Kabel, Kabel, Kabel
oder: Der Draht zur Welt
Das Thema kommt immer wieder, unweigerlich. Kabel, und wie
schliesse ich das an, oder jenes, oder wie löte ich mir
einen Wolf. Gut, gehen wir drauf ein und dann seid Ihr in
der Lage, ein komplettes Studio zu verdrahten. Gemach, gemach.
Die erste Frage ist, warum man Kabel überhaupt selber
machen soll. Kann man doch kaufen, ist ja weniger Arbeit.
Das Argument stimmt, aber (nicht nur meine) Erfahrung zeigt,
dass die gekauften Kabel selten den Anforderungen entsprechen.
Zum Beispiel:
- Wenn man weiss, was das Material so kostet, kann man über
die Preise für konfektionierte Kabel manchmal nur den
Kopf schütteln. Ich spreche von Standard-Kabeln, keine
Super-Trooper-Kabel.
- Was als Standard angeboten wird, ist oft von miesester
Qualität. Bestes Beispiel sind die kleinen Patch-Kabel,
die zum Verbinden von Bodeneffekten oder zum Verkabeln in
Racks genutzt werden, Stück 2 ... 4 Mark, sind gepresste
(keine gelöteten) Verbindungen, abscheulichste Kabel-Qualitäten
und grundweg unzuverlässig.
- Was bei einem normalen Instrumenten-Kabel noch angeht,
ist bei Racks nicht mehr immer passend. Seien es die Kabel-Längen,
die man bei Eigenbau optimal auslegen kann, als auch das
Stecker-Material. Wenn man für ein paar Tausend Mark
Geräte im Rack hat, und dann oxidierende, Höhen
fressende Plastik-Stücke verwendet, na also wissen'Se
...
Wie macht man es dann?
Zuerst wollte ich einfach eine Übersicht über Kabel-Belegungen
machen, aber dann habe ich eingesehen, dass das ein Herumdoktern
an Symptomen ist. Besser ist ein generelles Verständnis
der Kabel-Systeme und der Verdrahtungs-Varianten. Besser is
dat ... ein komplettes Studium der Elektrotechnik ist optimal.
Gliedern wir die verschiedenen Anwendungsbereiche, die Anforderungen
in der Praxis und ein ganz klein wenig Theorie.
Warum Kabel?
Kabel und Verbindungssysteme dienen dazu, elektrische Signale
von A nach B zu transportieren. Diese Signale haben sehr viele
Eigenschaften, die es berücksichtigen gilt, um den Transport
optimal zu gestalten. Folgende grobe Einteilung ist für
den Bereich Mucke machbar:
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Gruppe |
Eigenschaften |
Zu beachten |
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Mic-Signale |
Dazu zählen wir den Output von Mikrofonen und elektrifizierten
Saiten-Instrumenten. Die Ausgangsspannungen sind recht
gering (< 1 Volt), die Signalquellen haben einen eher
hohen Ausgangswiderstand und die fliessenden Ströme
sind sehr gering. |
Wegen der niedrigen Spannungen und hohen Widerstände
sehr störungsempfindlich, aber unempfindlich gegen
Kurzschlüsse. |
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Line-Signale |
Dies sind Signale, die bereits vorverstärkt sind,
aber noch keinen Lautsprecher betreiben können. Z.B.:
Ausgänge von Keyboards und CD/MD/Multi-Tracker, Effekt-Sendeausgänge
an Verstärkern und Mischpulten, Mischpult-Ausgänge.
