The Reality Collection


Unsorted, unpaid for ...

Bei Bässen mit zwei Pickups bietet es sich an, die Pickups entgegen den vorgegebenen Konfigurationen auch anders zu verschalten. Zum Beispiel wahlweise parallel oder in Serie, wodurch sich bei einem Jazz Bass verschiedene Sounds ergeben. In Serie geschaltet liefert der Bass den erhöhten Output, und das sehr pfundig und tiefbassig. Parallel-geschaltete Pickups klingen eben wieder wie Jazz Bass.

Warning!

Die Ergebnisse solcher Verschalterei können mit den unterschiedlichen Pickup-Typen unerwartet ausfallen. Das liegt daran, dass Pickups mit verschiedenen Wicklungs- und Magnetisierungsrichtungen geliefert werden. Durch solche Maßnahmen (Wicklung und Magnetisierung gegenläufig) wird erst der Humbucking-Effekt, also das Ausblenden von Einstreuungen in die Pickups, realisiert. Ich spare mir in den einzelnen Schaltungen diesen Hinweis, außer Kommentaren zu den Auswirkungen unterschiedlicher Pickup-Orientierungen.

Quellen für Schalter sind z.B. Reichelt, Conrad und natürlich Rockinger. Weitere wertvolle Quellen sind Schuro, Shop3000 oder Thel. Der lokale Elektronikhandel kann das aber oft auch besorgen.

Pickup-Leitungen

Die Anschlüsse von Pickups sind in zwei Ausführungen zu finden. Die eine ist die, dass die beiden Anschlüsse der Spule(n) in einem Kabel mit getrennter Abschirmung untergebracht sind. Typ Zwo hat ein Kabel mit einer inneren Seele, dem heißen Anschluss, und der Abschirmung = zweiter Pol. Typ 1 ist problemlos für Verschaltungen brauchbar, die Abschirmung kommt immer an Masse, die beiden Spulenleitungen tragen das Signal. Typ 2 hat ein Problem: die Abschirmung dient nicht nur dem Verhindern von Einstreuungen, sondern trägt auch das PU-Signal. Schaltet man zwei Pickups diesen Typs in Serie hintereinander, liegt eine Abschirmung nicht auf der schützenden und Störsignale abführenden Masse, sondern wie eine Antenne für Netzbrummen in der Luft. Also keine Spielereien mit dem Typ 2?

Doch. Man muss dem Kabel nur eine zusätzliche Abschirmung verpassen. Entweder nimmt man ein möglichst dickes abgeschirmtes Diodenkabel, zieht den Innenleiter raus und schiebt die verbleibende Abschrimung über das Pickup-Kabel. Dann hat man wieder die beiden PU-Pole und eine getrennte Abschirmung. Oder man bestellt sich bei Rockinger selbstklebende Alufolie (für E-Fach-Abschirmungen), umwickelt das Pickup-Kabel zuerst damit, dann mit einer isolierenden Schicht Scotch 3M-Tape (besonders dünn) und wickelt zuletzt ein Stück Kupfer-Draht/-Litze um das Alu. Und hat wieder die zwei PU-Pole und eine getrennte Abschirmung.

Standards first

Zuerst noch einmal die Standard-Verdrahtungen von Jazz Bass und Precision.

Die Normal-Verdrahtungen vom Jazz Bass mit zwei (Singlecoil-) Pickups, hier mit getrennter Abschirmung. Die Pickups sind demnach parallel geschaltet und werden in ihren Anteilen durch die zwei Volume-Potis gemischt. Bei der Betrachtung der Schaltung wird ein Manko sichtbar, dass sich aber fast alle passiven Konfigurationen teilen: Sind die Potis nicht voll aufgedreht, wird der Pickup durch den verringerten Widerstandsanteil des Reglers belastet, was dem Sound nicht gut tut. Der Regler 'bedämpft' den Pickup.
Daher ist es beim Jazz Bass sinnvoll, wenn man beide Pickups verwendet, diese möglichst nahe am Maximum des Volumens zu betreiben. Mit einfach geschirmten Kabeln wird die Verdrahtung einfacher, aber auch weniger flexibel.

Da hat es der Precision Bass in der Standard-Version einfacher, denn er hat eh nur einen Pickup und man braucht nix zu mischen. Damit kann der heiße Anschluss des Pickups an den Regleranfang und wird beim Herunterdrehen auch nicht bedämpft.

Es gibt einen Haufen von Varianten gerade beim P-Pickup: ein einfach geschirmtes Kabel, zweipoliges Kabel mit getrennter Schirmung, beide Pickup-Hälften mit eigenem Kabel bis in's Elektronikfach etc. pp.

Bevor man sich an Ideen für eine andere Pickup-Verdrahtung macht, sollte man also einen Blick in das Elektronikfach werfen, was mit dem jeweiligen Pickup denn überhaupt möglich ist.

