The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Beginners V: More Alternate Picking

Ok ... ich habe also über das Üben an sich geschrieben, das Üben des Wechselschlages und Three Note per String-Skalen. Ich habe chromatische Beispiele und ein paar Repeating Patterns vorgegeben.

Nun, irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, ich habe zum Thema Wechselschlag, Koordination der Hände und das Üben von Geschwindigkeit bei Läufen noch nicht alles mir Wichtige gesagt. Deswegen diesmal ein weiterer Beitrag über den Wechselschlag, nur gehen wir hier etwas mehr in die Materie.

Ich werde oft gefragt, wie man denn nun Höchstgeschwindigkeiten erreicht ... und kriege jedesmal 'nen blöden Kommentar, wenn ich mit "Üben!!!" antworte. Ich weiss nicht, wie Leute auf die Idee kommen, man könnte den Weg zur Perfektion eines rein motorischen Vorganges, bzw. eine hohe Geschwindigkeit desselben, abkürzen.

Ganz klipp und klar:

ES GIBT KEINEN ANDEREN WEG ZU HOHER GESCHWINDIGKEIT, GEPAART MIT SAUBERKEIT UND PRÄZISION, ALS ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN!

Und es geht auch nicht darum, dass ich hier mit meinen Artikeln eine neue Generation von Shreddern heranzüchten will, sondern ich will darauf hinweisen, dass ein sauberer Wechselschlag, sauber und mit Geschmack angewendet, jedem eine Menge bringen kann, unabhängig von Level, Stil, Musikart ...

Zudem versuche ich, einen Rahmen für individuelle Übungskonzepte vorzugeben und ein paar Licks in's Feld zu werfen, die das Üben interessanter und gewinnbringender machen. Ob dies der letzte Beitrag zum Thema ist, weiss ich nicht (ich bezweifle es eher), wir werden sehen ...

Lickmässig ist dieses Mal wieder alles dabei: Runs, Repeating Patterns, Zitate, ... und ein oder zwei echte Halsbrecherlicks. Ich habe mich wieder mal zurückgehalten, was das Ausnotieren der Anschlagsrichtung angeht. Wer meine anderen Artikel zum Thema gelesen hat (Hallo, ihr Zwei!), weiss, dass es mir am Herzen liegt, dass jeder, der diese Licks übt, kreativ mit der Anschlagsrichtung umgeht, d.h. einmal mit einem Aufschlag beginnt, das nächste Mal (beim nächsten Durchspielen des Licks ) dann mit einem Abschlag.

Die drei Prämissen sind wieder einmal:

  • Üben mit dem Metronom, um das Tempo langsam und sinnvoll, aber sicher zu steigern.
  • Sauberkeit (keine Nebengeräusche, Üben ohne Effekte und mit möglichst wenig Verzerrung, dafür aber mit mehr Lautstärke, um eventuelle Fehler oder Lärmquellen sofort ausmachen und hoffentlich abstellen zu können), und:
  • Präzision: Diese Übungen sollten rhythmisch sauber und mit konstantem und präzisen Wechselschlag ausgeführt werden.

Und wieder einmal schlage ich vor: Lasst Eurer Kreativität freien Lauf! Erstellt Euch eigene Übungen, eigene Licks.

So, nun aber los. Die Licks für heute warten.

Lick #1

MIDI

TAB

Ok, dies kein zusammenhängendes Lick, ich habe hier drei Patterns vorgegeben, die sich in verschiedenen Positionen befinden. Das Grundpattern ist ein zweisaitiges, denn es geht hier darum, ein sich wiederholendes Pattern im Wechselschlag zu spielen, um einmal den Saitenwechsel (einer der ganz grossen Stolpersteine im Alternate Picking) zu trainieren.

Wir beginnen beim B (2. Bund, A-Saite) mit einem Abschlag (v), dann mit einem Aufschlag beim C (3. Bund), dann wieder Abschlag zum D (5. Bund, A-Saite). Zuletzt ein Aufwärtsschlag beim E (2.Bund, D-Saite), und das Ganze, wieder mit Abschlag beginnend von vorne.