Die Spannungen sind ebenfalls noch nicht hoch (< 2
Volt), aber hier haben wir es mit eher niedrigen Ausgangswiderständen
zu tun. Dafür fliesst dann auch etwas mehr Strom
als bei den Mic-Signalen. |
Recht robuste Elektrik, aber einen Lautsprecher-Ausgang
auf einen Line-Eingang zu legen bedeutet meist Tod für
den Empfangenden. |
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Speaker-Signale |
Das wären dann die Sachen, die eben genug Leistung
für den Betrieb eines Lautsprechers liefern, eben
Amp-Ausgänge. Da sind nun die Spannungen deutlich,
nämlich bis zu 20 .. 30 Volt, die Ausgangswiderstände
können bis unter 1 Ohm gehen. Da fliesst schon ordentlich
Saft durch das Kupfer. |
Transistor-Systeme mögen keinen Kurzschluss, Röhren-Systeme
keinen Leerlauf. |
Was nun an den drei Signal-Quellen wesentlich ist: die unterschiedlichen
Impedanz- (= Widerstands-) Bereiche und die beteiligten
Spannungen. Verallgemeinert: je höher die Impedanz und
niedriger die Spannung ist, desto störempfindlicher das
Signal. Beim Vergleich von Mikro und Lautsprecher ist das
dann deutlich. Und so sollte man alle Kabelage betrachten,
nämlich mit einem entsprechenden Aufwand für Kabel,
Stecker und Material.
Symmetrisch vs. Asymmetrisch
Zwei Arten, Signale zu transportieren, sind für den
Musiker wesentlich: Symmetrische und asymmetrische Signalführung.
Watten datten? Bei asymmetrischer gibt es eine signalführende
Leitung, und eine, die sowohl den zweiten Pol darstellt, als
auch die Abschirmung gegen Fremdsignale (bei Mic-Signalen
haben wir ja sehr geringe Spannungen, so dass andere stromführende
Leitungen über Magnetfelder einstreuen können, das
reicht schon). Oder, falls keine Abschirmung notwendig ist,
z.B. bei den hochpegeligen, niederohmigen Speaker-Signalen,
eine Plus- und eine Masse-Leitung.
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Bei symmetrischen Leitungen gibt es zwei Signal-Leitungen,
jeweils quasi für Minus und Plus (wir haben ja
hier Wechselspannungen), sowie eine getrennte Abschirmung,
die auf einer oder beiden Seiten mit Signalquelle
(z.B. Mikrofon) und Signalsenke (z.B. Mischpult)
verbunden ist. Nicht zu verwechseln mit einem Stereo-Kabel,
wo zwei unterschiedliche Signale asymmetrisch in einem
Kabel geführt werden.
Der Gag ist, dass bei den symmetrischen Leitungen auf
beiden Signalleitungen die gleiche Spannung läuft,
nur im Wert spiegelbildlich. Ist auf Rot +1Volt, ist
auf Blau -1Volt oder umgekehrt. Kommen nun von aussen
Störungen in das Kabel, kommen sie in beide Leitungen
mit gleicher Polarität. Da das Nutzsignal aber
nur aus gegenpoligen Spannungswerten besteht, kann man
die Einstreuungen (= gleichpolige Spannungen) auslöschen.
Clever, nicht?
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Typische symmetrische Spannungsquellen sind Mikrofone, typische
asymmentrische sind Instrumente und fast 100% aller Speaker-Signale.
Mischpulte haben fast immer symmetrische Eingänge, Gitarren-Amps
höchstens in der Akustik-Version für eben Mikros.
Dass der Leitungsaufwand und die Verarbeitung von symmetrischen
Signalen aufwendiger ist, wird durch die Stör-Unempfindlichkeit
wieder ausgeglichen. Das Gesamt-Thema (und wie man welches
Übertragungssystem in welches wandelt, und die unterschiedlichen
Line-Signalpegel -4dB/+10dB, und noch viele weitere Feinheiten)
sparen wir uns hier. Man kaufe sich ein Buch dazu. Wechselstrom-Netzwerke
wäre ein Buch, dass ich noch dazu abzugeben hätte.
Wandlungen
Die zwei Übertragungsformen in einander umzuwandeln,
ist zeitweise notwendig. Symmetrisch in Asymmetrisch ist easy.
Man legt einfach Abschirmung und Minus-Leitung zusammen ...
nicht ingenieurs-mäßig, geht aber.
Umgekehrt geht's nicht so einfach. Dazu braucht man einen
kleinen Trafo oder etwas Elektronik, um aus dem einpoligen
Signal die zwei gegenläufigen Signale zu erzeugen, denn
die machen ja erst das Salz in der Symmetrie-Suppe. Einen
solchen Übertrager findet man daher auch in DI-Boxen
(Direct Inject), mit denen man beispielsweise
ein asymmetrisches Instrument an den symmetrischen Eingang
eines Mischpultes anschliesst.
