The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Skales, Patterns etc. ... Part I

Ja!!! Ich beuge mich!! Ich gebe auf. Nach all den Verweisen auf Rainer's Theorieecke, die ich immer mal wieder in meinen vorherigen Artikeln eingebaut hatte wenn es mal haarig wurde (so nach dem Motto " Spielt C# Enigmatisch in allen Lagen auf- und abwärts ... wie das geht? Guckt mal bei Rainer!" [werden wir nachholen ... d.S.]) werde ich jetzt mal mehr auf Skalen und Patterns eingehen.

Warum? Nun, nach all den Predigten über die Pentatonik und die Nichtexistenz der "Zauberskala" will ich doch einmal helfen, das Griffbrett durch- und überschaubarer zu machen, und eine kleine Hilfestellung für den Gebrauch zu geben.
Das Ganze ist mit Vorsicht zu geniessen. Zwar helfen die folgenden Grafiken und Erläuterungen hoffentlich, sich auf dem Griffbrett besser zurechtzufinden, andererseits ist dazu viel Arbeit nötig, und wer sich zu sehr gehen lässt verliert den Bezug zur Melodik und geht in die "Skala rauf-Skala runter"-Nudelliga über. Das sollte vermieden werden. Im Endeffekt wollen wir Musik machen, Melodien spielen und auch mal nudeln, aber interessant soll es ja auch bleiben. Dabei kann es enorm hilfreich sein, sich auf dem Griffbrett auszukennen, nur sollte es halt nie wie "Ich kenn mehr Fingersätze" - Wettbewerbe klingen.

Ich weiss auch, dass verschiedene Spieler verschiedene Ansätze zur Navigation auf dem Griffbrett haben. Einige denken in Arpeggios, andere tatsächlich in echten Noten, wieder andere in Fingersätzen, sog. Patterns. Vielleicht wird es mir gelingen, dies alles zu vereinen, so dass eine vollständige Sicherheit im Bezug auf das Übertragen von Tonleitern auf das Griffbrett entsteht.

Dabei werde ich mir etwas erlauben, was ich vorher versucht habe zu vermeiden ... zum einen wird es Wiederholungen geben, zum Anderen versuche ich etwas in einen Artikel bzw. mehrere Artikel zu fassen,was ich mir über längere Zeit erarbeitet, bzw. "in kleinen Portionen verdaut habe". Deswegen auch diese lange Vorrede und eventuelle Warnungen im Text.

Dieser Artikel sollte nicht einfach so durchgearbeitet werden, um ihn dann nach 15 Minuten in die Ecke zu schmeissen. Das ist auch, glaube ich, gar nicht möglich. Wie gesagt, ich beuge mich, und damit meine ich, dass ich nun ein paar Patterns vorgebe .... Dur-Patterns, Longform-Patterns und Pentatonik-Patterns. Diese muss man, will man sie im Kopf behalten und kreativ anwenden, einzeln angehen, sich selbst verständlich machen, auswendig lernen und dann anwenden!!!!

Wenn ich an meine Anfänge zurückdenke, war das bei mir ganz genau so, sogar etwas extrem. Alles fing damit an, dass mich mein damaliger Gitarrenlehrer bat, doch mal ein improvisiertes und unbegleitetes Solo auf Kassette aufzunehmen um sagen zu können, wie weit ich bin (zu der Zeit nahm ich gerade mal ein paar Wochen Unterricht, und hatte gerade erst drei Monate zuvor meine erste E-Gitarre erworben ). Von Skalen, Diatoniken usw hatte ich überhaupt keine Ahnung (weswegen mein Respekt vor meinen Lieblingsgitarristen wahrscheinlich noch grösser war ... boah ey, aus all den Noten, die man auf dem Griffbrett hat, immer die auszusuchen, die passt .... wow, ganz schön schwer). Also Kassettenrekorder angeschmissen, Amp davor und losgedudelt ... ähm ... naja, toll klang das nicht ... an der Technik mangelte es, irgendwie klangen die stolperigen Läufe echt eigenartig ... aber am Ende dann Tapping, das konnte ich schon, auch wenn ich keine Ahnung hatte,was ich da harmonisch so anstelle.

