E-Pianos: Versuch einer Kaufberatung


  Ich möchte gerne Klavier spielen lernen. Ist ein richtiges Klavier notwendig oder reicht auch ein Digital-Piano? Worauf muss ich achten und welches ist denn das beste? Was kostet ein gutes Digital-Piano?

Fragen wie diese tauchen regelmäßig ungefragt an allen Ecken und Enden auf. Die dann auftauchenden Antworten reichen leider von Stellungnahmen völlig Unwissender bis zu Grabenkämpfen zwischen akustischer und elektronischer Fraktion mit hoher Kompetenz. Wie immer im Leben liegt die Antwort wohl in der Mitte, wobei diese Lebensweisheit aber auch gerne ignoriert wird. Was dem ursprünglich Fragenden dann wenig hilft.

Also habe ich in diesem Artikel versucht, einen Überblick über Technik, Einsatz und Merkmalen von Pianos mit digitaler Klangerzeugung zusammen zu fassen, ohne Anspruch auf absolute Wahrheit oder allumfassendes Wissen. Aber als alter Informatiker, Amateur-Musiker mit 30 Jahren Historie und gelernter Elektroniker maße ich mir einen gewissen Überblick zu. Um erst einmal zu einer Grundlage zu kommen sich diesem komplexen Thema zu nähern, möchte ich zuerst eine Übersicht geben, was denn überhaupt E-Pianos (die komplette Nomenclatura folgt noch) sind, was sie können und was nicht, welche Varianten es gibt und was denn die wichtigen Begriffe in diesem Bereich sind. Wobei an manchen Stellen Details hinten an stehen müssen, der Übersicht halber.

Eine FAQ mit den häufigsten Fragen findet sich am Ende.


Was ist das, ein E-Piano?

Die korrekte Bezeichnung wäre eben die: Tasteninstrumente mit elektronischer/digitaler Klangerzeugung. Als Abgrenzung zum akustischen Klavier oder Flügel, und in gewisser Weise zu den klassischen E-Pianos. Viele Fragen rund um das E-Piano erledigen sich schon dann, wenn man weiß, wie so ein Teil eigentlich Klavier-Klänge erzeugt. Also ein Abschnitt reine Technik. Wie funktioniert so ein Ding?

Aufbau eines E-Pianos

Jedes E-Piano besteht aus der Klaviatur, einer Elektronik zur Klangerzeugung, optional aus einem eingebauten Verstärker und Lautsprechern. Fangen wir mit der Klaviatur, oder Tastatur an.

Egal aus welchem Material und in welcher Variante haben wir eine Mechanik, die äußerlich eine Klaviatur eines akustischen Pianos nachbildet. Anstatt mit einer Mechanik zum Bewegen eines Hammers zum Anschlag einer Saite sind diese Tasten jedoch mit zwei Sensoren ausgestattet, Saiten sind nicht im Spiel. Ein Sensor tastet die Ruhelage der Taste ab, der zweite wird dann aktiviert, wenn eine Taste bis zum Nachschlag niedergedrückt wurde. Das ist die Grundausstattung einer E-Piano-Tastatur, es gibt auch Systeme, die mit mehreren Sensoren oder auch mit optischer Bewegungs-Erkennung arbeiten, um feiner die Bewegung der Taste in elektronische Signale umzusetzen. Am Ende geht es bei allen Systemen aber nur um eins: das Niederdrücken der Taste zu erkennen, und wie stark oder schnell dieses Niederdrücken erfolgte. Daher mindestens zwei Sensoren, denn aus der Zeit, die zwischen Verlassen der Ruhelage und Erreichen des Anschlagpunktes vergeht, kann man berechnen, ob es ein leichter, leiser, oder fester, lauter Anschlag war.

Um nun das Spielgefühl eines akustischen Pianos möglichst realistisch umzusetzen, bekommen die Tasten des E-Pianos nun doch noch die Möglichkeit einen Hammer zu bewegen. Keiner, der eine Saite anschlägt, aber der das Gefühl des Hammers unter dem Finger simuliert, in Gewicht und einer gewissen Trägheit. Spätestens hier trennt sich Spreu von Weizen. Ist das in der Basisklasse wirklich nur ein simples Metallgewicht an einer Wippe an der Taste, wird in der Oberklasse viel Aufwand getrieben, diesen Hammer möglichst realistisch fühlbar zu machen. Hier die Mechanik unter einem Kawai MP5-Stage-Piano.

Wie man sieht, wird hier schon erheblicher Aufwand für ein möglichst autentisches Spiel-Gefühl geleistet. Werden nun noch die Tasten nicht aus Kunststoff, sondern aus Holz gefertigt, kommt noch mal das größere Gewicht der Tasten und das andere dynamische Verhalten in's Spiel.