Da haben wir auch schon das Problem: Warum spielen wir nicht ökonomischerweise nach dem Abschlag beim D einen weiteren Abschlag beim E, dann brauchen wir doch keinen Sprung um die D-Saite herum zum Aufschlag zu machen?

Ganz einfach: Diese Möglichkeit ist zwar schon eine gute Idee, allerdings macht sie auch nur Sinn, wenn wir auf der nächsten Saite mehr als eine Note spielen. Machen wir nämlich diesen doppelten Rittberger ... neee, Sch, ..., warte ... äähh .... doppelten Abschlag meine ich natürlich, müssen wir anschliessend von unterhalb der D-Saite um D- und A-Saite herum zur Position über der A-Saite springen, um dann wieder mit dem Abwärtschlag auf das D starten zu können ... starten wir allerdings diesmal mit dem Aufwärtsschlag auf dem D, kommt das ganze Rhythmusschema aus dem Gleichgewicht.

Da dieses Lick nur die eine Note auf der zweiten Saite enthält, müssen wir uns danach richten und die etwas unökonomischere Variante wählen.

Ach ja, im zweiten Takt haben wir die gleiche Figur, nur diesmal auf D- und G-Saite und eine Oktave höher, im 3. Takt dann noch eine Oktave höher auf B- und E-Saite.

Es geht nicht darum, das ganze Ding in einem Durchgang durchzuspielen, es geht eher darum, jede einzelne Figur einzeln herauszupicken und als Repeating Pattern mit steigendem Tempo zu spielen. Dies trainiert wieder einmal Koordination und den Wechsel zwischen den Saiten

(Ja, ja, Sätzer, ich weiss, darauf gehe ich jetzt zu spät ein, wo ich doch in den anderen Artikeln zum Thema schon Licks mit Anspruch an diesen Saitensprung hatte ... aber ist doch egal, ist doch alles "ohnlein", und kann nicht "vergriffen" sein, also können die Leute zwischen den Artikeln springen (oder sie ausdrucken) ... falls überhaupt einer mitdenkt, ansonsten merkt's keiner, also pscht!) [Aus sicherer Quelle weiss ich, dass es tatsächlich Leser dieser Artikel gibt ... d. Sätzer]

So, nächstes Lick ...

Lick #2

MIDI

TAB

So, eingefleischten Gary Moore-Fans wird dieses Lick bekannt vorkommen. Das hat er nämlich in einem Höllentempo in seinem Live-Solo während der "Run for Cover"-Tour gespielt.

Dies ist ein Repeating-Pattern, und ich kann aus eigener Erfahrung nur anmerken: Laaaaaaangsaam anfangen, das Picking-Schema mag etwas ungewohnt sein. Ambitionierten Lesern kann ich nur an's Herz legen, diese Figur in verschieden Tonarten und Positionen zu üben, oder einfach mal die aufsteigende Struktur des abgebildeten Licks nach oben hin fortzusetzen.

Lick #3

MIDI

TAB

Ein weiteres "Das kommt mir bekannt vor..."-Zitat ... diesmal vom guten Erich Johanson (auch unter seinem Künstlernamen Eric Johnson bekannt , mein Gott, sorry, man wird doch noch mal flapsig sein dürfen).

Dieses Lick ähnelt einer Figur aus dem Anfangssolo von "Cliffs of Dover" und eignet sich hervorragend um die Koordination der Hände zu schulen, da weniger die Positionswechsel zu schaffen machen, sondern eher die Saitenwechsel.

Ach ja, hatte ich erwähnt, dass es in diesem Artikel auch sehr um verschiedene Arten von Wechselschlag und dessen Anwendungsmöglchkeiten geht? Also keine Hassbriefe an mich von wegen "Ey, wat soll dat denn, keine Kontinuituität in dem Artikel, dauernd was vollkommen anderes" ... Stimmt schon, aber der Wechselschlag hat den Ruf (zumeist bei Anfängern) zu nix anderem zu dienen, als schnell von Punkt A zu Punkt B ("Zug A startet von Bahnhof 1 um 15.32, Zug B ...") zu kommen, dabei kann man 'ne Menge mehr Sachen mit ihm machen.

