Beginners, Basics, Battlefields
Poooooooor lonesome Cowboy ... long
long way from home...
Wer erinnert sich nicht an diesen Titelsong der alten Zeichentrickserie
Lucky Luke.... und unser Held reitet einsam in
den Sonnenuntergang ... ach is'ses nicht schön .....
wovon ich rede? Na, vom heutigen Thema ... Cowboy-Musik ...
Country!
Wie der eine oder andere von Euch bereits weiss, wohne ich
im amerikanischen Bundesstaat Georgia, und der ist, gleich
nach Tennessee (da wo Nashville ist) wohl der Platz
für Countrymusik. Neben diversen Radiostationen gibt
es hier eine Fernsehstation, die sich einzig dem Country widmet,
und Konzerte in dieser Richtung gibt es hier auch ausreichend.
Und wer kennt nicht all die Legenden aus Nashville, der Countrymetropole,
wo Platten sozusagen am Fliessband produziert werden ....
Also, wer noch nicht so viel Country gehört hat (Vieles,
was da im deutschen Radio und Fernsehen zu hören bzw.
zu sehen ist, hat noch gar nicht mal so viel mit Country zu
tun, dafür ist er zu vielschichtig), dem empfehle ich
neben den populäreren und modernen Countrystars (Shania
Twain, Garth Brooks, Faith Hill etc.) auch mal Klassiker (David
Allan Coe, Travis Tritt, Waylon Jennings, Hank Williams jr.
& sr.). Und wer immer noch nicht weiss, dass es da gitarristisch
auch richtig zur Sache gehen kann, dem empfehle ich, sich
einmal die Werke von Künstlern wie Boy Howdy (übrigens
witzig: die Jungs klingen wie echte Kuhtreiber aus dem Herzen
Amerikas, sind aber alle gebürtige Kalifornier), Ricky
Skaggs, Albert Lee oder Brent Mason durch die Gehörgange
zu blasen.
Ein guter Einstieg zum Thema Countrygitarre findet
man auch in Ansätzen bei Eric Johnson (der auf den ersten
zwei Alben einen kleinen Tribut an den Country gezollt hat
... sollte ja als Texaner auch dran gewöhnt sein ...
Mann, heute leg ich aber richtig los mit all den Klischees
....) oder Steve Morse (besonders mit den Dixie
Dregs, die ja vom Country bzw. Bluegrass sehr beeinflusst
waren ...).
Worum geht es beim Country?
Also, Country ... da gibt es so eine gewisse Grundformel,
auf die man verweisen kann ... was aber nicht heisst, dass
man mit Kenntnis dieser ganz überzeugenden Country spielen
kann. Dazu gehören auch Attitüde und eine gewisse
Liebe zu dieser Musik. Wie gesagt, es ist nicht immer nur
Truckermusik wenn Country draufsteht.
Also, mal im Klartext: Wie bei fast allen anderen Musikstilen
gibt es hier keine grossen Geheimnisse, es gibt im eigentlichen
Sinne keine Countryakkorde oder Countryskalen
oder ähnliches. C&W (kein Bekleidungshaus, ist die
Abkürzung für Country & Western
und ab jetzt die Abkürzung in diesem Artikel) bedient
sich bei unserem Standardvokabular, es kommt nur auf Arrangement
und Instrumentierung an.
Eine der üblichsten harmonischen Folgen im C&W ist
die einfache Basiskadenz .... I-IV-V (z.B. in E: E-Dur
- A-Dur - B-Dur) ... und natürlich gibt es da viele andere
Variationen, es war nur ein Beispiel einer oftgenutzten (nicht
nur im C&W) Progression.
C&W ist sehr an der Gitarre orientiert (ungefähr
genauso sehr wie der Heavy Metal), und das ist vielleicht
auch der Grund, warum hier ein Basistool von uns Gitarristen
sehr oft benutzt wird: die vielbekannten sechstimmigen Grundakkorde,
auch Cowboy-Akkorde genannt (wieder ein Bezug
zum Metal, auch da wird ein typisches Gitarrengeschöpf
oft benuzt, der Powerchord).
Wir finden in der grundsätzlichen Instrumentierung im
C&W fast immer eine akustische Gitarre, die für das
harmonische Gerüst sorgt. Andere (neben Bass und Schlagzeug
natürlich) sehr oft benutzte Instrumente sind das (oder
die?) Pedal-Steel (ja, das Ding das so ähnlich wie eine
Zither aussieht), die Fiddle (ja, Fiedel, die lustige kleine
Geige) und das Piano (z.T. auch mal Honky-Tonk-Piano). Es
könnte tatsächlich sein, dass dies hier nur der
erste Artikel zum Thema ist (so klein ist das Thema ja nun
auch nicht), deswegen konzentriere ich mich heute mal wieder
auf die Leadgitarre.
