The Talking Hands Collection


Creative Lead Guitar

Part II: Sweep-picking...

Jawoll ... endlich ... auch ich bin beim leidlichen Thema Sweep-Picking angekommen.

Ich habe mir vorher mal Vergleichsliteratur angesehen, und habe ca. 636746 Artikel über diese Technik gefunden. Und da ich mir sicher bin, dass jeder zumindest einen Artikel über Sweep Picking hat oder zumindest besorgen kann, werde ich das Thema mal etwas anders anfassen.

Und zwar werde ich nur sehr kurz auf die Technik selbst eingehen und ihre Grundlagen erklären, sowie ein paar Übungsbeispiele geben.

Danach dann kommen ein paar fortgeschrittene Licks, und wer schizophren genug ist, kann sich mit allen Licks befassen. Die späteren Licks sind Licks wie sie zum Teil am GIT gelehrt werden, und erfordern dann doch ein wenig mehr Übung, denn sie sind etwas mehr Fortgeschrittene (Ich kenne jemanden, der jetzt von "Todesgeilen Fraeserlicks" reden würde).

Unter anderem werde ich zeigen, wie man Sweep-Picking mit Slides, Tapping und Hammer on/Pull offs verfeinert.

Also, nochmal von Anfang an ...

Die Technik

Sweep-Picking ist eine Technik, die entwickelt wurde, um das Spiel ökonomischer zu gestalten. Es geht darum, die Bewegung der rechten Hand zu minimieren.

Um es ganz einfach zu erklären: Die Grundlagen des Sweep-Pickings sind ähnlich dem "Strumming", nur wird beim Sweepen darauf geachtet, dass die einzelnen Töne nicht ineinander klingen. Dies wird durch Dämpfen der Töne mit der linken bzw. mit der rechten Hand erreicht.

Die rechte Hand fegt sozusagen über die Saiten, d.h. z.B. wir beginnen mit einem Aufwärtsschlag auf der hohen E-Saite, während die linke Hand eine Note auf der Saite greift. Die rechte Hand fährt fort und schlägt (Aufwärtsschlag) die B-Saite an, während die linke Hand zum einen eine Note auf dieser Saite greift, zum anderen aber auch die E-ASaite abdämpft bzw. die vorher gegriffene Note auf dieser Saite loslässt, so dass nur eine Note zu hören ist.

Dieses Spiel setzt sich über alle Saiten fort, kann aber auch in die andere Richtung (mit Abschlag) gehen.

Ein Wort zum Üben:

Clean!!!

Im Ernst: bei Techniken wie dieser ist es ganz wichtig, beim Üben die Verzerrung auszuschalten und das Ganze mit einem Cleansound zu spielen, um es wirklich ganz sauber hinzukriegen. Ein gutes Beispiel dafür ist Paul Gilbert (Mr. Big und solo ), dessen Verzerrungslevel besonders live eher gering ist, und man hört wirklich, dass er diese Techniken ganz sauber spielt (Apropos PG: Im Mr. Big-Song "Anything for you" kann man beim Solo dann auch hören, dass man Techniken wie Sweep-Picking und String Skipping auch sehr gut in Balladen benutzen kann).

Zudem sollte man immer ein Metronom dabei haben, um das Tempo langsam zu steigern.

So, nun aber zu den Licks.

Ein 'v' heisst übrigens Abwärtsschlag, ein auf dem Kopf stehendes 'v' ist ein Aufwärtsschlag

Lick 1:

Eine einfache Grundübung zum Sweep-Picking. Man sieht das kleine 'v' unter der TAB, das für Abwärtsschlag steht. Wir können diese Übung über alle Saiten und in allen Positionen verwenden, und natürlich kann man auch "spiegeln", d.h. statt 14. Bund auf D-Saite, 13. auf G-Saite, 12. auf B-Saite und 11. auf E-Saite mal andersrum: 11. auf D-Saite, 12. auf G-Saite, 13. auf B und 14. auf E ... das Ganze dann mal chromatisch über's Griffbrett, und obendrein natürlich mal Abwärtsschlag mit Aufwärtsschlag vertauschen ...

Lick 2:

Das ganze nochmal, hier habe ich einmal einen chromatischen Wechsel als Beispiel ausnotiert ... alles abwechselnd im Auf- und Abschlag.

Lick 3:

Hier wird's schon schwieriger ... ein A-Moll-Arpeggio aufwärts bis zum E, dann ein Hammer On auf das G, Pull-off zurück zum E, und das Arpeggio wieder runter. Hier ist es wichtig, den Anschlag richtig zu koordinieren: Beim Hammer-On/Pull Off hat die rechte Hand Pause.

