The Reality Collection


Kleine Saiten-Kunde

Sind das denn nun wirklich nur ein paar Drähte da auf unserem Bass? Oder ist da irgend ein Geheimnis dran? Spielt es denn so eine große Rolle, welche Saiten man nun drauf hat, und ob es Stahl oder Nickel ist? Sind die ganzen Saiten aus Stahl oder aus Nickel? Und was ist Extra Long Scale? Fragen über Fragen.

Um Saiten spinnt sich eine ganze Litanei an Gerüchten, Meinungen und Geschmäckern. Es gibt Stimmen, die behaupten, am Ende kämen eh alle Saiten nur aus drei Fabriken, und die Unterschiede zwischen Ernie Ball und D'Addario seien wie bei Sprit von Shell oder BP. Bei den vielen verschiedenen Saiten-Typen und -Arten, die ich im letzten Jahr probiert habe, kann ich diesen Drähten nur noch Respekt entgegen bringen, so unterschiedlich waren die Klangvarianten und das Spielgefühl. Also mal zu Saiten. Die Fakten ... und nur für E-Bässe, keine Kontras und keine Uprights.

Wie funktioniert das eigentlich?

Zuerst ... also warum Saiten aus Metall? Gitarristen-Darm ist organisch und viel weicher im Griff ...

Nun, dass liegt daran, dass die Pickups unserer Instrumente mit magnetischen Prinzipien arbeiten, nicht per Mikro, ohne schnelle Rückkopplung (Sorry, ich hatte die Strat-Spieler vergessen). Und zwar prinzipiell so:

Ein Satz Dauermagneten ist von einem Spulenkörper umgeben, der mit einer großen Anzahl von Windungen an Draht versehen ist. Dieser Dauermagnet baut ein geschlossenes Magnetfeld auf, hier durch die gestrichelten Linien dargestellt. Die Saite (rot)befindet sich innerhalb dieses Feldes und ist eben so magnetisch aktiv. Heisst: sie kann Einfluss auf den Verlauf der Feldlinien nehmen. Ist die Saite still, ist das magnetische System in Ruhe. Wird die Saite jedoch in Schwingung versetzt (schwarze Pfeile), so verändert sich auch der Verlauf der magnetischen Feldlinien! Die Feldänderung bewirkt in der Spule eine Induktion (siehe Physik-Buch) einer elektrischen Spannung, die an den Anschlüssen der Spule abgenommen werden kann. Und, wie man vermutet, ist der Verlauf dieser Spannung weitestgehend (man beachte die Feinheit der Formulierung) ein Ebenbild der Saiten-Bewegung. Deshalb muss das Saiten-Material magnetisch aktiv (= magnetisch) sein.

Dieser Pickup hier entspricht in etwas dem eines Jazz Bass, hat eine einzelne Spule (Singlecoil) und kleine Stab-Magneten. Wie vielfältig die Möglichkeiten der Bauformen und Parameter sind, die nun die Wiedergabe der aufgenommenen Saiten-Bewegung beeinflussen, lässt sich wohl ahnen. Ging aber auch nur um's Prinzip.

Ein paar Regeln und Gesetze, die man sich vor Augen führen sollte. Zuerst einmal, welche Faktoren die Schwingfrequenz einer Saite prinzipiell beeinflussen:

Physikalisch genau muss die Gleichung heissen:      

wobei f = Grundfrequenz, L = Länge, T = Saitenspannung und m = Masse pro Längeneinheit. Desweiteren zu beachten ist:

Daraus ergibt sich, dass die produzierte Note umso tiefer ist, je größer die Saitenmasse (z.B. in g/m) und Saitenlänge (z.B. in m) ist, und je geringer die Saitenspannung. Nun gilt dies erst einmal für die erzeugte Note, doch vieles mehr kommt in's Spiel, was am Ende den Sound ausmacht. Aber diese Formeln sind wichtig für das Verständnis von Saiten-Sachen, also auswendig lernen ... ermöglichen diese physikalischen Grausamkeiten doch auch praktische Schlüsse für Saiten:

Saitendicke und Spielgefühl Wie verhält sich zum Beispiel eine 40er G-Saite im Vergleich zu einer 45er G-Saite? Eine 40er-Saite hat gegenüber einer 45er-Saite hat eine geringere Masse, daher ist ihre Schwingfrequenz höher. Um wieder auf die gleiche Note zu kommen, muss also die Saitenspannung im Vergleich zur 45er abnehmen. Konsequenz: die dünnere G-Saite ist weicher, somit spielt sie sich leichter. Allgemeiner Schluss: Dünnere Saiten sind im Spielgefühl weicher, wegen der geringeren Saitenspannungen.
Saitendicke und Schwingverhalten Geringe Saitenspannung heisst bei gleicher Energiezufuhr auch weitere Auslenkung wegen geringerer Masse. Daher bekommt man bei dickeren Saiten auch niedrigere Saitenlagen.Dafür brauchen die dünneren Saiten weniger Kraft zur Auslenkung.
Saitendicke und Output. Da die Masse der dünneren Saiten geringer ist, ist auch die magnetische Wirkung geringer. Ein 40er-Set ist also etwas leiser als ein 45, obwohl der Unterschied in der Praxis nicht so deutlich zu hören ist. Der Unterschied kann durch geringfügiges Verändern des Pickup-Abstandes von den Saiten kompensiert werden.

Die physikalische Betrachtung des Schwingverhaltens der Saiten ist sehr komplex. Diese Site beschäftigt sich erst einmal mit den Grundlagen von Schwingungen. So spielt es eine grosse Rolle für den Klang, wo die Saite angerissen wird, weil sich durch die Reflexionen an Sattel und Bridge unterschiedliche Oberton-Zusammensetzungen bilden. Die Thematik der stehenden Wellen, nett animiert, findet sich auf diesen Seiten.

Aber kommen wir zu den Grundlagen zurück, nämlich Saitenarten und -Materialien.

Die Materialien

Der Blick auf obige Formel verrät uns, dass die Schwingfrequenz eines gespannten Drahtes abhängig ist von der Saiten-Spannung selbst, der Länge und der Masse des  Drahtes. Im ersten Ansatz heisst das: die Dicke der Saite. Für Gitarren-Saiten wie 1. e-Saite und b-Saite geht das noch paletti. Will man aber Saiten, die bei den vorliegenden Längen im Bass-Bau im Bereich bis hinab zu 35Hz schwingen, so müsste man theoretisch ziemlich dicke Drähte nehmen. Was dann etwas schwer zu spielen ist, denn ein massiver Draht von 1.. 2 mm ist kaum noch zu biegen. Also wendet man einen Trick an: man nimmt einen dünnen Draht und umwickelt diesen mit einem weiteren oder sogar mehreren Drähten in aufeinander liegenden Schichten. So entsteht pro Zentimeter eine effektive Masse, die recht hoch ist, andererseits bleibt dieses Kontrukt biegsam und dehnbar, wie eine Stahl-Feder. So bekommt man also Saiten mit großer Masse, doch bleibender Biegsamkeit.

Drei Materialien für die Umwicklung im Großen sind heute in Benutzung: Stahl (Stainless Steel), Nickel und Chrom. Die Plastik-Fäden vom Eierschneider lassen wir hier weg, ebenso Kontra und Akustik. Nur E-Bass-Saiten sollen uns hier interessieren. Diese Material-Angabe heisst aber nicht, dass immer die kompletten Saiten aus Stahl oder Nickel sind. Entweder ist der Wickeldraht aus Stahl und mit Nickel oder Chrom beschichtet (nickel plated, chrome plated) oder der Wickeldraht ist komplett aus Stahl oder Nickel (plain steel, pure nickel strings). Chrom als Voll-Wicklung wäre sowohl zu teuer als auch schlecht zu verarbeiten, da Chrom sehr spröde ist. Stahlseiten sind oft mit Chrom oder Silber oberflächen-veredelt, damit sie nicht so schnell rosten, oder sogar mit Gold. Da aber Silber und Gold sehr weiche Materialien sind, leiden diese auch schnell. Also entweder chemische Oberflächen-Veredlung, oder mit Chrom. Bronze-Saiten sind immer noch für akustische Instrumente in Gebrauch, haben jedoch keine guten magnetischen Eigenschaften.

