The Talking Hands Collection


The Show must go on ...

Das Musikbiz- Endorsements u.s.w.

So, was ist denn nun los? Ein Artikel über das Biz von MIR? Obwohl ich mich da sonst so gerne raushalte? Obwohl ich eigentlich mehr Gitarrenlehrartikel als Kolumnen schreiben wollte? Und da fange ich jetzt an, über das Biz itself, nein, noch schlimmer, über 'Endorsements' zu schreiben ? Wie kommt das denn?

Na, ganz einfach ... ich habe zu dem Thema schon ein wenig Leserpost bekommen, habe diverse Diskussionen zu dem Thema mitverfolgt, und ab und zu halte ich dann auch mal die Augen auf, was denn in der Szene so passiert ... und irgendwie kann ich jetzt nicht mehr stillhalten, und einfach mal ein wenig erzählen, um vielleicht auf das eine oder andere Missverständisse hinzuweisen oder Denkfehler auszubügeln.

Legen wir doch einfach mal los.

Wie ist es denn mit den ganzen Endorsement-Sachen? Nun, wir kennen alle die beliebten Signaturemodelle. Die Steve Vai-Gitarre, (und alle ihre verschiedenen Modelle ... gelb, grün, weiss, schwarz, geteert und gefedert etc.), Eric Clapton's Signaturemodell usw. Fast jede grössere Gitarrenfirma hat diverse Signaturemodelle im Angebot, selbst PRS hat gerade das erste vorgestellt (Marc Tremonti-Modell). Im Endeffekt kann man jenes als Mutation des üblichen Endorsements sehen. Letzteres beruht auf dem Prinzip, dass der eine oder andere Gitarrist (bleiben wir doch einfach mal bei unserem Beispiel, Endorsements gibt's aber in vielen Branchen, das geht vom Fussballschuh zum Auto) halt mit einem Standardmodell (meinetwegen Fender Big Apple Strat, die mit den Humbuckern) in den Werbeanzeigen von Fender auftaucht.

Ist ja klasse, so als Verkaufsstrategie, besonders bei uns Gitarristen. Wir streben doch immer nach dem Sound unserer grossen Helden. Als ich damals anfing (und auch noch lange danach) habe ich auch immer die Gitarren-Zeitschriften studiert und das Foto der Lieblingsgitarren meiner Helden angegiert. Und auch ich fiel in die alte Falle, die in der Gitarrenszene leider irgendwie nie auszurotten ist. "Wenn ich die hätte ... Mensch, da wäre ich meinem Vorbild und seinem Killersound doch schon hart auf den Fersen!" Kann man leugnen oder nicht, so denken/dachten viele von uns.

Im Endeffekt gar nicht so abwegig, immerhin sehen wir da ganz klar das Handwerkszeug unserer Idole, und da kann man schon mal auf die Idee kommen, dass einem das hilft, näher an's Vorbild zu kommen. Tja, und dann irgendwann, vor ein paar Jährchen, war es einigen Firmen nicht mehr genug, bekanntere Gitarristen mit Standardmodellen abzubilden (wir müssen zugeben, dass eine Stratocaster mit Hendrix schnell zum Massenverkäufer wurde, und wer sich ein wenig mit Gibson's Produktgeschichte beschäftigt, und dann mal anguckt, welche Instrumente Leute wie Page, Clapton und Beck in den 60ern schwangen, wundert sich gar nicht mehr, warum eben diese Modelle auch heute noch so bekannt sind, so einen Legendenstatus geniessen, und warum einige Modelle schnell in der Versenkung versanken, und eine Randexistenz führen, was ihre Popularität angeht).

Also, damals schon wussten die Firmen, dass den Künstlern das Geld (und teilweise günstigere Preise, oder sogar Instrumente für umsonst), das sie für diese Endorsement-Deals bekamen, zwar gelegen kam, aber es war nach einer gewissen Zeit nicht mehr geheimzuhalten, dass viele von den Jungs sich ihre Axt auch noch modifizieren liessen, andere Elektronik, andere Pickups, was auch immer.

Klar, Fender wird sich gefreut haben, Steve Morse mit einem Boliden aus Strat und Tele auf jedem Foto grinsen zu sehen, dass das Ding aber in der Form nur durch Heimwerkelei für Otto Normalverbraucher zugänglich war ... tja, dass muss dann doch wie eine offene Geldquelle gewirkt haben.