Erste Zusammenfassung
Nun haben wir also drei Signalarten und zwei Übertragungsarten.
Bevor wir nun anfangen, Kabel zu löten, eine Zusammenfassung
des Bisherigen.
- Signale auf Mic-Pegel haben geringe Spannung und hohe
Quell-Impedanzen, sind daher sehr empfindlich gegen elektrische
und/oder elektro-magnetische Störungen aus der Umgebung
(z.B. Leuchtstoff-Lampen, Motoren, Digital-Kisten und Keyboarder).
Daher werden sie ausschliesslich mit abgeschirmten Leitungen
übertragen. Am besten symmetrisch.
- Signale auf Line-Pegel sind hinsichtlich Spannungen nicht
sooooo viel stärker, allerdings sind die verwendeten
Impedanzen (= Wechselstrom-Widerstand) erheblich
niedriger. Gerade aus letzterem Grunde sind sie unempfindlicher,
verlangen aber immer noch nach abgeschirmten Kabeln. Das
dann symmetrisch oder zur Not auch asymmetrisch.
- Was vom Amp zum Speaker geht, ist niederohmig mit kräftigen
Strömen. Schon toleranter gegen Einstreuungen aus der
Umgebung, aber auch empfindlicher gegen zusätzliche
Widerstände, die durch Kabel und Stecker auftreten.
Also so Thema Öl-Radiator mit drei Verlängerungskabeln
an der Verteilerdose. Fast nur asymmetrisch, da nicht abzuschirmen.
- Wandlung von symmetrisch in asymmetrisch und vice versa
macht man mit DI-Boxen.
Kabel, Stecker, Buchsen, Kupplungen ..
So, das hätten wir dann. Wenden wir uns den verschiedenen
Kabeln und Steckern zu und wie wir uns für den jeweiligen
Fall das passende Kabel bauen können. Und die Prinzipien
sind eigentlich immer gleich, wenn wir die bisherigen Themen
berücksichtigen. Fangen wir mit Kabeln an. Das ist sehr
einfach.
| Mic-Signale |
Ein- (asymmetrisch) oder zwei- (symmetrisch) poliges,
abgeschirmtes Kabel, auch Diodenkabel genannt. Der Leitungsdurchmesser
ist fast egal, aber die verwendeten Isolier-Materialien
sind wichtig. Kabel unter 1DM/m ist i.d.R. Schrott und
höchstens für Vatter's Quelle-Stereoanlage geeignet.
Typische Sorten sind z.B. BKL Studio Line oder vergleichbares
Material. Auf Trittfestigkeit und Flexibilität achten,
im Proberaum und Homestudio. Investiert in gute Kabel!
Es lohnt sich, ein paar Mark mehr auszugeben und hat dann
lange Ruhe. |
| Line-Signale |
Dito. Eventuell etwas mehr Leitungs-Durchmesser. |
| Speaker-Signale |
Unabgeschirmt, nicht unter 1qmm, bei fetten Bass-Anlagen
und PAs auch locker 4qmm Leitungs-Durchmesser. Auf Markierung
der Leitungen achten, durch Farbe oder Isoliermaterial.
Asymmetrisch nicht-abgeschirmt heisst nicht, dass die
Polarität egal ist! |
Zu unterscheiden sind noch Instrumentenkabel und normale
Kabel. Obwohl nahezu gleich teuer, sind Instrumentenkabel
mehr auf mechanische Belastbarkeit ausgelegt als auf gute
elektrische Werte. Für Rack-Verkabelung und als Patchkabel
kein Instrumentenkabel nehmen. Zu unterscheiden sind sie an
der Dicke der Aussenisoliereung. Instrumentenkabel hat eine
sehr dicke Aussen-Isolierung.
Generelle Regeln bei Kabeln ist: Nicht sparen! Kabel müssen
flexibel und trotzdem mechanisch stabil sein! Möglichst
hitze- und feuchtigkeits-unempfindliche Materialien.
Ich sage nur: NEUTRIK!
Nächstes Kapitel sind die Stecker und Kupplungen. Gleiches
wie zuvor: jede Mark rentiert sich. Ich persönlich verwende
inzwischen fast ausschliesslich Material von Neutrik.