Am nächsten Donnerstag dann dem Lehrer vorgespielt ... der hat ganz glasige Augen gekriegt .... "Du, was für Skalen spielst'n so ?" ... darauf ich: "Oh, da fällt mir ein, von Skalen hab ich mal was gelesen, was'n das ???". Tja, und da erklärte mir der Mann dann das Prinzip und zeichnete mir ein Pattern auf (Major Pattern II) und erklärte mir, wie ich diese in einem Song anwenden könnte. WOW! Ich nach Hause, schöne Schnulzballade angestellt, von der ich zufällig de Tonart wusste, und dann mal ausprobieren. Kklar, klingt nach nix, kein Konzept drin, keine fliessenden Läufe, aber Mann!!!! Keine einzige Note daneben! Keine schiefen Noten mehr (die gab's nur, wenn's dann an's Bending ging, aber dazu später) .... Tja, und so wurde dieses Pattern dann die erste richtige Grundlage zum Improvisieren und Transkriptieren (Melodien konnte ich damit nämlich auch leichter herausfinden ).

Noch mehr zu Patterns

Das Problem war halt nur, dass ich dieses Pattern halt nur in einer Position anwenden konnte, bzw. höchstens noch 'ne Oktave höher. Also ging ich daran, mir neue Patterns mit den gleichen Noten auszuknobeln ... später kaufte ich mir dann ein paar Bücher zum Thema, hatte eigentlich alles richtig gemacht bis auf die Tatsache, dass ich sieben statt fünf Patterns hatte, aber egal ...

Tja, und nach und nach schaffte ich mir jene drauf, genauso wie später die Longform-Patterns (die in der Literatur ein eher stilles Leben führen, habe insgesamt zwei Bücher gefunden, in denen sie aufgeführt sind!). Was mir das brachte? Sicherheit auf dem Griffbrett, Läufe durch die ganzen Lagen, Transponieren vereinfacht, das Heraushören wurde einfacher .... ich hatte einfach mehr Möglichkeiten und das Griffbrett wurde sehr übersichtlich.

Also, fang ich dann mal mit den Patterns an, und dann erkläre ich später was dazu. Erst einmal jedoch: Wie kommt man drauf, wie kriegt man solche Patterns zusammen und warum???? Zuerst einmal: sie erleichtern die Übersicht, lassen sich gut einteilen, öffenen die Tür zur Bewegnung in alle Richtungen (vertikal, horizontal, diagonal ... dazu hatte ich auch schon einen Artikel) etc.

Nehmen wir als Beispiel die gute alte C-Dur Skala. Sie lautet:

C - D - E - F - G - A - B - C

und die Pentatonik:

C - D - E - G - A - C

Nun gehen wir jede Saite entlang und markieren alle Noten der C-Dur-Skala ... anschliessend teilen wir das Ganze in fünf Patterns. Und hier sind sie: Erst einmal das Griffbrett bis zu 15. Bund, alle Noten aus C-Dur (beachtet die Leersaiten) sind eingetragen, alle C's sind rot markiert:

Und hier einmal die Einteilung in die fünf Durpatterns ...

So, und nun gemäss der Unterteilung aus der zweiten Grafik hier alle fünf Patterns:

Wie wir sehen, laufen die Patterns ineinander, sie verzahnen sich. Das heisst, dass z.B. die Noten in den höheren Bünden von Pattern I die gleichen Noten wie die in den tiefen Bünden von Pattern II sind usw. So, bevor wir jetzt zur Anwendung und zum Üben kommen, muss ich noch was Wichtiges erwähnen. Nämlich den Grund, warum ich alle Grundtöne (im Beispiel C) markiert habe. Dazu muss ich allerdings etwas ausholen .... Moment .... HALT! .... sitzenbleiben und weiterlesen jetzt!!!! So ist's gut!