Seriell/Parallel

Durch seinem einzelnen, gesplitteten Humbucker ist der Precision nicht unbedingt eine Quelle unterschiedlichster Sounds. Handelt es sich jedoch um einen Pickup, bei dem die beiden Spulenhälften getrennte Anschlüsse haben, kann man wenigstens eine kleine Variation wagen. Oder man beschafft dem Pickup passende Leitungen mit zwei Polen und einer Schirmung. Ist beim P-Pickup recht einfach.

Mit einem zweipoligen Umschalter (on-on) können die beiden Spulenhälften wahlweise parallel oder in Serie geschaltet werden, wobei die Serienschaltung den pfundigeren Ton liefert. Prinzipiell ist diese Schaltung auch z.B. für Jazz Bass geeignet, wobei dann aber nur zwei Sounds mit beiden Singlecoils verfügbar sind.

Auch hier ist auf die Polarität der Spulen zu achten, besonders bei Neuverkabelung.

Nimmt man statt eines on-on-Schalters einen on-off-on-Schalter (in Mittelstellung einrastend), hat man auch eine Stummschaltung und Ruhe in den Spielpausen.

Pickup-Blend statt 2 x Volume

Manche Leute haben lieber einen Blend-Regler statt zwei Volume-Regler. In diesem Fall ersetzt man einen Volumenregler durch ein lineares Stereo-Poti von 500kOhm und macht den verbleibenden Volume-Regler zum Master-Volume.

Serial Boost für Jazz Bass

Eine eher simple Umschaltung für Bässe mit zwei Singlecoils und getrennter Abschirmung. In der 'Normalstellung' funktioniert alles wie gehabt, Standard-JB-Schaltung. Mit Pickups, bei denen die Abschirmung gleichzeitig Signalleitung ist, kann man sich in der Serienschaltung unangenehme Störgeräusche einfangen. Mal die Lötstellen am Pickup ansehen, viele Pickups haben zwar eine getrennte Abschirmung, für die Leitung sind aber Abschirmung und Minus zusammengefasst. Dann kann man mit einem zweipoligen Kabel doch wieder eine getrennte Abschirmung realisieren.

Nach Umlegen des Schalters werden die beiden PUs in Serie geschaltet und Volumen-Regelung ist mit dem Poti des Neck-Pickups möglich, Tone bleibt ebenso erhalten. Erfordert lediglich einen 2-poligen Umschalter.

Seriell/Singlecoil(B)/Parallel-Umschaltung

Eine schon recht nette Umschaltung ist beim 2 x Singlecoil-Bass mit nur einem Schalter möglich. Dazu braucht man einen On-On-On-Switch mit drei Schaltstellungen und dem gezeigten Schaltschema.

Diese Schalter sind leider nicht leicht zu bekommen und man muss sich schon etwas auf die Suche machen. Ich weiß aber, dass ITT-Cannon diese Schalter unter der Typenbezeichnug T211 herstellt.

Wie man auch sieht, ist die Verdrahtung recht simpel, so dass man eigentlich nicht viel falsch machen kann.

Etwas kritisch kann es werden, wenn die PUs nicht reine Singlecoils, sondern Humbucker sind. Das merkt man dann aber am etwas hohlen und mumpfigen Ton in der Serienschaltung (wegen der hohen Induktivität der Humbucker).

Dual Pickup Full Switch

Diese Schaltung bietet sich besonders für Jazz Bass und Stingray ohne aktive Regelung an.

Ein Drehschalter mit 5 Positionen auf 3 Ebenen lässt fünf verschiedene Soundvarianten auswählen. Möglich sind die Pickups alleine oder in serieller und paralleler Verschaltung. Der Schalter ersetzt in J und Sting einen der Volumenregler, der zweite Volumen- und der Tonregler verbleiben. Weiterer Vorteil: da nur noch ein Volume verbleibt, kann der Ausgang der Pickups auf das Poti-Ende gelegt werden (wie in der vorherigen Schaltung), Ausgang zur Buchse wird der Schleifer; das Bedämpfen der Pickups beim Herunterdrehen des Volumes entfällt nun.

Abhängig von der Wicklungsweise der Pickups und des Typs können sich die Positionen 1. und 5. vertauschen, i.d.R. jedoch in Standardkonfigurationen nicht, da auch die Magnetisierungs-Richtung gewechselt ist. Lediglich bei Selbstbauprojekten mit zusammen gestückelten Teilen muss man aufpassen.

Die Position 5. ist für Bässe nicht besonders sinnvoll. In diesem Fall lässt man die grüne Verbindung weg und hat 5. als Off-Position (erspart in Pausen das Herunterdrehen) oder man nimmt von vornherein einen Schalter mit drei Ebenen und vier Positionen.

