Shred 101 - Steve Morse, Pt. 1
Wie? Was denn? Wieder ein Tribute Artikel? Der Überschrift
nach zu urteilen schon, im Endeffekt aber eben nicht. Es geht
hier ganz klipp und klar nicht nur um irgendeinen Tribut an
Steve Morse, sondern darum, ein wenig seine Spielweise zu
durchleuchten (wobei auch einige der älteren Artikel
in der Talking Hands Collection als nützlich erkannt werden
könnten), und auch um ein wenig die Werbetrommel für
den guten Mann zu rühren. Dazu aber später.
Warum mache ich das Ganze nun? Nun, ich bin seit Jahren
ein großer Fan von Steve Morse und seinen Bands/Projekten,
ganz besonders was die Steve Morse Band und die Dixie Dregs
angeht. In den USA sind beide Formationen immer noch öfter
mal unterwegs, wodurch ich die Gelegenheit hatte, Steve und
die anderen Mitglieder der Bands persönlich kennenzulernen
... nach ein paar wirklich tollen Gigs.
Irgendwann, beim "Meet N´Greet" nach einer
Show kamen Steve und ich in´s Gespräch. Die Lounge
leerte sich, und langsam vertiefte sich unser Gespräch.
Dabei stellte ich fest, das viele Gerüchte über
Steve wirklich der Wahrheit entsprechen: ein wahnsinnig lieber
Kerl, der sich für seine Fans den Hintern aufreisst,
immer an deren Meinung interessiert ist, und auch niemals
echte Starallüren an den Tag legt. Außerdem ist
Steve einer der hart arbeitendsten Musiker im Geschäft,
und auch dauernd unterwegs. Den Kontakt hielten wir dann per
Email und später per Telefon aufrecht, und ich folgte
mit meiner Freundin der Dixie Dregs Tour entlang der Ostküste
im Frühjahr 2000. Und immer war sich Steve nie zu schade,
seinen Fans noch lange nach Ende der Show Rede und Antwort
zu stehen, Autogramme zu geben etc. Außerdem legte der
Gute dann auch noch jeden Abend eine tolle Show hin, und überzeugte
nicht nur durch seine phänomenale Gitarrentechnik, sondern
auch durch ungemein gefühlvolles Spiel und einer Prise
Humor.
In Deutschland ist Steve zwar durch seine Arbeit mit Deep
Purple wieder ein wenig populärer, seine Arbeit mit den
Dixie Dregs und leider auch mit der Steve Morse Band ist in
deutschen Landen aber leider immer noch nicht sehr bekannt.
Deswegen hoffe ich, das der eine oder andere durch diesen
und die folgenden Artikel über Steve vielleicht Interesse
bekommt und sich die Musik des Guten einmal zu Gemüte
führt. Steve ist ein ungemein vielseitiger Gitarrist,
und obendrein ein echt guter Komponist und Arrangeur ... deswegen
glaube ich, daß jeder bei ihm ein wenig was finden kann,
was ihn anspricht.
Obwohl ich eigentlich weniger gern mit Platitüden oder
Superlativen um mich werfe, würde ich Steve als einen
der vielseitigsten und interessantesten Gitarristen der letzten
Jahre sehen, nicht nur was sein Spiel und die Kompositionen
angeht, sondern auch wenn es um Attitüde, Fanarbeit und
Willen geht (immerhin spielte der Gute eine Tour mit den Dregs
und der SMB auf einem (!!!) Billing diesen Sommer ... eh schon
ein harter Job. Jedoch hatte er sich obendrein zwei Wochen
vorher den Arm gebrochen, mußte also mit Gipsarm spielen
... und hat das Ganze trotzdem gut herübergebracht).
Erst einmal zur
Geschichte
Steve wurde in Ohio geboren, wo er auch die ersten Jahre
seines Lebens verbrachte. Anschließend zog er mit seiner
Familie in den Süden der USA, nach Georgia. Dort gründete
er erste Bands, bevor er schließlich an die Universität
von Florida ging, wo er seine musikalischen Kenntnisse noch
vertiefte (diese Schule hat einen gewissen Kultstatus, auch
Pat Metheny hat dort viel Zeit verbracht).
