The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Beginners II: Practising and Three-Notes-Per-String

Jawoll, endlich bekommt man hier was für sein Geld (Geld ???) ... dies ist sozusagen eine Doppelausgabe, denn es geht um zwei Themen, die ich hier (raffiniert wie ich bin ) verknüpft habe ...

  1. Will ich hier mal ein paar Übungen zur Wechselschlagtechnik aufzeigen, z.B. chromatische Übungen, um die Geschwindigkeit und die Kraft aller Finger zu fördern
  2. Habe ich ein paar Beispiele zur Three-Notes-Per-String-Technik in Verbindung mit Wechselschlag ...

Wichtig: Ich habe keine Zeichen für Auf- oder Abschlag eingefügt, da alle Übungen mit wechselnden Anfängen (d.h.: beginne jede Übung mit Aufwärtsschlag, dann mit Abwärtsschlag ) gespielt werden sollten.

Das Thema “Inside/Outside-Anschlag” habe ich mal aussen vor gelassen, darauf komme ich ein anders Mal zurück.

Ein Wort zum Üben: Beim Üben des Wechselschlages (wie bei fast allen anderen Techniken) sind ein paar Dinge besonders zu beachten:

  • Sauberkeit ... für das saubere Spielen von Läufen ist eine präzise Dämpfungstechnik vonnöten (auch darauf werde ich in einer anderen Folge noch ganz ausführlich zu sprechen kommen). Für das Üben schlage ich vor, alle Übungen ohne zu viel Verzerrung und ganz ohne Effekte, also “dry” zu spielen.
  • Präzision ... Die Noten sollten präzise gespielt werden. Wichtig für das Üben ist ein Metronom, um das Tempo gleichmässig zu steigern und hier ein natürliches Selbstbewusstsein aufzubauen. Alle Übungen sollten ganz langsam begonnen werden, langsamer als z.B. in den MIDI-Beispielen dieses Artikels. Ein gutes Einstiegstempo wäre z.B. 66 bpm, und wenn bei diesem Tempo die Übungen so richtig flutschen, ... Tempo langsam steigern!
  • Kreativität. Ich weiss, dass einige dieser Licks stinklangweilig sind, zuweilen auch grausig klingen. Trotzdem sollten sie alle mal probiert werden, so wie auf verschiedene Arten (mit wechselnder Schlagrichtung am Anfang, ab- statt aufwärts, in anderen Positionen, rückwärts) gespielt werden, um wirklich Sicherheit und Abwechslung in’s Spiel zu bekommen.

Also, nun zu den Licks...

Lick #1

MIDI

Die erste Übung ist vollkommen chromatisch, es geht über alle Saiten, jeweils die ersten vier Bünde, und anschliessend wieder abwärts. Noch einmal: Präzise spielen! (Keine Nebengeräusche, ungewollt schwingenden Saiten, kein “Mumpf” von zu viel Verzerrung), Rueckwärts! (Also am 4. Bund der tiefen E-Saite beginnen) und in allen Tempi und allen Positionen probieren.

Lick #2

MIDI

Nun wechseln wir beim Saitenwechsel auch den Bund, auf dem wir beginnen. Ab hoher E-Saite dann die Saiten wieder runter, allerdings mit verdrehtem Fingersatz. Wie gesagt, spielt diese Übungen mit wechselndem Anfangsschlag (Beginn mit Abwärtsschlag, beim nächsten Mal Aufwärtsschlag )!!!

Lick #3

MIDI

Wieder ein anderes Schema, aus dem sich verschiedene Übungen entwickeln lassen. Wir beginnen mit dem höchsten Ton, dann drei abwärts, dann das gleiche auf der anderen Saite.

Break

So, natürlich habt ihr Euch jetzt sehr viel Zeit mit diesen Übungen gelassen, sie in verschiedensten Positionen, Tempi und Variationen gespielt und somit eine gewisse Sicherheit in Sachen Wechselschlag entwickelt.

Gut, dann lasst uns das Tempo doch noch etwas anziehen ... mit einem bekannten Lick, bei dem die Chromatik ausgiebig genutzt wird ... dem “Hummelflug” von Rimsky-Korsakow ...

Lick #4

MIDI

Ich habe hier das “Hauptlick” ausnotiert und in einer willkürlichen Poition aufgeschrieben. Es steht jedem frei, den Fingersatz sowie die Grundposition zu wechseln.

Das Stück eignet sich sehr gut als Übung zum Wechselschlag, wie auch als “Aufwärmlick” (dafür habe ich es “missbraucht”), kann aber auch sehr gut in’s Solorepertoire aufgenommen werden, um mal die Mädels und die Gitarristen in der ersten Reihe zu beeindrucken. [die Bassisten diesmal nicht ... ? d. Sätzer]

Schöne Interpretationen dieses Stückes haben z.B. Kee Marcello (Ex-Europe, vorgeführt in seinem auch sonst sehr empfehlenswerten Lehrvideo), John Petrucci ( Dream Theater ) und Jennifer Batten vorgelegt, von Nuno Bettencourt’s “Parodie” , “Flight of the wounded bumblebee” ganz zu schweigen ...

