The Show must go on ...
Das Musikbiz- Endorsements u.s.w.
So, was ist denn nun los? Ein Artikel über das Biz von MIR?
Obwohl ich mich da sonst so gerne raushalte? Obwohl ich eigentlich
mehr Gitarrenlehrartikel als Kolumnen schreiben wollte? Und
da fange ich jetzt an, über das Biz itself, nein, noch schlimmer,
über 'Endorsements' zu schreiben ? Wie kommt das denn?
Na, ganz einfach ... ich habe zu dem Thema schon ein wenig
Leserpost bekommen, habe diverse Diskussionen zu dem Thema
mitverfolgt, und ab und zu halte ich dann auch mal die Augen
auf, was denn in der Szene so passiert ... und irgendwie kann
ich jetzt nicht mehr stillhalten, und einfach mal ein wenig
erzählen, um vielleicht auf das eine oder andere Missverständisse
hinzuweisen oder Denkfehler auszubügeln.
Legen wir doch einfach mal los.
Wie ist es denn mit den ganzen Endorsement-Sachen? Nun, wir
kennen alle die beliebten Signaturemodelle. Die Steve Vai-Gitarre,
(und alle ihre verschiedenen Modelle ... gelb, grün, weiss,
schwarz, geteert und gefedert etc.), Eric Clapton's Signaturemodell
usw. Fast jede grössere Gitarrenfirma hat diverse Signaturemodelle
im Angebot, selbst PRS hat gerade das erste vorgestellt (Marc
Tremonti-Modell). Im Endeffekt kann man jenes als Mutation
des üblichen Endorsements sehen. Letzteres beruht auf dem
Prinzip, dass der eine oder andere Gitarrist (bleiben wir
doch einfach mal bei unserem Beispiel, Endorsements gibt's
aber in vielen Branchen, das geht vom Fussballschuh zum Auto)
halt mit einem Standardmodell (meinetwegen Fender Big Apple
Strat, die mit den Humbuckern) in den Werbeanzeigen von Fender
auftaucht.
Ist ja klasse, so als Verkaufsstrategie, besonders bei uns
Gitarristen. Wir streben doch immer nach dem Sound unserer
grossen Helden. Als ich damals anfing (und auch noch lange
danach) habe ich auch immer die Gitarren-Zeitschriften studiert
und das Foto der Lieblingsgitarren meiner Helden angegiert.
Und auch ich fiel in die alte Falle, die in der Gitarrenszene
leider irgendwie nie auszurotten ist. "Wenn ich die hätte
... Mensch, da wäre ich meinem Vorbild und seinem Killersound
doch schon hart auf den Fersen!" Kann man leugnen oder nicht,
so denken/dachten viele von uns.
Im Endeffekt gar nicht so abwegig, immerhin sehen wir da
ganz klar das Handwerkszeug unserer Idole, und da kann man
schon mal auf die Idee kommen, dass einem das hilft, näher
an's Vorbild zu kommen. Tja, und dann irgendwann, vor ein
paar Jährchen, war es einigen Firmen nicht mehr genug, bekanntere
Gitarristen mit Standardmodellen abzubilden (wir müssen zugeben,
dass eine Stratocaster mit Hendrix schnell zum Massenverkäufer
wurde, und wer sich ein wenig mit Gibson's Produktgeschichte
beschäftigt, und dann mal anguckt, welche Instrumente Leute
wie Page, Clapton und Beck in den 60ern schwangen, wundert
sich gar nicht mehr, warum eben diese Modelle auch heute noch
so bekannt sind, so einen Legendenstatus geniessen, und warum
einige Modelle schnell in der Versenkung versanken, und eine
Randexistenz führen, was ihre Popularität angeht).