Wie so oft im Leben gibt es kein Schwarz und Weiss. Von reinem Nickel bis zu reinem Stahl geht die Auswahl des Wickeldrahtes, also z.B. reiner Stahl, Stahl mit Nickel-Oberfläche, Nickel-Legierungen und dann noch reines Nickel. Jedem dieser Materialen wird ein Satz von Eigenschaften zugesprochen. Nicht zuletzt im Klang, da das Schwingungsverhalten aufgrund der Werkstoff-Merkmale unterschiedlich ist (Obertöne, die machen den spezifischen Klang).

Stahl: Wegen der Härte von Stahl klingen diese Saiten sehr hell und metallisch. Dies liegt an der kristallinen Stuktur von Stahl, der die Entwicklung von Obertönen fördert, so wie ein Stahlstab beim Anschlagen einen anderen Ton liefert als ein Aluminiumstab. Der Vorteil von Stahl ist die gute Haltbarkeit und keine allergischen Reaktionen an der Haut.
Nickel: Nickel ist wesentlich weicher als Stahl und hat nicht diese harte Kristall-Struktur, daher klingen Nickel-Saiten wärmer, produzieren aber auch weniger Obertöne als Stahl, liefern eher gute Tiefmitten-Bereiche. Es gibt Leute, die auf Nickel allergisch reagieren. Nickel-Saiten sind etwas anfälliger für Oxidation und agressiven Handschweiss. Auch magnetisch ist Nickel weniger aktiv als Stahl, so dass ein Bass mit reinen Nickel-Saiten eventuell weniger Output liefern kann als mit Stahlsaiten.
Vernickelter Stahl: Dies ist der Versuch, die dämpfende Wirkung von Nickel mit den magnetischen Eigenschaften von Stahl zu kombinieren. Also etwas weicher im Klang als reiner Stahl, aber kaum hörbar. Eher eine Frage der Bespielbarkeit und Haltbarkeit.
Nickel-Legierungen: Dito, aber in diesem Fall aus der Schmelze. Da die Legierung von vorn herein eine andere Kristall-Struktur hat, ist der Wärme-Anteil des Nickels im Sound deutlicher.

Nicht zu vernachlässigen: die Pickups! Die Aussage, dass bestimmte Saiten-Typen mit Pickups besser oder schlechter zusammen arbeiten, ist so äusserst richtig. So haben Bartolini-Singlecoils mit Stahlsaiten einschneidende Wirkung. Sprich: sehr scharfer, agressiver Sound. Bartolinis und Nickel geht besser. Bei EMGs und Lane Poor ist das das wieder ganz anders. Waren da noch Precision- oder Music Man-Humbucker. Aber: Nickel = eher weich und warm, Stahl = eher hart und obertonreich. Das kann man so stehen lassen.

Oberflächlich betrachtet

Einerseits die Materialen an sich. Das hat großen Einfluss auf den Sound. Aber für das Spielgefühl und für den Sound gibt es noch zwei andere Faktoren, nämlich die Wicklungsart und die Oberfläche des Wickeldrahtes, die Oberflächen-Rauhigkeit. Eins nach dem andern.

Generell unterscheidet man drei Arten von Saiten: Roundwounds, Halfrounds und Flatwounds.

Flatwound Strings, hier ganz links, nutzen als Wickeldraht einen Flachdraht. In der Mitte die Halfrounds, hier war der Wickeldraht rund oder oval und wurde an der Oberfläche angeschliffen. Roundwound Strings schliesslich, ganz rechts, sind mit einem Volldraht, rund oder Oval, umwickelt.

Die älteste Version sind die Flatwounds, die jüngste die Halfrounds. Wie nun die Unterschiede sind, macht sich sowohl im Klang als auch im Spielgefühl deutlich:

Flatwounds:

Hier ist ein Flachdraht auf den Kerndraht aufgewickelt. Was zur Folge hat, dass dadurch die Kontakt-Fläche zwischen Kern und Wicklung sehr groß ist, aber auch die Gesamtmasse der Saite. Durch den innigen Kontakt der Materialien ist die Saite steifer und biegt sich nicht sehr gut. Diese Dinge, nämlich Verklebung des Kerns und der Wicklung) ergeben überweigend den eher obertonarmen, aber auch weichen und tiefmittigen Sound der Flatwounds. Dafür hat man aber auch eine glatte und geräuscharme Oberfläche, Kinder-Popo-artig fast. Für den bundlosen Bass sind Flatwounds eigentlich ideal, da das Griffbrett am wenigsten geschädiget wird, wegen der Glattheit. Und wegen der hohen Dichte der Saite ist sie mechanisch stabiler. Die hohe relative Masse bewirkt wiederum, dass die notwendige Saitenspannung höher sein muss. So hat man dann eine steifere Saite mit höherer Spannung = etwas mehr Kraftaufwand nötig.