Und da kommen wir nun zum grossen Geheimnis:
ES GIBT HIER KEIN GEHEIMNIS!
Es gibt sicherlich viele Leute, die denken, dass es da eine
geheime Countrysoloschule gibt, Countryskalen usw. .. alles
Unsinn, hier kommen die News:
Die Leadgitarre im Country baut sich auf Pentatoniken (plus
leicht modifizierten Pentatoniken), Blueslicks und einem gewissen
Sound auf. Wichtig auch Spieltechnik und Attitüde. Im
einzelnen .....
Der Sound
Jaha, wer hat da nicht schon drüber gelesen, im Effektworkshop
der einschlägigen Musikerzeitungen oder sonstwo. Tja,
um die Sologitarre so richtig C&W-mässig klingen
zu lassen, dazu braucht es wenige aber effektive Tools.
Die Gitarre
Hier gibt es keine Regeln, obwohl der Standard hier fast
immer eine Telecaster oder Stratocaster ist (bzw. Gitarren,
die an deren Konstruktion angelehnt sind) ... besonders die
Tele passt hier durch ihren höhenreichen TWANG-Sound
(welcher für viele der erste Sound ist, der ihnen beim
Begriff Countrygitarre einfällt, gleich nach
Schrumm ), und auch die Stratocaster kann mit
Bridgepickup oder Zwischenpositionen aktiviert sehr schöne
Ergebnisse bringen. ( u.U. könnte ich auch aktive Pickups
empfehlen, z.B. EMGs, so wie sie Studiolegende Vince
Gill verwendet). Dies sind alles nur Richtlinien ... habe
neulich selbst noch einen Auftritt von Brooks & Dunn (C&W-Veteranen),
bei denen deren Leadgitarrist (der überhaupt sehr modern
eingestellt zu sein schien) eine Ibanez mit Floyd Rose und
Glitterlackierung und Racksound spielte. Auch Semiakustische
Gitarren sowie Paulas etc. habe ich da schon gesehen.
Amp
Ein netter Röhrenamp mit nicht zu viel Verzerrung, u.U.
sogar ein Transistoramp (z.B. Preamp) passen hier immer ganz
gut. Markennamen fallen mir hier natürlich sofort ein,
z.B. Fender, Matchless oder Vox. Ein eingebauter Röhrenhall
waere ein toll passendes Extra.
Ich hatte neulich dass Vergnügen, bei einem lokalen
Countrysänger als Leadgitarrist zur Aushilfe zu spielen,
und da habe ich mit meinem ADA-Röhrenpreamp (bei dem
man sich den Funktionsmode zwischen Röhre und Transistor
aussuchen kann, ich hatte meinen Cleansound über die
Transistor- und den Zerrsound ueber die Röhrensektion
des Amps erreicht ) gute und sehr schön passende Ergebnisse
erreicht. Als Gitarren dienten mir meine alte Strat sowie
eine geliehene Tele, als Endstufe nahm ich die meines 5150s
her, und zur Verstärkung lieh ich mir eine 4x10
Box, die sich für Cleansounds meiner Meinung nach noch
ein klein wenig besser eignet als eine 4x12.
Effekte
Tja, hier gibts jetzt aber Zauberworte! Nämlich
Slapback-Echo und Kompressor. Ersteres
(ein Delay zwischen 80-160 ms) dient hervorragend zum Andicken,
simuliertem Doppeln oder einfach um diesen "Badezimmerkacheleffekt
hinzukriegen. Der Kompressor sollte besonders beim Cleansound
zum Einsatz kommen. Viele Countrygitarristen verwenden nur
ein paar Tretminen, z.B. Verzerrer (keine Metal-Säge
), Kompressor und Echo ... thats it ....
Aber noch einmal: Das sind nun keine Patentrezepte. Wer sich
all dies nun zulegt und einstöpselt, sollte nicht automatisch
einen authentischen Alvert Lee/Brent Mason-Leadsound erwarten.
Vielmehr sind dies alles nur Richtlinien ... ich habe Leute
aus neuesten HiGain-Marshalls und Hotrod-Strats tolle C&W-Sounds
holen hören. Es kommt auf Licks, Attitüde und Einfallsreichtum
an.
So, jetzt aber ran: Tonmaterial
Also, hier auch mal wieder nur Richtlinien. Ich
höre in den üblichen Soli hauptsächlich die
Dur-Pentatonik, aber auch die legendare Countryblues-Skala,
welche nichts weiter ist als eine um ein paar blue notes
erweiterte Pentatonik. Hier einmal ein Beispiel für einen
der fünf pentatonischen Fingersätze:
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Pattern I
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Pattern 2
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Und hier einmal in C-Dur/A-Moll, einmal durch die Lage rauf
und runter ... das erste Mal mit der Basispentatonik, beim
zweiten Mal dann mit der Country Blues-Scale (von
der es übrigens mehrere Variationen gibt):
Tja, diese kleinen chromatischen Durchgangstöne erlauben
uns nun schnelle Läufe mit teils sehr bluesigem Sound.