Also, wenn wir uns jene Patterns einmal genau ansehen, stellen wir fest, dass sie sich sehr ähneln, bzw. dass man sie in Kategorien einteilen können. So ähneln z.B. Pattern III und IV sehr Pattern I, man muss nur eine Note in allen Oktaven umpositionieren (ausserdem ähneln sich genauso Pattern II und V).

Wir könnten also genauso gut sagen: Pattern III ist wie Pattern I, mit einer Extranote auf der G-Saite, einer weniger auf der D-Saite, und die zweite Note auf der E-1 Saite ist verschoben.

Alles klar? Dieser Ansatz sollte einigen das Erlernen dieser Patterns erleichtern (genauso wie "Eselsbrücken" wie diese u.U. das Erlernen von Diatoniken erleichtern können). Also weiter ... wie gesagt, brauchen wir für das Erlernen dieser Patterns Zeit, müssen uns jedes einzelne einzeln draufschaffen und es vor allem anwenden!

Nun, schaffen wir uns mal Pattern I drauf und jammen in C. Wir wissen, dass das C auf der A-Saite im letzten Bund des Patterns (in der Praxis je nach Oktave am 3. oder 15. Bund) und auf der B-Saite am ersten (bzw. 13. Bund), also im ersten Bund des Patterns auf der B-Saite liegt. Wenn wir dann also damit mal improvisieren, tendieren wir höchstwahrscheinlich dazu, diese Grundtöne als Fixpunkte zu setzen, z.B. um ein Solo zu beginnen oder zu beenden. Dies passiert ganz automatisch und macht ja auch Sinn. Wenn man sich dann mal verrennt, kann man sich immer mit einem Sprung zu einem der C's retten.

Nun wollen wir z.B. Pattern No. II lernen und so anwenden ... wir denken uns "Klar, ist wie Pattern I, mit einer Note weniger da und einer mehr hier und so weiter" ... ABER!!!! Die Grundtöne, das C, liegen ganz woanders !!! Denkt man also "Auch hier liegt der Grundton auf der A-Saite am höchsten Bund des Patterns!" liegt man nicht nur falsch, nein, wenn man es ausprobiert, wird man schnell merken dass es nicht das C, sondern das F ist ... und wir wissen (hoffentlich) dass dies zum Teil eine sehr spannende Note sein kann. Wer z.B. über eine I-IV-V-Progression improvisiert und seine tollsten Läufe abliefert, dann aber (wegen des oben erwähnten Orientierungsfehlers) auf jenem F aufhört .... wird mit Überraschung beobachten, wie sich bei einem selbst sowie bei eventuellen Zuhören die Haare auf den Armen gen Himmel recken ....

Also, neben purem Pattern-Denken sollte man immer im Hinterkopf haben, wo man gerade ist, bzw. wo gerade der Grundton ist. So, nun mal zum Üben jener Patterns...

Üben, Üben, Üben, ...

Also, erst einmal wird man wahrscheinlich zum Rauf .... HALT ... ganz wichtig! Der Fingersatz! Bei diesen Patterns zahlt es sich aus zu beachten, dass jeder Finger einen Bund hat ... also bei Pattern I z.B. spielt der erste Finger alle Noten im ersten Bund des Patterns, der zweite Finger alle im nächsten, der dritte alles im dritten usw. Sollte eine Note ausserhalb dieser vier Bünde liegen (Pattern II, III und V erstrecken sich ja über vier Bünde) nehmen wir diese Noten je nach Position noch mit erstem oder zweitem Finger mit, oder arrangieren das Ganze so, dass wir trotzdem möglichst wenig die Hand bewegen müssen.

