Vegetarischer DI-Boxenmultiffektsimulatorpreamp
Ein Gerät, das sich nicht mit wenigen Worten beschreiben
läßt. Vom Konzept her handelt es sich um eine DI-Box
für Bass mit simulierter Mikro-Abnahme. Simuliert wird
wie eine abgemikte Bassanlage über PA oder auf bei Aufnahmen
klingen soll. Zusätzlich liefert der POD auch auf einem
2. Ausgang ein unbeeinflußtes DI-Signal. Laut Aussage
des Herstellers besteht der besondere Trick nun darin, daß
man für die Simulation unter verschiedenen Bassanlagen(16
Stück) und Boxen (ebenfalls 16) wählen kann. Dabei
reicht das Angebot der modellierten Anlagen von Kleincombos
(Polytone) bis hin zum Ampeg-Stack.
Die Sounds kann man mehr oder weniger geschmackvoll mit Effekten
versehen (16 Effekte + Compressor) und auf insgesamt 36 Programmplätzen
abspeichern. Wie bei den Bassanlagen auch, sollen klassische
Effektsounds simuliert werden, von Geräten wie sie bei
Musikern gebräuchlich sind (bzw. waren). Dann haben wir
da noch eine 3 - Band Klangregelung und einen vollparametrischen
EQ.
Bevor ich den POD zum erstenmal getestet hatte, hielt ich
die Sache für überflüssigen Unfug. Hier nun
meine Erfahrungen mit dem Teil: Beim ersten Blick auf das
Gerät dachte ich, es handelt sich um Capt. Kirks Remote-Konsole
für die Steuerung der Enterprise. Nachdem ich es nun
einige Tage in Gebrauch habe, würde ich es als Kreuzung
aus Preamp und Multieffekt klassifizieren, brauchbar für's
Homerecording und als Vorschaltgerät für die Bassanlage.
Homerecording:
Zur Beurteilung für diesen Einsatzzweck dienen die Boxen
einer normalen Stereoanlage und Mittelklasse-Kopfhörer
als Monitore. Beim Durchprobieren der einzelnen "Instant"
- Bassanlagen fällt mir persönlich auf, das viele
einfach sehr knochig und etwas 70er - mäßig klingen.
Ein Blick ins Handbuch belehrt mich, daß es sich bei
diesen Simulationen genau um solche Bassanlagen-Veteranen
handelt. Nun, wem es gefällt - mir jedenfalls nicht.
Ich drehe den Wahl-Schalter weiter und dann kommt aus meinen
Kopfhörer auf einmal ein ausgewogener, differenzierter,
druckvoller und warmer Klang - in etwa so wie ich es von meiner
Bassanlage gewohnt bin. Ich schau ins Handbuch und lese, daß
der von mir gewählte Sound "Adam & Eve"
einen Eden-Traveller mit 4x10 Box simulieren soll. Das ist
mein Bassamp - jetzt bin ich erstmal platt.
Nun schließe ich an meinen Amp "virtuell"
verschiedene Boxen an. Auch hier ist für meinen Geschmack
viel Soundmüll dabei, aber 3 der 16 Instant-Boxen haben
es mir angetan. Man hört über Kopfhörer bzw.
die Stereo-Boxen deutlich raus wie man den Sound durch die
passende Box mehr in Richtung trocken oder mehr in Richtung
knurrig trimmen kann. Mein Fretless, der trocken eingespielt
immer etwas steril klang, knurrt und singt auf einmal so richtig
(mit einer virtuellen Hartke 4x10) Nach einigem Rumprobieren
steht mein Sound für den Fretless. Für den bundierten
5-Saiter finde ich neben meiner "Real" - Eden Anlage
noch einen zweiten richtig guten Sound: Mit dem Preset "Eighties"
klingt mein Jazz-Bass - Nachbau täuschend echt wie ein
Stingray.
Die 3 Band-Klangregelung funktioniert unkompliziert und gut
- bei einigen Presets kann man sogar die Einsatzfrequenz für
den Mittenregler wählen. Zusätzlich gibt es noch
einen vollparametrischen EQ. Von den Instant-Sounds abgesehen,
ist der (oder heißt es "das"?) POD ein richtig
guter Bass-Preamp. Jetzt probiere ich mal die Effekte aus
- als erstes den Compressor. Er wird mit einem einzigen Drehknopf
geregelt. Ich weiß nicht welche Parameter man mit dem
Knopf beeinflußt, aber der Compressor tut genau das
was er soll (den Bass druckvoller klingen lassen), ohne daß
man ihn ansonsten bemerkt. Es pumpt nicht und man hat auch
nicht das Gefühl, daß die Anschläge geschluckt
werden und die Dynamik verschwindet. Mit diesem Comp komme
ich besser klar als mit meinem 19" - Gerät im Rack.
Als nächstes kommt der Chorus dran. Es gibt davon 2
und einer davon (der TC-Chorus) gefällt mir richtig gut.
