The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Skales, Patterns etc. ... Part II (Langlauf)

Yo, wieder da? Klasse, dann kann's ja weitergehen.

Also, ..., im ersten Teil hatte ich ja schon mit "Longform Patterns" und "Pentatonic Patterns" gedroht, jetzt geht's los! Wie fange ich an ...

Noch mal Dur-Pattern

Also, damals hatte mir (wie gesagt) mein damaliger Lehrer eines der fünf Dur-Patterns gezeigt, und nachdem ich mir jenes genau eingeprägt hatte, ging es dann mit dem Improvisieren und Heraushören mit Hilfe besagten Patterns los. Jenes Pattern wurde dann der Grundstein und zu der Zeit mein einizges Werkzeug zum Melodiespiel/Solospiel .... einfach weil ich die anderen Patterns noch nicht kannte bzw. mir noch nicht so ganz klar war, dass es da noch mehr Patterns gab, und dass ich, falls ich mir auch diese draufschaffen würde, ich das ganze Griffbrett zur Verfügung haben würde. Also immer mal schön wie ein Verrückter die Lagen gewechselt, mit nur einem Pattern hat man da eh' nur höchstens zwei Möglichkeiten ... in den tiefen Lagen spielen, oder in den hohen, das Pattern kann man ja auch immer eine Oktave höher bzw. tiefer verwenden.

Doch das alles war mir noch zuwenig ("You greedy bastard !!" ... und kurze Zeit später kam ich dann an eine Übersicht mit allen fünf Patterns. Also auch die in die Birne gescannt und ab dafür ... ja natürlich klang es am Anfang wieder ein wenig stockend, man muss sich ja erst einleben .... bla bla .....

Und ich war immer noch nicht zufrieden ("Jetzt werd mal nich' unverschämt, ey !!!") .... bei einigen der grossen Vorbilder (Lukather, Gilbert, Skolnick, Satriani ... so war das zu der Zeit) konnte man nämlich immer zusehen wie sich die Jungs lustig durch die Lagen dudelten, Hals rauf und runter, schräg über alle Saiten.

Also hab ich mich wieder hingesetzt und mir die Dur-Patterns mal genau angesehen ... da musste es doch eine Möglichkeit geben .... also beim Melodiespiel geht das ja, da kann ich dann auch quer durch die Lagen, aber bei schnelleren Passagen .... und ausserdem, nebenbei, mit den Three-Note-Per-String-Runs (die ja nun auch gar nicht so unbedeutend sind) klappt's auch noch nicht so, in jedem Dur-Pattern ist nämlich immer auch eine Saite mit nur zwei Noten .... geh ich eine Note höher spiele ich gleich wieder die tiefste der drei Noten auf der nächsthöheren Saite (was ein Satz! [Satz? d.S.]), ausserdem ist das Verlassen eines normalen Dur-Patterns eher unökonomisch.

Also mal geguckt ... wenn ich jetzt z.B. mal die Notenpositionen auf den Basssaiten aus dem einen Pattern nehme, und die höheren aus der anderen ....denk, grübel ..... das muss doch ...... Also, man merkt schon, das wurde frustrierend.... was da an Ergebnissen herauskam, war eher schwach was Spielfluss usw. angeht. [Zumindestens ist mir jetzt klar, warum Gitarristen so schwer aus dem Quark kommen ... :-) d.S.]

Longform-Patterns

Bis dann, ja, bis ich dann irgendwann in einem Workshop auf die sieben Longform-Patterns hingewiesen wurde. Boah, ey, noch sieben mehr! Wieder so lange schuften um natürlich in jenen spielen zu können .... stöhn, aber was herauskommt ist schon bombig. Drei Noten auf allen Saiten, und die Orientierung ist einfacher, wenn man in diesen Longformpatterns denkt ... zudem ... die Intervalle ....

Starte ich ein Pattern auf dem tiefen G (3. Bund, E6) und spiele durch jenes Pattern, lande ich am Ende nach einem "wohlproportionierten" (also ohne unlogische oder schwer nachvollziehbare Sprünge) beim C (8. Bund, E1), ein ganz schöner Unterschied zu früher.

So, das klang ja jetzt bestimmt enorm technisch, langweilig bzw. unmusikalisch, ist es aber nicht. Schafft man es nämlich, sich in jene Patterns hereinzudenken, tun sich ganz neue Welten auf ... weite Strecken überwunden, quer durch die Lagen (sicher nicht so weit wie bei "2 String Patterns" oder "Along the String"-Licks, aber dazu später) ... auch das Spielen von Melodien fiel mir leichter, und ich hatte in jeder Lage noch mehr Doublestops als zuvor bei reinen Durpatterns.