Gleiches mit Kollegen wie Eddie Van Halen u.a. Viele Gitarrenfirmen hatten zu der Zeit bereits Custom Shops, wo man sich dann ein Instrument nach eigenen Vorstellungen zusammenbauen lassen konnte. Die Idee für "Signatureserien" lag also nicht fern.

Was ist das denn nun?

Nun, Gitarrenfirmen treten mit bekannten Künstlern (meist schwimmen die gerade ganz oben auf der Verkaufswelle) in Kontakt (selten oder nie ist es andersrum der Fall!!!), und jener Künstler tritt dann sowohl mit der Research & Development-Abteilung in Kontakt (klar, offensichtlich, einfach um sich da ein Modell auf den Leib schneidern zu lassen), gleichzeitig stehen da aber auch Gespräche mit der Marktforschungsabteilung an (und das ist schon mal weniger bekannt!).

Warum? Ganz einfach! Die Firma hat ja nun die Intention, über den guten Namen des Künstlers die Verkäufe etwas zu pushen. Gleichzeitig wissen die Herren in der Geschäftsleitung aber nur zu gut, dass sich ganz extreme Exoten nur schlecht verkaufen lassen, auch wenn sich manche Fans auch von den verrücktesten Auswüchsen nicht abschrecken lassen. Ist das nicht logisch?

Beweis nötig? Warum ist denn das Steve Vai Model von Ibanez in allen verschiedenen Ausführungen (die ja meist eher äusserlich sind) ganz einfach zum Verkauf ausgestellt, während man diverse andere Modelle (wer kennt nicht Steve's dreihalsige JEM (nicht das Herz, die andere!) mit 6Saiter-Hals, fretless Hals und Mandolinen-Hals? Hat die schon einmal im Laden stehen sehen? Nein? Oder wie wär's denn mit Joe Satriani's Plexiglas-Ibanez? Die wird wohl auch kaum im Laden enden. Weil Ibanez klar ist, dass so etwas Ausnahmefälle sind, die Endpreise wären dann doch recht hoch, und wahrscheinlich wären nur extreme Fans bereit, dafür das Geld lockerzumachen. Es ist ja auch zu bedenken, ob es nun finanziellen und anderen Aufwand wert ist, soetwas in Serie bauen zu lassen. Oft sind, wie gesagt, die grossen Unterschiede nur äusserlich, es sind Exoten. Egal.

Wie ist denn da die Philosophie als Käufer?

Nun, geben wir es zu, viele dieser Modelle werden gekauft, weil man halt ein Fan ist, und sich obendrein davon verspricht, ein klein wenig näher an den Sound des Meisters ranzukommen. Macht das Sinn? Weiss ich nicht. Ich glaube, da ist oft Verklärung dabei. Ich bin mir sicher, dass da oft Instrumente gelauft werden, die einem gar nicht mal ganz so gut gefallen, wie das normale Serienmodell direkt daneben, aber man entscheidet sich trotzdem zum Kauf, weil halt die Unterschrift des Favoriten auf der Kopfplatte oder sonstwo prangt. Da sollten wir uns jetzt mal einig sein, das überlasse ich jedem selbst. Da hat jeder die freie Entscheidung. Ich gebe auch offen zu, dass ich in meiner Frühzeit genauso nach den Signature-Modellen diverser Firmen gegiert habe.

Und damals, Anfang der 90er, habe ich mir selbst die zu der Zeit relativ neue Music Man Van Halen zugelegt. Mensch, hab ich mir gedacht, endlich ein öffentlich zu kaufendes Signaturemodell vom Eddie, brown sound und so, muss ich haben! Gefallen hat sie mir auch, nur irgendwie wollte sich der Van Halen-Tone Heaven doch nicht bei mir einstellen, und irgendwie gefiel mir die Bespielbarkeit der Music Man Silhouette, die um einiges günstiger im Laden stand, doch ein wenig besser. Natürlich wollte ich mir selbiges nicht eingestehen. Gleiches mit der Fender Sambora Strat. Sambora zählte damals zu meinen Favoriten, und dann dieses Signaturemodell ... wow, geil, 'ne Floyd Rose Strat, und was der Sambora da an Ton rausdrückt, da müssen die Pickups geil ein, ist genau das Richtige für mich.