Schließlich gründete er die Dixie Grits, die
sich später in die Dixie Dregs umbenannten. Die Band
ging durch einige personelle Wechsel, zu der legendärsten
Besetzungen gehörten aber in der Frühzeit Andy West
(später u.a. bei Vinnie Moore, ein wahnsinnig lieber
Kerl), Rod Morgenstein (später Sessiondrummer, u.a. auch
bei Winger und als Lehrer beim Berklee), Allen Sloane (der
ist heute Doktor, war bei der Reuniontour Mitte 1999 als Gast
mit dabei, zu hören z.B. auf dem genialen Livemitschnitt
"California Screaming"), T.Lavitz (der später
auch solo arbeitet, und zusammen mit Kultgitarrist Jimmy Herring
(anhören, Leute!!!!), der heute eine Band leitet, die
sich ein wenig an Grateful Dead orientiert), und bei der u.a.
auch Rod Morgenstein wieder dabei ist. Name der Band und auch
mein absoluter Tipp: Jazz Is Dead.
In den 80ern gab es dann Versuche mit Sängern, und gegen
Ende des Jahrzehnts wurde Andy West durch Dave LaRue ersetzt
(der ja auch seit 1990 Stammitglied der SMB ist), und für
Violinist Allen Sloane kam Jerry Goodman (Ex-The Flock, Ex-Mahavishnu
Orchestra, Gruss an den Sätzer! [...
der JG schon seit The Flock kennt und schätzt. d.S.]).
Musikalisch waren und sind die Dregs eine der vielseitigsten
Bands, die man sich vorstellen kann. Starke Einflüsse
aus Jazz, Klassik, Fusion, Country Rock wurden verarbeitet,
die Musik reichte von komplizierten meditativen Nummern über
eher rockende Nummern mit einem gewissen Twist bis zu energievollen
Countryshrednummern.
Steve war hierbei der musikalische Kopf, zeichnet sich für
fast alle Komponisationen verantwortlich. Die Band löste
sich Anfang der 80er wegen persönlichen Differenzen auf,
wurde aber Ende der 80er bzw. Anfang der 90er mit etwas anderer
Besetzung (LaRue, Goodman) wiederbelebt, was zu kleinen Touren
sowie zwei Live- und einem Studioalbum führte.
Auch heute sind die Dregs nicht offiziell aufgelöst,
ganz im Gegenteil, im Jahr 1999 gab es eine Tour, im Jahr
2000 sogar zwei!
Zu den Alben
The Great Spectacular: Nur per Mailorder zu
beziehen, sind dies Neuveröffenlichungen von frühen
Demos der Dregs. Die meisten Songs (bis auf zwei) sind neu
aufgenommen auf späteren Alben zu finden. Soundqualität
ist roh, die Songs und Performances zeigen aber schon das
Potential der Band.
FreeFall: Das erste offizielle Album. Sehr
70er Jahre orientiert, mit viel Funk und Fusion. Mit diesem
Album startete eine von Steve´s "Marotten"
... die stille akustische Nummer, die auf fast jedem Album
zu finden ist (in diesem Fall das wunderschöne "Northern
Lights"). Ausserdem dabei: der Klassiker "Cruise
Control", der immer noch oft gespielt wird und ein Vehikel
für viele geniale Soli und Unisonopassagen wurde.
What If...: Für viele das absolute Meisterwerk
der Dregs ... eine Scheibe, die die Vielschichtigkeit und
Virtuosität der Band zeigt. Von mysteriösen, fusionangehauchten
Nummern wie dem Titelsong über musikalische Reisen in
"Odyssey" bis zu Countryshred und Rocknummern (das
von Andy West geschriebene "Travelling Tunes") ist
alles dabei. Dazu kommt das Violine/Gitarre Duett im Barockstil
("Little Kids") sowie eine der verträumtesten
und schönsten Dregsnummern, "Night meets Light".
Night Of The Living Dregs: 8 Songs, 4 aus dem
Studio, vier live vom Montreaux Jazz Festival. Höhepunkt
u.a. die Megacountryshrednummer "The Bash", bzw.
das "Metrum wechsel Dich": "Patchwork"
(Est Nomen Omen?). Wenn ich mich recht erinnere, brachte dies
Album die erste Grammy-Nomination für die Dregs.
Dregs Of The Earth: Wieder eine musikalische
Rundreise. Von Barock über Jazz bis Rock, von der Ballade
"Hereafter" bis zum Rocksong "Twiggs Approved",
alles mit dem "Twist" der Dregs vorgetragen.
Unsung Heroes: Neben "What If" das
wahrscheinlich beste Album der Dregs, u.a. mit einer neuen
Version von "Cruise Control". Wer einen Einstieg
in die Welt der Dregs wagen will, dem empfehle ich dieses
Album, obwohl es fast nur noch als Japan-Import zu bekommen
ist.