Also, jetzt mal ganz ohne weitere Kommentare [?] .... hier kommt mal wieder das ganze Griffbrett mit allen Noten .... diesmal in F-Dur, weil wir dann bei der tiefsten spielbaren und gegriffenen (also nix mit leerer E6-Saite) Note beginnen können, dann nochmal der Hals mit den getrennten Patterns und schliesslich alle Patterns mit eingetragenen Grundtönen einzeln.

Wie man in der zweiten Grafik sieht, ist die Aufteilung ein wenig komplizierter als jene bei den Durpatterns. Lagenwechsel sind nötig, und wenn man genau hinsieht, sieht man nicht nur eine gewisse Regelmässigkeit in der Aufteilung (bedingt durch den Fakt, dass wir ja drei Noten per Saite wollen), sondern auch dass ein Longformpattern aus Teilen von jeweils zwei Durpattern zusammengesetzt ist, verbunden durch den Lagenwechsel.

Hier noch einmal alle Patterns einzeln, Grundtöne sind rot eingetragen .....

Wie sind diese Patterns nun kreiert, bzw. nachzuvollziehen ?

Nun, wir fingen mit dem F auf der E6-Saite an, gingen dann zwei Schritten auf der F-Dur Skala nach oben (G und A, 3. und 5. Bund entlang der Saite), dann zur nächsten Saite und weiter mit der nächsthöheren Note (Bb, 1. Bund A-Saite) etc. Wir sehen den gar nicht so schwer zu merkenden Aufbau, da fallen einem doch die Läufe und Doublestops nur so in die Hände.

Meine Favoriten unter den Patterns sind Nr. I, II, V und VII .... aber .... erst wenn man alle sieben Patterns beherrscht und bezogen auf den Grundton auf's Griffbrett übertragen kann, hat man die Freiheit der lückenlosen diatonischen Bewegnung auf dem Griffbrett .... keine Lücken mehr, Lagenwechsel butterweich und nicht so abgehakt, wir können mit einem Longformpattern einen grösseren tonalen Abstand überwinden usw.

Noch ein Nachtrag ...

Was ich noch erwähnen sollte (hab ich beim ersten Artikel natürlich vergessen) ist, was man bei anderen Tonarten macht. F-Dur sehen wir ja oben .... der Grundton ist die tiefste spielbare gegriffene Note. Was aber bei D-Dur zum Beispiel? Nun, da verlegen wir Pattern I, der Grundton liegt ja am 10. Bund der E-Saite ... also fängt Pattern I da an.

Was aber mit den tieferen Lagen?

Ganz einfach - wie gesagt liegen die Anfangsnoten eines jeden Longformpatterns nur einen diatonischen Schritt auseinander. Die tiefste Note von Pattern VII wäre in diesem Falle also C#. Also fängt Pattern VII am 9. Bund der E-Saite an, Pattern VI am 7ten (B), Pattern V am 5. Bund (A), Pattern IV am 3. Bund (G) und Pattern III am zwoten (F#) .... das Gleiche dann andersrum vom 10. Bund aufwärts .... Pattern II am 12. Bund angefangen (E) usw.

"Gegnern" von Theorie wird dieser Ansatz bestimmt recht kommen, braucht man hierzu doch nur die einzelnen Noten einer Skala vom Grundton aus abzuzählen und jeweils von der entsprechenden Position auf der E6 (oder E1, wenn andersrum, also mit höchster Note jedes Patterns angefangen) das Pattern zu starten.

Was machen wir jetzt mit all dem???

Wie bei jeder neuen Tonleiter / Patternsystem die / das wir lernen, sollten wir das Ganze langsam angehen und einmal versuchen, alles mögliche damit auszuprobieren. Z.B. ist, wie schon mehrmals erwähnt, ein Longform-Pattern geradezu prädestiniert für Three-Note-per-String-Runs, und durch den optisch logischen Aufbau der Patterns (speziell I, II, V und VII) kann man sich nicht nur von Pattern zu Pattern von oben nach unten spielen, sondern auch einmal quer durchgehen, durch Vermischen der Patterns. Also, hier erstmal ein paar Beispiele dafür ....

