| Fazit: |
Letztes
Jahr bin ich durch mehr als 15 Musikgeschäfte gezogen, um mir
einen richtig guten Jazzbass zu holen. Dabei habe ich die gängigsten
Typen von Fender (Mexico, Marcus Miller, American Deluxe) und
noch ein paar andere Marken durchprobiert und bin schließlich
bei dieser Jazzbass-Kopie (oder Weiterentwicklung) von Marleaux
gelandet.
Zur Ausstattung: Zu der Form des Basses gibt es nichts außergewöhnliches
zu sagen, eben Jazzbass. Ein Schlagbrett gibt's nicht, ist aber
auch gut so. Bemerkenswerter ist die Elektronik: Traditionell
gibt's bei Jazzbässen ja zwei Volumen Potis, dieser hat aber nur
einen und dazu einen Pan-Regler. Meines Erachtens ist das auch
die bessere Wahl, da sich so Lautstärkeänderungen und auch die
Balance genauer und einfacher dosieren lässt. Wie beim Original
gibt's dazu noch eine passive Höhenblende. Zieht man den Lautstärke-Regler
heraus, wird die Elektronik eingeschaltet: Die passive Höhenblende
wird dabei umgangen, dafür leistet nun ein doppelstöckiger Treble-Bass-Poti
seine Dienste.
Die Stimmmechaniken sind typische offene von Schaller, die Brücke
ist von ETS mit 3-dimensional einstellbaren Saitenreitern. Für
den Hals und das Griffbrett wurde Ahorn verwendet, der Korpus
ist aus Dibetou. Standardmäßig sind daran zwei Schaller Security
Locks.
Die Bespielbarkeit: der Bass hängt Jazzbass-typisch ausgewogen
am Körper ohne die geringste Kopflastigkeit und das Gewicht ist
sehr gut zu ertragen. Auch der Hals überzeugt mit seinem angenehm
zu fühlenden Hochglanzlack und seinem flachen Profil. Jeder Jazzbass-Spieler
wird von Deadspots ein Lied singen können, ich zum Glück nicht.
Vom berüchtigten Deadspot im fünften Bund auf der G-Saite keine
Spur, nur beim D auf der A-Saite fehlen ein paar Tiefbässe. Live
wird man so etwas wohl kaum merken, auch mir fiel es erst nach
einem dreiviertel Jahr auf, als ich im Studio war. Wirklich unglaublich
ist aber die Lebendigkeit des Basses; jeder gespielte Ton kitzelt
im Bauch, auch auf der G und D Saite kann man im zwölften Bund
noch wunderbar Slappen und man spürt den Ton noch richtig an den
Fingern. Hier konnte wirklich kein anderer Jazzbass, den ich gespielt
habe, dem Marleaux das Wasser reichen!
Der Sound: die zwei Singlecoils erzeugen einen recht typischen
Jazzbass-Sound mit warmen Bässen, knackigen Mitten und singenden
Höhen. So Richtung Vintage-Fender-Jazzbass. Den Slapsound kann
man mit guter Überzeugung als "Marcus Miller" beschreiben, mit
dem aktiven EQ klingt es wirklich unglaublich nach dem Chef-Slapper.
Von einem Jazzbass kann man natürlich keine Wunder erwarten, wie
ein Preci oder ein Rickenbacker wird er nie klingen können, er
kling eben einfach wie ein beinahe perfekter Jazzbass. Am Bassverstärker
muss man kaum herumdrehen, schon bei flachem EQ ist der Sound
sehr ausgewogen.
Negatives: Natürlich ist kein Bass perfekt... Wie gesagt hat
mein Exemplar einen kleinen Deadspot am 5. Bund der A-Saite. Die
Verarbeitung ist sehr gut, eine Stimmmechanik ist aber nicht 100%ig
gerade in der Kopfplatte und die Bünde musste ich an den Seiten
nachschleifen lassen, da sie etwas weit aus dem Griffbrett herausstanden,
was nicht sehr Vorteilhaft für die Haut an den Fingern ist. Das
Schleifen erledigten Gerald Marleaux und Tilman Antons (das Marleaux-Team)
auf Kulanz, der Service ist wirklich super!
Bewertung: Die Bespielbarkeit ist wirklich perfekt. Der Sound
ist so, wie ein Fender wohl klingen hätte sollen, ein Jazzbass
ist aber nicht so vielfältig. Optik ist altbekannt, nichts außergewöhnliches.
Preis/Leistung ist gut. Für einen Sadowsky oder anderen Ami-Edel-Jazzbass
zahlt man viel mehr, andere Deutsche oder Europäische Hersteller
kommen aber auch in diese Klasse.
Tobi Meyer
|