Shred 101 - Unsung Heroes: Vinnie Moore.
Mal wieder was für Shred-Freaks dieses Mal. Aber kein
Tribute an einen verstorbenen oder kranken Kollegen, nein,
Vinnie Moore erfreut sich bester Gesundheit und ist musikalisch
aktiv wie eh und je.
Leider ist er aber heutzutage nicht mehr so sonderlich bekannt,
und hat in der deutschen Gitarristenszene eh nie den Rang
und Namen bekommt, den er IMHO verdient.
Deswegen zur Abwechslung ein kleines Portrait über ihn.
Vinnie stammt aus dem Bundesstaat Delaware (wo er bis heute
wohnt) und machte sich früh einen Namen als sehr virtuoser
Gitarrist. Zu Ruhm verhalf ihm sein von Mike Varney veröffentlichtes
Album "The Mind´s Eye" (dazu später )
sowie ein heute legendärer Pepsi-Spot, bei dem Vinnie
derbe vom Leder zog. Es folgte ein weiteres Album auf einem
anderen Label, "Time Odyssey", dann kamen wieder
Labelwechsel, Sänger wurden angetestet und wieder rausgeworfen
etc. Wieder ins Licht der Öffentlichkeit kam Vinnie als
Tourgitarrist von Alice Cooper ("Trash"-Tour), obendrein
spielte er viele Workshops auf der ganzen Welt und veröffentlichte
zwei Lehrvideos. Album No.4 folgte ("Out Of Nowhere"),
dann wurde es wieder still um Vinnie. 1999 kam "The Maze",
bei dem er wieder zu seinen Neo-Klassikwurzeln zurückkehrte.
Es folgte ein Livealbum, und 2001 schraubt Vinnie wieder an
einem neuen Album...
Werfen wir einen Blick auf sein Spiel ...
Vinnie ist oberflächlich gesehen ein echter Virtuose,
überzeugt durch sehr flüssiges und wahnwitzig schnelles
Spiel. Sein Debütalbum zeigte obendrein seine klassischen
Einflüsse. Vinnie hat jedoch einiges mehr drauf, so zeigt
er immer wieder ein äusserst geschmackvolles Phrasing
und sehr schöne Melodien... dies fällt nur leider
im Auge des Betrachters zu oft unter den Tisch. Ein Redakteur
des amerikanischen Guitar
World-Magazines war damals hin und weg, als Vinnie
vor dem Interview das Radio einschaltete und dann abwechselnd
absolut authentisch zu den dort gespielten Jazz- und Bluesnummern
mitspielte ... und dann obendrein eine wunderschöne Version
von "Cause We´ve Ended As Lovers" hinlegte.
Also kein reiner Neoklassikshredder .... auch Country, Blues
und Fusion sind in Vinnies Stil zu finden.
Seine Spieltechnik verfügt sowohl über perfekte
Legato- als auch Wechselschlagtechnik. Vinnie dazu: "Die
Leute sagen immer "Mann, ich hätte gerne die Legatotechnik
von Holdsworth" oder "Ich würde gerne so schnell
picken wie Al Di Meola" ... ich sagte mir "Warum
mache ich nicht beides?"
... und das tat er dann auch. So hat er eine überaus
flüssige Spielweise, ob nun Legato oder nicht. Eine Ausnahme
bildet er mit seiner rechten Hand: Vinnie bewegt bveim Wechselschlag
den gesamten Unterarm, hält das Handgelenk steif. Was
unsereins schnell zum Tennisarm hilft, hat sich Vinnie über
Jahre antrainiert. Das ganze sieht extrem verkrampft aus,
aber wenn man dann hört, was Vinnie spielt, kommen eher
Adjektive wie "flüssig" zum Tragen ... keine
Spur zu steif..
Die Alben
Meltdown, Vinnies Debüt, veröffentlicht
durch Mike Varneys Shrapnel Label. Dies ist auch das Problem,
denn obwohl Vinnie hier überraschend tiefe Komponisationen
bietet, klingt das Endergebnis leider etwas flach ... die
typische Varney-Produktion, inkl. Dauerhafter Terz-dopplung,
Bratsounds etc. Mitmusiker u.a.: Andy West (Ex-Dixie Dregs)
am Bass und Tony MacAlpine an den Keyboards. Tipps: "Daydream",
"Lifeforce"...
Time Odyssey. Sehr viel melodischer, runder
produziert, experimenteller. Mitmusiker u.a. Jordan Rudess
(Dream Theater ) an den Keyboards Tipp: "April Sky"
(Kombination von zwei Bach-Melodien ), "While My Guitar
Gently Weeps"...
Meltdown. Weitaus rockiger, sollte eigentlich
mit Gesang aufgenommen werden, deswegen mehr songorientiert.
Enthält die Traumballade "Coming Home"
Out Of Nowhere: Wieder sehr songorientiert,
sehr Satriani-mässig. Tipps: "From Now On",
"Echoes"...
The Maze: Back to neoclassic. Bass: Dave LaRue!
Tipps: "King Of Kings", "Cryptic Dreams"...
The Gear
 |
In seiner Frühzeit ("Minds Eye") etc.
verwendete Vinnie eine Ibanez Strat mit zwei Humbuckern.
Das komplette Minds Eye-Album wurde mit Jason Beckers
altem Marshall Top eingespielt. Später wurde Vinnie
Laney Endorser
Heutzutage endorst Vinnie Music Man Gitarren (Silhouettes
mit Floyd Rose- Systemen) und verwendet u.a. Boogie
(Rectifier ) und Carvin (Legacy) Amps. Effekte verwendet
er kaum...
|
|
Vienni mit
irgend so einem Unbekannten ...
|
Der PEPSI-Spot
Wie gesagt, Vinnies Gitarrenspiel im Pepsi-Spot sorgte damals
für Aufsehen. Hier das Endlick, eine aufsteigende Figur
(triolisch) in C-Dur / A-Moll. Zu hören ist dieser Part
in voller Version im MP3 ... shred shred ...
Daydream
"Daydream" ist ein "Moore-Klassiker"
vom Debüt ... hier sind ein paar Ausschnitte:
Das Intro. Tonart ist G-Moll. In der unteren TAB sieht man
auch, wie Vinnie die Figur in terzen gedoppelt hat. Tempo
liegt bei 158 bpm...
Der zweite Durchgang spielt sich etwas tiefer ab, wieder
in Terzen gedoppelt., mit etwas Chromatik...
Als nächstes ein Arp aus dem weiteren Verlauf des Songs:

Und über einen D-Akkord ein weiterer Arp, beim zweiten
Mal gedoppelt (typisch Varney, sagte ich ja):

Der Beginn des eigentlichen Solos, eine, wie ich finde, sehr
schöne Melodie:

Und zu guter letzt, nach dem Tonartwechsel von G-Moll zu
B-Moll, der Hammer: Vinnie schlittert hier in einen Lauf,
der dem "Pepsi-Run" sehr verwandt ist, aber andersrum
läuft. Ein echt gutes Lernobjekt:
So, keine grossen Kommentare dazu, einfach ein paar Beispiele,
und hoffentlich ein Anstoss für einige, sich einmal mit
der Musik von Vinnie Moore auseinanderzusetzen ... nicht nur
für Shredder ist da eine Menge Interessantes dabei. Website
hat er auch: www.vinniemoore.com
Das war's als kleines Porträt zu Mr. Moore, hoffe, es
hat gefallen.
Email wie immer an: talkinghands@web.de
Web: www.ericvandenberg.com
|