Clavia Nord Stage
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Reviewer: Rainer Böttchers
Website: http://www.clavia.se
Typ: Stage Piano
Preis: 2990€ (Neu)
Specials: B3/Vox/Farfisa-Orgel, E- und A-Pianos, FM/Wave/Substractive-Synth
Fazit:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem Kauf dieses Produktes muss dringend gewarnt werden: Es macht schnell süchtig!

Technische Details zu diesem Stage Piano finden sich ausreichend auf Clavias WebSite. Hier nur zusammenfassend:

  • Drei Orgel-Sounds: Hammond B3, Farfisa, Vox
  • Flügel Yamaha und Steinway, verschiedene Upright-Pianos, versch. Fender Rhodes, Clavinet und Wurlitzer, Yamaha CP80 Electric Grand
  • Synth-Abteilung mit FM/Wave/Subtractive-Klangerzeugung
  • Mehrere Effekt-Sektionen: Leslie, Effects 1 und 2, Delay, Reverb, Amp-Simulationen, Delay, Master-EQ
  • Volle 88er gewichtete Tastatur

Clavia schreiben sie hätten versucht, das Spielgefühl von Orgel und E-Piano zusammen zu bringen. Tatsächlich spielt sich das Nord Stage wie ein E-Piano, wer von einem Yamaha P-irgendwas oder Korg SP-soundso kommt, fühlt sich sofort heimisch, allerdings spielt sich die Tastatur einiges flüssiger als ein Yamaha P70 oder auch P140. Die einzige Tastatur, die mir noch etwas besser gefallen hat, war ein Kawai, das allerdings auch im Hochpreis-Bereich lag. Die gewichtete Tastatur und das Metall-Gehäuse machen das Nord Stage nicht gerade zu einem Leichtgewicht. Zwar ist es natürlich transportabel, aber jeden Tag herumschleppen möchte ich es nicht. Brauche ich auch nicht, ich habe mir in einer Tischelerei für 120€ ein Gestell bauen lassen, das das Nord Stage in ein sehr ansehnliches Home-Piano verwandelt.

Die Bedienung des Nord Stage sieht auf den ersten Blick etwas verwirrend aus, ist wegen der vielen möglichen Varianten und Möglichkeiten auch tatsächlich komplex, jedoch in gewisser Weise genial, man kann einfach nur ein E- oder A-Piano haben, oder auch in alle Tiefen der Layer-Programmierung herabsteigen, Mehrfach-Splits der Klaviatur eingeschlossen. Mechanik, Stabilität und Features sind ohne Fehl und Tadel. Die voreingestellten Patches liefern für den Anfang einen guten Überblick über die Möglichkeiten. An Anschlussmöglichkeiten ist auch alles da, was man sich denken kann. Bis hin zu vier Audio-Augängen, so dass man auch Pianos auf Out 1/2 routen kann, und Orgel auf Out 3/4. Oder Piano, Orgel und Snyth in Mono auf je einen eigenen Ausgang, oder einen Kopfhörer-Verstärker und auch den PC für Aufnahmen; das Ausgangsrouting ist sehr praktisch und flexibel. USB für's Übertragen von Sounds ist auch da, MIDI ist auch klar, alles an Tastern und Expression-Pedalen. Bis auf MIDI alles Metall und verschraubt. Stabil wie ein Panzer, das Nord Stage. Seitenteile sind aus massivem Holz. Man bekommt etwas bei Clavia für sein Geld.

Zum Kern der Sache: Klang. Für mich ist das Nord Stage nach menschlichem Ermessen das letzte E-Piano, das ich gekauft habe. In den Bereichen Pianos ist das Nord Stage wohl nur schwer zu überholen, nur von den Originalen. Gerade die Fender Rhodes-Sounds (mehrere Typen und Varianten) sind für gesamplte Versionen sehr autentisch, mit ein wenig Chorus und Overdrive geht die Sonne auf. Im akustischen Bereich sind ein Yamaha und ein Steinway verfügbar. Die sind schon so vom Feinsten, obwohl ich Steinway wegen der Schärfe und Höhenlastigkeit nicht so sehr mag (Clavia bietet neben der Close-Version noch eine Ambient-Version, die etwas weicher klingt). Verzichtet man nun aber auf ein Upright-Piano und zwei Rhodes-Varianten und lädt mit dem PC und dem Stage Manager über USB den optionalen akustischen 66MB-Yamaha-XL-Satz, tritt die suchtfördernde Wirkung sofort auf. Eine unglaublich filigrane und sensible Widergabe eines echten Pianos, da möchte man die Hände nicht mehr von den Tasten nehmen. Es könnten zwar noch ein oder zwei zusätzliche Layer für ganz leise Anschläge dazu kommen, in Anbetracht der Klangqualität kann man aber mit dem Bestehendem leben. Die Synth-Sounds versetzen einen in Moog- und Oberheim-Zeiten zurück, auch hier ist der Vintage-Ansatz in bester Form umgesetzt. Für die B3 kann ich nur vermuten, aber klingen tut es wirklich sehr nach den Originalen. Was ich noch nie so intensiv gehört habe: lässt man beim großen Yamaha-Sound Sustain-Pedal getreten und Noten lange ausklingen, schwingen tatsächlich die restlichen Saiten des Flügels mit, und das abhängig von der Anschlagsstärke. Kaum zu glauben, dafür schwerer zu spielen.

Selbst bei den Effekten ist Wärme und Natürlichkeit zu finden. Obwohl nur mit wenigen Parametern zu beeinflussen, passen die Effekte perfekt. Und die Leslie-Simulation, ich hatte mal die Ehre mit einem echten 122 herumzuspielen, macht mit den Rhodes und dem Electric Grand die bestmögliche Figur. Mal ein CP80 mit einem Synth-Pad zusammengelegt? Grenzenlos geil. Die Synth-Abteilung werde ich selbst wohl erst später angehen, jedoch sind die 99 voreingestellten Synth-Patches schon mehr als ausreichend. Und ein Piano und einen Synth zu kombinieren ist eine Sache von wenigen Tastendrücken, noch zwei weitere und alles ist gespeichert. Inklusive EQ-Einstellungen. Layern bis zum Abwinken? B3 + Grand + Rhodes + Synth geht auch alles zusammen. Zwar weiß ich nicht, wie viel Polyphonie dann noch bleibt, aber grundsätzlich geht das.

Bei diesem Preis ist das Clavia Nord Stage schon eine Investition, die ich aber nicht bereut habe. Es ist kein Me-Too-Produkt, sondern lotet das aus, was technisch heute machbar ist. Aber mit der Beschränkung zugunsten Vintage-Sounds, kein XG/XS-Satz, keine Multimedia-Orgien. Konzentration auf das Wesentliche, das nun sauber und mit hoher Qualität. Herausgekommen ist kein steriles High-Tech-Produkt, sondern ein Werkzeug, das der Musik dient, und das Musikalität in sich trägt. Da waren keine kühlen, nüchternen Schweden am Werk, das waren Leute mit Ohr und Gespür für Klang. Alle Achtung.

Ein Minus-Punkt? Klar: es war ein schwedisches Netzkabel dabei.

Bewertung:
Stabilität/Zuverlässigkeit: 10 / 10
Nutzen: 10 / 10
Features: 10 / 10
Preis/Leistung: 9 / 10

GESAMT: 10 / 10
 
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