Also, damals schon wussten die Firmen, dass den Künstlern
das Geld (und teilweise günstigere Preise, oder sogar Instrumente
für umsonst), das sie für diese Endorsement-Deals bekamen,
zwar gelegen kam, aber es war nach einer gewissen Zeit nicht
mehr geheimzuhalten, dass viele von den Jungs sich ihre Axt
auch noch modifizieren liessen, andere Elektronik, andere
Pickups, was auch immer.
Klar, Fender wird sich gefreut haben, Steve Morse mit einem
Boliden aus Strat und Tele auf jedem Foto grinsen zu sehen,
dass das Ding aber in der Form nur durch Heimwerkelei für
Otto Normalverbraucher zugänglich war ... tja, dass muss dann
doch wie eine offene Geldquelle gewirkt haben.
Gleiches mit Kollegen wie Eddie Van Halen u.a. Viele Gitarrenfirmen
hatten zu der Zeit bereits Custom Shops, wo man sich dann
ein Instrument nach eigenen Vorstellungen zusammenbauen lassen
konnte. Die Idee für "Signatureserien" lag also nicht fern.
Was ist das denn nun?
Nun, Gitarrenfirmen treten mit bekannten Künstlern (meist
schwimmen die gerade ganz oben auf der Verkaufswelle) in Kontakt
(selten oder nie ist es andersrum der Fall!!!), und jener
Künstler tritt dann sowohl mit der Research & Development-Abteilung
in Kontakt (klar, offensichtlich, einfach um sich da ein Modell
auf den Leib schneidern zu lassen), gleichzeitig stehen da
aber auch Gespräche mit der Marktforschungsabteilung an (und
das ist schon mal weniger bekannt!).
Warum? Ganz einfach! Die Firma hat ja nun die Intention,
über den guten Namen des Künstlers die Verkäufe etwas zu pushen.
Gleichzeitig wissen die Herren in der Geschäftsleitung aber
nur zu gut, dass sich ganz extreme Exoten nur schlecht verkaufen
lassen, auch wenn sich manche Fans auch von den verrücktesten
Auswüchsen nicht abschrecken lassen. Ist das nicht logisch?
Beweis nötig? Warum ist denn das Steve Vai Model von Ibanez
in allen verschiedenen Ausführungen (die ja meist eher äusserlich
sind) ganz einfach zum Verkauf ausgestellt, während man diverse
andere Modelle (wer kennt nicht Steve's dreihalsige JEM (nicht
das Herz, die andere!) mit 6Saiter-Hals, fretless Hals und
Mandolinen-Hals? Hat die schon einmal im Laden stehen sehen?
Nein? Oder wie wär's denn mit Joe Satriani's Plexiglas-Ibanez?
Die wird wohl auch kaum im Laden enden. Weil Ibanez klar ist,
dass so etwas Ausnahmefälle sind, die Endpreise wären dann
doch recht hoch, und wahrscheinlich wären nur extreme Fans
bereit, dafür das Geld lockerzumachen. Es ist ja auch zu bedenken,
ob es nun finanziellen und anderen Aufwand wert ist, soetwas
in Serie bauen zu lassen. Oft sind, wie gesagt, die grossen
Unterschiede nur äusserlich, es sind Exoten. Egal.
Wie ist denn da die Philosophie als Käufer?
Nun, geben wir es zu, viele dieser Modelle werden gekauft,
weil man halt ein Fan ist, und sich obendrein davon verspricht,
ein klein wenig näher an den Sound des Meisters ranzukommen.
Macht das Sinn? Weiss ich nicht. Ich glaube, da ist oft Verklärung
dabei. Ich bin mir sicher, dass da oft Instrumente gelauft
werden, die einem gar nicht mal ganz so gut gefallen, wie
das normale Serienmodell direkt daneben, aber man entscheidet
sich trotzdem zum Kauf, weil halt die Unterschrift des Favoriten
auf der Kopfplatte oder sonstwo prangt. Da sollten wir uns
jetzt mal einig sein, das überlasse ich jedem selbst. Da hat
jeder die freie Entscheidung. Ich gebe auch offen zu, dass
ich in meiner Frühzeit genauso nach den Signature-Modellen
diverser Firmen gegiert habe.
