Immer das Gedöns mit die Noten


Es ist schon beeindruckend, wenn Musiker so vom Blatt herunter ein Stück spielen können, sei es am Klavier oder an einem beliebigen anderen Instrument. Für mich ist jedes neue Blatt mit Noten wieder ein arbeitsintensives Erlebnis. Allerdings habe ich mir ein gewisses Schema zurecht gelegt, das es ein bisschen einfacher macht. Und mittlerweile zähle ich schon weniger Notenlinien ab.

Die Benennung der Notennamen fällt etwas leichter, und damit auch die Identifikation, wenn man sich einen Satz Eselsbrücken baut. Meine wichtigste Eselbrücke heißt FACE (face: engl. Gesicht, Aussehen, Seite).

Was ist FACE? Sieht man sich die inneren Noten in einem Notensystem mit Violin-Schlüssel an, kommt das Wörtchen sofort zum Vorschein. F, A, C und E bilden die Noten zwischen den fünf Linien. So verbindet man ein Wort mit diesen vier Zwischenräumen, und je häufiger man das tut, desto mehr verselbstständigt sich das Erkennen. Hat das System einen Bass-Schlüssel, rutschen die Noten eine große Terz, oder zwei Ganztöne nach unten. Aber auch dort finden sich die vier Noten wieder, nur eben eine Treppe tiefer. Kann ich ohne Nachdenken die vier Noten benennen, ist es zu den Kollegen darüber oder darunter auch nicht mehr weit. Nun erweitern wir den Notenraum etwas, mit weiteren Eselsbrücken und der einen oder anderen auswendiggelernten Note.

Der Bass-Schlüssel heißt auch F-Schlüssel, weil die beiden Punkte die F-Linie umschließen. Bringt uns das F und damit auch leicht das G im Bass. G müssen wir uns merken. Das untere C im Diskant und das obere C im Bass verbinden die beiden Systeme, das ist das gleiche C, sozusagen das Verbindungs-C.

Und was oben im Diskant das C, ist unten im Bass das E. Das C im Bass unter E merken wir uns auch. Und mit diesen Noten haben wir nun über dreieinhalb Oktaven des Notenraumes des Klavier abgedeckt. Das Thema Notenerkennung ist dem Thema Klaviertechnik sehr ähnlich. Beim Erlernen ist die Information zuerst im bewussten Gedächtnis untergebracht. Aber die Zuordnung eines optischen Eindruckes (Notation) zu einem abstrakten Begriff (Notenname) ist dann einfacher, wenn es zwischen den beiden eine verbindende Beziehung gibt. Zum Beispiel FACE, das Verbindungs-C, das F vom Bass-Schlüssel. Man kann sich weitere Brücken bauen, möglichst persönliche, desto leichter fällt die Verbindung. Das obere A im Diskant? Vielleicht "Aaaahhhhh ...", der Erkenntnisausruf.

Untersuchungen über das Lernen haben gezeigt, dass der Vorgang des Aha-Effektes das Erlernen und Wiedererkennen erheblich unterstützt. Je persönlicher die Brücken, im wahrsten Sinne des Wortes, sind, desto besser kann das Gehirn die Zuordnung durchführen. Somit noch besser seine ganz eigenen Eselsbrücken finden. Erst nach längere Zeit und, sehr wichtig: häufiger Benutzung, kann die Zuordnung Optik zu Noten im unbewussten Gedächtnis verankert und automatisiert werden. Erinnere ich mich an den Anfang, wo ich gelegentlich auf der Klaviatur das E und das F verwechselt habe, bewahrheiten sich diese Regeln und Abläufe.

Je mehr ich mich mit Noten beschäftige, desto mehr verstärke ich die Verlagerung in das unbewusste Gedächtnis. Also lesen, lesen, lesen. Dazu noch Links zu der Sicht des Bassisten-Kollegen Adam Nitti und über eine Schreibübung zu einem real existierenden Stück.

Eine weitere, sehr schöne Einführung in's Notenlesen findet sich bei Clavio.

"No one reads a little. Either you read, or you dont." ~ Jaco Pastorius ~

Links
Adam Nitti-Artikel
Schreibübung
Clavio
 
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