Belastbar, zuverlässig, gut zu verarbeiten und nicht
so teuer, wie es immer heisst.
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Der beliebte Klinkenstecker, Schaftdurchmesser 1/4"
= 6.3mm. Für Gitarren, Bässe, Lautsprecher-Ein-
und Ausgänge, Effektgeräte, ausschliesslich
asymmetrische Übertragung.
Spitze ('Tip') ist Signal,
Schaft ist Masse. Ganz simpel.
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Das gleiche Prinzip, aber als Winkelstecker. Optimal
für die Instrumenten-Seite des Kabels, weil nichts
absteht. Anschluss wie zuvor. |
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Ha! Ist der kaputt? Nein, es ist ein Stereo-Stecker.
Und der kommt öfter vor als man denkt, nämlich
symmetrisch und asymmetrisch.
Asymmetrisch mit den beiden
Stereo-Signalen (Tip, Ring) + Masse (z.B. für Kopfhörer).
Symmetrisch mit der Spitze (+) und dem oberen Ring (-)
als Signale, Schaft als Abschirmung.
Eine weitere Anwendung ist die als Anschluss für
Insert-Leitungen (Effekte, Compressoren) in Mischpulten
und Recordern. Dabei dient ein Signal-Punkt
(Spitze) als Ausgang, der zweite (Ring) als Eingang,
der Schaft als Masse.
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Diese Stecker nennen sich XLR und sind sowohl für
symmetrische als auch asymmetrische Anschlüsse
verwendbar. Mucker sehen die meist in dreipoliger Ausführung,
es gibt aber auch vier- und fünfpolige Versionen.
Sind an Mikros und (fast) immer dort zu finden, wo es
symmetrisch zugeht. Die drei Pole sind mit 1, 2 und
3 gekennzeichnet und passen bei Stecker und Kupplung
auch immer so zusammen:
1 = Abschirmung, 2 = Signal-Plus,
3 = Signal-Minus
Ein symmetrisches XLR-Kabel hat also einen Stecker,
eine Kupplung und gleiche Pinne miteinander verbunden.
Bei XLR sind Ausgänge immer Stecker, Eingänge
immer Kupplungen! Also hat ein Mikro einen eingebauten
Stecker, in einer Stagebox einer PA sind Buchsen.
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Diese süssen Kleinen nennen sich Cinch-, Phone-
oder auch RCA-Stecker/Kupplung. Rein asymmetrisch, kein
Stereo. Und auch sehr simpel:
Innenpol = Signal, Aussenkranz
= Abschirmung
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Die sind noch recht neu, und werden inzwischen in allen
besseren Amps und Boxen benutzt: Speakon. Gegenüber
den Klinken haben sie zwei Vorteile: Die Kontakte sind nicht
offenliegend und damit bieten sie Schutz gegen Elektro-Schocks
(Röhrenamps ohne angeschlossenen Speaker können
locker 100 .. 150 Volt-Schläge austeilen), und: die
Kontaktflächen sind grösser, so dass im Fluss
der lauten Musik keine zusätzlichen Widerstände
im Signalweg entstehen. Zwei Varianten gibt es, nämlich
für ein oder zwei Lautsprecherpaare. Die vierpolige
Version findet sich öfter an PA-Endstufen, Boxen haben
in der Regel nur die zweipolige Art:
Einpolig: 1+ = Signal-Plus, 1-
= Signal-Minus
Zweipolig: 1+/1- = Rechter Kanal, 2+/2- = linker Kanal
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Nehmt kilometerweiten Abstand von Bastelkram, der auf Flohmärkten
und auch in Elektronik-Läden verkauft wird. Taugt nix,
macht nur Ärger. Auf alles, auf das Ihr nicht drauftreten
könnt, könnt Ihr auch verzichten, weil es nicht
hält. Musiker sind harte Kerle und der Proberaum die
Hölle für alles Equipment. Von der Bühne ganz
zu schweigen.
So, über Kabel hatten wir was, die wichtigsten Verbindungsteile
auch. Jetzt müsstet Ihr eigentlich in der Lage sein,
jedes beliebige Kabel zu bauen oder? Mal Beispiele?