Halfrounds: Ein Versuch, die guten Oberton-Eigenschaften der Rounds mit der glatten Oberfläche der Flats zu verheiraten, indem man einfach eine Roundwound-Saite abschleift. Tatsächlich ist die Oberfläche glatter und geräuschärmer als bei den Roundwounds. Aber sie klingen auch nicht wie Fisch oder wie Fleisch. Daher gibt es auch kaum noch welche zu kaufen. Gültiger Versuch.
Roundwounds: Der Standard. Da die Kontaktfläche zwischen Kern und Wicklung eher gering ist, sind die Saiten flexibler und weicher, was sich auch in dem Verhalten äussert, auf vielen Obertönen zu schwingen. Leider aber mit dem Nachteil, dass die Saiten-Oberfläche eher rauh ist. Innerhalb der Saite ist recht viel Luft, und die Kontaktfläche Kern/Wicklung ist eher gering, daher auch der hellere Ton und die geringere notwendige Saitenspannung.

Noch ein weiterer Fertigungs-Parameter verbirgt sich im letzten Abschnitt. Der Wickeldraht selbst hat ja eine Oberflächen-Rauhigkeit, was auf das Spielgefühl weiteren Einfluss hat. Wer viel Slide und Legato spielt, wird an einer Stahl-Saite (kristalline Struktur = Reibeisen!) mit rauher Oberfläche wenig Spaß haben. Ist die Oberfläche des Wickeldrahtes glatter und z.B. aus reinem Nickel, so ist auch die Gleitfähigkeit besser. Als Beispiele für rauhe Saiten sind z.B. die Warwicks (Red/Black/Yellow) zu nennen, im Mittelfeld die D'Addario XL Nickel, auf den Ernie Ball Custom Flatwounds kann man schlindern.

Des Pudels Kern

Hätten wir dann noch den Kern-Draht, der so das innere Gerüst der Saite ist. Der Saitenkern ist immer Stahl und immer massiv, und doch auch hier finden sich unterschiedliche Ansätze. Am ältesten sind Saiten, die nach dem Round Core-Prinzip gebaut sind, was heisst, das die Saiten-Seele (innen, grau) rund ist und die Aussenwicklung auf dem Kern aufliegt. Diese Saiten-Konstuktion hat aber einen heute wesentlichen Nachteil: man muss die Aussenwicklung auf dem Kern fixieren, sonst würde sie verrutschen und es würden sich Spalten bilden. Also muss ein Kleber her. Und da liegt der Hund im Brunnen. Verwendet werden Kleber auf Polymer- oder organischer Basis. Diese kommen auf den Kern, bevor die Wicklung aufgebarcht wird, und der Kleber quillt beim Bewickeln zwischen den Windungen durch. Dann muss die Saite wieder gereinigt werden, und zwar mit scharfen Sachen, die dann wieder in der Saite verbleiben. Dieser Kleber und auch die Reinigungs-Reste dringen nunfort langsam durch die Wicklung nach oben auf die Oberfläche, an die Finger und dann auf die Zichte oder das Schnittchen vom Catering beim Gig. Daher ersannen Hersteller eine Alternative: man nehme einen sechseckigen Kern und presse die Aussenwicklung fest drauf. So bilden sich Grübchen in den Kanten im Kerndraht, die Aussenwicklung liegt auf diesen kleinen Ecken fest. Hex Core-Prinzip nennt sich dieses, kein Kleber mehr notwendig und das Brötchen bleibt auch sauber. Ber das ist nicht der einzige Grund. Wenn nämlich der Kleber fehlt, so ist auch die Fläche zwischen Kern und Wicklung geringer, da ist Luft zwischen. Deshalb sollen sie auch 'luftiger' klingen, sagen die Hersteller.

