Das erste ernsthafte Stück


Ah ja, C-Dur-Akkord, F-Dur, G7, die ersten Seite des Alfred-Buches waren bewältigt. Da könnte man doch auf die Idee kommen, dass das etwas arg plänkelig ist. Gibt es da nicht auch einfache Stücke, die etwas mehr fetzen? Das Angebot an Klavier-Literatur ist mindestens so groß, dass es verführt. Also am liebsten hätte ich ja gleich etwas von den Beatles gespielt, oder von Led Zeppelin. Wenn ich noch mutiger gewesen wäre.

Auf jeden Fall sind die Versprechungen von Jürgen Moser, oder seines Verlages, recht groß. Und gleich das erste Stück birgt denn seine spezifischen Anforderungen und stellt erste Hürden auf. The White Horse (links das gleichnamige Pub in Dover, nette Kneipe nahe dem Fährhafen) führt Melodie im Bass und Akkorde in der rechten Hand. Oh weh, Notenlesen war noch nie meine Stärke, Linien abzählen, Note finden, und dann auch noch die richtige Rhythmik. Gut, dass die Stücke auf CD dabei sind, so hat man wenigstens einige Anhaltspunkte. Die Basslinie ist nur spielbar, wenn man Fingerübersatz nutzt. Darüber stand aber in keinem meiner Bücher etwas. Spätestens ab dem 12. Takt und den dort auftretenden Akkorden habe ich Knoten in den Fingern. Etwa zwei Wochen später erst lief das Stück so einigermaßen glatt. Wobei von Artikulation oder Dynamik noch keine Rede sein konnte, nur vom reinen Spielen-Können.

 

Ich denke, dass der E-Bass dem Anfänger schon die schnellsten Erfolgserlebnisse beschert. Gängige Rock-Standards kann man schon nach einigen Monaten intonieren. Aber um am Bass ein Könner zu werden, braucht es eine lange Zeit. Die Gitarre ist da komplexer, die Bewegungsabläufe brauchen mehr Zeit um einzusacken. Obwohl die ersten Akkorde auch schon nach ein paar Monaten sitzen. Das Klavier stellt hohe Anforderungen an das Erlernen von Bewegungsabläufen. Es ist ja nicht die Sache der Finger zu wissen, wo sie wann landen müssen, sondern erst das Gehirn und dann die Muskulatur müssen diese Verläufe zuerst bewusst, dann unbewusst speichern. Und das dauert. Vor allen Dingen mit 40+. Im fortgeschrittenen Alter Klavier zu lernen ist eine Herausforderung. Weil die Birne halt langsamer geworden ist als mit 15 oder 20. Kinder haben beim Erlernen neuer Fähigkeiten oft noch ein spielerisches Vorgehen zur Verfügung, Erwachsene sind stark verkopft.

Daher sollten die Lernschritte und Verfahren auch andere sein als für Kinder oder Jugendliche. Leider scheint die gängige Literatur aber eher auf Jüngere ausgerichtet, was beim Altsack zum Frust führt, da sich die von den Autoren angestrebten Fortschritte so nicht einstellen. Das "Klavierbuch für die grauen Panther" müsste her. Auf die Probleme beim White Horse im Detail einzugehen würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Sie machten aber klar, dass bestimmte Lernverfahren sinnvoll sind, als da wären:

  • Getrenntes Üben der linken und rechten Hand
  • Kondensieren von Abschnitten/Takten
  • Üben von Passagen bis in einzelne Takte oder Taktschläge
  • Relativieren der Frage "Wie viel" oder "Wie lange"
Und auf diese Themen, die mich immer noch im Schlaf verfolgen, möchte ich dann gerne detaillierter eingehen.
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Finale-Noten

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Rock Piano 1
The White Horse
 
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