So, erst einmal die typische Rauf-Runter-Geschichte, in F-Dur, rauf in Pattern I, runter in II (im MIDI FIle einmal mit 120 bpm, dann 180 bpm).

Jetzt mal eine Übung durch mehrere der Patterns, um grosse Streckungen zu überwinden. Man beachte, dass wir jeweils am Taktanfang immer ein G (jedoch in verschiedenen Positionen) spielen.

So, jetzt bitte aufpassen beim nächsten Lick ....

Damit lüfte ich nämlich noch ein anderes "Geheimnis". Ich werde oft gefragt, wie man denn nun lange, schnelle Läufe konstruiert (da gehen die Feeling-Fetischisten jetzt wharscheinlich auf die Barrikaden .... gemach, meine Freunde, gemach!!!). Namen wie Paul Gilbert, Shawn Lane und Andy Timmons fallen oft, wobei auch fast immer eine gewisse Frustration zu spüren ist.

Das Zauberwort heisst "Sequenzen"! Nein, nicht "Sequenzer", gepfuscht wird nicht! Sequenzen heisst in diesem Fall kleine Segmente / Figuren mit zumeist logischer Tonfolge (wenn ich hier nicht noch 'nen Doktortitel in Mathe kriege!), also nicht unbedingt ein strikter Lauf, sondern ausgefuchste Repeating Patterns.

Diese kann man dann in verschiedenen Positionen mit verschiedenen Noten spielen, wiederholen, aneinanderreihen und erhält lange Passagen, die zumeist schnell sind und ohne viel Verschieben der linken Hand auskommen. Das Gute daran ist, dass man sich zumeist nur eine Grundversion dieser Sequenzen draufschaffen und üben muss, und sie dann beliebig auf dem Griffbrett verschieben kann ... der motorische Prozess bleibt bis auf kleine Unterschiede der gleiche.

Hier nochmal das gleiche Lick, nur habe ich diesmal im ersten Takt die einzelnen Sequenzen getrennt und durch rote Umrahmung hervorgehoben:

Für die mutigen hier eine sehr typische Paul Gilbert-Passage, ebenfalls mit Schwerpunkt in Sequenzen. Dieses Lick, genau wie das vorherige, ist übrigens im 12/8 Takt:

Und hier noch einmal mit den einzelnen Sequenzen. Man sieht, dass hier ein gewisses Prinzip vorliegt. Das Tempo liegt bei nur 90 bpm, da wir aber 32tel spielen, geht's tempomässig ganz schön nach vorne.

Hach, is'ses nicht schön ... im nächsten Lick haben wir die weiten Intervalle, die uns die Longform-Patterns erleichtern, und obendrein noch eine schöne Übung für verschiedene Pickingvarianten .... 12/8, Tempo 90:

Und noch eins ... diesmal etwas langsamer (80 bpm) und triolisch, aber mit hohem Anspruch an Lagenwechsel .... vom 24. Bund E1 zum tiefen G am dritten Bund der tiefen E-Saite und zurück

Was mir besonders am letzten Lick so gut gefällt sind die teils überraschenden Intervalle / Positionswechsel, die dem gelangweilten Ohr (und auch den gelangweilten Fingern, was das betrifft!) Abwechslung verschaffen.

Ich fordere dazu auf, sich selbst einmal ein paar Pattern / Sequenzen zurechtzulegen und diese mit dem "Gilbert-Prinzip" zu langen Passagen zu erweitern. Den Anspruch kann jeder für sich selbst bestimmen, und man kann auch experiementieren .... grössere Lagenwechsel, Bezug auf Akkordtöne etc.

Und nu?

So, was hat uns das alles gebracht? Das Thema Sequenzen ist ja eines für sich, das habe ich einfach mal nur so eingebracht ....

Nun, wir haben nach Erlernen der Longform-Patterns einen kompletten Überblick über das Griffbrett, und sind einfach dazu in der Lage, uns mit teilweise überraschenden Lagenwechseln über das ganze Griffbrett zu bewegen, und auch in allen wichtigen Richtungen. Selbst für Melodien kann dies sehr hilfreich sein, da wir nun einfach mal beim Experimentieren auf Neues stossen können, und uns einfach überall hin bewegen können.

Der Ausbruch aus den oft verkalkten "in einer Lage rauf und runter über zwei Oktaven" steht bevor .... also ein Konzept für Y2K ....

Das nächstemal geht's um die Pentatonik (schon wieder?)

Mail immer ran an talkinghands@web.de ...

 
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