On man den Unterschied hört? Nun ja, das Hex Core-Prinzip hat ja einige Vorteile, als da sind: a) durch den fehlenden Kleber bleibt die Saite flexibler, das Schwingungsverhalten ist besser, b) die Kernmasse ist geringer, die Saite daher schwingungsfähiger, c) sie sind umweltfreundlicher. Es gibt Leute, die behaupten, dass Hex Core-Saiter offener und obertonreicher klingen. Aber das ist Geschmackssache. Ausprobieren.

Saitenlängen

Schaut man in einen Katalog von Bass-Saiten, sind neben Material in der Regel weitere Angaben zu finden: Short Scale, Long Scale und Extralong Scale. Diese Angabe bezieht sich auf die Mensur des Basses, auf den die Saiten drauf sollen. Unter der Mensur versteht man die effektive Schwingungslänge der Saiten, gemessen zwischen dem Sattel und der Brücke des Instruments, angegeben in Zoll. Die meisten Bässe haben eine Longscale-Mensur von 34" = 86.4cm, typische Vertreter sind Fender Jazz und Precision. Unter einem Shortscale Bass versteht man Bässe mit um die 30" Mensur = ca. 76cm, beispielweise die Gibson EB-Bässe oder der Höfner-Beatle Bass. Extralong scale heisst 35" oder noch länger, wie Dean Edge Select5 oder andere Fünfsaiter. Warum nun diese unterschiedlichen Bauformen?

Der Blick auf unsere Formel am Anfang offenbart die Antwort. Nehme ich die gleiche Saite und mache sie länger, wird die erzeugte Note tiefer. Um wieder zur Ausgangs-Note zu kommen, muss ich die Saitenspannung erhöhen. Das hat aber einen Neben-Effekt: die Saite wird straffer und das Schwingungs-Verhalten definierter, die Saite klingt klarer und deutlicher, ganz wichtig für die Fünf- und Sechsaiter-Bässe mit der dicken B-Saite, die ja sehr träge ist und bei vielen Normal-Mensur-Bässen sehr labberig und dumpf klingt. Und das ist nicht nur beim Bass so, die Paula und die Strat haben auch unterschiedliche Mensuren. Dies wird wieder zum Faktor des Paula- oder Strat-Sounds. Nur muss man diese Mensur-Werte in der Herstellung der Saiten berücksichtigen, weil sie sonst eventuell zu kurz ist, oder viel zu lang. Und: die Saiten-Enden der tieferen Saiten werden stufenweise von Aussenwicklung befreit, da sie sonst nicht durch die Stimm-Mechaniken passen. Deshalb ist die Saitenlänge wichtig.

Für die Kurz-Mensur-Bässe wird auch noch ein anderer Parameter ganz wesentlich berücksichtigt, nämlich die ...

Saitendicke

Je tiefer die zu erzeugende Note, desto massiger muss die Saite sein. Kommt man für die G-Saite oft noch mit einer Wicklung aus, braucht eine tiefe B-Saite schon drei Lagen Wicklungsdraht. Und der Durchmesser der Saite, angegeben in Inch, ist die Saitendicke.

Shortscale-Bässe mit ihren geringeren Saitenlängen brauchen oft dickere Saiten als Longscales, da ja ... ah ja, die Formel ... also jetzt für Longscale-Bässe.

Übliche Saitendicken laufen von 0.040" ... 0.050" für die G-Saite, 0.095 .. 0.105" für die tiefe E-Saite, B-Saite beim Fünfer so 0.125 ... 0.135". Die G-Saite wird oft als Richtwert für die Bezeichnung genommen. Während der eine Hersteller noch 0.045" als 'Light', also leicht bezeichnet, heisst die gleiche Saitenstärke beim nächsten 'Regular'. Ein Saitensatz kann sowohl als 0.045-0.095" Satz erhältlich sein als auch als 0.045-0.105". Nämlich für die Leute, die gerne mehr oder weniger Bumm in den Tiefen haben. Je dicker die Saite, destor größer die 'Verformung' des Magnetfeldes, desto höher die erzeugte Spannung. Da die 0.040"-Saite leichter ist als eine 0.045"-Saite, braucht sie eine höhere Saiten-Spannung (die Foooooormel ...), ist also steifer, schwingt weniger weit aus und klingt heller. Daher die Notwendigkeit für unterschiedliche Konfigurationen von Saiten-Sätzen. Und ebenso erklärt dies warum die Abstände zwischen tiefen und hohen Saiten zum Pickup unterschiedlich sind, wegen der im Magnetfeld befindlichen effektiven Saitenmasse.