Und damals, Anfang der 90er, habe ich mir selbst die zu der
Zeit relativ neue Music Man Van Halen zugelegt. Mensch, hab
ich mir gedacht, endlich ein öffentlich zu kaufendes Signaturemodell
vom Eddie, brown sound und so, muss ich haben! Gefallen hat
sie mir auch, nur irgendwie wollte sich der Van Halen-Tone
Heaven doch nicht bei mir einstellen, und irgendwie gefiel
mir die Bespielbarkeit der Music Man Silhouette, die um einiges
günstiger im Laden stand, doch ein wenig besser. Natürlich
wollte ich mir selbiges nicht eingestehen. Gleiches mit der
Fender Sambora Strat. Sambora zählte damals zu meinen Favoriten,
und dann dieses Signaturemodell ... wow, geil, 'ne Floyd Rose
Strat, und was der Sambora da an Ton rausdrückt, da müssen
die Pickups geil ein, ist genau das Richtige für mich.
Tja, und bis ich dann erkannt hatte, dass ich mit dem aktiven
System drin nix anfangen konnte, und ich mir viel günstiger
'ne Standard-Floyd Rose-Strat hätte kaufen können, um dann
einen anderen Pickup einzubauen. Also, bis ich das erkannt
hatte, war es schon zu spät. Also bin auch ich hier nicht
unschuldig.
Was will ich nun sagen?
Dass man über das Prinzip der Signatureserien einfach mal
nachdenken sollte! Es geht doch hier immer grundsätzlich um
ein Instrument, dass sich ein Gitarrist, der ganz andere physikalische
Voraussetzungen hat als wir, einen anderen Geschmack, was
Ton, Aussehen und Bespielbarkeit angeht, auf den Leib schneidern
liess, nach seinen Vorstellungen (die Einschränkungen von
der Verkaufsabteilung, die ich erwähnt hatte, lassen wir jetzt
mal aussen vor). Also haben wir hier ein Custom Shop-Instrument.
Und das wird jetzt plötzlich in Serie produziert. Das klingt
doch irgendwie eigenartig. Und obendrein wird dann wirklich
der Signaturestatus betont, immer und immer wieder!
Was ist also aus dem ursprünglichen Konzept geworden, dem
Musiker ein Instrument auf den Leib zu schneidern? Und jetzt
kommt der Witz: auch wenn man sich nun das komplett in Anzeigen
abgedruckte "100% Original-Gear von Joe Satriani" zulegt,
heisst das immer noch nicht, dass man nun auch da stehen hat,
was Satch im Endeffekt wirklich benutzt. Und Satriani ist
nur ein Beispiel. Ich habe aus mehreren Quellen (meist auch
noch absolut glaubwürdig) gehört, dass die 5150-Amps, die
Eddie auf der Bühne hat, ausser dem Äusseren nicht mehr viel
mit den Serienmodellen zu tun haben.
Mehr Beispiele? Steve Vai's persönliche JEM's haben einen
weitaus schlankeren Hals als die Serienmodelle. Eddie verwendet
eher selten Peavey Wolgang-Gitarren, wie sie im Laden stehen,
sondern ferkelt oft mit Austauschpickups (PAF's, P90's) und
anderen Vibratosystemen herum. Mark Knopfler war lange Zeit
in Crate-Anzeigen zu sehen, wer nun aber glaubt, dass sein
Live- und Studio-Sound so einfach mit Crates zu machen ist,
wird beim Austesten schnell auf den Boden der Realität aufschlagen.
Ähnlich mit Eric Johnson's Marshalls (ok, kein Endorsement,
aber eine Tendenz hier, da er ja kein Endorsement hat, dürfte
es ihm eigentlich nix ausmachen, mal so über seine Amps zu
erzählen. Da ist nämlich fast nix mehr drin, was noch mit
Marshall zu tun hat).