Hier noch einmal die AWA Grand Pro II-Tastatur von Kawai, man sieht, dass viele Wege in das Ziel führen können.

Das Ziel ist immer das gleiche: Das Spielverhalten eines akustischen Klavieres möglichst ähnlich nachzubilden. Die Ergebnisse variieren.

Am Ende steht aus der Klaviatur eine Informations-Menge elektrisch zur Verfügung: welche Taste wurde mit welcher Stärke angeschlagen. Und dieses elektronische Signal geht nun in die nächste Abteilung.

 

Klangerzeugung

99,9% aller heutigen E-Pianos erzeugen Klänge über die Sample-Technik. Ein Sample ist eine elektronische Aufnahme eines einzelnen Klanges, es kann ein Ton von einem Flügel, aber auch ein Klang von einem Schlagzeug sein, all diese Einzelton-Aufnahmen nennt man Samples.

Um ein E-Piano mit Klavierklängen auszustatten, wird ein Flügel, perfekt gestimmt, in einen schalltoten Raum gestellt, und jeder Ton einer Taste mit hoher Qualität aufgenommen. Um zu den Klängen mit verschiedenen Anschlagsstärken (wir möchten ja auch unterschiedliche Klänge bei unterschiedlichem Anschlag haben) genaustens zu kommen, schlägt kein menschlicher Finger die Tasten an, sondern ein Solenoid, ein elektromagnetisch getriebener Stößel. Am Ende der Prozedur haben wir 88 Klänge aufgenommen, das dann in drei, vier oder sogar acht Anschlagsstärken. Welche Flügel das bei Kawai und Yamaha sind, ist klar. Bei anderen Herstellern gerne auch Steinway oder Bechstein.

In der Tat ist die Geschichte schwieriger als sie hier aussieht. Sind die Mikros nahe an den Saiten (close miking), oder eher weiter weg (distant/ambient miking)? Wie weit lasse ich den Deckel auf? Nehme ich von genau oben auf oder positioniere ich die Mikrophone leicht schräg von vorne? Eine Wissenschaft für sich.

Jetzt haben wir die Sample-Sets unseres Flügels, in unterschiedlichen Anschlagsstärken, velocity sets. Die einfach zu digitalisieren, in einen elektronischen Speicher zu packen und auf Geheiß eines Tasten-Signales abzuspielen, wäre möglich, aber das wird eine Menge Probleme bereiten. Erstens reichen die drei oder vier Sample-Sets nicht aus die gesamte Bandbreite der Anschlagsstärken zu realisieren, und es gibt noch ein viel größeres Problem: wie lange kann eine Note klingen?

Würde ich alle Noten in allen Anschlagsstärken in einer Länge von 10 Sekunden aufnehmen, das in vier velocity sets, kämen wir bei einer Aufnahme-Rate von 48kHz auf einen notwendigen Speicherbedarf von ... 330MByte, in Stereo das Doppelte, und Stereo ist der Normalfall. Und was ist, wenn die Note tatsächlich länger als 10 Sekunden gehalten werden soll? Da wir aber nicht nur den einen Flügel, sondern einen hellen (studio) und einen gedämften (mellow) und möglichst noch ein paar E-Pianos wie Rhodes oder CP-80 haben möchten, vielleicht noch ein paar Streicher und eine Orgel, bräuchten wie in einem E-Piano der 800€-Klasse a'la Yamaha P-85 Gigabyte Speicher. Nicht dass Speicher teuer wäre, aber der verarbeitende Prozessor muss auch so viel Speicher adressieren können, und das ist der Kostentreiber, nicht der Speicher selbst. Also müssen wir basteln, das würde sonst zu teuer.

Die Lösung: wir nehmen z.B. nur die ersten drei Sekunden jedes Samples, ab da berechnen wir, wie das Ausklingen der Saite aussehen müsste. Das nennt man Looping, das Ende des Tons wird so lange wiederholt und leiser gemacht, bis die Note tatsächlich endet. Wird hier nicht penibelst gearbeitet, hört man dieses Neuaufsetzen des Klangs, der Klang macht Sprünge in der Lautstärke.

