The Bass Collection


Wie, Ihr könnt den Titel nicht lesen? Es ist Klingonisch und heisst 'Rhora Pente'. Es geht in diesem Kapitel hier nämlich um die 5 . Genauer gesagt, geht es um die Pentatonik. Kann man das essen? Ist das giftig?

Pentatonische Tonleitern sind Tonleitern mit fünf Stufen. Und diese spielen in Blues, Rock und Pop eine gewichtige Rolle. Diese Tonleitern haben auch etwas mit Akkorden zu tun, denn sie bestehen aus den wichtigsten Noten für Akkorde, ist aber ein wenig Interpretationssache.

Die beiden für uns an dieser Stelle und in diesem Zustand interessanten pentatonischen Leitern sind die Blues- oder Minor- und die pentatonische Dur-Leiter. Sie gehen vom Grundton aus und verwenden aus den beiden Basis-Leitern Ionisch und Äolisch nur Stufen, die nicht Halbtonschritte sind. Am besten kann man sich das mit einem Bildchen vom Griffbrett vorstellen:

G ---|----|----|----|----|----|----|
D ---|----|-b7-|----|-1--|----|----|
A ---|----|-4--|----|-5--|----|----|
E ---|----|-1--|----|----|-b3-|----|


Pentatonische Moll-Leiter

 

G ---|----|----|----|----|----|----|
D ---|--6-|----|----|--1-|----|----|
A ---|--3-|----|----|--5-|----|----|
E ---|----|--1-|----|--2-|----|----|


Pentatonische Dur-Leiter

Und diese beiden Dinger haben den Vorteil, dass sie in so ziemlich allem verwendbar sind, was mit Rock und Pop zu tun hat. Damit spielen die Guitarreros ihre berühmten Solos (es soll auch welche geben, die das eben nicht tun), und in Rock und Blues lässt sich auch für einen Bassisten damit arbeiten. Die nun zu erwartende kritische Frage: Was hat das mit Akkorden zu tun?

Äh, ..., Hm, ... Antwort (einfach): Erstens ist beiden pentatonischen Leitern gemeinsam, dass sie keine Halbtonschritte beinhalten, sondern mindestens Ganztonschritte. Das bestätigt unsere Regel aus den Akkorden, dass die kleine Prime, die minor 2nd, vermieden werden soll. Zweitens beinhalten beide Leitern die charakteristischen Noten der Grundakkorde der zugehörigen Siebenton-Leitern Äolisch und Ioning: Dur und Moll. Und ansonsten wenig.

Na und ... ? Ich habe nie behauptet, Akkorde würden alle Fragen beantworten.

Minor Pentatonic Scale

Das erste Griffbrett-Diagramm ist eine pure lütte Penta-Linie. Diese lässt sich erweitern, indem man nach Erreichen der Oktave das Spielchen noch einmal weitertreibt und unten herum noch ein bisschen dranpappt. Dann gehts mit der gleichen Linie einmal quer über's Brett:

G -|----|----|-b3-|----|-5--|----|----|
D -|----|----|-b7-|----|-1--|----|----|
A -|-b3-|----|-4--|----|-5--|----|----|
E -|-b7-|----|-1--|----|----|----|----|


Full Minor Pentatonic Scale

An dieser Stelle ist es sinnvoll, sich mögliche Fingerings (Fingerpositionen, Griffmuster) anzusehen. Das obige Pattern ist kaum mit einer statischen Handposition zu machen, also ist Lagenwechsel angesagt. Damit könnte ein Fingering so aussehen ('>' = rutschen):

(Fingerpositionen! 1 = Zeigefng., 3= Ring-Finger)

G -|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|
D -|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|
A -|-(1)-|-----|-(3)-|-->>-|-(3)-|-----|-----|
E -|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|-----|-----|

Bass in die Hand! Nachspielen! Aber zackig! Dann das Gleiche absteigend. In diesem Fall aber ergibt sich ein feiner Unterschied:

G -|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|
D -|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|
A -|-(1)-|--<<-|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|
E -|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|-----|-----|

Passing Notes in der Minor Penta Scale

Wie schon bei den Akkorden, wird auch in der PentaScale gern und häufig auf Passing Notes zurückgegriffen, eben nicht als stehende Noten, sondern als kurze Übergänge. Hier zuletzt dieser Teil mit Passing Notes:

G -|----|----|-b3-|----|-5--|----|----|
D -|----|----|-b7-|-7--|-1--|----|----|
A -|-b3-|----|-4--|-b5-|-5--|----|----|
E -|-b7-|-7--|-1--|----|----|----|----|


Full Minor Pentatonic Scale

Minor Pentatonic Scale in der praktischen Anwendung , und Power Chords, und ein bisschen Phasierung:

Ex #1: FP Minor PentaScaling: MIDI TablEdit

(Obwohl diese Linie im Grunde gar nicht schwierig ist, wird es mit der Ein-Finger-Anschlagtechnik schwierig. Erst ab zwei Fingern geht es flüssig. So kommt alles zusammen ...)