Tja, und bis ich dann erkannt hatte, dass ich mit dem aktiven System drin nix anfangen konnte, und ich mir viel günstiger 'ne Standard-Floyd Rose-Strat hätte kaufen können, um dann einen anderen Pickup einzubauen. Also, bis ich das erkannt hatte, war es schon zu spät. Also bin auch ich hier nicht unschuldig.

Was will ich nun sagen?

Dass man über das Prinzip der Signatureserien einfach mal nachdenken sollte! Es geht doch hier immer grundsätzlich um ein Instrument, dass sich ein Gitarrist, der ganz andere physikalische Voraussetzungen hat als wir, einen anderen Geschmack, was Ton, Aussehen und Bespielbarkeit angeht, auf den Leib schneidern liess, nach seinen Vorstellungen (die Einschränkungen von der Verkaufsabteilung, die ich erwähnt hatte, lassen wir jetzt mal aussen vor). Also haben wir hier ein Custom Shop-Instrument. Und das wird jetzt plötzlich in Serie produziert. Das klingt doch irgendwie eigenartig. Und obendrein wird dann wirklich der Signaturestatus betont, immer und immer wieder!

Was ist also aus dem ursprünglichen Konzept geworden, dem Musiker ein Instrument auf den Leib zu schneidern? Und jetzt kommt der Witz: auch wenn man sich nun das komplett in Anzeigen abgedruckte "100% Original-Gear von Joe Satriani" zulegt, heisst das immer noch nicht, dass man nun auch da stehen hat, was Satch im Endeffekt wirklich benutzt. Und Satriani ist nur ein Beispiel. Ich habe aus mehreren Quellen (meist auch noch absolut glaubwürdig) gehört, dass die 5150-Amps, die Eddie auf der Bühne hat, ausser dem Äusseren nicht mehr viel mit den Serienmodellen zu tun haben.

Mehr Beispiele? Steve Vai's persönliche JEM's haben einen weitaus schlankeren Hals als die Serienmodelle. Eddie verwendet eher selten Peavey Wolgang-Gitarren, wie sie im Laden stehen, sondern ferkelt oft mit Austauschpickups (PAF's, P90's) und anderen Vibratosystemen herum. Mark Knopfler war lange Zeit in Crate-Anzeigen zu sehen, wer nun aber glaubt, dass sein Live- und Studio-Sound so einfach mit Crates zu machen ist, wird beim Austesten schnell auf den Boden der Realität aufschlagen. Ähnlich mit Eric Johnson's Marshalls (ok, kein Endorsement, aber eine Tendenz hier, da er ja kein Endorsement hat, dürfte es ihm eigentlich nix ausmachen, mal so über seine Amps zu erzählen. Da ist nämlich fast nix mehr drin, was noch mit Marshall zu tun hat).

Vor einiger Zeit rief mich ein Bekannter an, der in einem grossen Gitarrenladen in Atlanta arbeitet. Die hatten gerade einen von Eric's Spare-Amps zur Reparatur bekommen, und mein Freund lud mich ein, mal 'nen Blick draufzuwerfen. Alter Schwede, was da alles gemurkst wurde, das Ding quoll fast über vor Updates. Da wird viel geheimgehalten. Ist doch auch irgendwie klar. Sicher, "der Ton liegt in den Fingern" ... trotzdem geben die wenigsten Spieler so einfach die Geheimnisse ihres Sounds bekannt. Die behält man für sich. Ich kann mich erinnern, dass gerade Mr. Van Halen in alten Interviews sich darüber beschwerte, dass jeder versucht, sein Setup zu kopieren (vom in seiner Gitarre versteckten Preamp/Booster will ich gar nicht anfangen). Und dann so ganz plötzlich erlaubt er jedem von uns, eine genaue Kopie seines Handwerkszeugs so einfach im Laden zu kaufen?