Vor einiger Zeit rief mich ein Bekannter an, der in einem
grossen Gitarrenladen in Atlanta arbeitet. Die hatten gerade
einen von Eric's Spare-Amps zur Reparatur bekommen, und mein
Freund lud mich ein, mal 'nen Blick draufzuwerfen. Alter Schwede,
was da alles gemurkst wurde, das Ding quoll fast über vor
Updates. Da wird viel geheimgehalten. Ist doch auch irgendwie
klar. Sicher, "der Ton liegt in den Fingern" ... trotzdem
geben die wenigsten Spieler so einfach die Geheimnisse ihres
Sounds bekannt. Die behält man für sich. Ich kann mich erinnern,
dass gerade Mr. Van Halen in alten Interviews sich darüber
beschwerte, dass jeder versucht, sein Setup zu kopieren (vom
in seiner Gitarre versteckten Preamp/Booster will ich gar
nicht anfangen). Und dann so ganz plötzlich erlaubt er jedem
von uns, eine genaue Kopie seines Handwerkszeugs so einfach
im Laden zu kaufen?
Versteht mich nicht falsch, geil ist das Zeug schon. Ich
habe damals den 5150-Sound ausgetestet, und fand ihn spontan
klasse. Eine Mörderzerre, 'ne Menge Druck, habe selbiges Gerät
lange gespielt. Dass meine Version nun die gleiche ist wie
eine aus Eddie's Backline habe ich aber immer eher angezweifelt.
Und viele dieser Signaturemodelle (ob es nun um Amps oder
Gitarren geht) sind ja nun auch gute, ernstzunehmende Instrumente,
kein Zweifel. Im Endeffekt kommt der recht hohe Preis ja nun
nicht nur vom Signature-Aufschlag (bei dem man für die Unterschrift
bezahlt). Nein, hier wird oft hohe Qualität geboten. Nicht
nur, gebe ich offen zu, dass man da teilweise Instrumente
findet, die es ansonsten kaum in dieser Ausführung gibt. Steve
Morse' Signature-Gitarre, mit vier PU's und elf möglichen
Sounds. Die spiele ich selbst (weniger, weil ich Steve gut
kenne und ein paar seiner Platten habe), allerdings hatte
ich mich vorher umgesehen, ob es ein vergleichbares Instrument
auch ohne Signature gibt, mit ähnlichen Features, vielleicht
sogar bei einem Gitarrenbauer. Fehlanzeige, also musste die
Music Man her ... und heute werde ich dauernd gefragt, ob
ich wirklich so'n grosser Morse-Fan bin, wo ich doch seine
Klampfe spiele.
Kommentare? Von mir nicht!
Gleiches hatte ich mit der Peavey Vandenberg. Ein ungeheuer
günstiges Angebot, ein sehr schönes Shaping, spezialangefertigte
Pickups und ein ungemein dünner Hals, so ähnlich würde meine
Signaturegitarre auch aussehen, würde ich eine Million Alben
verkaufen und bekäme eine angeboten. Versteht mich nicht falsch.
Ich nehme mich hier nicht aus, ich habe damals, wie gesagt,
auch Gitarren wegen der Signature draufgekauft. Ich kenne
das Gefühl, sich das teuerbezahlte Gerät endlich vor den Bauch
zu schnallen und dann vom Gig im Madison Square Garden zu
träumen. Keine Frage. Nur irgendwann machte ich mir so Gedanken,
wie ich sie hier so aufgeschrieben hatte. In Stichpunkten
z.B.
- Bloss weil der Name draufsteht, heisst das noch lange
nicht, dass mein Held ein exakt gleiches Gerät verwendet.
- Bloss weil ich den Sound und Stil des Vorbildes gut kenne,
heisst das nicht, dass mich sein Instrument auch nur ein
Millimeterchen näher an seinen Sound bringt.