So, weiter geht’s...

Lick #5

MIDI

Hier nun das erste Lick in Three-Notes-Per String-Technik (um’s einfacher zu machen, kürze ich das Ganze ab jetzt mit TNPS ab). Diese Technik ermöglicht schnelle Läufe über das ganze Griffbrett sowie Repeatinglicks, und lässt sich sehr schön auf die verschiedenen Fingersätze einer Skala anwenden. Ausserdem werden nur drei Finger der linken Hand benutzt, in verschiedenen Patterns, was die Koordintion der Finger verbessert.

Dieses Lick steht in keiner festen Tonart, sondern zeigt mal verschiedene Linke-Hand-Patterns. Im ersten Tkt wäre das 1-2-4, im zweiten 1-3-4. Diese Übung sollte über’s ganze Griffbrett auf- und abwärts sowie mit wechselnden Patterns geübt werden.

Zudem halte ich einen Querverweis zu Paul Gilbert’s erstem Lehrvideo für hilfreich, da er in diesem Video die Technik sehr schön demonstriert.

Lick #6

MIDI

Die vorher erklärte Technik im diatonischem Zusammenhang, hier in A-Moll/C-Dur. Vorsicht bei den Streckungen auf D- und G-Saite. Langsam üben, sonst kommt es zu Muskeln- oder Sehnenproblemen.

Auch für diese Übung gilt: Tempo und Tonika öfter mal wechseln, um sie auch wirklich in den verschiedenen Tonarten anwenden zu können.

Lick #7

MIDI

So, hier mal ein langer Beispiellauf, der TNPS mit Lagenwechseln demonstriert (wer Lust hat, spiele das Ganze mal mit Legatotechnik, Anschlag nur bei Saitenwechsel). Man kann hier sehr schön den Wechsel durch die verschiedenen Lagen sehen. Das Ganze üben wir natuerlich anschliessend auch mal abwärts!

Die Grundtonart ist G-Dur/E-Moll, und ambitionierten Lesern stelle ich die Aufgabe, dieses Lick mal in A-Dur, C-Dur und E-Dur zu spielen (und natürlich auch in anderen Tonarten!). Man muss halt einfach das Grundschema herauslesen und dann in die verschiedenen Tonarten übertragen.

Lick #8

MIDI

Hier mal TNPS abwärts unter Verwendung von ausschliesslich B- und E-Saite. Das Ganze steht in A-Moll/C-Dur. Einzelne Komponenten des Licks können herausgepickt und als Repeating Pattern verwendet werden.

Lick #9

MIDI

Wieder eine Übung in C-Dur/A-Moll, doch diesmal geht’s mehr in Richtung “praxisbezogene Licks” ... wir vermeiden die weiten Streckungen und peppen die Skala mal mit chromatischen Durchgangstönen auf. Bei entsprechender Geschwindigkeit nimmt’s eh keiner mehr wahr (Oh Gott, das war ein Scherz!!!! Keine Hassbrieflawinen) ... wir bekommen etwas “Dreck” in ansonsten klinisch klingende Licks.

Zum Ende hin drehen wir den Fingersatz wieder mal um ...


So, das war’s auch schon wieder

Und noch einmal: Die vorgeführten Licks waren nur als “Richtungsweiser”, als Orientierungen gedacht. Würde ich alle möglichen Wechselschlag-Übungslicks in nur einer Tonart auflisten, hätte der Sätzer (Hallo erstmal! [Hiiiiijjjj, ....]) keinen Platz mehr auf seinem Server.

Kreativität ist gefragt, jeder sollte versuchen, sich eigene Übungen auszudenken. Dabei sollten die verschiedensten Komponenten (Tonika, Tempi, Saitenwechsel, Chromatik oder nicht, Fingersatz) usw. ausgeschöpft und eingebaut werden.

Es kann dauern, bis sich ein merkbarer Erfolg einstellt, und das Üben mit Metronom kann sich als langweilig erweisen, aber eins verspreche ich: Wenn ihr ambitionert genug seid, Euch Zeit nehmt und Euch einen eigenen kleinen Übungsplan aufstellt, dann wird das zu Erfolgen in Sachen Geschwindigkeit und Präzision fuehren.

Ausserdem kann man das Gelernte auch mal beim Jammen zu Platten/in der Band anwenden, was ebenfalls zu neuer Motivation führen kann.

Und für Kritiker: Wechselschlag, bzw. eine sehr saubere und präzise Wechselschlagtechnik ist ein Grundstein für alle weiteren Techniken. Der Wechselschlag ist sehr viel unsensibler gegenüber “Einbauen von Noten” als Techniken wie Sweeping, bei der beim Einbau neuer Noten usw. der gesamte Fingersatz in sich zusammenfällt und neu entwickelt werden muss.

Und TNPS ist nicht nur was zum Angeben, sondern kann hervorragend zum Verbinden verschiedener Melodien/ Zielnoten verwendet werden. Beides gehört zum Standardrepertoire eines jeden guten Gitarristen ...

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