Verwirrend?

Wir haben es doch arg reduziert! Weder haben wir über das Verhältnis Massen- und Dickenwerte von Kern zu Wickung gesprochen, noch über die Auswirkungen dicker oder dünner Oberflächen-Beschichtungen, Schweden-Stahl oder nach dem Wickeln in flüssigem Stickstoff gehärtete Saiten, mit Goretex beschichtete Saiten, Saiten, an der Auflagefläche auf dem Saiten-Reiter von Wicklung befreiten Saiten, mit Textil umwickelt an beiden Enden. Na doch, kann man nicht eigentlich so lassen ... also ...

Wound/Core Relationship

Dieser Wert ist sehr wichtig für das Schwingungsverhalten der Saite. Vereinfacht kann man sagen, dass die Saite umso flexibler ist, je dünner der Kern ist. Andererseits steigt die Gefahr des Reissens mit abnehmendem Kerndurchmesser. Daher ist dieser Kennwert schon wichtig. Steht aber auch nicht auf den Saitenpackungen drauf, hab' ich jedenfalls noch nicht gesehen.

Alles hat ein Ende, nur die Saite hat zwei

Die Enden, die in die Stimmechaniken gehen, sind nicht ganz so wichtig. Sie sollten halt nur stufenweise von den Aussenwicklungen befreit sein, damit sie besser zu biegen und zu fädeln sind. Viel wichtiger ist das Konstruktionsprinzip an der Bridge-Seite. Und da jibbet drei.

(Dieses Bild ist auch geklaut, aber nicht weiter sagen!) Die Obere Saite ist bis zum Ballend durchgewickelt, daher tritt an der Biegestelle auf der Bridge auch eine Verletzung der Umwicklung auf.

Unter Taper Wound versteht man eine Saite, die an der Auflagestelle zur Bridge wenigstens von den äußeren Wicklungen befreit ist. Bei Exposed Core dann sogar komplett. Um warum dieser Aufwand, denn Aufwand in der Produktion ist es ja? Nun, das Ziel ist optimale Biegsamkeit der Saite, was längeres Sustain als auch schnelleres Ansprechen heisst. Und das kann schon den weiteren Produktionsschritt lohnen. Bezahlen tut's ja der Kunde. Ich meinerseits muss sagen, dass in meiner Saiten-Forschungsphase diese Faktoren keine hörbaren Vorteile hatten. Dagegen sehe ich bei Exposed Core eher Probleme, dass die Saite eher zu beschädigen ist, denn der tragende Kern liegt offen und kann auf der Bridge schaben, gerade bei den dicken und weit ausschwingenden E- und B-Saiten.

Dagegen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, indem ich die Saiten vor dem Aufziehen mit Weihwasser besprühe und eine Christopherus-Plakette an meinem Bass habe, und seitdem bin ich noch mit keinem anderen Bass zusammengestoßen (sehr alter Kalauer!)

Handmade, man-made

Noch ein Werberagument: Handmade oder Handwound Strings. Also dass bitte keiner annimmt, da sitzt einer mit Zange und Säge und wickelt den Draht um den Kern. Gemeint ist lediglich, dass die Bewicklung der Saite durch eine Maschine unter händischer Steuerung abläuft, und nicht vollautomatisiert. Das ist alles. Die Hersteller der handgemachten Saiten gehaupten, diese Herstellungsart sei genauer und habe eben diesen human touch. Die Hersteller konventionell vollautomatisch gewickelter Saiten nennen dies Humbug und sagen, dass ihre Maschinen mit einer Genauigkeit und Präzision arbeiten, die von Menschen nicht erreicht werden kann.

Bedenkt man, dass bei D'Addario in Summe ca. 300.000 Saiten pro Tag das Werk verlassen, relativieren sich solche Aussagen von wegen Human Touch doch schnell. Ich persönlich glaube auch, dass die Maschinen wesentlich präziser und gleichbleibend arbeiten. Die saufen nämlich nicht, und haben auch keine Gigs am späten Abend. Und ob es Montag ist, ist so einem Pentium® XEON™ auch pup-egal.