Im Grunde ist es aber so, dass die Elektronik des E-Pianos eben ein Sample abspielt, sich um das Looping kümmert, möglichst noch die Geräusche des Abhebens und Aufsetzens der Dämpfer hinzufügt, gegebenenfalls auch die Tönhöhen je nach gewünschter Stimmung (temperiert, rein, etc. pp.) umrechnet. Stellt man sich einen echten Flügel vor, bei dem eine Menge Tasten gedrückt bleiben, und eine weitere Taste angeschlagen wird, so kommen durch Resonanz die vom Dämpfer frei gehaltenen Saiten noch einmal etwas in Schwung, was man als Saitenresonanz bezeichnet. Bleibt das Dämpfer- oder Sustain-Pedal getreten, können sehr viele Saiten in Resonanz geraten und mit klingen. Und alles das muss die Elektronik des E-Pianos leisten. Sie bekommt das Signal von der Klaviatur, spielt ein Sample ab, fügt Dämpfer-Geräusche, Saitenresonanzen und noch anderes hinzu, rechnet um und hin und her. Dass ein E-Piano der 800€-Klasse das alles vielleicht nicht kann, so wie in der 3000€-Klasse, ist klar.

Zieht man nun diese Möglichkeiten der Klangerzeugung in Betracht, plus Aufbau und Ausstattung der Klaviatur, welche Hammer-Mechanik und ob Holz- oder Kunststoff-Tasten, wird klar, warum die Bandbreite im Preis bei E-Pianos so ist wie sie ist. Und warum ein E-Piano für 500€ mit Kunststoff-Tasten und Metallgewichten statt Hämmern etwas Anderes ist als ein Yamaha CP-300 oder Kawai MP8II zu 2300€. Und warum letztere dem realen Vorbild zumindestens näher kommen.

Seitenblick

Die enorm gestiegene Leistungsfähigkeit unserer PCs hat noch eine weitere Klangerzeugung möglich gemacht: die virtuelle Simulation von Instrumenten. Man nehme wieder einen Flügel, dieses Mal nehmen wir aber keine Töne auf, um sie abzuspielen, sondern wir erzeugen aus den Klängen eine Art akustischen Fingerabdruck, eine Sammlung vieler Parameter, wie dieser Flügel klingt. Es entsteht eine Art mathematischer Formel, die den Klang des Instrumentes berechnet, mit unserem akustischen Fingerabdruck, der als eine Unmenge von Parametern in die Formel eingesetzt wird.

Nun wird also kein Sample mehr abgespielt, sondern alle Klänge werden in Echtzeit elektronisch erzeugt, berechnet. Dass damit die Menge an Varianten von Klängen bald unüberschaubar wird, ist offensichtlich. Nun kann ich sogar einstellen, wie groß der Flügel ist, wo die Mikros platziert sind, sogar welche Masse der Klavierboden hat. Alles berechnet. Aktuelle Vertreter als PC-Software sind Pianoteq oder Steinbergs Grand. Packt man Rechner, Software und Klaviatur in ein Gehäuse, bekommt man Rolands V-Piano. Ein Themenfeld für sich.


Das E-Piano, Aufzucht und Pflege

Als E-Piano definiere ich hier alle elektronischen Tasteninstrumente, die Klavierklänge erzeugen, unabhängig von Bauart und Einsatzbereich. Damit kommt man dann im nächsten Schritt zu eben den anderen Aspekten, die unsere E-Pianos voneinander unterscheiden. Das gehen wir jetzt in weiteren Betrachtungen mal durch.

Keyboards, Workstations

Diese Gruppe unterscheidet sich von ihren Nachbarn in zwei wesentlichen Punkten. Erstens haben sie i.d.R. (Ausnahmen bestätigen die Regel, Stichwort Yamaha ES-X) keine 88-Tasten-Piano-Tastatur mit massiven Tasten und Hammer-Mechanik, zweitens ist ihr Einsatzbereich ein anderer. Keyboards dienen der Erzeugung vieler, wenn nicht tausender Klänge akustischer und synthetischer Natur. Sie verfügen in den oberen Preisklassen über ausgefeilte Funktionen zum Arrangieren und Produzieren kompletter Songs, dem Erzeugen von Klängen, die vollkommen synthetisch sind. Sie erzeugen alle Klänge in hoher Qualität, vom Klavier über Rhodes und Schlagzeug bis zu Instrumenten der World Music. Vom Mini-Moog und Oberheim-Synthesizer ganz zu schweigen.

Leider eignen sich Keyboards als Ersatz für ein Klavier eher wenig. Der MOTIF von Yamaha hier oben hat wenigstens noch 88 Tasten, aber die kleineren Vertreter oft nur 76 oder sogar nur 61 Tasten. Und das Spielgefühl ist wegen fehlender Hammer-Mechanik und ungewichteter Auslegung (alle Tasten spielen sich gleich leicht, im Gegensatz zum Klavier) von einem Klavier fast am weitesten entfernt. Also kein Ersatz für ein Klavier, nicht einmal für ein echtes E-Piano.