Versteht mich nicht falsch, geil ist das Zeug schon. Ich habe damals den 5150-Sound ausgetestet, und fand ihn spontan klasse. Eine Mörderzerre, 'ne Menge Druck, habe selbiges Gerät lange gespielt. Dass meine Version nun die gleiche ist wie eine aus Eddie's Backline habe ich aber immer eher angezweifelt. Und viele dieser Signaturemodelle (ob es nun um Amps oder Gitarren geht) sind ja nun auch gute, ernstzunehmende Instrumente, kein Zweifel. Im Endeffekt kommt der recht hohe Preis ja nun nicht nur vom Signature-Aufschlag (bei dem man für die Unterschrift bezahlt). Nein, hier wird oft hohe Qualität geboten. Nicht nur, gebe ich offen zu, dass man da teilweise Instrumente findet, die es ansonsten kaum in dieser Ausführung gibt. Steve Morse' Signature-Gitarre, mit vier PU's und elf möglichen Sounds. Die spiele ich selbst (weniger, weil ich Steve gut kenne und ein paar seiner Platten habe), allerdings hatte ich mich vorher umgesehen, ob es ein vergleichbares Instrument auch ohne Signature gibt, mit ähnlichen Features, vielleicht sogar bei einem Gitarrenbauer. Fehlanzeige, also musste die Music Man her ... und heute werde ich dauernd gefragt, ob ich wirklich so'n grosser Morse-Fan bin, wo ich doch seine Klampfe spiele.

Kommentare? Von mir nicht!

Gleiches hatte ich mit der Peavey Vandenberg. Ein ungeheuer günstiges Angebot, ein sehr schönes Shaping, spezialangefertigte Pickups und ein ungemein dünner Hals, so ähnlich würde meine Signaturegitarre auch aussehen, würde ich eine Million Alben verkaufen und bekäme eine angeboten. Versteht mich nicht falsch. Ich nehme mich hier nicht aus, ich habe damals, wie gesagt, auch Gitarren wegen der Signature draufgekauft. Ich kenne das Gefühl, sich das teuerbezahlte Gerät endlich vor den Bauch zu schnallen und dann vom Gig im Madison Square Garden zu träumen. Keine Frage. Nur irgendwann machte ich mir so Gedanken, wie ich sie hier so aufgeschrieben hatte. In Stichpunkten z.B.

  • Bloss weil der Name draufsteht, heisst das noch lange nicht, dass mein Held ein exakt gleiches Gerät verwendet.
  • Bloss weil ich den Sound und Stil des Vorbildes gut kenne, heisst das nicht, dass mich sein Instrument auch nur ein Millimeterchen näher an seinen Sound bringt.
  • Und schliesslich: ist diese Gitarre nun so anders, so einzigartig, dass ich sie haben muss? Oder könnte ich die gross aufgeführten Updates auch selbst ausführen?

Da gibt es nämlich nicht nur Exoten wie die Malmsteen-Strat mit gescalloptem Griffbrett, Brass-Sattel und DiMarzio's drin. Nein, da gibt es Kollegen wie die Robert Cray-Strat, die ausser einer festgesetzten Bridge und unnatürlich höhenreichen Pickups keinen nennenswerten Unterschied zu zahlreichen anderen Stock-Strats bietet.

Wie gesagt, ist jedem selbst überlassen, ich rege hier nur zum Denken an.

Kommen wir aber nun zu etwas Anderem:

Die Künstlerseite

Also, in das ganze Vertragswerk und die übliche Vorgehensweise hat man als Aussenstehender eigentlich nie grosse Einblicke. Klar, man will sich halt vorstellen, dass die Gitarrenfirma auf Knien zum Shredkönig kriecht, ihm ein speziell für ihn angefertigtes Instrument darbietet, um ihn dann für's Benutzen noch königlich zu entzollen, sei es mit Geld oder Schubkarren voll von freien Gitarren. Ist aber leider nicht so. Ich habe das Glück gehabt, mich mal näher mit einigen endorsenden Künstlern hier in den USA zu unterhalten, und ich habe einiges an Zeit damit verbracht, mal so Sachen in der Presse zu verfolgen, und unter diesem Aspekt Aussagen der Künstler zu bewerten.

Tja, und wie sieht's aus? Erstmal sieht es mit der Bezahlung überhaupt nicht so klasse aus. Der Gewinn des Künstlers am Verkauf der Gitarre ist eher gering. Und eine Riesenablösesumme bei Wechseln gibt es in den meisten Fällen auch nicht. Zudem verpflichten sich viele Künstler dazu, Workshops (gutes Werbemittel) für die Firma zu veranstalten. Die werden fast nie besonders gut bezahlt, laufen nie unter für den Künstler guten Bedingungen ab. Ein ehemaliger Endorser für eine namhafte Firma hat mir im Gespräch mal geflüstert, dass die Workshops ganz einfach ein "pain in the a**" sind, weil sie teilweise kurz eingeschoben werden, und der Künstler muss sich wegen Vertragsbindung dann damit abfinden und seine Pläne umstellen ... um dann teilweise in fremde Länder geflogen zu werden, wo er in Hinterhofläden und im Hetztempo ein paar Workshops vom Stapel lassen muss. Wo er nicht nur was von Spieltechnik erklärt, sondern auch strahlend sein Signature-Modell präsentieren muss.