Beispiele
Wir wollen ein SM-57 mit XLR-symmetrisch an einen Harddisk-Recorder
unsymmetrisch-Klinke anschliessen. Brauchen wir eine XLR-Kupplung
(Signal-Quelle bei XLR hat immer Stifte = Stecker, ne?) und
einen 6,3mm-Klinkenstecker. Belegungen hatten wir oben, und
...

Hatten wir da noch unseren neuen 8-Kanal-Mixer, wollen wir
unser Behringer Virtualizer als Insert-Effekt in den Kanal
des Mikros einhängen, brauchen wir einen Insert-Splitter.
Hatten wir oben bei den Klinken ...

Endstufe hat Speakon, Box nur Klinke?

Ist eigentlich alles gar nicht so schwierig, oder?
Wenn man symmetrisch und asymmentrisch auseinander halten kann,
und die Grundbelegung von XLR im Kopf behält, ist man ein
halber Ton-Inschinör. Und braucht keine Kabel-Tabellen und
Bücher mehr, wenigstens für den Hausgebrauch. MIDI,
S/PDIF, D25-Multicore kann man sich eh' nicht merken. Sagte ich
MIDI? Sollte man doch auch etwas kennen.
MIDI (Musical Instruments Digital
Interface)
MIDI wurde erfunden um von Keyboards zu Computern
Informationen wie Note, Anschlagsstärke oder Instrument zu
übertragen. Saiten-Artisten nutzen heute MIDI um Effektgeräte
zu steuern oder Looper in einem Rack anzusteuern. Eine weiter
gehende Betrachtung von MIDI wäre hier nicht sinnvoll, bleiben
wir beim reinen Kabel. Stecker für MIDI sind 5-polige DIN-Stecker,
die es in Kunststoff und Metall gibt. Zu empfehlen sind natürlich
die Metall-Versionen, da haltbarer. Da MIDI eine serielle Schnittstelle
ist, braucht man auch nur zweipoliges, abgeschirmtes Kabel. Wegen
der Abschirmung ist die Belegung der Stecker jedoch etwas unterschiedlich.
Wie
zu sehen, ist die Abschirmung des Kabels nur auf der sendenden
Seite angeschlossen. Der Blick auf die Stecker zeigt diese Pin-Belegung
von der Lötseite der DIN-Stecker. MIDI-Stecker sind in der
Regel 5-polig, wobei der Standard nur die Pins 4 und 5 für
das Signal nutzt, den Pin 2 für die Kabelschirmung. Die Schirmung
wird nicht durchverbunden um Brummschleifen zu vermeiden, denn
die Schirmung ist nicht Signalträger. MIDI ist übrigens
eine Einweg-Verbindung, daher sind nur zwei Drähte in Nutzung;
einer sendet (MIDI-OUT), einer empfängt (MIDI-IN).
Sollten Euch MIDI-Stecker oder -Buchsen mit 7 Polen unterkommen,
liegt das daran, dass ein paar Hersteller (z.B. Rocktron und RFX/Midibuddy)
über die zwei zusätzlichen Pole externe Geräte
wie MIDI-Boards mit Strom versorgen. Die Polung dieser Verbindungen
ist jedoch nicht genormt, daher messen oder im Datenblatt nach
sehen.
Zur Gedächtnisstütze hat ein netter Kollege auch noch
eine Sammlung
der verschiedenen Kabel-Belegungen zusammen getragen.
Hatten wir alles? Fast ...
Kabel-Spezialitäten
Im einfachsten Falle haben wir ein Kabel und zwei
Stecker. Leider ist nicht alles so einfach und es kommen einem
in der Praxis noch ein paar Kabeltypen unter, deren Bedeutung
von interessant bis Furcht-erregend reicht. Als da wären:
Multicores
So verwirrend diese Dinger zuerst aussehen, sind
sie doch nix Anderes als eine Spezialform von XLR-Kabeln. Multicores
sind wichtig in Studios und auf der Bühne, stellen quasi
die Verlängerung von Mischpult-Anschlüssen dar. Ein
Multicore enthält bis zu 64 einzelne symmetrische Kabel,
die zu einem dicken Kabel zusammen gepackt werden. An die Enden
der Einzelkabel kommen nun wieder XLR-Stecker dran, die gehen
später in die Eingänge des Mixers oder an Ausgänge
(ich muss noch mal einen Minikurs Mischpukte machen ...), z.B.
für den Anschluss von Monitor-Boxen auf der Bühne. Am
anderen Ende des Multicores findet sich die Stagebox, die landet
zwischen den Musikern auf der Bühne, hat entsprechend viele
Buchsen, in die dann die Mikros gehen, oder auch die Eingänge
von Monitor-Boxen. Multicores starten bei 8 Polen und können
bis zu 64 Anschlüsse beherbergen. Und diese Dinger sind verdammt
teuer.