Hier einmal die gute alte Rauf-Runter-Übung (übrigens auch gut zum Üben des Wechselschlages oder von Hammer-Ons und Pull-Off's ):

Wie gesagt, alles in C-Dur, es handelt sich um Pattern I, der erste Bund ist durch die Leersaiten ersetzt (deswegen auch kein erster Finger). Hier nochmal ein Beispiel mit einem anderen Pattern ....

Hier geht's um Pattern No .... na? .... richtig, Pattern III. Und wie wir sehen, ändern wir auf der G-Saite den Fingersatz, um einen bequemen Fingersatz zu gewahrleisten. Gleiches können wir z.B. auch auf der B-Saite in Pattern No. II usw. machen.

So, was gibt's sonst noch so an Übungen? Tausende, Millionen. Immerhin haben wir durch diese Pattern enorm viel Material z.B, für 3Notes-per-String-Übungen, und wer sich die Patterns einmal genau ansieht findet tolle Möglichkeiten für Diads (Zweitöne oder Doublestops). Auch Stringskipping etc. können gut angewendet werden. Bevor ich nun zu den anderen Patterns übergehe, gebe ich jetzt noch ein paar Übungen vor, z.T. in anderen Tonarten.

Erst einmal eine "3 runter, Sprung 2 rauf, 3 runter usw."-Übung (sehr legendär ) in F-Dur, Pattern III.

Oder wie wärs mit einer Zweiton-Übung im Pattern V von G-Dur.... ?

Und noch eine String-Skipping Übung a'la Paul Gilbert, Pattern I in G-Dur .... [Ich hatte ihn vermisst, ehrlich! d.S.]

Das sind natürlich alles nur Kratzer an der Oberfläche des Materials, aber es sollen auch nur Ansätze sein. Die Patterns sollten auf diese und andere Weisen geübt werden, und können gleichzeitig wiederum Tonmaterial für Übungen zu einer bestimmten Technik (Tapping, Sweeping, Stringskipping, Alternate Picking, Legato, Bendings etc.) sein.

Das alles sollte sich über einen bestimmten Zeitraum erstrecken, und natürlich sollte man jenes dann auch praktisch anwenden. Lernen wir z.B. Pattern I, legen wir eine CD ein, wählen einen Song, den wir gut kennen (meinetwegen "Wonderful Tonight" von Clapton). Jenes Stück ist z.B. in G-Dur, und da kann man dann gleich das Pattern verwenden. Das G liegt auf der A-Saite am 10. Bund, also wissen wir, wo das Pattern positioniert werden muss.
Nun können wir mal versuchen, ein paar Notenfolgen und erste Melodien zu spielen. Wer will, kann z.B. den Noten der jeweiligen Akkorde folgen (Arpeggien), allerdings strikt im Pattern bleiben. Das erhöht das Bewusstsein, welche Noten wo liegen ... und damit hatten wir die drei Sichtweisen aus der Einleitung schon einmal das erstemal vereint.

So, das war's erstmal für den ersten Teil, im zweiten Teil geht es um die fünf entsprechenden Pentatonik-Patterns, und dann um die sieben Longform-Patterns, ausserdem kommen wir auf die Anwendung und Ausnutzung all dieser zu sprechen (habt Geduld, es klingt alles sehr trocken und ist eine Menge Stoff, aber ich werde auch immer versuchen, den praktischen Teil nicht zu kurz kommen zu lassen und die Musik nicht zu vergessen!), und schliesslich wird es um die Verknüpfung der Patterns gehen, bzw. Bewegungsrichtungen und Anwendungen, die aus dem typischen "Pattern rauf und runter" ausbrechen helfen sollen.

Also, bis zum nächstenmal, wenn es wieder heisst: Fünf Patterns, kein Grundton und der Bass verstimmt .... oder Schweine im Weltall.

Mail immer mal ran an talkinghands@web.de

 
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