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Zur J-Station bin ich als alter Technologie-Verweigerer
und Analog-Freak über Umwege und Zufälle gekommen.
Die Situation war, dass mein SX-700 zwar sehr gute Effekte
und hohe Qualität bietet, aber auch als Racksystem
schwer zu transportieren und zu programmieren ist. Mein
ZOOM 506 ist zwar klein und handlich, aber schon im
Proberaum wegen des Rauschens unbrauchbar und auch noch
mit wenig Effekt-Varianten gesegnet ist. Untersuchungen
von Alternativen wie Bass-Pandora, Korg PX-1B etc. brachten
keinen sichtbaren Fortschritt. Und mit den großen
Fusstretern von BOSS oder Korg wurde es mir zu teuer.
Dann kam der Prospekt von Musik Produktiv mit dem Angebot:
J-Station für 490,-- DM. So war das. Und so bitte
alle weiteren Betrachtungen aus der Sicht des Bassisten
betrachten .
(Nachtrag
vom November 2001)
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Was ist die J-Station?
Ausufernde Listen von Parametern und Anschlüssen spare
ich mir, diese gibt es auf der Johnson-Seite
als Manuals und Beschreibungen. Erwähnenswert ist der
Digital-Ausgang (S/PDIF), mit dem man die J-Station (angeblich)
direkt in einen Digital-Eingang leiten kann, sowie ein Kopfhörer-Ausgang,
der die J-Station auch zu einem prima Übungsamp nach
Mitternacht gestaltet. Es gibt aber auch etwas, was ihm dazu
wieder fehlt, nämlich ein Stereo-Eingang für CD/Walkman.
Die J-Station ist ein POD-ähnliches Gerät, also
ein Amp/Speaker-Simulator plus Effekte. Johnson positioniert
die J-Station deutlich als Gerät für Gitarristen
und Bassisten, daher finden sich auch Bass-Amp- und
-Speaker-Emulationen im Gerät, mehr Gitarren-Amps, aber
ausreichend Bass-Speaker. Seit der Firmware-Version 2.0 kann
die Amp- und Speaker-Simulation auch umgangen werden und es
stehen nur Effekte zur Verfügung. Somit ergeben sich
die möglichen Konfigurationen
- Amp-Simulation + Speaker-Emulation + optional Effekte
- Amp-Simulation + optional Effekte
- Nur Effekte
Diese drei Blöcke der J-Station repräsentieren:
- Amp-Simulationen, z.B. Blackface, Marshall-Amps, Vox oder
auch Trace Elliot und Bassman, dazu jeweils eine EQ-Abteilung
mit Treble, Mid und Bass + Gain, Level pro Effekt und Master-Volume
für alle Patches
- Effekt-Sektion mit Reverb, Delay, Chorus/Phaser/Flanger/Pitch
bzw. Detune etc.
- Zusätzlich Compressor und Noise Gate sowie einen
Tuner
- Speaker-Emulation, vom 10er Combo über 2x12 und 1x12
Gitarre, 4x10 Bass bis zum 18er Bass-Speaker
Die Effekt-Sektion ist keine Emulation, sondern liefert eine
neutrale Sammlung der wichtigsten Effekte. Das war für
mich wichtig, da ich das Gerät live und für's Homerecording
benutzen möchte. Übrigens gehört beim Live-Betrieb
die J-Station nicht vor den Amp, sondern ersetzt den Preamp
und liefert ihr Signal in Poweramp-In oder Line-In oder Effects-Return.
Sonst auch noch in einen Stereo-Kopfhörer. MIDI-In und
Out/Thru wäre da noch zu nennen. Zwei Johnson-Footcontroller,
J3 und J8 sind auch lieferbar und speziell auf die J-Station
ausgelegt, ermöglichen eine umfangreiche Steuerung und
einen Foot-Controller (Pedal). Zum reinen Umschalten der Patches
reicht aber auch ein normales MIDI-Board, die J-Station kann
zwischen diesen Controller-Arten umgeschaltet werden.
Amp-Simulationen
Obwohl die verfügbaren Amp-Simulationen ihren Schwerpunkt
auf Gitarren-Amps haben, ist das tatsächlich auch für
Bass nutzbar. Patches mit einem Blackface oder einem Fender
Clean Combo klingen auch gut für Bass, nämlich prägnant,
z.B. für Solo-Bass. Kombiniert mit den verschiedenen
Speakern, ebenfalls auch Gitarren-Lautsprecher, ergeben sich
für's Recording unendliche Möglichkeiten. Die Amp-Simulationen
verfügen jedoch nicht über das dynamische Verhalten
eines realen Amps, da muss man Abstriche machen und sich über
die Grenzen dieser Digitalitis im Klaren sein. Gerade im Kleinpegel-Bereich
hat die Emulation ihre Grenzen. Und die Emulation eines Trace
Elliot-Bassamps mit einer 410er Box klingt auch nicht genau
so wie mein echter AH300 + 1048H, es ist recht ähnlich,
aber nicht das gleiche.
