Wolfgang Amadeus Mozart: Minuett in G


Windel-Musik in G

Es gibt Leute, deren Biographie man liest und kann sie schon nicht leiden. So ging mir das mit Wolfgang Amadeus Mozart. Aber auf der Suche nach neuen Übungsstücken stolperte ich durch Zufall über sein Werk, das er (angeblich) als erstes komponierte, sozusagen zwischen zwei Windelwechseln. Nun gut. Sehen wir es sportlich.

Es wird eher seinem Daddy Leopold zugeschrieben, der es als Werk des Sohnemannes ausgab. Wird man selbst nix im Leben, müssen eben die Kinder Ärzte oder Rechtsanwälte werden. Bedenkt man dann, dass Mozart im eigentlichen Sinne nichts wirklich Eigenes geschaffen hat (wie z.B. Bach, die großen Russen oder Schönberg), so mutiert er in meiner Vorstellung  vom musikalischen Wunderkind zu einem der ersten U-Musiker, die alles verwursten und dann stolz präsentieren. Das einzige Stück, das ich von ihm schätze, ist sein Requiem, das er aber nicht mehr fertig bekommen hat. Franz Xaver Süßmayr, ein ehemaliger Schüler Mozarts, vollendete dieses im Auftrag seiner Witwe, die das Geld für diese Auftragsarbeit dringend brauchte. Vielleicht ist es deshalb akzeptabel. Ich werde polemisch. Back to the basics (man beachte die für ein Kind völlig natürlich wirkende Handhaltung auf dem Bild).

Das Minuett in G besteht genaugenommen aus drei, genauer aus vier Teilen, jeweils einem Minuett und einem Trio. Das Stück sieht auf den ersten Blick eher simpel aus, ist es für den Anfänger aber ganz und gar nicht. Nicht die Noten selbst sind die Hürde, sondern der Fingersatz. Die Noten liegen zum Teil weit auseinander, dann wieder ist die Notenfolge so gesetzt, dass Fingerübersatz oder -untersatz nicht reicht. Dies ist speziell ab dem fünften Takt etwas kniffelig und ich habe mal wieder sehr lange gebraucht es auf die Rille zu bekommen.

Die Teilstücke

Erster Teil

Wie bei anderen Werken ist es auch hier angebracht, das Stück in seine Teile zu zerlegen, die man jeweils einzeln angeht. Der erste Teil ist das Minuett in G, es sind nur wenige Takte. Aber die haben es in sich (meinen Fingersatz habe ich in den Noten mitnotiert). Siehe rechte Navigation.

Es empfiehlt sich wiederum dringend der Ansatz des getrennten Übens der beiden Hände, ich würde mit der oberen Stimme beginnen. Erst wenn beide Linien in beiden Händen wirklich flüssig laufen, würde ich das gemeinsame Spiel angehen. Und oh Wunder, während eben die einzelnen Stimmen problemlos laufen, ist das gemeinsame Spiel beider Hände mal wieder ein Kraftakt. Also nicht verzweifeln, beidhändiges Spiel extrem langsam beginnen, eventuell noch einmal in Einzelhandspiel zurück. Für den Anfänger dauert es schon einige Zeit, bis die 2 nicht immer auf dem C#, sondern auf dem D landet (es gibt schon Merkwürdigkeiten).

Zweiter Teil

Hat man den ersten Teil einigermaßen überstanden, wendet man sich dem zweiten Teil zu. Der Vorteil nun ist, dass der Verlauf dem ersten Teil recht ähnlich ist, die notwendigen Bewegungen sind also vom Anfang schon wenigstens etwas vertraut. In der Regel müsste Teil Zwo demnach etwas schneller zu schaffen sein. War es bei mir auch

Dritter Teil

Er sieht vielleicht komplizierter aus als die beiden ersten, ist er aber nicht wirklich. Er ist genau so schwer, da darf der Schweiß schon etwas strömen. Zeit nehmen, erst rechts, dann links, Versuch zusammen und nicht locker lassen. Die Doppelnoten, die zuerst als Hürde erscheinen, sind in der Praxis nicht so schwierig wie erwartet.

Am Beginn ist mein Fingersatz etwas unkonventionell (man möge ihn auch als falsch bezeichnen), aber es funktionierte für mich tatsächlich so besser: Ich spiele erst das C mit der 5, dann E mit der 2, bleibe bei 1+5; erst wenn ich eins herunter muss auf das B, geht die 5 auf das B und das nächste C bekommt die 2. Wie gesagt, korrekt wäre der Beginn 4 - 2- 4+1, aber man hat so seine Eigenarten.

Der vierte und letzte Teil

Die Ähnlichkeit zum dritten Teil ist nicht zu überhören, er unterscheidet sind eher in der Stimmführung. Ist aber nicht schwerer als der dritte Teil.

Alles zusammen

Das Stück ist von einfach etwas entfernt. Es sind nicht so viele Noten oder besondere technische Probleme, aber für den Anfänger ist der Fingersatz etwas kryptisch, über meinen kann man dann auch vortrefflich diskutieren. Your mileage may vary. Ich würde mir auch nicht unbedingt von vornherein vornehmen, dass ganze Stück in einem Zug machen zu müssen, man kann sich auch immer mal wieder einen Teil greifen und nach und nach sich vorarbeiten. Wie man die Sechzehntel spielt, also die Handposition komplett wechselt, oder ob man versucht mit entsprechendem Fingerunter- oder übersatz zurecht zu kommen, mag der Einzelne für sich entscheiden.

Für mich ganz hilfreich war es, die beiden Hände einzeln herauszuschreiben, entweder um die einzelne Hand zu üben, oder um die zweite Stimme im Hintergrund zu haben. Zu beachten ist auch, dass es sich um ein Minuet handelt, durch das man nicht durchhetzen muss, sondern den Damen und Herren auf der Tanzfläche genügend Zeit zum vornehmen Schreiten zu lassen. Und wenn man mit der rechten Hand klar kommt und dann feststellt, dass man die linke wieder komplett vergessen hat ... keine Sorge, ist mir auch so gegangen.

PDF
Noten Gesamt
Noten Teil 1
Noten Teil 2
Noten Teil 3
Noten Teil 4
Finale
Noten Gesamt
Noten linke Hand
Noten rechte Hand
Noten Teil 1
Noten Teil 2
Noten Teil 3
Noten Teil 4
MIDI
Gesamt
Gesamt linke Hand
Gesamt rechte Hand
Teil 1 rechts+links
Teil 2 rechts+links
Teil 3 rechts+links
Teil 4 rechts+links
Links
Mozart (Wikipedia)
Süßmayr (Wikipedia)
 
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