Industry Standard: ... der Versuch, kommerziell
zu werden. Mehrere Gesangsnummern (live bewegten sich die
Sänger zum Playback), aber auch ein wunderschönens
klassisch angehauchtes Duett von Steve mit Steve Howe.
Dann kam der grosse Bruch, Andy West verliess die Band, und
Steve löste sie schliesslich auf, um, wie die anderen
Mitglieder, auf Solopfaden zu wandeln (dazu später).
1988 erschien ein "Best Of", da die Dregs nun einen
gewissen Kultstatus genossen, und immer noch als Geheimtip
brandaktuell gehandelt wurden.
1992 dann das geniale Livealbum von der Reuniontour (ass:
Dave LaRue), "Bring `Em Back Alive". Etwas zeitgemässerer
Sound, und auch an Steve´s Stil war die Shredwelle der
80er nicht spurlos vorbeigegangen, u.a. zu hören in seinem
Solo bei "Cruise Control". 1994 gab es dann endlich
ein neues Studioalbum, das nicht nur den typischen Sound der
Dregs zeigte, sondern auch den Einfluss der 80er und 90er
sowie den der Arbeit der Dregs in ihren Soloprojekten. Klasse
hier z.B. die instrumentale Version von "Shapes Of Things",
der treibende Rock von "Ionized" und die Soloeinlagen
Goodman´s bei "Sleeveless in Seattle". Gitarristen
kriegen die Vollbedienung bei "Calcutta" (geile
Pedaltonelicks) und "Pompous Circumstances". 2000
kam dann endlich ein weiteres Livealbum von einer weiteren
Reuniontour heraus, "California Screaming". Besonders
zu erwähnen ist hier z.B. ein Cover von Frank Zappa´s
"Peaches En Regalia", mit Dweezil Zappa als Gast.
Und immer noch sind die Dregs als Bandgefüge vorhanden,
und wer weiss, was da noch kommt?
Solo
Steve bereitete sich auf sein erstes Soloalbum, "The
Introduction" gut vor, z.B. als Gast beim "Guitar
Trio" (McLaughlin/DeLucia und Al Di Meola). Letzterer
hatte Probleme mit seinem Zeitpunkt bzw. mit Papierkram, also
wurde Steve gefragt, ihn übergangsweise zu ersetzen.
Als Al schliesslich wieder dabei sein konnte, reiste Steve
trotzdem weiter mit und diente nun als Supportact.
Mit Rod Morgenstein an den Drums und Newcomer Jerry Peek
am Bass (etzterer leitet heute die Fusionband PDQ, u.a. mit
einem Ex-Schüler von John McLaughlin an der Gitarre und
dem Ex-Violinisten von Kansas; ich durfte die Band 1999 im
Vorprogramm der SMB in Atlanta sehen, und war begeistert)
sowie den Gaststars Albert Lee und T.Lavitz brachte Steve
dann das Album "The Introduction" heraus, das heute
noch in den USA als einer der Meilensteine für Instrumentalrock
gilt.
Neben dem genialen Opener "Cruise Missile" (mit
tollen Basslicks von Peek [siehe
auch Artikulation in
der Bass Collection mit einem MP3-Snippet ... d.S.]),
dem treibenden Titelnummer (mit einer wunderschönen Pickingpassage
in der Mitte) und dem klassisch angehauchten "The Whistle"
ist besonders die Countrynummer "General Lee" sowie
"Mountain Waltz" zu empfehlen.
Steve machte mit der Platte immerhin ein wenig Furore, und
die Platte ist noch heute ein grosser Einfluss für Spieler
wie Vinnie Moore, Reb Beach und John Petrucci. Anschliessend
nahm Steve ein weiteres Album mit seiner "Steve Morse
Band" auf, das heute nur noch über Mailorder zu
beziehende "Stand Up". Gäste waren diesmal
u.a. Eric Johnson und Peter Frampton. Die Musik ist ein wenig
unausgeglichen, wieder sind die Vocaltracks nicht gerade stark.
Anschliessend stieg Steve als Ersatz für Kerry Livgren
bei Kansas ein, wo er auch stark an Arrangements und Songwriting
beteiligt war, und der Band mit seinem Spiel noch einen ganz
anderen Sound verpasste, zu hören auf den Alben "Power"
und "In The Spirit Of Things".