- Und schliesslich: ist diese Gitarre nun so anders, so
einzigartig, dass ich sie haben muss? Oder könnte ich die
gross aufgeführten Updates auch selbst ausführen?
Da gibt es nämlich nicht nur Exoten wie die Malmsteen-Strat
mit gescalloptem Griffbrett, Brass-Sattel und DiMarzio's drin.
Nein, da gibt es Kollegen wie die Robert Cray-Strat, die ausser
einer festgesetzten Bridge und unnatürlich höhenreichen Pickups
keinen nennenswerten Unterschied zu zahlreichen anderen Stock-Strats
bietet.
Wie gesagt, ist jedem selbst überlassen, ich rege hier nur
zum Denken an.
Kommen wir aber nun zu etwas Anderem:
Die Künstlerseite
Also, in das ganze Vertragswerk und die übliche Vorgehensweise
hat man als Aussenstehender eigentlich nie grosse Einblicke.
Klar, man will sich halt vorstellen, dass die Gitarrenfirma
auf Knien zum Shredkönig kriecht, ihm ein speziell für ihn
angefertigtes Instrument darbietet, um ihn dann für's Benutzen
noch königlich zu entzollen, sei es mit Geld oder Schubkarren
voll von freien Gitarren. Ist aber leider nicht so. Ich habe
das Glück gehabt, mich mal näher mit einigen endorsenden Künstlern
hier in den USA zu unterhalten, und ich habe einiges an Zeit
damit verbracht, mal so Sachen in der Presse zu verfolgen,
und unter diesem Aspekt Aussagen der Künstler zu bewerten.
Tja, und wie sieht's aus? Erstmal sieht es mit der Bezahlung
überhaupt nicht so klasse aus. Der Gewinn des Künstlers am
Verkauf der Gitarre ist eher gering. Und eine Riesenablösesumme
bei Wechseln gibt es in den meisten Fällen auch nicht. Zudem
verpflichten sich viele Künstler dazu, Workshops (gutes Werbemittel)
für die Firma zu veranstalten. Die werden fast nie besonders
gut bezahlt, laufen nie unter für den Künstler guten Bedingungen
ab. Ein ehemaliger Endorser für eine namhafte Firma hat mir
im Gespräch mal geflüstert, dass die Workshops ganz einfach
ein "pain in the a**" sind, weil sie teilweise kurz eingeschoben
werden, und der Künstler muss sich wegen Vertragsbindung dann
damit abfinden und seine Pläne umstellen ... um dann teilweise
in fremde Länder geflogen zu werden, wo er in Hinterhofläden
und im Hetztempo ein paar Workshops vom Stapel lassen muss.
Wo er nicht nur was von Spieltechnik erklärt, sondern auch
strahlend sein Signature-Modell präsentieren muss.
Das ist so ein anderer Vertragspunkt: der Signature-Artikel
sollte so oft wie möglich erwähnt werden und auf Fotos zu
sehen sein. Andere Gitarren, die zur Produktion des neusten
Albums verwendet wurden, dürfen höchstens mal (wenn überhaupt!)
unter "ferner liefen" erwähnt werden. Allerhöchstens die ganz
Grossen erlauben sich dann mal, zaghaft die Gitarre von der
anderen Firma in die Kamera zu halten, die den Traumsound
beim Balladen-Solo lieferte.
Und überlegen wir doch mal ganz genau: würden wir Gitarristen,
die wir so oft an GAS (Gear Acquisition Syndrome) leiden,
uns denn mit nur einer Gitarre abfinden? Würden wir nicht
eher die hartverdienten Pinunsen für andere geile Klampfen
herausschmeissen, die dann auch auf der Platte zu hören sind?
Stimmt's? Na, warum nennen denn die meisten Kollegen, die
ein Endorsement haben, immer nur die eine Gitarre?
