The story of drums and bass
Cooperation of and for the groove
Ich finde das ja nett, wenn man mir solche Steilvorlagen liefert;
befürchte aber auch bei solchen Themen, dass sie eher in einem
Eigentor enden. Dazu fallen mir spontan gleich mehrere Länder-
und Weltmeisterschafts-Spiele ein. Aber, ja, das war auch in einigen
Bands Diskussionsstoff. Und einiges an Mails zu diesem Thema hat
es auch gegeben. Es ging demnach um die Fragen, was denn Groove
nun eigentlich sei, wie man die Abstimmung zwischen den Mitgliedern
der Rhythm Section (= Drums + Bass) gestaltet, und nicht zuletzt,
wie denn überhaupt die Abstimmung in der Band zu geschehen
habe. Sprich: zwei Ketarren, wer denn nun was und wie. Und überhaupt.
Um gleich von vornherein strengen Erwartungen entgegen zu treten,
kann ich die Fragen am Ende auch nicht schlüssig beantworten.
Hinweise kann ich geben, Merkzettelchen und ein paar Erfahrungen
aus Jahren leben mit und in einer Band.
Was ist Groove?
Webster's Dictionary von 1913 sagt dazu:
| |
Groove, n. [D. groef, groeve; akin to E.
grove. See {Grove}.] A furrow, channel, or long hollow, such
as may be formed by cutting, molding, grinding, the wearing
force of flowing water, or constant travel; a depressed way;
a worn path; a rut. |
(Eine Furche, ein Kanal, eine
Senke, wie geformt durch Einschneiden, Formen, Einschleifen,
durch die abtragende Kraft des fließenden Wassers, oder
ein permanent genutzter Reiseweg; ein niedergetretener Weg,
ein ausgetretener Pfad; ein Graben.) |
Hm. Das WordNet Dictionary bringt uns etwas weiter:
Groove[n]: a settled and monotonous routine that is hard
to escape; "they fell into a conversational rut"
Diese Definition bringt uns in dem Thema am nächsten heran,
nämlich durch den Zusatz hard to escape, schwer zu
entziehen. Groove, im musikalischen Sinne, entsteht dann, wenn
die beiden rhythmisch und harmonisch tragenden Komponenten Schlagzeug/Percussion
und Bass so synchronisiert sind, dass es dem Zuhörer schwer
fällt, sich dem Fließen des Songs zu entziehen. Wenn
Drums und Bass eine Einheit bilden, und das gerade auf die Rhythmik
bezogen, dann entsteht daraus ein Sog, dem der Fuß des Zuhörers
irgendwie zu folgen hat.
Das ist nun der eine Teil der Geschichte. Geradezu psychoakustisch
wird es dann noch, wenn man mal überlegt, welche Geschwindigkeiten
wir denn am groovigsten finden. Also so Speedmetal mit 160bpm ist
das weniger. Und so eine alte Kantate mit 40bpm in der Kirche grooved
ebenso vergleichsweise wenig. Es sind Sachen so um die 75 .. 90bpm.
Das ist nun eine Geschwindigkeit, die aus einer noch anderen Ecke
kommt, es ist der Bereich unseres Ruhepulses von 75 bis 80 Schlägen
pro Minute. Zufall? Glaube ich nicht, denn dieser Rhythmus ist uns
sehr vertraut, bis in die Zeit als wir noch bei Mama im Bauch auf
unseren ersten großen Auftritt warteten. Mag mich doch einer
mit Abi von Reininghaus in eine Ecke stellen, aber das ist so, glaube
ich ganz sicher dran. Nächste Frage:
Wie macht man Groove?
Wie macht man eine ordentliche Sauerbraten-Sauce? Theoretisch weiß
ich das 100-pro. Trotzdem werde ich das nie so hinkriegen wir meine
Mutter, bei der schmeckt das immer noch einen erheblichen Tucken
besser. Auch wenn ich penibelst die gleichen Zutaten und gleichen
Mengen nehme, irgendetwas, was sie vielleicht gar nicht weiß
und beschreiben kann, macht sie anders. Letzten Endes analytisch
ergründen lässt es sich nicht, habe ich schon versucht.
Muss so etwas wie eine Begabung sein, Intuition, dieses ich-mache-das-eben-so-wie-sollte-ich
es-sonst-machen. Und so ist das wohl auch mit den Groove, der eine
kann's, der andere eben nicht. Kann man es lernen? Zum Teil wenigstens?
Keine Ahnung, ich versuche es auch schon seit Jahren ... 