Dann kam eine Pause für Steve, die Frustration mit
dem Musikbusiness und die ewige Unsicherheit und Geldnot trieben
ihn dazu, ein halbes Jahr als Pilot für eine amerikanische
Flugfirma zu arbeiten. Geflogen war er immer gern, noch heute
besitzt er zwei kleine Flugzeuge und reist damit zuweilen
sogar zu Gigs. Der Einstieg in die Szene kam nach einem Gastauftritt
mit Lynyrd Skynyrd 1987 in Atlanta. Im Jahre 1989 brachte
Steve dann sein erstes echtes Soloalbum (also nicht unter
dem Namen SMB) heraus, "High Tension Wires". Bis
heute gilt dies als Steve´s schönstes Album, mit
vielen ruhigen und atmosphärischen Songs, viel Gitarrensyntharbeit
und tollen Arrangements. Mein Anspieltipp: das wunderschöne
"The Road Home", die Dregs-Reunion bei "Leprechaun
Promenade", die augenzwinkernde Klassik-Shrednummer "Tumeni
Notes" sowie das schottisch angehauchte "Highland
Wedding"
Übrigens, mal zwischendurch: Nein, ich habe all
dies nicht abgeschrieben, oder irgendwo kopiert, sondern selbst
zusammengetragen ... wie gesagt bin ich immer noch auch Fan
von Steve, und da gibt es auch noch eine tolle Internetmailingliste,
bei der sehr nett über all dies diskutiert wird.
1991 kam der Knaller: das neue SMB-Album "Southern Steel",
diesmal mit LaRue am Bass und Newcomer Van Romaine an den
Drums (letzterer ist obendrein Drumlehrer und Session- sowie
Leihmusiker in der Gegend New Jersey/ New York, und hat zwischenzeitlich
mit Nena(!!!) zusammengearbeitet). Die Platte wurde von Kritikern
als das "Passion & Warfare" von 1991 gehandelt,
der grosse Durchbruch kam trotzdem nicht. Tipps: das wunderschöne
und aufwendig arrangierte "Wolf Song", die treibende
Rocknummer "Simple Simon", das Klassikduett mit
LaRue "Point Counterpoint" und der Titelsong.
Es folgt der Umzug nach Florida, wo Steve bis heute wohnt
und arbeitet, im schönen Ocala. Dort wohnt er nahe bei
Dave LaRue, was natürlich die Arbeit erleichtert. Ergebnis
des Umzugs war das 1992er Album "Coast To Coast",
das sehr an "Southern Steel" erinnert, aber doch
auch sehr frisch und energetisch klingt. Anhören sollte
man sich den Opener "User Friendly", die wahnsinnig
druckvolle Nummer "Morning Rush Hour" und "The
Oz", bei dem Steve ungewöhnlicherweise eine ausgeprägte
Legatotechnik vorzeigt und damit sogar ein wenig nach Joe
Satriani klingt.
1994 erschien das heute leíder vergriffene "Structural
Damage" (Frank Solomon, Steve´s Manager, sagte
mir jedoch, dass es wahrscheinlich bald neu aufgelegt wird).
Wieder hatte die Band sich übertroffen und bot Altbekanntes
vermischt mit frischem Material, z.B. das wunderschöne
"Just Out Of Reach", die barocke ¾ Nummer
"Slice Of Time", die LaRue/Morse Shrednummer "Structural
Damage" sowie das treibende "Good To Go".
1996 die grosse Überraschung: "Stressfest"
(fertiggestellt ganz kurz vor Steve´s Einstieg bei Deep
Purple) bot einen neuen Song, viel frischen Wind und tolle
Songs: der Opener ist ein Wirbelwind von einem Song, die obligatorische
Barocknummer "Delicate Balance" ist vorhanden, und
teilweise wird es sehr bluesig bei "Live To Ride".
Eine weitere Überraschung dann im Frühjahr 2000:
Steve´s zweites Soloalbum, "Major Impacts".
Diese Platte dient als Tribut an Steve´s musikalische
Einflüsse. Jeder Song ist zumindest einem von ihnen gewidmet,
und Steve versucht (und schafft es, IMHO), dem jeweiligen
Vorbild beim entsprechenden Song gitarristisch und kompositorisch
Tribut zu zollen. Hier hört man Morse mal ganz anders,
z.B. beim Hendrix-Tribute "Well I Have", dem wunderschönen
Yes/Kansas-Tribut "Prognosis" und dem rockenden
Led Zep-orientierten "Led On"
Soviel zu Steve´s Projekten mit der SMB und den Dregs.