Klassische E-Pianos

Da fallem einem als Erstes das Fender Rhodes, das Wurlitzer oder das Yamaha CP-70/-80 ein. Diese erzeugen Klänge nicht durch Samples oder durch Synthese, sondern entweder durch das Anschlagen von Metallzungen (Rhodes) oder sogar Stahlsaiten (CP-80), deren Schwingungen mit einem magnetischen Tonabhnehmer eingefangen werden. Damit kommt das Spielgefühl einem akustischen Klavier schon weitaus näher als Keyboards. Allerdings sind die Instrument alt, teuer, anfällig und wenig transportabel.

Die rein akustische Erzeugung hat einen kaum nachbildbaren Charakter mit eben den vielen Fehlern durch mechanische Unzulänglichkeiten. Aber ihr Klang ist aus den Songs von Stevie Wonder, Supertramp oder den Hits der Motown-Ära nicht weg zu denken.

Leider ist aber auch ihr Klangvorrat eher begrenzt, so dass sie sich für Motown und Soul hervorragend eignen, für Bach und Chopin aber eher weniger. Es sei denn, man mag es so. Kann auch ein Aspekt sein. Mozart auf Rhodes hat seinen Reiz.

Also auch kein Ersatz für ein Schimmel oder Seiler.

Digital-Pianos

Unter diesen Begriff fallen die E-Pianos, die auf Sampling-Basis arbeiten und als Ersatz für ein akustisches Klavier zuhause herhalten müssen. Im Gegensatz zu Stage-Pianos sind sie für den Heim-Einsatz vorgesehen, haben ein stabiles und massives Gehäuse, einen eingebauten Verstärker und Lautsprecher. Ihre Vorteile gegenüber einem akustischen Klavier sind geringeres Gewicht und niedrigerer Preis, Spielbarkeit über Kopfhörer ohne aufwändige Umbauten und Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und schwankende Temperaturen.

Die Bandbreite an Instrumenten ist groß, sie beginnt bei ca. 1000€ und endet jenseits der 3000€. Die unterschiedlichen Preise spiegeln sich wieder in: Anzahl und Qualität der Klänge, optische Ausarbeitung, Qualität der Klaviatur, Leistung und Klang der eingebauten Verstärkung. Je höher der Preis, desto mehr technische Features: Abspielen von MP3-Dateien vom USB-Stick, Kapazität der integrierten Sequencer (Aufnehmen und Abspielen der eigenen Leistungen über MIDI) und Anzahl der Spuren.

Ist dies das Instrument der Wahl, kann die Auswahl des "richtigen" Instrumentes für einen Anfänger zur Qual werden. Leider ist es Marketing, dass die Instrumente mit guten Klaviaturen auch die meisten technischen Features haben. Auch wenn man sie gar nicht braucht. Kleine Ausnahme heute: Kawai CA-18, Holz-Klaviatur, gute Sounds, wenig Features. Die Anderen werden nachziehen. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die Ensemble Pianos ein, sehen aus wie Digital-Pianos, haben aber viele Features der Workstations im Bauch wie Arrangieren und Produzieren. Da kann es dann aber leicht und locker an die 6000€-Grenze gehen.

Stage-Pianos

In der Klang-Erzeugung unterscheiden sich Stage-Pianos von den Digital-Pianos erst einmal nicht. Wie aber der Name schon sagt, ist ihr Platz auf Bühnen und in Proberäumen. Auch hier ist die Bandbreite groß: bei ca. 600 € geht es los, oben endet es bei gut 3000€. Da sie eben für den Bühnen-Einsatz konzipiert sind, fehlen Verstärker und Lautsprecher, Kopfhörer-Ausgang gibt es aber immer, oft sogar zwei davon. Dafür entsprechende Ausgänge für professionelle Verstärker-Anlagen und für's Studio.

Wieder macht der Preis die Feature-Liste. Muss ein Yamaha P-85 mit wenigen Klängen, fehlenden Saitenresonanzen und wenig Nebenfunktionen auskommen, ist ein MP8II oder ein CP-300 nicht nur E-Piano, sondern als Masterkeyboard auch in der Lage externe Soundquellen zu steuern, hat mindestens 256 Sounds, umfangreiche Effekte an Board und und und. Also alles, was der Profi auf der Bühne so braucht. Oder der gut ausgestattete Amateur.


Die Qual der Wahl: Digital-Piano oder Stage-Piano? Oder Klavier?

Nur diese beiden Kategorien an E-Pianos bieten sich als häuslicher Ersatz für ein echtes Klavier an. Zuvor einige warme Worte zum Thema überhaupt: kann ein E-Piano ein echtes Klavier ersetzen?

