Jethro Tull: Home


Etwas Schnelles zwischendurch

Wenn man nur mehr Zeit zum Üben hätte. Ich jedenfalls. Zeit ist eben beschränkt, wenn es nicht der Hauptjob ist, sondern eben Passion und Ausgleich. Was wiederum Passion ist, sollte man nicht zum Haupterwerb seiner Brötchen machen, sonst geht das kaputt, man entehrt es.

Aber das ist jetzt nicht der Punkt. Sondern noch einmal zum Üben. Wenn Zeit nicht so im Übermaß vorhanden ist, kommt es noch mehr darauf an, dass man gezielt und effektiv übt. Effektiv ist es dann, wenn es dem Aufbau oder der Erweiterung des Repertoires dient und die spielerischen Fähigkeiten stärkt. Was demnach, in der letzten Konsequenz, heißt, dass solche Übungen wie die endlosen Czerny-Etuden im Grunde kontraproduktiv sind. Doch es ist eine Gratwanderung, man könnte so auch Fingerübungen in die Tonne treten wollen. Diese haben aber ihren Sinn, denn ohne sie erlernen wir keine Koordination. Schwieriges Thema, vertagen wir es. Was bleibt ist die Einsicht, dass Üben notwendig ist. Die Annahme, wir würden mehr lernen, wenn wir jeden Tag vier Stunden üben, ist nicht falsch. Aber sie ist unrealistisch. Oft gibt es an einigen Tagen nur ein Viertelstündchen oder maximal eine halbe Stunde. Eigentlich viel zu wenig Zeit um "so richtig" zu üben.

Klar, aber: man kann solche kurzen Übungszeiten mit 'Quickies' füllen. Nee, nicht so, ich meine Klavierübungs-Quickies. Kurze Stücke, die man sich schnell erarbeiten kann. So für den kleinen Hunger zwischendurch. Beispiel folgt. Ein Stück, das ich immer sehr gerne mochte, ist Home von Jethro Tull, von der LP/CD Stormwatch. Den Text kann ich schon seit den Achtziger Jahren auswendig, kann ich einfach so vor mich hin summen.

Neben dem Solo-Piano ist das Klavier ja auch oft ein begleitendes Instrument, also wollte ich das Stück gerne mit Klavierbegleitung spielen. Transkriptionen inklusive Text zu dem Stück gibt es im Netz genug, einfach mal kurz suchen. Da das Stück auf Gitarre mit Capo im zweiten Bund geschrieben wurde, sehen die Akkorde in den Grundgriffen so aus:

C       C/B            Am    Am/G   F
 As the dawn sun breaks over sleepy gardens

Am/E Bb Am G
I'll be here to do all things to comfort you.

Am D C Em
And though I've been away left you alone this way

F D7 G7
why don't you come awake and let your first smile take me

C C/B Am Am/G F Am/E Bb
home ...

Die Akkorde sind in typischer Form für Gitarre notiert, und das C im ersten Takt ist wegen des Capos in Wirklichkeit ein D. Und hier fing die Arbeit an, und wurde es interessant. Nämlich für die Akkorde. Ein Beispiel, dass Akkorde auf der Gitarre und Akkorde auf dem Klavier eben nicht das Gleiche sind. Schon gar nicht, wenn eine erste Transkription von einem Gitarristen gemacht wurde. Machen wir das mal ordentlich und setzen die Akkorde um, kommt heraus:

KetarreUmsetzungClavier
CDas ist kein Thema, es ist ein reiner C-Dur-Akkord, den spielen wir in Mittellage und Grundform. C
C/BWenn C = C|E|G ist, was ist dann B|E|G? Genau ... die hochgestellte 5 im Akkordsymbol heißt, dass die Quinte tiefste Note ist! Kein Power Chord.Em5
AmEbenfalls ein reiner Akkord in Grundstellung. A|C|E Am
Am/GAm = A|C|E, dann ist G|C|E = C-Dur in erster Umkehrung. C5
FF ist einfach. Wir bleiben bei der Grundstellung F
Am/EGleiches Spielchen: E|A|C ist Am in 1. Inversion. Nett. Der Akkord A-Moll schließt die Bewegung nach unten ab. Schaut man sich die Akkorde bis hierher an, so sind es teilweise nur einzelne Noten, die sich ändern, Beispiel CEm.Am5
BbDieser Akkord gehört nicht in C-Dur? Korrekt. Nimmt man aber nicht C-Ionisch als Basis, sondern C-Mixolydisch, was für eine Rock-Ballade gut passen würde, ist Bb doch diatonisch. Wir kehren hier wieder in die Mittellage zurück. Bb
AmBekannt, genommen. Am
G, Am Können wir auch so lassen G, Am
Dm, F Hier bieten sich als optimiert wieder die Inversionen an. Dm5,F3
C, Em, F, D, G Nebenbei klingen die Inversionen auch farbiger. C5, Em3, F3, D5, G3
C, Em, Am, C, F Wie am Anfang ... C, Em5, Am, C5, F
Am, Dm, Bb, Bb ... jetzt aber variiert. Am, Dm5, Bb, Bb

Dieser Chorus wird dreimal durchgespielt, das Ending ist ein Block von 4 x Bb und ein abschließender C5. Nach der Analyse ist das nun ein Stückchen, das ich immer mal zwischendurch so üben kann, mal hier, mal da 10 Minuten. Übt, ist Repertoire und einfach nett. Mehr Quickies? Imagine (John Lennon), Trouble (Coldplay), Let It Be (Beatles). Dier Musik-Welt ist voll von Practicing Quickies.

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