Nun noch ein wenig zum
Sound und Ton
Steve hat eine unglaubliche Wechselschlagtechnik, das nur
vorweg. Er schlägt oft jede Note an, und kann damit sogar
wahnsinnig gut Sweeping imitieren (allerdings knallhart im
Wechselschlag gespielt, was noch schwieriger ist), zum Beispiel
zu Hören bei "Tumeni Notes" in der Strophe.
Legato spielt er nur selten, wenn dann z.B. für Trills
bei klassischen Stücken. Schöne Beispiele sind auch
"Rallye Cry" ("Structural Damage") und
"The Oz", bei letzterem klingt das Solo fast wie
vom Herrn Satriani. Obendrein hat Steve ein sehr prägnantes
Vibrato mit etlichen Variationen, die er sehr bewusst einsetzt.
Steve´s Gitarre (früher: schwer modifizierte Tele,
heutzutage ein Signature Modell von Ernie Ball/Music Man)
verfügt über 4 Pickups und 11 mögliche Schaltkombinationen,
was ihm zusammen mit dem Einsatz des Volume- bzw. Tonepotis
eine Menge Sounds zur Verfügung stellt, die er auch benutzt.
Oft wechselt er während eines Songs zigmal die Pickup-Kombination,
und kreiert damit die unterschiedlichsten Sounds.
Faustregel aus alten Zeiten: wenn er in den hohen Lagen
spielt, ist der Halspickup an, in den tiefen ist der Bridgepickup
aktiviert (ei Spiel in den Lagen dazwischen kommen dann die
anderen Settings dran).
Steve ist jemand, der sich sehr viele Gedanken gemacht hat,
wie man sich als Gitarrist in der Band durchsetzen kann, was
den Sound angeht. So spielte er früher bei den Dregs
einen Ampeg V4, der für Steve´s ungewöhnlichen
mittenbetonten Sound verantwortlich war. Mit der SMB und Deep
Purple kamen später sowohl Marshall Jubilee´s als
auch Peavey 5150´s zum Einsatz.
Der Leadsound, den er bei den Dregs und der SMB verwendet,
ist im Solobetrieb, also ohne irgendwelche Begleitung, fast
nervig mittenbetont, setzt sich aber im Bandgefüge hervorragend
durch. Zu erwähnen auch sein Einsatz von Gitarrensynths
(mit dem er auch mal Streicher, Steeldrums und Piano simuliert,
ausserdem kam auf "High tension Wires" zuweilen
auch eine Synthaxe zum Einsatz), und der generelle Effekteinsatz.
Steve mischt den Anteil der Effektsounds am Gesamtsounds via
Volumenpedale bei, was den Vorteil hat, dass er z.B. bei schnellen
Passagen das Echo zurückmischen kann, ganz manuell und
individuell.
Generelles
Ganz allgemein würde ich sagen, dass Steve einer der
interessantesten und unterbewertetsten Musiker der letzen
Jahre ist. Denn er ist nicht nur ein toller Spieler mit unverkennbarem
Stil, sondern obendrein ein toller Akustikgitarrist, und,
was mir wie bei Hendrix auch wichtig zu erwähnen scheint,
ein unglaublich vielseitiger und begabter Songwriter und Arrangeur.
Man sollte beachten, dass Steve damals fast alle Musik der
Dregs schrieb, einschliesslich der genialen Unison-Passagen
und Soli. Und wer sich einige der Werke mit der Morse Band,
z.B. auf "High Tension Wires" anhört, wird
zugeben müssen, dass hier tolle Komponisationen mit sehr
durchdachten Arrangements geboten wird. Verschachtelte Licks,
Ohrwurmmelodien, mitreissende Rhythmusparts, tolle Pickonggeschichten,
wunderschöne Gitarrensynth-Layer ... und obendrein kann
der Gute das Ganze auch fast immer live darbieten (abgesehen
einmal von Multilayer-Stücken wie "Wolf Song"
etc.). Genial ...
Und Fortsetzung folgt....
Tja, nächstes Mal geht es dann zu den Licks und Riffs,
Best of Morse, nicht nur technisch Beeindruckendes, sondern
auch ein paar schöne Melodiepassagen und Akkordübungen
... und vielleicht habe ich dann auch noch ein paar Kommentare
oder Licks direkt vom Meister ... 
Mail wie immer an talkinghands@web.de
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