Ganz einfache Antwort

Nein. Nur zwei Aspekte, die aber schon eindeutig sind.

Spielgefühl

Selbst die aufwendigsten Klaviaturen eine E-Pianos in Holz und mit Hämmern können das Gefühl einer echten Klaviatur höchstens nachbilden, aber nicht erreichen. Das Verhalten einer so komplizierten Konstruktion wie einer Klavier- oder Flügel-Klaviatur ist nur beim Original zu finden. Ein akustisches Klavier reagiert so prägnant und sensibel auf Spielweisen und Artikulation wie es eben nur ein so kompliziertes System kann. Ein E-Piano ist durch die Limits in Sample-Sets und Möglichkeiten der Berechnung begrenzt.

Klang

Ein Klavier klingt durch seinen kompletten Körper, strahlt Schall in alle Richtungen aus, es bilden sich durch Laufzeiten und Reflektionen im Raum Klänge, die durch Lautsprecher nicht wiedergegeben werden können. Ein Klavier füllt einen Raum mit Klang, ein E-Piano nicht. Ein Klavier reagiert, interagiert mit dem Raum, ein Lautsprecher kann das nicht. Der Schall, der im Raum auf das Klavier zurück kommt, erzeugt neue Klänge. Kein E-Piano kann klingen wie ein echtes Klavier. Es gibt Versuche, dem akustischen Klavier dadurch näher zu kommen, indem man das gesamte Gehäuse als Lautsprecher nutzt oder mehrere Lautsprecher innerhalb eines Gehäuses unterbringt, das schon einem akustischen Klavier gleich kommt. Aber es sind nur Versuche der Annäherung.

Auch ist das Körpergefühl ein ganz anderes. Man spürt ein Klavier anders, schon unter den Fingern, aber auch körperlich.

Zurück zur Frage

Wohnt man in einer 55m2-Etagenwohnung, möglichst noch im dritten Stock, mit dünnen Wänden und Nachbarn oben, unten, links und rechts, ist ein akustisches Klavier nicht immer möglich, da mögen auch einige Leute widersprechen. In diesem Fall ist jedoch ein E-Piano eine prima Sache, transportabel, mit Kopfhörern kann man auch mitten in der Nacht noch ausgiebig spielen. Man sollte sich aber auch der Beschränkungen bewusst sein. Und der zusätzlichen Möglichkeiten. Sonst könnten Nachbarn mit der Zeit bestimmte Klavier-Stücke hassen lernen.

Generell würde ich als Erstes konstatieren, dass man mit einem einigermaßen guten E-Piano selbstverständlich Klavier lernen kann. Investiert man mindestens 1000€, bekommt man auch schon brauchbare Klaviaturen, akzeptablen Klang und nette Features.

Bleibt die Frage ob Stage- oder Digital-Piano. Ich habe versucht unterschiedliche Fragestellungen für die beiden Kategorien zu betrachten. Die Antworten sind immer subjektiv, aber helfen vielleicht für eine erste Übersicht.

  Stage-Piano Digital-Piano
Wiedergabe Ein Stage-Piano hat keine eingebaute Verstärkung. Also braucht es eine gute Stereo-Anlage oder eine kleine Endstufe und ein Paar Monitore für Spielen ohne Kopfhörer. Es sei denn, man spielt nur über Kopfhörer. Verstärker und Monitore können im Grundausbau noch einmal 300-400€ bedeuten. Bei der Stereo-Anlage ist Voraussetzung, dass die Lautsprecher neben dem E-Piano platziert sind, Klang aus dem Rücken ist sehr unnatürlich. Man sollte die kleinen 8"-Lautsprecher nicht überschätzen, wirklich klingen tut das nicht, kein Bass-Fundament, kein Volumen. Erst in den extremen Formen wie bei den Kawai-Versionen mit sogenannten Transducern, die das Gehäuse des Digital-Pianos als Klangquelle nutzen, kommt so etwas wie Klavier-Feeling auf. Da hat man die 2000€-Grenze aber auch schnell hinter sich.
Klaviaturen Hier tun sich Stage-Pianos und Digital-Pianos nichts. Es werden die gleichen Klaviaturen verbaut, zum Teil sogar die gleiche Elektronik, wenn auch hier und dort abgestrippt. Allerdings wirkt sich der Preis immer auch auf die Klaviatur aus, unabhängig von der Bauform. Elektronik ist billig, Mechanik ist teuer, das gilt auch für E-Pianos.
Transportabilität Möchte man das E-Piano auch mit in den Proberaum oder auf Reisen nehmen, führt nichts am Stage-Piano vorbei. Wobei ein Stage-Piano mit Hammer-Mechanik (z.B. Kawai ES6) für mich mit seinen 21kg auch so gerade eben noch transportabel ist. Ein Digital-Piano ist nicht transportabel. Es ist ein reines Heim-Instrument.
Aufbau Für fast alle Stage-Pianos gibt es Untergestelle, die auch im Wohnzimmer akzeptabel sind. Ansonsten kann man sich so etwas nach eigenem Wunsch für wenig Geld von einem Schreiner bauen lassen, in Holz. Oft sind die angeblichen Individual-Fertigungen nicht teurer als das, was vom eigentlichen Hersteller angeboten wird. Werden Pedale noch in die Konstruktion einbezogen, erreicht man fast die gleiche Stabilität wie bei Digital-Pianos. So ein Digital-Piano kann leicht seine 30 bis 50kg auf die Waage bringen. Um Stabilität braucht man sich hier keine Gedanken zu machen. Die Pedale sind immer integriert.