Seit der Firmware-Version 2.0 kann die Amp-/Speaker-Simulation
auch umgangen werden. Was ich konsequent und nützlich
finde, denn so kann man die J-Station als reines Effekt-Gerät
nutzen. Kleiner Witz am Rande: die Amp-Simulationen rauschen,
manche mehr, manche weniger! Allerdings rauschen sie alle
verschieden, als wenn dieses Rauschen Teil der Emulation wäre.
Hat mich zuerst irritiert, kann man mit dem Noise-Gate aber
in den Griff kriegen. Und man kann Gain herunternehmen, dann
nimmt auch das Rauschen ab ...
Effekte
Im Gegensatz zum Bass-POD ist die Effekt-Sektion der J-Station
keine Emulation alter Tretminen, sondern eine weitgehend neutrale
Effekt-Einheit. Genau genommen sind es drei Sektionen, nämlich
Delay, Reverb und die Modulations-Effekte, zusätzlich
noch Noise Gate und Compressor. Die Effekte haben wenige Parameter,
die veränderbar sind, aber mehr als z.B. PX-1B oder ZOOM506.
Es sind die Parameter, die ich persönlich für wichtig
hielt, beispielsweise für den Chorus Speed, Depth,
Predelay und Mix.
Die Programmierung der Effekte ist a.m.S. gut gelöst
worden. Der Effekt-Anteil der drei Grund-Effekte kann direkt
am Gerät über Regler eingestellt werden, plus zwei
weitere Parameter wie Delay-Feedback oder Chorus-Geschwindigkeit.
Diese drei Effekte können getrennt vor oder hinter die
Amp-Simulation gesetzt werden. Alle Parameter sind im Deeplevel-Mode
erreichbar, da braucht man aber ohne PC-Unterstützung
die Bedienungsanleitung daneben, oder ein sehr gutes Zahlen-Gedächtnis.
Das Tracking der Pitch/Detune-Funktion ist besser als ich
erwartet hatte, Klassen besser als ZOOM. Der Chorus klingt
recht warm und angenehm, auch Flanger und Phaser sind ok,
oder auch Tremolo.
Der Compressor ist enorm variabel, kann auch Zweiband-Kompression
mit einstellbarer Trennfrequenz. Das Noise Gate hat einen
Regelmöglichkeit für Attack und Threshold. So kann
man mit dem Noise Gate auch Swell-Effekte erreichen.
Alle Effekte arbeiten in Sound und Verhalten für ein
Gerät unter 500DM sehr gut und relativ rauscharm. Im
Deeplevel-Editmode hat man dann Zugriff auf alle Parameter
des Gerätes, allerdings nur über ein LED-Display.
Erst in Zusammenarbeit mit JEdit auf dem PC hat man eine volle
Oberfläche mit allen Parametern, kann Banks und Patches
via MIDI laden, speichern und verwalten. JEdit ist ein echtes
Argument für die J-Station und macht das Ausprobieren
und Austauschen von Patches zum Kinderspiel.
Einzig der Tuner ist nicht ganz ideal zum Stimmen, weil etwas
ungenau zum Ablesen. Da bleibt der TU-2 aktiv im Spiel.
Speaker
Genug, das auf jeden Fall. Es geht auch ohne Speaker-Emulation,
nur mit Effekten und Amp-Simulation. Nun kann man endlich
mal einen Bass über eine 412er Marshall-Box spielen.
Luschtig, und tatsächlich gerade für's Recording
sehr brauchbar.
