Unmusikalisches Üben verboten!


"Music is the language of the soul" heißt es an einer Stelle. Kann man demnach ein Instrument spielen ohne dass der Kern die Musik ist? Dann dürfte es auch notwendig sein, alles Üben mit musikalischen Aspekten zu versehen, auch Finger- oder Geläufigkeitsübungen. Für bekannte oder Übungs-Stücke dürfte das relativ klar und zielkonform sein, aber was ist mit dem Rest? Kann man Skalen oder Akkordsysteme üben ohne unmusikalisch zu spielen? Oder gar ... Fingerübungen? Ich denke ja, auf jeden Fall waren zuerst Fingerübungen ein Graus. Gerade die ganz einfachen, ganz am Anfang. Da ist es ja erst einmal notwendig, seine Griffel überhaupt unter Kontrolle zu bringen, und dafür gibt es die beliebten ersten Übungen im Fünf-Finger-Raum.

Jeweils rechts und links parallel. Und so langweilig diese Sachen auch sein mögen, sie sind am Anfang sehr wichtig und begleiten einen noch geraume Zeit. Weil eben die Koordination der Finger durch solche Übungen zuerst aufgebaut und weiter verfestigt werden muss. Dass man bei ausuferndem Gebrauch dieser Übungen einen Hass auf den Teacher kriegen kann, ist klar. Wie soll man so etwas denn musikalisch gestalten? So erwachte der Musikus in mir und ich gestaltete die Übung etwas um. Statt des üblichen Rauf-Runter-Spiels baute ich eine kleine Melodie daraus, achtete gleichzeitig darauf, dass insbesondere der Ringfinger und der kleine Finger entsprechend mit eingebaut wurden. Diese Melodie kann man nun eben links-rechts-parallel spielen. Oder auch nicht.

Aus dem Musikunterricht noch Begriffe wie Krebs, Spiegel oder Inversion bekannt? Sind Methoden aus der Konstruktion von Musik, wer es ganz heftig haben möchte, kann auch auf den Spuren von Johann Sebastian wandeln und das Ganze kontrapunktisch ausbauen. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, in den ersten Monaten wohl eher dem Spielvermögen. Auf diese Weise kann man auch die ganz harten Anfangsübungen mit musikalischen Aspekten versehen, und es kann dann bald mehr Spaß machen Songs zu schreiben als zu üben.

In diesem Beispiel sind es drei mal acht Takte. Die Achtergruppen kann man zusätzlich je einmal wiederholen. Gespielt wird immer mit dem Finger 1 auf C, alle Noten liegen dann im Fünf-Finger-Raum. Macht man so etwas selbst, rate ich dringend dazu die Sache komplett auszunotieren. Denn in der Regel ist der Piano-Newbie ja auch ein Noten-Newbie, so dass dies eine prima Übung zum Lesen und Schreiben von Noten ist. Eine musikalisch umfassende Übung wird daraus: Komponieren, Spielen, Lesen und Notieren. Tolle Wurst.

Das ist ein Beispiel für musikalisches Üben, statt mechanischem. Die denkbaren Ausbaumöglichkeiten sind auch vorhanden. Nervt das binäre Gedudel? Mal Swing-Tupels oder Achtel-Triolen spielen, man könnte es also auch swingen lassen, oder statt 4/4 einen 3/4 wählen, Samba oder Reggae vielleicht? Good bye boredom, welcome to the world of music.

 

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