FAQ

Marken Kosten/Preise eBay-Angebote Polyphonie
Stereo-Anlage Gebraucht-Klavier Modelle Pedale
Keyboards Auswahl    

Welche Marken sind bei den E-Pianos denn zu empfehlen?

Ich würde mich bei den Großen umsehen, Yamaha, Kawai, Roland, Korg. Dort findet sich nicht nur aktuelle Technik, sondern auch Kundendienst, Ersatzteil-Support und Händler, die den direkten Draht zum Hersteller oder Distributor haben.


Wie viel muss ich anlegen, um ein halbwegs vernünftiges Instrument zu bekommen?

Die E-Pianos, die in eBay für 400 oder 500€ im Neuzustand angeboten werden, sind billigst in Asien zusammen geschusterte Teile. Dafür ist man bei Yamaha oder Kawai mit 600 oder 800€ besser bedient, auch wenn diese weniger Features haben. Ab ca. 1000€ fängt der Bereich an, wo die Klaviatur schon ordentlich ist, und auch mehrere ordentliche Sounds mit kommen. Ab ca. 1500€ kommen dann die Klaviaturen mit brauchbaren Hammer-Mechaniken und umfangreichen Features.

Was man als Anfänger tunlichst lassen sollte: 2000 oder 2500€ für ein Clavia Nord Stage, Yamaha CP-300 oder Kawai MP8 zu investieren. Nach einer Zeit eigenen Spiels merkt man dann erst selbst, was einem gut gefällt und was nicht. So ist das erwähnte Nord Stage ein Super-Instrument, aber die Klaviatur ist weniger Klavier-ähnlich als Yamaha oder Kawai. Also: so bis 1000€ sollten schon drin sein, für ein Digital-Piano noch ein paar Euros mehr für das aufwändigere Gehäuse. Größere Investitionen auf später verschieben. Meine eigene Erfahrung.


Wo sollte ich kaufen? Auf eBay gibt es sehr günstige Angebote.

Ich würde die Finger davon lassen und beim lokalen Händler bleiben. Ist keiner in der Nähe, sind die großen Versender wie Thomann oder Musik Produktiv zuverlässige und kulante Lieferanten. Bis dahin, dass in eBay Halunken alte, gebrauchte E-Pianos zu enormen Preisen verscheuern und sich auf ihre Expertise als Klavierlehrer beziehen. Der Anfänger kann in eBay in ziemliche Fallen laufen, also Finger weg. Es sei denn, es ist ein aktuelles Modell, das man schon mal irgendwo unter den Fingern hatte. Bei einem Anfänger aber auch eher unwahrscheinlich.


Was ist eigentlich Polyphonie? Was ist da gut und was nicht?

Die Polyphonie gibt an, wie viele Stimmen das Instrument gleichzeitig wiedergeben kann. Bei einer Polyphonie von 128 können maximal 128 Stimmen gleichzeitig klingen, bei der 129. wird die erste Stimme abgeschaltet etc.

Diese Angabe kann sich schnell relativieren. Sind die Samples in Stereo, zählt meistens eine Note als zwei Samples, also sind es tatsächlich nur noch 64 Noten gleichzeitig. Macht das Instrument Saitenresonanzen, zählen diese noch mal als eigene Noten, so dass die tatsächlich zusammen wiedergegebenen Klänge nicht mehr ganz so viele sind. Je nach Instrument können dann nur noch 16 real gespielte Noten übrig bleiben.

Die meisten aktuellen E-Pianos haben eine Polyphonie von 128 oder sogar 192. Unter 128 würde ich nicht gehen, sonst erreicht man nach einigem Fortschritt schnell diese Grenzen und Noten werden abgeschnitten.