Weiter im Text ...

Lick #4

TAB MIDI

Und wieder was gaaaaanz Anderes: Ein Pedalton-Lick, d.h. ein Lick mit einer immer wiederkehrenden Note, in diesem Fall (Takt 1) das B, und die Noten auf der E-Saite wechseln ständig. Auch dies ist eine gute Übung zum Saitenwechsel beim Wechselschlag.

Bekannte Anwender von Pedaltone-Licks (Jetzt krieg ich übrigens bestimmt 'ne Menge Bassisten-Post: "Ey, Du, das Lick, was leckt man da eigentlich? Oder spielt man das mit der Zunge? Nr. 3 ist doch auch ein Bedahl-Tohn-Lick? Oder was ?" -  Ja, stimmt ... wollte nur gucken, ob alle aufpassen!) sind z.B. Steve Lukather und Eric Johnson. [Ha Ha Ha ... d. Sätzer]

The next one is nu dran ...

Lick #5

TAB MIDI

Dies ist ein triolisches Wechselschlaglick, das zeigen soll, dass Wechselschlag nicht nur streng rauf oder runter, sondern auch mal hin und her gehen kann. Besonders dieses Lick sollte jetzt die kreativen Köpfe unter den Lesern anregen, sich eigene Übungen zu bauen!

Und weiter geht's, diesmal 'ne Wiederholung ...

Lick #6

TAB MIDI

Deja Vu, oder wie? Jau, sowas hatten wir schon mal. Es handelt sich um ein Wechselschlaglick in C-Dur/A-Moll, und es geht hier auch nicht strikt rauf, sondern wir fangen auf der höchsten Note einer jeden Saite an, spielen zwei herunter, dann Saitenwechsel und gleiches Schema. (Und was heisst hier "Sommerloch"?)

Wieder mal zu den Zitaten ...

Lick #7

TAB MIDI

Hier gibts wieder was zu gewinnen, für die Bassisten (ich weiss, dass Ihr mitlest, ich lese auch die Bassartikel, und da gibt es dauernd Seitenhiebe auf uns Gitarristen!!). Dieses Lick ist ein typisches Lick eines bekannten Gitarristen, dessen Vorname mit P beginnt und mit "aul" aufhört ... wer mir 'ne E-Mail mit dem Namen dieses Gitarristen schreibt, mit Stichwort "Paul Gilbert" in der Subject-Zeile, kriegt 'nen Preis vom Sätzer [Paul Kuhn???!!! Die Bass-Saiten sind meine!].

Egal, dieses Lick ist ein weiteres Beispiel für komplexere Wechselschlaglicks. Es sollte in Fragmente aufgeteilt und geübt werden, bevor es dann letztendlich im Zusammenhang gespielt und auf Tempo gebracht wird.

Ab zu ...

Lick #8

MIDI

TAB

So, hier haben wir jetzt endlich eine ganz typische "Rauf- und Runter"-Charakteristik des Wechselschlages, in einem schnell absteigenden Lauf in E-Moll/G-Dur.

Punkt.

So, fast geschafft, nur noch ein Lick.

Lick #9

TAB MIDI

Alle, die sich bis jetzt beschwert haben, dass die Licks nicht schnell genug sind, widme ich dieses Lick in E-Dur. 32tel Noten, es geht auf und abwärts. Nur mal ein Beispiel für klassische Wechselschlagtechnik bei Höchstgeschwindigkeit.

Das Tempo liegt übrigens bei 98bpm für die Viertelnote im MIDI-File.


So, das war's erstmal, äh, ich bin mir fast sicher, dass das nicht mein letzter Beitrag zum Thema war ... mir fallen da noch so einige Punkte zum Wechselschlag und zum Üben ein (z.B. "Competitive Fingering", "Inside/ Outside-Strokes" usw.).

Bis dahin ...

Hassbriefe, Fragen und Vorschläge an talkinghands@web.de

 
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