Dur-Pentatonik

Zurück zur Theorie. Ihr solltet Euch noch an die Modes erinnern, und an den Quintenzirkel. Die Natürliche Moll-Tonleiter, die Äolische Leiter, ensteht als Untermenge der Dur-Leiter auf der 6. Stufe der Dur-Leiter. Das hiess ja auch, dass sie auch wieder nur Noten enthält, die auch in der Dur-Leiter enthalten sind. Und: der Äolische Mode ist sozusagen 'in der Ionischen enthalten', und natürlich auch umgekehrt. Zu kompliziert? Sehen wir uns das für C-Dur und A-Moll auf dem Griffbrett an:

0....1....2....3....4....5....6....7....8....9
G |----|----|----|-B--|-C--|----|-D--|----|-E--|
D |----|----|-F--|----|-G--|----|-A--|----|----|
A |----|----|-C--|----|-D--|----|-E--|----|----|
E |----|----|-G--|----|-A--|----|-B--|-C--|----|


Ionisch und Äolisch auf dem Griffbrett

Gezeigt sind die Noten von C-Dur auf allen vier Saiten. Die Noten von A-Moll pentatonisch in Blau sind nicht nur darin enthalten, sondern wir können darin auch das Moll-Pentatonik-Schema von oben wiedererkennen. Und so kann man die Dur-Moll-Parallität auch tatsächlich sehen.

Das noch mal am Rande. Aber eigentlich wollten wir uns die pentatonische Dur-Leiter zu Gemüte führen. Dieses Schema finde ich am einfachsten und auch vom Fingering her übersichtlich:

G -|----|----|----|----|----|----|----|
D -|----|----|----|-1--|----|----|----|
A -|----|----|----|-5--|----|-6--|----|
E -|----|-1--|----|-2--|----|-3--|----|


Basic Major Pentatonic Scale

Nun kann man das wieder wie bei der Minor Pentatonic unten und oben fortsetzen, so dass sich diese Linie über das Griffbrett ausweitet:

G -|----|----|----|----|----|-5--|----|-6--|----|
D -|----|----|----|-1--|----|-2--|----|-3--|----|
A -|----|----|----|-5--|----|-6--|----|----|----|
E -|----|-1--|----|-2--|----|-3--|----|----|----|


Full Major Pentatonic Scale

Fingersatz nach meinem Gusto dazu? Bitte scheen ...

G -|-----|-----|-----|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-----|
D -|-----|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-->>-|-(3)-|-----|
A -|-----|-----|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-----|-----|-----|
E -|-----|-(1)-|-----|-(3)-|-->>-|-(3)-|-----|-----|-----|

Abwärts könnt Ihr das ja nu selber.

Wäre da noch ...

Das Thema Passing Notes. Fast hätte ich es vergessen.

G -|----|----|----|----|----|-5--|-b6-|-6--|----|
D -|----|----|----|-1--|----|-2--|-b3-|-3--|----|
A -|----|----|----|-5--|-b6-|-6--|----|----|----|
E -|----|-1--|----|-2--|-b3-|-3--|----|----|----|

Achtet übrigens mal auf Lagenwechsel und Notenvorrat an dieser Stelle. Mit der One-Finger-Per-Fret-Methode habt Ihr mit nur zwei einfachen Lagenwechsel fast zwei Oktaven im Griffbereich. Wobei ich noch dazu sagen muss, dass ich mit meinen relativ schmalen Händen unterhalb des 5. Bundes mit dieser Methode so meine Probleme habe und daher den Ringfinger selten benutze. Ab dem 5. Bund aber hat diese Greiftechnik dann doch so ihre Vorteile.

Noch'n Gedicht:

Ex #2: FP Major PentaScale: MIDI TablEdit

Der Rest ist Üben, Improvisieren, Jammen

Die pentatonschen Moll- und Dur-Leitern werden auf dem Bass gern und häufig verwendet, Hörbeispiele gibt es in Hülle und Fülle. Spontan fallen mir dazu an Stücken ein:

Jethro Tull: A New Day Yesterday (eine sehr schöne und prägnante Bass-Linie)
Bouree (eine Walking Bass Line im Dur/Moll-Wechsel)
Led Zeppelin: Ramble On (Tatsächlich eine Pentatonik in Dur)
Metallica: King Nothing (Eine rudimentäre Moll-PentaLinie mit Passing Notes)
Beatles: Come together (Ja, auch hier kommt man mit fünf Noten aus)

Allerdings reicht die Pentatonik gerade in modernen Stilen nicht mehr aus. Da braucht man dann noch einige andere Konzepte.

 
©Rainer Böttchers, 1998-2006      Impressum/Credits & Maintainer