Kann ich mir ein Stage-Piano kaufen und das an die Stereo-Anlage anschließen?

Sollte problemlos gehen, einfach die Ausgänge des E-Pianos an die Aux- oder Tuner-Eingänge anschließen. Eventuell braucht man ein spezielles Kabel, z.B. 2 x 6.3mm-Mono-Klinke auf 2 x Cinch/RCA. Auch hier helfen gerade Händler mit Rock-Musikern als Kunden schnell aus, oder ein bekannter Elektroniker kann ein solches Kabel in wenigen Minuten anfertigen.

Wichtig ist allerdings, dass dann die Lautsprecher möglichst links und rechts neben dem Instrument stehen, sonst ist es ein unnatürliches Klangempfinden, man spielt vor der Nase und der Sound kommt von hinten. Oder über ein kleines Mischpult, eine kleine Endstufe und zwei einfache Monitore mit mindestens 10"-Bass-Lautsprechern nachdenken (Behringer B-2031P sind ein guter Tipp, sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis). Noch einfacher wird es mit aktiven Monitoren, die die Endstufe schon drin haben (Behringer B-2013A).


Ich könnte von einem Freund/Nachbarn/Bekannten eine altes Klavier für 500€ bekommen.
Ist das nicht immer besser als ein E-Piano?

Eine pauschale Aussage ist hier nicht möglich. Und ein gutes E-Piano ist immer noch besser als ein schwer spielbares oder defektes Klavier. Steht das Klavier seit Jahren ungespielt in der Ecke und diente als Blumenbank, mit einer gelegentlichen Portion Gießwasser dazu? Wie der Zustand des Klavieres ist, kann nur ein erfahrener Klavierbauer beurteilen. Sonst kann es passieren, dass man noch mal den doppelten oder dreifachen Betrag investieren muss, um es wieder in einen spielbaren Zustand zu bringen. Oder die Reparaturen bedeuten einen wirtschaftlichen Totalschaden. Oder das Klavier ist gar nicht mehr zu reparieren. Ist das Klavier bis zuletzt gespielt worden und überflüssig, weil der Spieler von uns gegangen ist, sind die Chancen etwas besser. Auch in diesem Fall kein Kauf ohne die Untersuchung durch einen Fachmann.

Eine andere Sache ist der Kauf eines gebrauchten Klavieres im ansässigen Klavierhaus. Hier kann man davon ausgehen, dass das Instrument in einen guten Zustand versetzt wurde. Auch geben die Händler oft noch eine eigene Garantie und man ist einigermaßen auf der sicheren Seite.


Ich habe 800€ zur Verfügung und möchte ein E-Piano kaufen. Welches Modell könntet Ihr mir empfehlen?

Keins. Weil jede Modell-Empfehlung von vornherein subjektiv, geschmacksabhängig und potentiell falsch ist. Der Kauf des ersten E-Pianos als Anfänger ist ein programmierter Fehlgriff, ein Schuss in's Blaue. Erst mit zwei bis drei Jahren Spielerfahrung weiß man, was man gut findet und was nicht. Und genau so, wie man sich an den eher miesen Klang einer Stereoanlage gewöhnen kann, kann man auch mit dem, was man hat, gut zurecht kommen.

Als alter Kawaianer ist mein Vorschlag klar. Mein Freund Arno, der seit Äonen Yamaha spielt, hat auch seine Meinung (ich mag allerdings den Yamaha-Klang nicht so, aber die Klaviaturen sind gut). Jeder kennt eigentlich nur wenige Modelle, und das, das man selbst hat, ist natürlich das beste. Mir sind die Korg-Klaviaturen zu undefiniert und zu weich. Kurzweil klingt für mich auch sehr gut, aber die Fatar-Klaviaturen sind eher ein bisschen wie Orgel. Somit würde ich mich, wenn ich ehrlich bin, bei dieser Frage sehr zurückhalten mit Antworten. Weil es sie nicht gibt, Eure Vorlieben für Sound und Feel werden zu 95% andere sein als meine. Darum würde ich auch in einem Forum diese Frage auch nicht stellen. Die Antworten verwirren, helfen aber nicht.

Alte Empfehlung: bleibt bei einem Markengerät, das verliert am wenigsten Wert, wenn Ihr später wechselt. Lasst Euch vielleicht vom Verkäufer die Modelle anspielen, welcher Klang gefällt eher. Und natürlich muss auch die Optik stimmen, ein Döpfer-Masterkeyboard ist ein tolles Ding, im Wohnzimmer möchte ich es mit seinem Transport-Case-Gehäuse nicht haben. Ist wie der Kauf des ersten Autos. Das nächste kommt bestimmt, und es war nicht das letzte, weil man immer etwas Besseres findet.