Bleiben wir bei der Geschichte mit dem Sauerbraten. Als Erstes
habe ich mich natürlich neben meine Mutter gestellt und erst
einmal geguckt, was und wie die kocht. Und das können wir in
der Musik auch machen. Ist auch nicht immer so ganz einfach, viele
mögen keinen Sauerbraten, andere keinen Rosenkohl oder Fisch.
Um in der Betrachtung, was Groove ist und wo er herkommt, auf der
sicheren Seite zu bleiben, gehe ich zur Vermeidung uneffektiver
Diskussion aktuellen Strömungen und Bandnamen aus dem Weg.
Stattdessen lassen wir uns von Scottie in's letzte oder sogar vorletzte
Jahrhundert zurück beamen und schauen mal, was denn so da groovte,
und was auch bei Nichtzutreffen persönlichen Geschmackes weitgehend
als Groove akzeptiert werden kann.
Es gab mal eine Musik ....
die fiel unter das Genre 'Swing'. Davon schauen wir uns zwei Vertreter
an, ganz alte Veteranen. Und hören mal ganz genau hin, was
da passiert.
| Swing-Veteran #1 |
 |
| Swing-Veteran #2 |
 |
Achtet man speziell darauf, was das Schlagzeug und der Bass machen
und blendet man die Tröten bewusst aus, bleibt ein ganz konstanter,
aber sehr deutlicher 4/4-Takt übrig, den Bass und Drums auch
nur in Viertelnoten spielen. Und das mit einer an stoisch grenzenden
Präzision. Das ist der Kern des Swing, ein 4/4-Takt, eine sehr
präzise und zuverlässige rhythm section, und der
Rest des Orchesters, der genau auf diesen Rhythmus einklinkt. Es
sind eben keine vertrackten Rhythmus- oder Phrasierungswechsel,
es ist eine ganz simple Basis. Wo liegt die Geschwindigkeit? Siehe
oben. Und dann grooved es, auch wenn die Aufnahme schon viele Dutzend
Jahre zurück liegt, keine hochverdichtete, durchkomprimierte
Studioproduktion heutiger Tage. Es ist reines Handwerk. Groove kann
man nicht kaufen, weder im Musikgeschäft, noch in der Apotheke.
So einfach ist das? Nein, natürlich nicht, und es ist auch
nicht alles. Aber einige wenige Komponenten sind es, die Groove
erst ermöglichen.
| 1. |
So sehr auch das Grooven dem Bassisten nahe gelegt
wird, ist zuerst der Drummer rhythmisch in der Verantwortung.
Das Schlagzeug muss präzise vorgeben, der Bassist präzise
folgen. Beide müssen tight spielen. |
| 2. |
Es ist nicht von Relevanz, ob die Basslinie nun
aus 64.799 Noten besteht, eher das Gegenteil ist der Fall. Eine
enge und klare Linie taugt für den Groove mehr als Raushängenlassen
seitens des Bassisten. |
| 3. |
Es ist viel Spieltechnik, und auch Feeling. Und
dies gilt wieder für beide, Drummer und Bassist. |
| 4. |
Groove muss man üben, wie alles andere, und
nix wird geschenkt. Außer ein paar Naturtalenten. |
Vor vielen Jahren habe ich mal mit einem Drummer zusammen gespielt,
der technisch sehr gut war, und stilistisch aus der Funk-Ecke kam.
Marko gehörte zu den Drummern, die keinen Takt wie den vorherigen
spielen konnten und wollten, verlor aber nie die Accuratesse und
Genauigkeit. Man hörte auch deutlich, dass er von Simon Phillips
beeinflusst war. Wenn er sich bei Probenbeginn hinter sein Kit setzte
und los legte, während die Gitarristen noch ihre 71 Bodentreter
verkabelten und G-Saiten neu aufzogen, war es für einen Bassisten
fast unmöglich nicht einzusteigen. Das war Groove. Das
war Inspiration. Habe ich so nie wieder erlebt wie mit Marko. Obwohl
es bei Ralf später in eine ähnliche Richtung ging. Wir
konnten auch beliebig lange herum jammen, und mir flossen die Dinge
nur so in die Finger. Aus diesen Erfahrungen ziehe ich folgenden
Schluss:
Groove kommt in erster Linie vom Drummer, wird
vom Bassisten gestützt und von
dem Rest der Band benutzt. Kann der Drummer nicht grooven, kann
der Bassist
bei besten Willen die Sache auch nicht mehr retten.