Sicher, wir alle finden irgendwann mal ein Instrument (ob
ein Signaturemodell, eine Customgitarre oder einfach eine
von der Stange) die uns so gut gefällt, dass wir sie fast
immer spielen (einige Glückliche unter uns können sich dann
sogar auf ein einziges Instrument beschränken!), aber haben
wir nicht trotzdem immer noch die eine oder andere Klampfe
dabei? Und würden wir ein Album für ein Major Album aufnehmen,
würden wir dann nicht auch einmal ein paar verschiedene Gitarren
verwenden, einfach wegen Flexibilität? Oder weil man einfach
das geile Riff von Song #3 um diese Gitarre herumgeschrieben
hat, und sie nun gerne einsetzen würde, um selbiges aufzunehmen?
Stimmt wieder? Dann wieder die Frage: Warum nennen ... ihr
wisst schon! Und ich halte mich hier noch zurück, wenn es
um die Beschreibung von Machenschaften in der Sache geht?
Da wird mit harten Bandagen gekämpft.
Was sagt Ihr? Selbst schuld, wenn man den Vertrag unterschreibt?
Na, dann fragt Euch mal. Wenn bei Euch morgen Fender auf der
Matte steht und Euch anbietet, ein Instrument ganz genau nach
Euren Vorstellungen zu bauen, und wenn es fertig ist, steht
es in jedem Laden um die Ecke, und dann noch ein bisschen
Geld dafür und immer in den Hochglanzanzeigen, würdet Ihr
ganz so einfach abschlagen? Und das Kleingedruckte ... Workshops
... Betonung des Instrumentes in Interviews ... wieso, was
ist das schon? Da kann ich mir später drum Sorgen machen!
Denkt mal drüber nach!
Und noch schnell zurück zu uns,
den Konsumenten.
Wie wirkt das Ganze denn auf uns? Geht es denn den Frmen
wirklich darum (wie oft erwähnt), den Künstler mit einem massgeschneiderten
Instrument zu ehren? Ich lach mich tot! Wie
kommt es denn dann zum Beispiel, dass es bislang nur zwei
deutsche Endorser von grossen Firmen gibt, bei dem bei einem
das Signature noch auf "Limited Edition" beschränkt wurde,
obwohl das Ding doch irgendwie nie in den Läden endet? Ja,
ich rede von Matthias Jabs von den Scorpions. Haben wir in
deutschen Landen denn keine verdienstreiche Gitarristen? Wie
kommt es, dass Marc Tremonti von Creed (eine Band, die erst
seit ca. 2 Jahren im öffentlichen Bewusstsein ist) von einer
der namhaftesten Firmen im Business ein Signaturemodell bekommt,
während Jungs wie Uli Jon Roth, Matthias Jabs (wie gesagt,
irgendwie kommt das Ding nie so richtig in die Läden, und
zählt doch mal die Anzeigen mit der Jabocaster drin!) , Rudolf
und Michael Schenker (letzterer hatte mal ein Modell von Gibson,
glaube ich ... steht aber auch nirgendwo rum, habe ich das
Gefühl), Peter Weihe, Thomas Blug, Klaus Heuser, Harry Alfters
leer ausgehen? [Und
was ist mit Karl Allaut? d.S.]
Weil die weltweit nicht genug verkaufen! Oder weil sie keiner
kennt! Scheiss doch auf Tribut und Ehrung, mit solchen Namen
lässt sich nix verkaufen! Stattdessen dann Kollegen wie Marc,
Robert Cray (ob der so legendär ist, bezweifle ich), Adrian
Vandenberg, J.Yuenger, Noodles Wasserman. Also, das mit dem
Tribut lasse ich mir lieber nochmal durch den Kopf gehen.
Jungs, hier geht es eiskalt um den Profit. Kann man nichts
zu sagen, ist klar, 'ne Firma will Gewinn machen. Nur, muss
es bei uns sein?
