Grundnoten und Quinte durch. Es steht also nicht die harmonische Analyse im Vordergrund, sondern auch einmal einfach nur das Bewältigen des Stücks während der nächsten Audition.

Nehmen wir uns unser Leadsheet, schauen uns die Akkorde an, wählen des todsichere Mittel Grundnoten + Quinten oben/unten, passen aber schön auf #5 oder b5-Akkorde auf. Dat Janze in Vierteln gespielt gibt ein leichtes Swing-Feel ...

Summertime + Base-Bass (G. Gershwin):

Oder als Walking Bass Line ...

Das Vorgehen unterscheidet sich in nix von den vorherigen Stücken: was ist der Akkord im aktuellen Takt?
Frage #1: Dur oder Moll?
Frage #2: Gefährliche Alterationen?
Frage #2: Reicht ein gebrochener Akkord = Argeppio nicht eventuell völlig aus?

Und mit diesem Kochrezept habe ich mir es dann ganz einfach gemacht, Nachbauen ist empfohlen:

Summertime + WBL (G. Gershwin):

Zwei Anmerkungen gibt es doch: 1.) dass man Walking Bass Lines nicht nur aufsteigend aufbauen kann, sondern auch absteigend, und 2.) dass die Methode 'Akkord nehmen und als Arpeggio spielen' sehr zuverlässig hinhaut.

Hm, war wohl nicht der Knaller. Na gut, nehmen wir etwas anderes ...

 
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