Wie jeder Chorus nimmt er allerdings etwas den Druck aus dem
Sound. Aber beim POD kann man die Frequenz wählen, oberhalb
derer das Signal beeinflußt wird. Ich wähle dafür
1kHz und siehe da, man hat einen schönen Chorussound
ohne den berüchtigten Weichspüler - Effekt. Abgesehen
von Flanger, Phaser und Octaver kann ich mit den übrigen
Effekten wenig anfangen. Wozu man für Bass 4 verschiedene
Verzerrer braucht ist mir ein Rätsel. Der Bass - Synth
ist für meinen Geschmack eher Spielerei als sinnvolles
Feature - das gleiche gilt für die 2 Touch-Wahs. Ein
Wort noch zum Octaver: Simuliert wird der legendäre Boss
OC-2, und die Simulation klingt genauso wie mein Original-Bodentreter.
Wirklich erstaunlich. Sogar das schlechte Tracking und das
frühe Wegsterben der unteren Oktave sind genau getroffen
- und an diesem Punkt geht mir persönlich das Modelling
zu weit.
Als Zugabe gibt es noch einen Röhren-Preamp ohne Boxen-Simulation
für das Aufnehmen von Gitarren. Mit meiner Billig-Strat
und der über Piezo-Pickup verstärkten Dreadnought
- Akustik bekomme ich sehr annehmbare Gitarrensounds auf's
Band. Im Ergebnis ist der Bass-Pod für das Homerecording
ein sehr nützliches Gerät, auf das ich persönlich
nicht mehr verzichten will.
Bassanlagen-Tuning:
Wie verhält sich der (bzw. das) POD als Vorschaltgerät
vor der Bassanlage? Es kommt darauf an. Über eine 15er
Box ohne Hochtöner ist das Ergebnis eher enttäuschend.
Man hört die unterschiedlichen Sounds nicht raus, und
- wen wundert's - der POD ist keine Zauberkiste, die aus einer
mittelmäßig bis schlechten Anlage per Software
ein Traum-Stack macht. Über eine gute, differenziert
klingende Box sieht der Fall aber wiederum anders aus. Man
kann den Sound seiner Anlage durchaus wirkungsvoll in die
ein oder andere Richtung trimmen. So hab ich eine Einstellung
gefunden, die meiner 4x10 Trace-Elliot Box entgegen ihrer
"Gewohnheiten" knurrige, sahnige Fretless - Klänge
entlockt. Da wo sich Sounds nur in Nuancen unterscheiden,
gehen die Unterschiede im Bandsound eher unter - man kann
halt auch da keine Wunder erwarten.
Der Compressor erweist sich auch im Live-Betrieb als Super-Feature.
Der Bass hat Druck ohne daß die Dynamik verlorengeht.
Auch hab eich meinen Bass mit zugeschaltetem Chorus vorher
noch nie so druckvoll gehört. Man kann die Sounds per
MIDI umschalten. Mit einem handelsüblichen MIDI - Footcontroller
muß man allerdings etwas Kopfrechnen, denn bei Line6
hat sich das Dezimalsystem noch nicht (bzw. mit Absicht nicht)
durchgesetzt. Die Sounds liegen auf 9 Bänken mit jeweils
4 (a,b,c,d) Kanälen. Man muß also wissen, daß
man z.B. den Sound 3c auf dem Footcontroller unter der Nummer
....ähm.....11? findet (nee, es ist die 12, weil es erst
bei 2 losgeht). Mit dem Line6 - Floorboard (um die 550,- DM)
hat man sich diese Rechnerei gespart.
Erwähnen möchte ich noch das eingebaute Stimmgerät.
Angewählt schaltet es die Anlage stumm. Es funktioniert
ausgesprochen gut und hat auch mit der tiefen B-Saite des
5 Saiters keine Probleme.
Zur Sache - braucht man's oder braucht man's nicht?
Brauchen tut man eigentlich gar nix. Beim Aufnehmen würde
ich den POD in Zukunft vermissen, wenn ich ihn nicht mehr
hätte - ich bekomme Bassounds auf's Band die eine Klasse
besser sind als ohne POD. Live würde ich es etwas einschränken:
Wenn man eine differenziert klingende Anlage hat, kann man
den Sound durchaus noch verfeinern - eine mittelmäßige
Anlage bleibt auch mit POD mittelmäßig.
Ansonsten ist es wie bei fast allen eierlegenden Wollmilchsäuen,
die man heute kaufen kann. Den größten Teil der
zur Verfügung stehenden Sounds und Funktionen könnte
man sich getrost sparen, aber wenn man diesen Soundballast
mal außen vor läßt, bleibt genug übrig
was die Anschaffung rechtfertigt. Für mich persönlich
sind das bestens funktionierende Stimmgerät, der Compressor
und der druckvoll klingende Chorus Gründe genug, den
POD jetzt auch immer zu verwenden.
Fazit: Für's Homerecording unbedingt zu empfehlen -
auch im Live-Betrieb sehr nützlich. Viel Ballast.
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