Lick 4:

Nun wird's klassisch: Ein Arpeggio aufwärts bis zum A, dann ein Hammer On auf's C (z.B. mit kleinem Finger), dann ein Slide zum E und ein Arpeggio abwärts. Das Ganze eignet sich sehr gut, um schnell von tiefen zu hohen Positionen zu kommen, man muss das auch nicht mit einem Arpeggio beenden, sondern kann in der erreichten hohen Position weiterspielen.

Lick 5:

Diese Lick ähnelt sehr 'Lick 4', allerdings haben wir hier zwei Slides dabei, und das Abwärts-Arpeggio ist das gleiche wie das Aufwärts-Arpeggio am Anfang, nur eine Oktave höher.

Lick 6:

Ein D-Dur aufwärts, Hammer On auf's G, Slide zum B, dann ein Bm-Arpeggio runter, Slide zum A auf der A-Saite, 12 Bund, und wieder ein D-Dur aufwärts, Hammer On auf's E, Slide zum Fis. Bm-Arpeggio abwärts, Hammer On auf C#, Slide zum D und D-Dur-Arpeggio aufwärts, zuletzt ein Tap auf's hohe D und das D-Dur-Arpeggio wieder runter. Ich glaube, das Schema ist offensichtlich. Das Ganze sollte man mit verschiedenen Tonarten machen. [Ich hätte da noch eine prima Ukulele abzugeben ... der Sätzer]

Lick 7:

Nun was mit mehr Tapping: A-Moll Arpeggio aufwärts, Hammer On auf's A, Tap auf's C, Pull Off zum A, Pull Off zum E und Arpeggio wieder runter, dann wieder herauf bis zum A auf der G-Saite am 14. Bund und Hammer On auf's C.

Lick 8:

Das letzte Lick: Hier möchte ich mal auf eine andere Anwendungsart des Sweep-Pickings aufmerksam machen: die Verwendung des Sweeps mit Legato-Technik, und zwar schlägt man mit Sweep den ersten Ton auf jeder Saite an, verwendet dann Pull-Offs und dann wieder das Sweeping um den ersten Ton auf der nächsten Saite anzuschlagen. Um die Bewegung der rechten Hand (Anschlagshand) flüssig zu halten ist es notwendig, die Geschwindigkeit der linken zu steigern ... also Üben ist angesagt. Wer aber das ganze einmal koordiniert kriegt, hat wirklich flüssige Licks. Ich habe das Ganze mal mit der Country-Blues-Skala ausnotiert, um zu zeigen, dass Sweep-Picking nicht immer klinisch klingen muss. Man kann das Ganze aber auch z.B. mit Three-Note- per-String Skalen verwenden.

Und ein paar Worte zum Schluss

Das Sweep-Picking, wie überhaupt alle Techniken, sollte geschmackvoll und sparsam angewendet werden. Es kann sehr gut dazu dienen, grosse Strecken auf dem Griffbrett schnell zu überwinden, und man kann sehr schöne klassische Licks damit erreichen. Auf die Dauer kann es aber auch ermüdend werden...

Beim Üben mit Sweep kann man schnell erkennen, dass es hervorragend dazu dienen kann, die beiden Hände zu koordinieren (... und Linke Hand/Rechte Hand-Koordination ist wirklich enorm wichtig !!!)

Ausserdem habe ich mich bei den Licks auf einfache Grundharmonien konzentriert. Natürlich kann man das Ganze mit den wildesten Harmonien machen, die Technik bleibt jedoch die gleiche.

Wer einmal praktische Anwendung des Sweep-Pickings hören will, fuer den hab ich noch ein paar Tips:

Paul Gilbert mit Racer X- Extreme Volume 1 & 2

Beide Gitarristen der Band liefern hier tolle Beispiele für's Sweepen ab, und das sehr sauber

Frank Gambale

Er war einer der Revolutionäre im Sweep-Picking und kreiert ein paar echte "Höllenlicks" ... wer also mal Sweeping im Fusio-Background hören will, der lege sich ein paar Gambale-Platten zu. Zudem hat der gute Frank auch Lehrvideos zum Thema veröffentlicht !

Yngwie Malmsteen

Er verwendet sehr klassische Arpeggios, die aber auch in einem Höllentempo. Und er zeigt, wie man diese als Repeatingpatterns und für Läufe verwenden kann. Empfohlen hierzu sei auch sein Lehrvideo.

Steve Vai

Wer den Film "Crossroads" kennt, kennt das Wahnsinns-Gitarrenduell am Ende. Am Anfang des klassischen Teils des Duells (gespielt im Film von Ralph Macchio, in Wirklichkeit von Steve selbst) steht ein Sweep-Picking über mehrere klassische Harmonien.

So, das war's erstmal wieder, bis zum naechsten Mal...

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