Materialien

Wie eingangs erwähnt, wird immer wieder mit konstanter Boshaftigkeit behauptet, es gäbe eh nur drei oder vier Saitenhersteller weltweit, und am Ende seien es immer die gleichen Saiten. Das - ist - Quatsch, da haben nämlich einige Ohren etwas geschlafen, oder bewusst vereinfacht. Richtig dagegen ist, dass die Materialien für die Saitenhersteller von einigen wenigen Lieferanten kommen. Aber selbst wenn D'Addario und Ernie Ball das Material für den Kern aus der gleichen Thomas-Birne bekommen: Durchmesser, Kohlenstoffgehalt, Oberflächenart und andere Werte sind unterschiedlich und speziell für den jeweiligen Kunden eingestellt. Und das gilt auch für die Material-Qualität, denn bei ALNO bekomme ich auch eine Küche für 10.000 und für 50.000DM, je nachdem, was ich denn gerne hätte.

Endlose Geschichten

Dann waren da noch die Fragen nach der Geschwindigkeit beim Wickeln der Saiten und Toleranzfragen, Alterungsverhalten, Auswirkung von Plec- oder Fingerspiel, Wechselwirkung Saite - Pickup - Hals - Body - Bridge - Sattel - Bassist.

Man kann es sich denken: wie eine Saite nun tatsächlich klingt, ist von so vielen Faktoren abhängig, dass eine Prognose fast unmöglich ist. Oder doch? Nun ja, in gewissen Grenzen. Als grobe Orientierung. Bitte hinter jedem zweiten Wort 'in der Regel' hineindenken.

Stahl-Seiten klingen eher hell und obertonreich/metallisch, reine Nickel-Saiten eher warm und gedeckt. Nickel-beschichtete Stahl-Seiten klingen nach Stahl, haben jedoch eine weichere Oberfläche und sind manchmal nicht ganz so hell klingend.
Der Standard-Satz für den Viersaiter ist 0.045"-0.105", 0.045"-0.130" für den Fünfsaiter, 0.032"-0.130" für den Sechser. Je dünner die Saite, desto geringer die Saitenspannung und Steifheit. Dicke Saiten sollte man ruhig mal ausprobieren, ein 0.050"er Satz spielt sich kaum anders als ein 0.045"er, klingt aber dichter und ist kontrollierbarer. Wer sich bisher mit einem 50er-Satz abgemüht hat, könnte mit einem 40er neue Erkenntnisse gewinnen.
Roundwounds haben ein weites Oberton-Spektrum, Flatwounds nicht und klingen deshalb wärmer und dichter. Wobei aber moderne Flatwounds auch nicht mehr den Gummiband-Sound haben wie in den 60er Jahren. Flats auf dem Bundlosen schonen das Holz und sind mucksmäuschenstill bei Slides und Recording-Sessions.
Weiterer wichtiger Punkt ist die Oberfläche der Saite und damit das Spielverhalten, ob eher glatt oder eher rauh.
Man sammelt für sich ganz individuell mit der Zeit Erfahrungswerte, auf die man auch vertrauen sollte. So habe ich festgestellt, dass 0.040"-Sätze mit Extralong Scale nicht gut zusammengehen. La Cocco ist meine Horror-Firma im Sound, Warwick in der Bespielbarkeit. Meine Lieblinge sind D'Addario XL170, 0.045-0.105" auf Fender Jazz, 0.040-0.100" für den Precision. Your mileage may vary. Saiten sind absolut individuelle Entscheidungen und Geschmacksfragen.
Der Gesamtsound entsteht aus dem komplexen Zusammenspiel aller Materialien (Metalle, Holz, Kunststoff, Zelluloid, Fleisch&Blut) und ist daher nicht vorhersehbar.

Für weitere Deatils finden sich noch eine Menge Seiten im Netz. Eine sehr interessante mit vielen Bildern und Beispielen, auch zum Setup und zur Pflege, ist frets.com, allerdings in Englisch.

Man könnte noch Saiten darüber verfassen ... hat man auch, in der Equipment Database.

 
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