| Fazit: |
Der
SWR 750x kostet ein Schweinegeld und er arbeitet nur im Mono-Betrieb.
Das sind die Nachteile. Alles andere an diesem Amp finde ich schlicht
großartig. Er hat einen enorm klaren und druckvollen Ton, eine
umfangreiche Ausstattung, er ist für die allermeisten Anwendungen
laut genug und er sieht phantastisch aus.
Dabei ist er von der Aussattung her - sieht man von der Vielzahl
der Ausgänge und etwa dem regelbaren DI-Out ab (der sich zudem
pre, pre Effekte, post Preamp schalten lässt) - eigentlich ein
simpler Amp. Die Vorstufe wird mit einer 12AX7 betrieben und lässt
sich mittels der Overdrive-Regelung stufenlos übersteuern, wenn
man das möchte. Ich persönlich benutze diese Option selten, obwohl
sie sehr vielseitig ist und gerade in Verbindung mit dem Subwave-Effekt
allerlei Soundspielereien möglich sind. Beim Subwave-Effekt handelt
es sich um einen stufenlos regelbaren Oktaver, der dem ursprünglichen
Signal eine tiefe, saubere Oktave hinzufügt. Und ich meine sauber!
Dieser Oktaver ist nicht mit diesen schrecklichen Bodentretern
zu vergleichen, die ab dem D auf der A-saite versagen und eigentlich
nur ein indifferentes Gebrummel erzeugen. Dieser Oktaver ist klar
und geht mühelos runter bis zum tiefen H, bei neuen Saiten auch
bis zum Bb. Und er drückt brutal. Der Aural Enhancer ist eine
SWR-eigene Erfindung, der, je weiter man ihn aufdreht, dem Signal
umso mehr Tiefbass und Transparenz zufügt und bestimmte Mittenanteile
absenkt. Bass- und Höhenregelung arbeiten in der Normaleinstellung
konventionell, wobei ich die Höhenregelung nie anfasse. Die Centerfrequenz
der Bassregelung lässt sich zudem absenken, die der Höhenregelung
erhöhen (mittles Herausziehen des Potis). Die Mittenfrequenzen
lässt sich zwischen 200 und 800 Hz anwählen und anheben bzw. absenken.
Schließlich gibt es noch einen Limiter, der durchaus Sinn macht,
wenn man beispielsweise Boxen spielt, deren Belastungsgrenze deutlich
unter den angegebene 750 W liegt.
Der Sound des 750x ist groß, anders kann ich es nicht beschreiben.
Er ist nicht unmenschlich laut und er ist nicht die erste Wahl
für Blues oder eine Motörhead-Coverband. Alles andere kann er
und zwar nicht deshalb, weil er so unwahrscheinlich vielseitig
wäre (das ist er sicherlich auch), sondern weil sein wirklich
guter Ton sich in fast alle Stile einfügen lässt. Hinzu kommt,
dass der 750x (wie übrigens auch der 350) zwar schon eine eigene
Note mitbringt (klar, ohne dabei "kalt" zu sein und sehr, sehr
tief) aber dennoch dem verwendeten Instrument Platz zur Entfaltung
lässt. Eine Preci klingt nach Preci und ein moderner, aktiver
Bass klingt wie ein moderner aktiver Bass. Von Haus aus ist der
Mittenanteil bei den SWR-Amps eher etwas schwach auf der Brust;
stellt man alle Regler auf "0", klingt es schon arg edelbassig
und studiomäßig. Aber - und das zeichnet diese Amp wirklich aus
- mit wenigen Eingriffen lässt sich das ändern. Ein kleiner Push
bei 200 Hz bringt mehr Wumms, einer zwischen 400 und 500 Hz gibt
deutliche Anklänge an Jaco und wenn man sich in einer lauten Band
oder unter schlechten Sounverhältnissen besser hören will, hilft
ein kleiner Push bei 800 Hz.
Sicherlich ist der SM 900 aus gleichem Hause vielseitiger; der
750x besticht meiner Meinugn nach aber gerade durch seine Schlichtheit.
Und was so oder so für SWR spricht: die Dinger gehen nicht kaputt.
Ich spiele seit Jahren nichts anderes als SWR und seit das so
ist, hatte ich nicht einen einzigen Aussetzer - abgesehen von
solchen, die eindeutig auf eigene Blödheit zurückzuführen sind.
Fazit: Teuer aber dafür mit hohem, langanhaltendem Zufriedenheitsfaktor.
Große Augen im Publikum gibt's gratis dazu.
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