Multipins
Die werdet Ihr wahrscheinlich selten sehen. Sehen
aus wie ein Multicore mit einem ganz abartigen Stecker. Multipins
dienen meist zur Verbindung von Lichtsteuer-Systemen und den zugehörigen
Lampen/Strahlern. Es gibt aber auch tatsächliche Multicores
mit Stagebox und Multipins, die dann in ein Mischpult gehören.
Diese Spezial-Multicores sind Hersteller-spezifisch, ersparen
einem aber das Gerödel am Pult, weil man nur einen dicken
Stecker in das Pult schiebt und bis zu 64 Anschlüsse auf
einmal verbunden hat, statt 64 einzelne XLR-Stecker in's Pult
zu pfriemeln.
Adapter, Adapter, Adapter
Unzählbar
sind die Mengen an Adapter-, Split- und Insert-Kabel, die auf
der Welt existieren. Im Audiobereich z.B. Mini-Klinke-Stereo auf
2 x XLR-Mono, XLR auf Cinch, Klinke6.3 auf Cinch und unendliche
Varianten dazu. Noch nicht erwähnt Kabel im Recording-Sektor,
für MTC (MIDI Time Code), AES/EBU, Datenkabel SCSI/Firewire/USB.
Dann noch optische Kabel, z.B. TOSLink zwischen Recordern und
vielleicht PCs oder Harddisk-Recordern.
Was den Audio-Bereich angeht, kommt man mit dem
grundsätzlichen Wissen weiter, was XLR oder Klinken als Standard-Belegungen
haben, wo Signale her kommen und wo sie hingehen. Und kann sich
damit schon ganz gut durch die Praxis bringen. Kommt es zu Spezial-Kabeln
oder ganz besonderen Adaptern, muss man sich dann auf die Suche
machen. Vor kurzem hatte ich den Fall eines Stereo-Mikros mit
5-poligem XLR-Stecker: wo sind die Signale, was ist Schirmung?
Nach etwas Suche im Netz fand ich dann aber doch ein Datenblatt
mit der Anschlussbelegung.
Gerade bei Adaptern langt der Handel schwer zu.
Kostet ein hochwertiger Neutrik-Klinkenstecker ein paar Euros,
kostet ein primitives Insert-Kabel mit einer Billigst-Stereoklinke
und zwei Cinch-Steckern plötzlich 8 Euros. Das soll mal einer
erklären. Daher lohnt gerade der Selbstbau von Adaptern besonders,
während man ein normales Gitarrenkabel zum gleichen Preis
oft nicht selbst fertigen kann.
Fertigen? Da fehlt noch etwas:
Rainer's kleiner Lötkursus
Was brauchen wir?
- Elektronik-Lötkolben, z.B. 30 Watt, mit Dauerlötspitze.
20€ sollten schon drin sein. Dazu einen kleinen Lötschwamm,
den man feucht macht und darauf die Lötspitze sauber machen
kann. Dazu Elektronik-Lot mit Flussmittel-Füllung
(meist Kollophonium). Ein Lötkolbenständer
mit Fuß, wo der Schwamm rein kommt, ist auch nicht teuer.
- Kleiner Seitenschneider, Kombizange und vielleicht
noch eine kleine Spitzzange.
- Einen kleinen und einen mittleren Kreuzschlitz-Schraubendreher,
einen kleinen und einen mittleren normalen
Schraubendreher.
- Ein kleines, scharfes Messer zum Abisolieren.
- Helpers: in Elektronik-Läden gibt es ein kleines
Tool aus einer Platte und Kroko-Klemmen zum Festhalten von
Werkstücken (nennt sich 'Dritte Hand').
