Beginners, Basics, Battlefields
Beginners VII: Akkorde und ihre Erweiterungen/Alterationen
Wüüüürg ... nun wird's aber echt staubtrocken
... Ein sehr theoretisches Thema habe ich mir da herausgepickt.
Abgesehen davon, dass der Sätzer mir wohl bald den Hintern
versohlen wird, wenn ich weiterhin so ohne Plan zwischen den
Themen hin und her springe, geht es heute um ein Thema, bei
dem ich auch noch eine Menge über Theorie schwafeln muss
...
Akkorde: Aufzucht und Pflege
Das Thema Akkorde samt Aufbau der Akkorde war auch schon
in der Theoriesektion von
Just Chords erklärt worden. Trotzdem will ich diesmal
einmal ganz gitarrenbezogen darauf eingehen.
Also .... am Anfang war ....
Zuerst soll es einmal um die Konstruktion von Akkorden gehen.
Dazu bedienen wir uns einmal einer Tonart, die ich in meinen
Artikeln bisher kaum verwendet habe. Also: Um die Bassisten
mal so richtig zu verwirren, machen wir das ganze mal an der
Tonart A-Dur/ F#-Moll fest (Har Har, die Ted-Nugent-Tonart....).
Also, wir wollen uns die ersten Akkorde bauen. Erste Stufe
wären dreistimmige Akkorde (zweistimmige, Power- Chords
sind in dem Sinne also keine Akkorde, aber das überlassen
wir einmal Statistikern und Keyboardern [...
und Bassisten ... d.S.] ).
Die Noten in A-Dur/F#-Moll sind A
- B - C# - D - E - F# - G# - A.
Wie wir alle wissen, sieht die Formel für dreistimmige
Grundakkorde so aus: 1 - 3 - 5,
also vom Grundton immer in Zweierschritten auf der Skala weiter.
Hier einmal alle Akkorde samt ihren Einzeltönen:
| Akkord |
1
|
3
|
5
|
| A-Dur |
A
|
C#
|
E
|
| B-Moll |
B
|
D
|
F#
|
| C#-Moll |
C#
|
E
|
G#
|
| D-Dur |
D
|
F#
|
A
|
| E-Dur |
E
|
G#
|
B
|
| F#-Moll |
F#
|
A
|
C#
|
| G# verm. |
G#
|
B
|
D
|
| A-Dur |
A
|
C#
|
E
|
Ok, nun wird bei einigen Leuten die Frage aufkommen: Wieso
ist nun ausgerechnet der A-, D- und E-Akkord Dur und die anderen
Moll, bzw. vermindert?
Nun, wie schon oben erklärt, nehmen wir die Formel
und erarbeiten uns so die Formel. Wer nun bei den Einzeltönen
genau hinsieht, wird feststellen, dass bei A, D und E der
nächste Ton im Abstand einer Dur-Terz (2 Ganztonschritte,
4 Halbtöne ), und bei B, C#, F# und auch beim G# im Abstand
einer Moll-Terz ( 1 1/2 Ganztonschritte, 3 Halbtöne)
folgt. (Boah, was für'n Satz).
Akkorde mit einer Dur-Terz sind Dur-Akkorde, Akkorde mit
einer Moll-Terz sind ... na? .... genau: Moll-Akkorde. Das
Geschlecht dieser Akkorde bestimmt sich also über die
Terz. Deswegen gelten die (vom Sätzer [...
und Ian Anderson ... ] geliebten) sus2
und sus4-Akkorde als "geschlechtslose" Akkorde, solange Ihr
auf dem Griffbrett auch wirklich die Sekunde (2) bzw. Quart
(4) spielt und tatsächlich die 3 (Terz) auslasst.
Alles klar?
Nein? .... habe ich mir gedacht !
Also, hier habe ich einmal alle Dur- und Moll-Akkorde in
A-Dur (wie in der Tabelle) aufgelistet, und ihr könnt
sie als MIDI hören:
| Stufen-Akkorde von A-Dur: |
 |
Gimme more ...
Wie, Ihr wollt vierstimmige Akkorde? Gut, erweitern wir
die Formel (1 - 3 - 5) um einen weiteren Zweierschritt und
schon haben wir die Formel für die vierstimmigen Akkorde:
1 - 3 - 5 - 7.
Hier die Akkorde samt Namen und Einzeltönen, wieder
einmal in A-Dur:
| Akkord |
1
|
3
|
5
|
7
|
| A-Dur7 |
A
|
C#
|
E
|
G#
|
| B-Moll7 |
B
|
D
|
F#
|
A
|
| C#-Moll7 |
C#
|
E
|
G#
|
B
|
| D-Dur7 |
D
|
F#
|
A
|
C#
|
| E-Dur7 |
E
|
G#
|
B
|
D
|
| F#-Moll7 |
F#
|
A
|
C#
|
E
|
| G# m7b5 |
G#
|
B
|
D
|
F#
|
| A-Dur7 |
A
|
C#
|
E
|
G#
|
Wir erhalten also Siebener-Akkorde. Dur7-Akkorde
beinhalten eine 7, die einen Halbton vom Grundton (bei A=G#,
bei D=C#) entfernt sind. Dom7-Akkorde sind eine Erweiterung
von Dur-Akkorden, nur enthalten sie eine 7, die einen Ganzton
(bei E=D) vom Grundton entfernt sind. Moll7-Akkorde
enthalten ebenfalls eine 7, die einen Ganzton vom Grundton
(bei B=A; bei C#=E; bei F#=E) entfernt sind ....