Ich würde unterstützen, dass ein schlechter Bassist,
mit wenig Einfällen und schlechtem Timing, dem besten Drummer
den Job kaputt machen kann. Aber mit einem unpräzisen und wenig
motiviertem Drummer kriegt auch der beste Bassist der Welt nix Gescheites
hin. Also ob es tight, groovy und spannend klingt, hängt am
Ende von beiden ab, Drummer und Bassist. Aber der Drummer muss schon
das Fundament bieten. Wenn es nicht grooved, würde ich
mir immer zuerst den Schlagzeuger ansehen, und dann den Bassisten.
Wenn man für den Bassisten den Rahmen vorgeben wollte, würde
ich sagen:
Spielt in gutem Timing möglichst konstante
Notenfolgen, nicht zu schnell und nicht zu viele.
Dann ist Groove nicht garantiert, aber möglich.
Und noch etwas ...
Auf Stadtteilfesten oder sonstigen lokalen Gelegenheiten hat man
manchmal Gelegenheit junge Bands zu beobachten. Mein Blick gilt
natürlich zuerst den Bassist(inn)en. Es scheint die Meinung
vorzuherrschen, dass man um so 'besser' sei, je frickeliger und
möglichst weit oben am Hals man spielt. Wo diese Idee herkommt
verstehe ich nur nicht. Selbst unsere ganz großen Kollegen
wie Marcus Miller oder Billy Sheehan spielen, wenn sie Support leisten,
und das tun sie wohl in 90% ihrer Zeit, band- und songdienlich.
Und das heißt:
| 1. |
Noten klingen und stehen lassen. Abgestopptes,
staccatohaftes Spiel ist in Solos sinnvoll. Als Support muss
die Note stehen und im Sound ein Fundament bilden. |
| 2. |
Selbst im stark Akkordwechsel-geprägten Jazz
kann man eine eher komplexe Linie tutti kompletti in der ersten
Lage spielen. Als Beispiel Autumn
Leaves in der Jazz Bass Collection, ganz am Ende des Artikels.
Wenn Ihr in der Standardsituation = Support seid, bleibt so
weit wie möglich in den unteren Lagen, da gibt es schon
allein genug Noten um komplex zu spielen. |
| 3. |
Wenn Ihr aus sinnvollen Gründen Noten in
hohen Lagen spielen wollt/sollt/dürft, versucht dies unter
Einbeziehung tiefer Noten zu tun, z.B. Leersaiten. Längere
Ausflüge in hohe Lagen machen Löcher in den Gesamtsound
der Band. |
| 4. |
Achtet auf einen tragfähigen, tiefmittigen
Sound Eures Instrumentes und Eurer Anlage. Nicht dass Hochmitten
und Höhen schaden würden, aber wichtig sind die Tiefmitten. |
Nun zum Rest der Band
Kommt nun zur Rhythm Section je ein Gitarrist und ein Sänger
dazu, oder ein singender Gitarrist, oder ein Gitarre-spielender
Sänger, ist die Sache übersichtlich. Man kommt sich gegenseitig
wenig in die Quere. Das Schlimmste, was einem passieren kann, sind
dann noch zwei Gitarristen, ein Keyboarder und ein(e) SängerIn.
Das Problem, das an dieser Stelle nicht so offensichtlich auftritt,
ist das, dass alle außer Drummer und Bass akustisch, optisch
und generell ganz vorne stehen möchten. Vocalisten sowieso,
das haben die so in den Genen. Der Keyboarder greift grundsätzlich
die Maximalanzahl von Tasten mit einem Sound, der fast nur aus quietschigen
Obertönen zu bestehen scheint, und bearbeitet noch heftigst
mit den Quanten ein Basspedal. Oder was er sich als Bass vorstellt.
Gitarristen spielen immer nur Solos, Rhythmus will eh keiner spielen.
Das das nicht nur Theorie ist, beweisen Erfahrungungen
anderer Musiker. Und dann geht nichts mehr. Natürlich ist
das überzogen dargestellt.
Die Lösung für erfolgreiche, und auch zufriedenstellende
Bandarbeit heißt: Absprache, Aussprache und Zurückhaltung.