Und dann noch die Sache mit den Endorser-Wechseln: ... ist
wie im Fussball ... Gambale zu Yamaha (nicht ohne nach 10
Jahren noch deftig im Internet Dampf über Ibanez abzulassen),
Tabor zu Yamaha (ob's bei denen wohl Butterbrote für lau gibt?),
Petrucci von Ibanez (was da wohl nicht stimmt) zu Music Man,
Eddie von Music Man zu Peavey ... Warum? Naja, entweder weil
es den Jungs einfach mit den Bedingungen zu hart wird, oder
sie ein besseres Angebot bekommen. Und wo dann Musik Produktiv
ganz grosskotzig über Eddie's Wechsel zu Peavey ... "Du Hure,
Du!", so gedruckt im Katalog vor ein paar Jahren ... liebe
Jungs von Produktiv: solltet Ihr als namhafter Handel nicht
ein wenig mehr Einblick in das Endorsement-Geschäft haben?
Solltet Ihr nicht wissen, dass es hier um Gewinn für Ed und
Peavey geht? Und würdet ihr bessere Angebote ausschlagen?
Dass es dem Künstler beim Wechsel einfach darum geht, dass
ihm das Instrument nicht gefällt, bezweifle ich. Warum denn
nicht anschliessend lieber ein paar Customgitarren beim Gitarrenbauer
massschneidern lassen, ohne Vertragsbindung? Ohne noch mal
in's Endorserfettnäppchen zu treten? Nein, gleich zur nächsten
Firma. Und ich bin mir sicher, dass es da um die Geldentscheidung
geht.
Leute wie Petrucci horten keine Millionen im Hintergarten,
die sind selbst auf lächerliche Endorsersummen angewiesen.
Schade ist nur, dass viele Fans dieser Musiker deren Glaubwürdigkeit
anzweifeln. Liebe Leute, ändert ein Wechsel der Gitarrenfirma
irgend etwas an der Qualität der Musik? Oder
an den Fähigkeiten des Musikers? Mögt ihr sein Spiel und seinen
Sound, oder boykottiert ihr ihn nach dem Wechsel, weil er
wie es scheint, keinen Funken Loyalität hat? Was sagt das
Ganze denn aus? Ist es so furchtbar, wenn jemand bei Firma
B einen besseren Deal bekommt und dnun vielleicht endlich
seine Rechnungen bezahlen kann? Und muss man gleich losrennen,
um sich auch das neueste Signaturemodell zu holen? Ist das
andere von der ursprünglichen Firma nun nicht mehr gut? Obwohl
der besagte Künstler es genau so nach seinen Vorstellungen
entworfen hat, wie das neue? Muss also die Neue her? Geht
es hier um den Fanstatus oder um das eigentlich Wichtige ...dass
einem das Instrument gefällt, dass man hat? Muss man dem Endorser
beim Firmenwechsel folgen?
Ich glaube nicht, weil die alte Gitarre keinen Deut schlechter
wird, bloss weil das Vorbild halt jetzt 'ne neue spielt. Ist
man nun mit der alten nicht mehr zufrieden, sollte man sich
überlegen, warum man sie damals nun gekauft hat. Weil man
sie nun wirklich vom Sound und Handling her mochte (und es
zusätzlich per Zufall auch das Leib- und Mageninstrument
des Idols ist), oder nur weil Vai, Satriani, Gambale oder
Lukather draufstand? Ist, wie gesagt, jedem selbst überlassen,
ich möchte nur einmal zum Nachdenken anregen. Wie gesagt,
selbst bin ich da nicht unbeleckt.
Und es geht hier nur um meine Meinung. Auch wenn es im Endeffekt
eine lange Kolumne geworden ist, so hoffe ich doch, vielleicht
einmal zum Nachdenken angeregt zu haben, und vielleicht ein
wenig mehr Einsicht in das Endorserwesen gegeben zu haben.
Danke für's Zuhören!
Anregungen, Lob und/oder Kritik wie immer an talkinghands@web.de
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