J-Station als Effekt-Gerät
Was ist aber nun mit der J-Station als reines Effektgerät,
bei Einsatz mit einem realen Amp? Das war ja auch ein Ziel
meinerseits. Ab dem Firmware-Relase 2.0 bietet die J-Station
auch dafür eine Konfiguration: Keine Amp-Simulation,
sondern den 'Direct'-Modus wählen, Speaker-Simulation
abschalten, falls der Amp schon einen Kompressor hat, eben
auch noch den Kompressor der J-Station deaktivieren. Fertig
ist das reine J-Station-Effektgerät. Allerdings: nun
empfiehlt es sich, die J-Station direkt vor den Amp-Eingang
zu schalten, denn die Treble/Mid/Bass-Regelung entfällt,
nur noch Gain, Master und Level funktionieren weiterhin, Preshape
und EQ meines Amps brauche ich ja noch. Master noch auf 11
Uhr zurück. Und das geht tatsächlich besser als
erwartet, die J-Station benimmt sich nun wie ein komfortables
Multi-Effektgerät, auch Nebengeräusche halten sich
vornehm zurück. AB-Test, erst SX-700 im Einschleifweg,
dann J-Station im Eingang. Surprise, surprise: die J-Station
klingt einen Tucken transparenter und druckvoller als das
teure SX-700, jedenfalls hier als Effektgerät für
einen Trace Elliot Halfstack.
Ein wunderschön transparenter Chorus und als Alternative
ein Pitch-Shift +6 Cent, Hall und Delay prima, das Noisegate
macht weiter abgedrehte Effekte (Swells) möglich.
Braucht man doch dann mal etwas mehr an Sound-Beeinflussung,
nehme man einen Amp, wie J Clean, Brit Combo, etwas Gain dazu
und der Sound eines angezerrten Röhrenamps ist machbar.
Achten muss man aber darauf, dass die Speaker-Emulation abgeschaltet
bleibt, sonst wird der Sound matschig oder dünn. Aber
da man ja alles abspeichern kann, kein Thema.
Die J-Station kann tatsächlich auch als reines Effektgerät
vor einem realen Amp dienen.
Fazit
Die J-Station ist gedacht als Recording-Tool für Gitarristen
und Bassisten, und diesem Zweck wird sie voll gerecht. Abgesehen
von leichten Schwächen wie limitierter Effektzahl und
virtuelles Amp-Rauschen ist die Sound-Qualität gut. Eindeutige
Stärken sind die Programmierbarkeit über MIDI und
Schaltbarkeit über ein normales MIDI-Fußpad, die
gute Effekt-Qualität und auch der stabile Aufbau. So
wirkliche Schwächen hat sie nicht, es ist eben primär
ein Gerät für zu Hause. Und mit JEdit wird das super,
da kann man endlos basteln, weil jedes Drehen an einem Knopp
direkt an die J-Station übertragen wird. Aber: das Gerät
ist alles andere als trivial, nicht mit einem ZOOM5xx zu vergleichen,
aber übersichtlicher als die großen Effekt-Geräte
a'la Midiverb oder SX-700.
Als reines Effekt-Gerät für den Bass-Amp in Proberaum
und live ist die J-Station ebenfalls anwendbar. Was sie natürlich
als echte Stärke an dieser Stelle bringt sind die verschiedenen
Overdrive-Sounds und die guten Effekte, so lange man eine
möglichst gut klingende Bass-Anlage hat. Die J-Station
mit SWR-Emulation für einen Bassman wäre absoluter
Quatsch, es klingt auch sehr bescheiden. Anderseits, wenn
die Bass-Anlage schon neutral klingt und eine z.B. 410er-Horn-Box
hat: da kann man auch schon mal 'ne Strat drüberschicken,
da bekommt so mancher Gitarrist dumpfe Ohren, das drückt
mit einer BritStack-Emu doch sehr heftig.
Was ich auf keinen Fall machen würde: einen vorhandenen
Bass-Stack, mit dem ich halbwegs zufrieden bin, durch einen
Kombination J-Station + PA ersetzen. Es geht eben nix über
eine analoge Amp-Version mit ihrer Dynamik und ihrem ausgeprägten
Eigensound. Was aber schon nett ist: eben für's Recording,
aber auch z.B. eine Kombination J-Station mit kleinem neutralem
Amp (wie mein Laney RBW100) oder einem Keyboard-Amp. Da kann
man sich für die kleinen Einsatzfälle eine Menge
Schlepperei ersparen, oder verhindert für reines Recording,
wo auch immer, die Geräte-Stapel.
Warum nun J-Station und Bass-POD? Den wesentlichen Unterschied
(ich kenne den POD nur vom Papier und von Schilderungen) sehe
ich in der Effekt-Sektion, da ist die J-Station flexibler
und offener. Dafür hat der Bass-POD mehr Emulationen,
da er ja nur für Bass ist. Da ich aber auch gelegentlich,
so nach 0,5 ... 0,6l Rotwein auch einmal eine e-akustische
in die Hand nehme, ist die J-Station eben für beides
gut. Ich denke die J-Station ist flexibler, eben auch durch
die Möglichkeit, die Emulationen komplett abzuschalten.
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