| Fazit: |

Meinem NanoCompressor von Alesis habe ich nun lange genug
hinterher getrauert. Ein neuer muss her. Marktbetrachtungen
ließen die Wahl auf einen der Behringer-Compressoren
fallen. Einmal, weil ich mit den anderen Behringer-Produkten
gute Erfahrungen gemacht hatte, und weil die Einstellmöglichkeiten
mir entgegen kamen. Und natürlich der Preis. Was ich
wollte: frei einstellbar und vor allen Dingen Rauschfreiheit.
Gerade der letzte Punkt war bei den bisher angetesteten Bodentretern
überhaupt nicht gegeben. Und mein SX-700 ist eben mucksmäuschenstill,
also sollte der Compressor das auch sein.
Der MDX2600 kommt im stabilen Metallgehäuse daher, eine
Höheneinheit belegend. Netzteil ist drin, reguläres
Kaltgeräte-Kabel. An Anschlüssen ist alles da was
man live oder im Studio brauchen würde. Umschaltbarkeit
-10dBV/+4dBu, Sidechain. Der MDX2600 ist nicht nur Compressor,
sondern kann auch Limiter, Expander und Gate, und das natürlich
auch in freien Kombinationen. Die Parameter einstellen kann
man komplett händisch, oder auch dem MDX überlassen,
Hardknee/Softknee ist drin, De-Esser, eine kleine Röhrensimulation,
Enhancer. Selten eine so komplette Ausstattung gesehen, jedenfalls
für den Preis. Man muss aber nicht, man kann. Der MDX
kann auch einfach nur Compressor sein, sonst nix. Oder alles
andere, was man vielleicht mal brauchen sollte. Für Details
schaue man in die umfangreiche Bedienungsanleitung in der
WebSite von Behringer. Zusammengefasst würde ich sagen,
dass man kaum noch zusätzliche Funktionen brauchen wird,
als Bassist schon sowieso nicht.
Zur Praxis. Der MDX arbeitet wohl weitgehend analog und mit
anständigen Opamps. Folge ist Rauschfreiheit. Vielleicht
hört man im Studio ein geringes Rauschen, aber mit einem
Workingman's als Amp rauscht der Amp um Potenzen mehr. Erst
mal Grundstellung, 4:1 Ratio, Threshold -10dB, 5ms Release,
50ms Attack. Sauber, genauso muss ein Compressor arbeiten,
ohne Fehl und Tadel. Da ist sie wieder, diese Gleichmäßigkeit
im Anschlag, lang ausklingende Noten ohne dass Varianten in
der Spielweise untergehen. Gekauft.
Mal die Zusatzfunktionen ausprobieren. Das Gate arbeitet
sehr zuverlässig und ist von OFF bis unempfindlich einstellbar.
Hm, brauche ich aber nicht. Expander auch nicht. Dynamic Enhancer?
Watten datten? Eine bisschen Split Level Compression. Heißt,
dass Frequencen oberhalb 2.5kHz vom Compressor weniger bearbeitet
werden. Braucht das ein Bass überhaupt? Das ist eine
Supersache! Die Brillianzen kommen nämlich nun deutlicher
aus den Lautsprechern, es bildet sich so ein filigranes Leuchten
über dem Sound, ohne die Compression zu verlieren. Der
Knopp bleibt gedrückt. Die Tube-Simulation nehme ich
nicht als deutlich hörbar wahr. Kann aber nicht schaden,
bleibt auch drin. Auch mal testweise auf Autopilot geschaltet,
klingt trotzdem alles sehr schön und musikalisch. Zurück
auf Handsteuerung, ich brauche das Gefühl die Kontrolle
zu haben. Der MDX ist genau das, was ich wollte.
Fazit: Uli, das hast Du wieder ganz toll hingekriegt. Der
MDX2600 hat für kaum mehr als 100€ alles an Bord,
was man als Instrumentalist braucht, plus noch viel mehr.
Er rauscht nicht, arbeitet sauber und zuverlässig, ist
entgegen dem ersten optischen Eindruck einfach zu bedienen
und sehr gut für den Normalbetrieb ausgelegt. So Thema
Regler auf 12 Uhr und das passt erst mal. Dann kann man etwas
in die Details gehen und variieren, man hört die Auswirkungen
und kommt in kaum einer Einstellung in Grenzbereiche.
Einziger Kritikpunkt: die Regler sind etwas fummelig geraten
und machen nicht den stabilsten Eindruck. Aber da der MDX
ja in meinem bombensicheren Rack und nach hinten gesetzt residiert,
droht da wenig Gefahr. Und man wird wohl kaum dauernd herum
stellen müssen.
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