Das ist so ein anderer Vertragspunkt: der Signature-Artikel sollte so oft wie möglich erwähnt werden und auf Fotos zu sehen sein. Andere Gitarren, die zur Produktion des neusten Albums verwendet wurden, dürfen höchstens mal (wenn überhaupt!) unter "ferner liefen" erwähnt werden. Allerhöchstens die ganz Grossen erlauben sich dann mal, zaghaft die Gitarre von der anderen Firma in die Kamera zu halten, die den Traumsound beim Balladen-Solo lieferte.

Und überlegen wir doch mal ganz genau: würden wir Gitarristen, die wir so oft an GAS (Gear Acquisition Syndrome) leiden, uns denn mit nur einer Gitarre abfinden? Würden wir nicht eher die hartverdienten Pinunsen für andere geile Klampfen herausschmeissen, die dann auch auf der Platte zu hören sind? Stimmt's? Na, warum nennen denn die meisten Kollegen, die ein Endorsement haben, immer nur die eine Gitarre? Sicher, wir alle finden irgendwann mal ein Instrument (ob ein Signaturemodell, eine Customgitarre oder einfach eine von der Stange) die uns so gut gefällt, dass wir sie fast immer spielen (einige Glückliche unter uns können sich dann sogar auf ein einziges Instrument beschränken!), aber haben wir nicht trotzdem immer noch die eine oder andere Klampfe dabei? Und würden wir ein Album für ein Major Album aufnehmen, würden wir dann nicht auch einmal ein paar verschiedene Gitarren verwenden, einfach wegen Flexibilität? Oder weil man einfach das geile Riff von Song #3 um diese Gitarre herumgeschrieben hat, und sie nun gerne einsetzen würde, um selbiges aufzunehmen?

Stimmt wieder? Dann wieder die Frage: Warum nennen ... ihr wisst schon! Und ich halte mich hier noch zurück, wenn es um die Beschreibung von Machenschaften in der Sache geht? Da wird mit harten Bandagen gekämpft.

Was sagt Ihr? Selbst schuld, wenn man den Vertrag unterschreibt? Na, dann fragt Euch mal. Wenn bei Euch morgen Fender auf der Matte steht und Euch anbietet, ein Instrument ganz genau nach Euren Vorstellungen zu bauen, und wenn es fertig ist, steht es in jedem Laden um die Ecke, und dann noch ein bisschen Geld dafür und immer in den Hochglanzanzeigen, würdet Ihr ganz so einfach abschlagen? Und das Kleingedruckte ... Workshops ... Betonung des Instrumentes in Interviews ... wieso, was ist das schon? Da kann ich mir später drum Sorgen machen! Denkt mal drüber nach!

Und noch schnell zurück zu uns,

den Konsumenten.

Wie wirkt das Ganze denn auf uns? Geht es denn den Frmen wirklich darum (wie oft erwähnt), den Künstler mit einem massgeschneiderten Instrument zu ehren? Ich lach mich tot! Wie kommt es denn dann zum Beispiel, dass es bislang nur zwei deutsche Endorser von grossen Firmen gibt, bei dem bei einem das Signature noch auf "Limited Edition" beschränkt wurde, obwohl das Ding doch irgendwie nie in den Läden endet? Ja, ich rede von Matthias Jabs von den Scorpions. Haben wir in deutschen Landen denn keine verdienstreiche Gitarristen? Wie kommt es, dass Marc Tremonti von Creed (eine Band, die erst seit ca. 2 Jahren im öffentlichen Bewusstsein ist) von einer der namhaftesten Firmen im Business ein Signaturemodell bekommt, während Jungs wie Uli Jon Roth, Matthias Jabs (wie gesagt, irgendwie kommt das Ding nie so richtig in die Läden, und zählt doch mal die Anzeigen mit der Jabocaster drin!) , Rudolf und Michael Schenker (letzterer hatte mal ein Modell von Gibson, glaube ich ... steht aber auch nirgendwo rum, habe ich das Gefühl), Peter Weihe, Thomas Blug, Klaus Heuser, Harry Alfters leer ausgehen? [Und was ist mit Karl Allaut? d.S.]