Ein Dom7 wird sehr oft (so auch vom mir verwendeten MIDI-Programm)
einfach als 7-Akkorde (Beispiel: Statt E-Dom7
als E7) bezeichnet.
So, soweit also zu den gewöhnlichen, vierstimmigen
Akkorden ... kommen wir nun zu ....
Erweiterungen und Alterationen!!! (zitter)
Also, zu Beginn nehmen wir erst einmal die sieben diatonischen
Skalen (und ich verweise noch einmal (einmal noch) ... gähn
... auf die Theoriesektion
von Just Chords), und formen Akkordformeln daraus ...
(Wie, das müsste jetzt aber klar sein ...)
Also:
|
Tonleiter
|
Akkord
|
|
| Ionisch |
1 2 3 4 5 6 7 |
1 3 5 7 9 11 13 |
maj7 9/11/13 |
| Dorisch |
1 2 b3 4 5 6 b7 |
1 b3 5 b7 9 11 13 |
m7 9/11/13 |
| Phrygisch |
1 b2 b3 4 5 b6 b7 |
1 b3 5 b7 b9 11 b13 |
m7 b9/11b13 |
| Lydisch |
1 2 3 #4 5 6 7 |
1 3 5 7 9 #11 13 |
maj7 9/#11/13 |
| Mixolydisch |
1 2 3 4 5 6 b7 |
1 3 5 b7 9 11 13 |
dom7 9/11/13 |
| Äolisch |
1 2 b3 4 5 b6 b7 |
1 b3 5 b7 9 11 b13 |
m7 9/11/b13 |
| Lokrisch |
1 b2 b3 4 b5 b6 b7 |
1 b3 b5 b7 b9 11 b13 |
m7 b5/b9/11/b13 |
|
|
Wir wir sehen, heissen Sekunde, Quart und Sext in der zweiten
Oktave None, Undezime und Tredezime.
Natürlich sind diese Akkorde auf dem Griffbrett erst
einmal unmöglich zu spielen, deswegen können wir
tatsächlich ein paar Töne weglassen, bzw. übergehen,
besonders im Bandkontext.
Ich hatte im Artikel über Harmonisierungen darüber
gesprochen, dass man sich ein gewisses Arrangement überlegen
sollte. Spielen Keyboard, zwei Gitarren und möglichst
auch noch Bass diese eher komplexen Akkorde, verwäscht
das ganze Klangbild.
Bands wie Dream Theater haben da schon recht witzige Ideen
und Arrangements, in denen als Beispiel der Bassist die Grundtöne
und z.B. die Quinten spielt, der Keyboarder die Terzen und
Septen in einer etwas höheren Position beisteuert und
der Gitarrist in den höheren Lagen z.B. Nonen und Tredezimen
spielt. So kommen sich die Instrumente im Klangbild nicht
gegenseitig in's Gehege, und das Klangbild bleibt mehr oder
weniger transparent.
Die Akkorde auszunotieren, sollte nun kein so grosses Problem
mehr sein. Als Beispiel habe ich eine ganz einfache Akkordfolge
in A ausnotiert: Amaj7 - Eadd9 -
Ddom9 - Aadd9
Darunter findet ihr eine Melodiegitarre (Mann, das klingt
jetzt aber echt nach Ricky King), die vom Ausgangston des
jeweiligen Akkordes aus die entsprechende Skala spielt:
Über dem ersten A wäre das also A-Dur (Ionisch),
über Eadd9 spielen wir E-Mixolydisch, über D D-Lydisch
und dann wieder A-Dur (Ionisch) runter (Wie, wat heisst hier
Blöder Jazz und Mode playing? Lass mich bloss
in Ruhe!).
Ich fordere auf, Euch diverse Fingersätze (positioniert
den Grundton mal auf verschiedenen Saiten) für jene Akkorde
zu suchen. Glaubt es oder nicht, aber es handelt sich hier
keineswegs um abgedrehte Megajazzhybridakkorde,
sondern echte Feld-, Wald- und Wiesenakkorde,
wie sie einem durchaus andauernd begegnen.
Also: Ausprobieren.
EXTRA:
Hier noch ein Extraanhang, zugehörig der heutigen Ausgabe
sowie dem Artikel über Harmonisierung: Ich habe hier
mal die Akkordfolge des alten George Benson-Klassikers Breezin
( Dmaj7 - Bmin7 - Emin7 - Adom7) genommen und in ein hübsches
kleines Tempo gepackt, und dann eine zweite Gitarre dazu arrangiert,
die grundsätzlich die gleichen Akkorde spielt, allerdings
in einer höheren Position.
Klingt doch putzig, oder nicht ?
Es geht hier, wie gesagt, darum, diese Akkorde in allen
möglichen Positionen zu spielen, um sich den jeweils
gegebenen Arrangements anzupassen, und nicht anderen Instrumenten
in die Quere zu kommen.
Jeder ist zum Üben aufgefordert
Bis dahin ...
Hassbriefe, Fragen und Vorschläge, wie bekannt, an
talkinghands@web.de
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