Für Mediziner: mittlere und grosse Venenklemmen
gehen auch gut.
- Nicht zu vergessen: Geduld und Übung.
Abisolieren
Die Aussenisolierung wird vorsichtig (!!!!) mit einem scharfen
Messer rund eingekerbt. Etwas Biegen der Stelle hilft zu sehen,
ob man schon durch ist. Danach wird die Abschirmung, meist
ein Kupfergeflecht, mit Schraubenzieher oder Messer vorsichtig
vom Innenleiter abgehoben und verdrillt, so dass sich aus
der Abschirmung eine einzelne Seele ergibt. Aufpassen, dass
man alle Drähtchen erwischt.
Danach den Innenleiter abisolieren, ebenfalls mit dem Messer.
Ebenfalls vorsichtig. Wie weit man abisoliert, sollte man
sich vorher ansehen. Der Innenleiter wird ebenfalls vorsichtig
verdrillt.
Löten Stufe #1
Den abisolierten Innenleiter sollte man verzinnen. Also Lötkolben
heiss werden lassen. Wie lötet man?
- Lötkolben-Spitze abstreifen, keine Klumpen.
- Lötspitze an den verdrillten Innenleiter halten und
ein klein wenig Lötzinn an die Spitze geben, so dass
über das Zinn Wärmekontakt von der Lötspitze
zum Draht entsteht.
- Einen Moment warten, bis sich der Draht so weit erhitzt
hat, das an ihn geführtes Lötzinn ebenfalls schmilzt.
Lötkolben da lassen, wo er ist.
- Etwas mehr Lötzinn zum Draht oder der Kontaktstelle
zwischen Kolben und Draht geben, bis der Draht das Zinn
quasi aufsaugt. Sparsam sein! Lötkolben bleibt am Lötobjekt!
Die Wärmebrücke zwischen Kolben und Draht darf
nicht unterbrochen werden!
- Lötzinn weg, Lötkolben weg, ein paar Sekunden
warten, bis das Zinn erstarrt ist.
Mögliche Fehlerquellen: zu kleiner Lötkolben (liefert
nicht genug Wärme) oder zu dicker Lötkolben (liefert
zu viel). Zu viel Lötzinn bildet Tropfen und Klumpen.
Löten braucht Zeit. Gerade bei dicken Kabel-Seelen oder
grossflächigen Anschlüssen dauert es einige Zeit,
bis das zu verlötende Material heiss genug geworden ist.
Geht es doch mal daneben, hilft oft Entlöt-Litze.
Kupferkabel-Geflecht, das Zinn aufsaugt.
Löten Stufe #II
Kabel an die Stecker löten, tja, da gibt es mehrere
Möglichkeiten. Die erste ist die, das vorverzinnte Kabel
in die Löthülsen am Stecker einzuführen und
analog zu Schritt #1 mit der Hülse zu verlöten.
Anders gehts so: Hülse mit wenig Lot zufliessen lassen,
dann wiedererwärmen und den vorverzinnten Draht einführen,
abkühlen lassen. Aufpassen, dass die noch bestehenden
Isolierungen nicht verschmurgelt werden. Die oben erwähnte
Dritte Hand ist hier eine Hilfe, weil man Kabel und
Stecker festklemmen kann und dann beide Hände zum Löten
frei hat.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert das Verlöten der
Abschirmung. Dies ist bei vielen Steckern nicht nur elektrische
Verbindung, sondern dient auch als Zugentlastung. Überhaupt
ist die gute Zugentlastung wichtig, denn nicht selten werden
Kabel aus den Buchsen herausgerissen. Bei Steckern mit Sicherung
gegen Herausfallen (z.B. XLR) ended diese Methode trotzdem
oft mit dem Reparatur-Fall.
Geht's auch ohne Löten?
Im Prinzip ja. Es gibt gute, aber auch teure Stecker, bei
denen die Kabel nicht verlötet, sondern geklemmt werden.
Wenn man sich den Luxus leisten will, kann man's machen. Ich
bleibe beim Löten.
Jo, dann wünsche ich Euch mal gutes Löten und immer
einen Millimeter Lötzinn unter der Lötspitze.
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