Weil die weltweit nicht genug verkaufen! Oder weil sie keiner kennt! Scheiss doch auf Tribut und Ehrung, mit solchen Namen lässt sich nix verkaufen! Stattdessen dann Kollegen wie Marc, Robert Cray (ob der so legendär ist, bezweifle ich), Adrian Vandenberg, J.Yuenger, Noodles Wasserman. Also, das mit dem Tribut lasse ich mir lieber nochmal durch den Kopf gehen. Jungs, hier geht es eiskalt um den Profit. Kann man nichts zu sagen, ist klar, 'ne Firma will Gewinn machen. Nur, muss es bei uns sein?

Und dann noch die Sache mit den Endorser-Wechseln: ... ist wie im Fussball ... Gambale zu Yamaha (nicht ohne nach 10 Jahren noch deftig im Internet Dampf über Ibanez abzulassen), Tabor zu Yamaha (ob's bei denen wohl Butterbrote für lau gibt?), Petrucci von Ibanez (was da wohl nicht stimmt) zu Music Man, Eddie von Music Man zu Peavey ... Warum? Naja, entweder weil es den Jungs einfach mit den Bedingungen zu hart wird, oder sie ein besseres Angebot bekommen. Und wo dann Musik Produktiv ganz grosskotzig über Eddie's Wechsel zu Peavey ... "Du Hure, Du!", so gedruckt im Katalog vor ein paar Jahren ... liebe Jungs von Produktiv: solltet Ihr als namhafter Handel nicht ein wenig mehr Einblick in das Endorsement-Geschäft haben? Solltet Ihr nicht wissen, dass es hier um Gewinn für Ed und Peavey geht? Und würdet ihr bessere Angebote ausschlagen?

Dass es dem Künstler beim Wechsel einfach darum geht, dass ihm das Instrument nicht gefällt, bezweifle ich. Warum denn nicht anschliessend lieber ein paar Customgitarren beim Gitarrenbauer massschneidern lassen, ohne Vertragsbindung? Ohne noch mal in's Endorserfettnäppchen zu treten? Nein, gleich zur nächsten Firma. Und ich bin mir sicher, dass es da um die Geldentscheidung geht.

Leute wie Petrucci horten keine Millionen im Hintergarten, die sind selbst auf lächerliche Endorsersummen angewiesen. Schade ist nur, dass viele Fans dieser Musiker deren Glaubwürdigkeit anzweifeln. Liebe Leute, ändert ein Wechsel der Gitarrenfirma irgend etwas an der Qualität der Musik? Oder an den Fähigkeiten des Musikers? Mögt ihr sein Spiel und seinen Sound, oder boykottiert ihr ihn nach dem Wechsel, weil er wie es scheint, keinen Funken Loyalität hat? Was sagt das Ganze denn aus? Ist es so furchtbar, wenn jemand bei Firma B einen besseren Deal bekommt und dnun vielleicht endlich seine Rechnungen bezahlen kann? Und muss man gleich losrennen, um sich auch das neueste Signaturemodell zu holen? Ist das andere von der ursprünglichen Firma nun nicht mehr gut? Obwohl der besagte Künstler es genau so nach seinen Vorstellungen entworfen hat, wie das neue? Muss also die Neue her? Geht es hier um den Fanstatus oder um das eigentlich Wichtige ...dass einem das Instrument gefällt, dass man hat? Muss man dem Endorser beim Firmenwechsel folgen?

Ich glaube nicht, weil die alte Gitarre keinen Deut schlechter wird, bloss weil das Vorbild halt jetzt 'ne neue spielt. Ist man nun mit der alten nicht mehr zufrieden, sollte man sich überlegen, warum man sie damals nun gekauft hat. Weil man sie nun wirklich vom Sound und Handling her mochte (und es zusätzlich per Zufall auch das Leib- und Mageninstrument des Idols ist), oder nur weil Vai, Satriani, Gambale oder Lukather draufstand? Ist, wie gesagt, jedem selbst überlassen, ich möchte nur einmal zum Nachdenken anregen. Wie gesagt, selbst bin ich da nicht unbeleckt.

Und es geht hier nur um meine Meinung. Auch wenn es im Endeffekt eine lange Kolumne geworden ist, so hoffe ich doch, vielleicht einmal zum Nachdenken angeregt zu haben, und vielleicht ein wenig mehr Einsicht in das Endorserwesen gegeben zu haben.

Danke für's Zuhören!

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