Der Mensch ist zwar hinsichtlich Sprache in der Lage in einer Bahnhofshalle
voll Lärm und Gemurmel eine einzelne Stimme wahrzunehmen. Zwei
Solos, oder gleich besser drei + Gesang, lenken aber nur ab und
der Zuhörer hört eher gar nichts mehr. Je mehr Musiker
in einer Band aktiv werden, desto dringender ist es notwendig die
jeweilige Aktivität, oder Rolle, deutlich und verpflichtend
abzusprechen. Nehmen wir das Beispiel zwei Gitarren und andere Unfälle,
und was ich zu diesen Gelegenheiten anraten würde.
| 1. |
Es gibt immer nur eine führende und eine
folgende Gitarre. Zum Beispiel Solo und Rhythmus. Die führende
Gitarre steht sound- und lautstärkemäßig im
Vordergrund, die andere hält sich bedeckt. |
| 2. |
Es gibt Fälle, wo Songteile oder Instrumentenrollen
gedoppelt werden, Gitarre - Gitarre oder auch Gitarre - Bass.
Das ist ein Effekt, kein Standard. Ansonsten sollte Parallelarbeit
nicht auftreten. Schrabbelt die eine Gitarre Akkorde, z.B. während
der Gesangsparts, sollte die andere das nicht tun, sondern vielleicht
Arpeggios oder einfache monotone Linien oder Riffs spielen. |
| 3. |
Hat man einen Keyboarder, so muss dieser um so
schmalspuriger spielen je größer die Gesamtband ist.
Hat die Band einen Bassisten, sind in der Regel die Noten unterhalb
220Hz für den Keyboarder tabu. |
| 4. |
Auch Sänger brauchen Pausen. Sänger,
die nicht pausieren können, sollten an die Oper gehen.
Können sie das nicht, sind sie auch für eine Band
nicht brauchbar. |
| 5. |
Sich hinstellen und drauf los spielen geht für
ein paar Cracks und/oder Profis mit viel Erfahrung. Aber auch
Steve Morse musste sich bei Deep Purple gründlich vorbereiten
und lernen. Es ist angeraten Probe nicht nur als stundenlanges
Herumlärmen zu verstehen. Es ist genauso notwendig Songs
im organisatorischen Sinne durchzusprechen und einzuteilen,
wer was wo wann macht. |
| 6. |
Ein Schlüssel, und da führt es wieder
in den vorherigen Absatz zurück, ist Genauigkeit, tight
spielen, gutes Timing und Varianz. Die Band muss homogen klingen,
was sie nur aus Weltmittelpunkten bestehend nicht können
wird. Das Ego überwiegend zum Nutzen der gesamten Band
zurück stellen. Dazu gehört auch gute Proben-Vorbereitung. |
Einen weiteren Aspekt hätte ich beinahe vergessen, Dank an
Arne für die Ergänzung: eine Band besteht aus Menschen,
die sich mal besser und mal schlechter verstehen. Der beste Freund
des Bassisten sollte in jedem Falle der Drummer sein. Und zu einer
Freundschaft gehört Zeit, eine gemeinsame Verständnisbasis
und eine gemeinsame Sicht der Dinge. Was nichts anderes heißt,
als dass auch Zeit dazu gehört, sich miteinander vertraut zu
machen und sich aufeinander verlassen zu können. Wenn es also
nicht von Anfang an so prima läuft, sich Zeit nehmen, sich
auch ohne Ketarren und Sänger(in) treffen und spielen. Je besser,
um nicht zu sagen vertrauter, die Beziehung zwischen Drummer und
Bassist ist, desto eher mehr wächst Sicherheit und auch Experimentierfreude.
Wie oben geschildert, wusste ich nach einiger Zeit einfach, was
Marko spielte, ein Blickkontakt reichte und er wusste, dass ich
jetzt einen Break wollte oder einen Rhythmuswechsel. Wenn diese
Situation nun in der ganzen Band da ist, dann ist auch die Band
als Ganzes homogen. Und damit auch sicherer. Groove hat immer etwas
mit der gesamten Band zu tun. Die Band muss auf den Punkt, konstant
und zuverlässig den Beat rüber bringen.
Es ist also vorwiegend Kommunikation, oder das Fehlen selbiger,
was Erfolg oder Misserfolg ausmacht. Das betrifft auch Soundfragen.
Wenn es mit zwei Gitarren irgendwie nicht auf die Rille zu kriegen
ist, und es beide Strats sind, kann es schon viel helfen, wenn einer
der beiden mal auf eine Paula wechselt. Zwei brüllende Marshall-Stacks
sind auch nicht dienlich. Alles dies können Sachen sein, die
die Chemie in einer Band negativ beeinflussen, und sei es nur der
Gesamtsound, der stört oder unzufrieden macht. Demnach gibt
in der Band wieder das gleiche Thema wie in jeder Beziehung:
Du Schatz, wir müssen mal wieder miteinander
reden ... 
|