Gerald Martin: Old Joe Clarke's Boogie


Boogie mit Autopilot

Da habe ich nun einen Lehrer mit klassischem Hintergrund, und er kommt mir mit einem Boogie um die Ecke. Na gut, wenn's nicht gerade Modern Talking ist.

Old Joe Clark's Boogie ist von Gerald Martin, wahrscheinlich so um Ende der 1940-er Jahre herum entstanden und eben ein klassischer Boogie; den hat nicht erst Canned Heat erfunden. Der Titel bezieht sich vermutlich auf ein traditionelles Bluegrass-Stück namens Old Joe Clark, tatsächlich sind Parallelen zwischen dem Bluegrass-Traditional für Gitarre/Banjo und dem Boogie festzustellen. Das war es dann aber auch. Gerald Martin hat eine ganze Reihe Boogies geschrieben, und die durchlaufende 4/4-Bass-Linie ist ein wichtiges Kennzeichen des Boogie. Dieser Boogie ist nicht ganz so schwierig, aber auch nicht ganz so einfach. Kann man auch über die Funktion einer reinen Übung hinaus in sein bestehendes Repertoire aufnehmen und zu Weihnachten präsentieren.

So, hier zuerst die dokumentierte Version. Ist für den Anfänger zu bewältigen, übt recht nett Unabhängigkeit der rechten und linken Hand, kann man sich auch an einigen Stellen die Zähne ausbeißen.

An den meisten Stellen habe ich den Fingersatz angedeutet, ansonsten sollte man die Gelegenheit nutzen, effektiven und flüssigen Fingersatz selbst zu entwickeln. Die kleine Gemeinheit an dem Stück ist, dass es mit rein binärer Rhythmik auskommt, aber häufig die obere Linie synkopisch angeht. Zwar sind im Bass auch nur laufende Achtel zu finden, aber die Melodie setzt an nicht wenigen Stellen nicht auf Viertelschläge des Basses ein, sondern erst auf die folgende Achtelnote. Das macht die Sache ein wenig frickelig.

Eine einfachere Version gibt es noch von Achim Eberle. Ich würde so vorgehen, dass zuerst die Oberstimme bearbeitet wird. Sie ist für den Anfänger nicht trivial, aber zu schaffen. Ein Metronom im Hintergrund als Ersatz für die Basslinie kann eine Hilfe sein sich zu orientieren. Der Fuss als Metronom tut's auch. Da sich die Oberstimme in mehreren Takten wiederholt, ist sie im Grunde nicht so vielschichtig wie sie zuerst aussieht. Die Crux kommt erst danach, nämlich die Kombination mit der Basslinie.

Die Basslinie läuft bis auf die letzten Takte komplett wie ein Uhrwerk durch. Obwohl sie sehr simpel ist, kommt der Koordination zwischen links und rechts die größte Bedeutung zu, und das bringt in diesem Stück auch den größten Lerneffekt, nämlich die rechte Hand in einen Autopiloten-Modus zu bringen. Das Üben der rechten Hand hat nur ein Ziel: die Basslinie automatisch zu spielen. In der Kombination links-rechts und der Synkopierung liegt die Anforderung des Stückes. Ist man an den vielen Tasten noch recht neu, kann das Stück schon einige Zeit an Beschäftigung erfordern. Und dieser Boogie hat noch ein weiteres Geheimnis, nämlich dass er bei längerem Nichtüben aus dem Gedächtnis diffundiert, weil dieser Ablauf doch nicht alltäglich ist.

 

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Süßmayr (Wikipedia)
 
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