Mal ehrlich, es geht hier weniger um Countrylicks als eher
um Countryspielweise .... da geht es teilweise unheimlich
schnell daher, mit rasanten Läufen durch die Pentatonik
und wahnwitzigen Bends (mit denen z.T. der Sound des Pedal
Steel simuliert werden soll/kann). Sauberkeit ist hier erstes
Gebot (mal bei meinen Artikeln zum Wechselschlag bzw. Üben
gucken, wa?). Also jene Attitüde, Sound und Spielweise
erzeugen meist eher einen Countryeffekt als irgendwelche speziellen
Skalen oder 75.876.809 Licks.
Also, legen wir doch mal los, immer mit der Pentatonik im
Hinterkopf. Erstes Lick: ein ganz legendäres Blueslick
(das sogenannte Schmierlick), das, mit dem entsprechenden
Sound und im richtigen Tempo gespielt, ganz oft im C&W
zu finden ist ....
Eine Adaption desselben Licks, diesmal mit Lehrsaiten und
einem Lauf am Ende, findet ihr hier ....
Eine andere gerne verwendete Sache sind repeating patterns
wie dieses...das folgende Lick erhebt keinen Anspruch auf
musikalischen Gehalt, es geht eher darum zwei Variationen
dieses Konzepts aufzuzeigen.
So, nun eine etwas längere Figur, wie ich sie beim Brooks
& Dunn-Gitarristen gehört habe. Es startet mal wieder
mit dem Smear-Lick, gefolgt von einem Lauf durch
die CountryBlues-Skala, endend mit kurzen Doublestops a la
Hendrix ... stellt euch jenes (oder besser spielt es) mit
Cleansound und Kompressor bei 200 bpm vor ....
Das nächste Lick ist eine andere recht typische Figur,
ein sehr typisches Ende für ein Solo, hier einmal in
E-Dur. Ich empfehle dieses bzw. ähnliche Licks (mit Saitensprüngen
wie dieses) in verschiedenen Tonarten einzuüben. Sehr
interessant wird es, wenn man das ganze im Hybrid-Picking
(Noten auf der tieferen Saite mit dem Pick anschlagen, die
Noten auf der anderen Saite werden mit den übrigen Fingern
gezupft) ausprobiert ... eine sehr übliche Methode in
diesem Metier.
Und wieder: Sauberkeit und Tempo (in dieser Reihenfolge!)
So, noch einmal zu den vorher erwähnten Leersaiten ....
jene sind ein gern benutztes Werkzeug hier .... werfen wir
doch einmal einen Blick auf das nächste Lick.... wieder
einmal haben wir Triolen vor uns, jedesmal wird die leere
G-Saite angeschlagen, dann ein Hammer-On und eine Note gepickt
auf der nächsthöheren Saite, das Ganze über
einen E7:
So, das letzte Lick wird im MIDI-File nicht annähernd
so interessant klingen wie auf der Gitarre. Es handelt sich
um ein Lick, welches vom Banjo inspiriert wurde (nicht vom
Knusperriegel!!!) ... wir sehen, dass wir immer zwei Es
in der gleichen Oktave hintereinander haben ... auf der Gitarre
haben wir da ein klein bisschen Reibung, die aber eine Menge
ausmacht. Ich empfehle, die B-Saite mit dem Daumen und die
E-Saite mit dem Zeige- oder Mittelfinger anzuschlagen ...
da kann man ohne viel Arbeit zu einem Mördertempo kommen
... ausserdem solltet Ihr versuchen, Euch weiter den Hals
raufzubewegen ....
Wie, das war's schon?
Jau ... erstens war das wahrscheinlich nicht mein letztes
Wort zum Thema (andererseits halt ich aber auch nie
die Schn***** ....), und zum anderen bin ich eigentlich dagegen,
hier zu viele Licks aufzuzeigen ... nicht wegen mehr Arbeit,
sondern vielmehr weil es einfach keinen Sinn macht.
Es geht um Einfallsreichtum, Hinhören und ein wenig
Witz. Ausserdem kann man schon mit dem entsprechenden Sound
eine ganze Menge an Authentität gewinnen. Es geht auch
ganz einfach um die ganze Einstellung ... sauberes, schnelles
Spiel kann schon eine Menge zum Countrysound beitragen, mehr
als nur ein paar Licks bekannter Vorbilder ... dazu vielleicht
mehr im nächsten Teil.
Haltet die Ohren offen ....
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