Eine Warnung trotzdem noch. Der Rat eines Verkäufers kann sehr verschiedene Hintergründe haben. Entweder es ist wirklich eine Kunden-orientierte Empfehlung, oder die Empfehlung ist ein Ladenhüter, oder sie bringt am meisten Marge, oder ist wieder persönlicher Geschmack des Verkäufers, oder der Jahresumsatz für diese Marke ist noch nicht hoch genug für die nächste Rabatt-Staffel im Einkauf. Also auch hier keine absolute Sicherheit.

Doch ein paar Modelle? Lowend-Bereich wären es Yamaha P85, Korg SP-250, Yamaha CP33, Kurzweil SP2 XS, die Casio Privia-Modelle haben in Tests auch nicht schlecht abgeschnitten. Sollte es ein bisschen mehr sein: Roland FP4, Kawai ES6 oder MP5, Yamaha P155. An diesen Modellen kann man sich dann orientieren,


Ich muss mich zwischen dem Modell ABC und dem Modell XYZ entscheiden,
letzteres hat aber eine Halbpedal-Funktion. Was ist besser?

Das normale Haltepedal schaltet die Dämfung entweder ein oder aus. Ein Halbpedal nähert sich dem mechanischen Klavier an und man kann durch leichtes Loslassen des Pedals den Ausschwing-Vorgang teilweise abdämpfen. Für den Anfang ist das Halbpedal eher unwichtig, es ist schon eine ausreichende Aufgabe zwei Hände und einen Fuß zu synchronisieren. Erst mit fortgeschrittenem Spiel ist das Halbpedal von Nutzen, daher würde ich für den Anfang keinen großen Wert darauf legen.


Reicht für den Anfang nicht auch ein Keyboard, um Klavier spielen zu lernen?

Nein, definitiv nicht. Ein Keyboard hat selten 88 Tasten, ähnelt im Anschlag einem Klavier nur peripher, die Klaviersounds sind gerade im Lowprice-Segment grottenschlecht und gerade die billigen Keyboards haben noch nicht mal einen Anschluss für ein Haltepedal. Ein Keyboard ist ein nettes Sound-Spielzeug, aber mit einem Klavier oder gutem E-Piano hat es wenig zu tun.


Wie vergleiche ich denn nun die verschiedenen Modelle? Was ist wichtig?

Wichtig sind: 88 Tasten, Hammermechanik, mindestens zwei Piano-Sounds, möglichst noch etwas E-Piano dazu. Einstellbare Anschlags-Dynamik sollte sein, Metronom und eventuell ein einfacher Sequenzer sind in der Anfangsphase von Vorteil. Was man definitiv nicht braucht: 256 Sounds oder mehr, Masterkeyboard-Funktionen und umfangreiche Effekte wie Hall oder Echo (reverb, delay).

Mal die Liste eines gängigen E-Pianos genommen:

88er Tastatur mit Hammermechanik Das ist gut so, etwas Anderes kommt auch nicht in Frage.
Pure CFIII Piano Voice mit 4-Layer-Stereo-Samples Sagt nicht viel aus, wird aber ordentlich sein. Muss man sich anhören.
inklusive Halb-Pedal-Effekt, Key-Off- und Sustain-Samples Also Teildämpfung des Pedales und die Geräusche der Dämpfer. Nett, macht den Klang natürlicher.
insgesamt 17 Voices Also 17 Sound-Arten, reicht für zuhause immer.
maximale Polyphonie von 128 Stimmen Auch das ist ausreichend.
Dual- und Split-Modi zur Kombination zweier Voices Heißt: man kann entweder zwei Sounds überlagern (z.B. Piano und Strings), oder unten und oben, jenseits des Split-Punktes, verschiedene Sounds haben
Metronom Schön.
Integrierter Songrecorder mit 2 Spuren für bis zu 3 User-Songs Das ist für den Anfang mehr als genug.
Wiedergabe von Standard-MIDI-Dateien von angeschlossenen USB-Speichermedien Nett. Man kann sich MIDI-Dateien der Stücke auf dem Gerät anhören. Ist aber nicht notwendig oder gar Voraussetzung.
2 Kopfhörer-Anschlüsse Sollte so sein. Ist es leider nicht immer.
Lautsprecher-System mit 2x 12 Watt Davon sollte man nicht mehr erwarten als dass man sich hört. Wie auch immer im Klang.

 

 

 
©Rainer Böttchers, 1995-2009      Impressum/Credits & Maintainer