Da Mehrebenen-Schalter wie oben nicht ganz so einfach zu bekommen sind, vor allen Dingen nicht in dieser Konfiguration, das Ganze noch einmal mit einem Cherry 3x4-Schalter, den ich problemlos beim Elektronikhändler für wenige Euros bekommen habe. Gibt's, glaube ich, auch bei Reichelt und Conrad.

Voll konkret krasses Beispiel

Letztere Schaltung habe ich in einen OLP Stingray MM2 eingebaut, da sich mit dem Ersatz des Original-Pickups diese Umrüstung anbot. Ersatz war der Harry Häussel MM-style-Pickup.

Der Einbau des HH-Pickups ist völlig unproblematisch, er passt 1:1 in die Korpus- und Pickguard-Ausschnitte. Die Verkabelung des HH-Pickups ist für die Variation mit dem 3x4-Schalter ideal, da alle Spulenenden als ein Kabel mit einer gemeinsamen Abschirmung heraus geführt sind:

Die Korpus-Ausschnitte im Elektronikfach nehmen den Cherry-Schalter ideal passend auf, es sind keine Fräs- oder Bohrarbeiten notwendig. Der vordere Volume-Regler wird ausgebaut und durch den Cherry-Schalter ersetzt. Der Bedienknopf des bisherigen Volume-Reglers ist eine gesteckte Version, die nicht auf die Achse des Schalters passt. Zwar könnte man die etwas dickere Schalter-Achse ein wenig abschnitzen, es empfiehlt sich aber schon aus Stabilitätsgründen ein Knopf mit Schraub-Befestigung. Genau diesen gibt es bei Rockinger.com, 100% optisch identisch mit den Original-OPL-Knöppen, Imbus-Schraube zum Festsetzen, sitzt dann Bomben-fest und verrutscht nicht auf der Achse (Dome Speed Knob, chrome, Tele/PBass, 4.50€).

Die gemeinsame Abschirmung geht möglichst kurz gehalten an die Pole 2/3, so dass das Kabel auch mechanisch gesichert ist. Der Ein- und Umbau ist simpel und geht schnell vonstatten, anständige Lötkenntnisse sind trotzdem Voraussetzung.

Der verbleibende einzelne Volume-Regler wird etwas umgebaut und bekommt das Pickup-Signal nun auf das äußere Ende, der Schleifer geht auf den Tone-Regler und auf den Ausgang. Mit der gezeigten Konfiguration ergeben sich die vier Schaltpositionen (jeweils ausgehend von der Schalt-Position «Hals-Seite» gegen den Uhrzeigersinn zur Position «Bridge-Seite»):

  • 4 = Nur Hals-Spule
  • 3 = Spulen parallel
  • 2 = Nur Bridge-Spule
  • 1 = Spulen in Serie
Man muss bei der Verteilung der beiden Humbucker-Spulen also aufpassen. Für das Beispiel HH-MM-Pickup ist das Adern-Paar grün/blau die Hals-Spule, rot/gelb die Bridge-Spule. Aber nur in dieser Verschaltung der beiden Spulen ergeben sich die Schaltpositionen, die einigermaßen logisch passen, nämlich «Schalter zum Hals = Hals-Spule alleine» und «Schalter zur Bridge weiter = Bridge-Spule alleine» ... am Ende eben die Serien-Schaltung.

Und tatsächlich hat man nun, trotz des einzelnen MM-Pickups mit seinem geringen Abstand der Spulen, zwei wenigstens im Detail unterschiedliche und zwei wirklich differenzierte Sounds zur Verfügung. Und hat zusätzlich durch den einzelnen Volume-Regler keine Dämpfung des Pickups beim Herunter-Regeln mehr, was sich sehr positiv auswirkt. Eine etwas detailliertere Einbaubeschreibung finden Stefan (und auch alle Anderen) hier ...

Spulen in Serie Position '1' ist das, was Harry auch als Standard ausliefert, nämlich Serienschaltung der Spulen. Durch die hohe Induktivität ist der Klang in den Höhen etwas gedämpfter, weniger klingelig, aber auch mit ordentlichem Pfund und hohem Output. Durchsetzungsfähig, vor allen Dingen mit 15er-Speakern im Rücken.
Bridge-Spule Diese allein klingt recht knorrig, gut für Solo-Arbeit oder wo man sich in den Mitten bis Hochmitten zu Gehör bringen will.
Spulen parallel Das war der Standard bei der Ursprungs-Beschaltung, wo die beiden Pickup-Spulen parallel auf die beiden Volume-Regler gingen. Hier geht der Sound tendenziell wieder mehr in Richtung Jazz Bass, also klare und kräftige Höhen, nicht ganz so viel Output wie in der Serienschaltung, breite Abdeckung aller Frequenzbereiche. Klingt für meine Ohren am besten. Klar, Jazz Bass-Fanatiker ...
Hals-Spule Die klingt zwar ähnlich wie die Bridge-Spule, ist aber etwas wärmer und voluminöser, steht so ein wenig zwischen Parallel-Schaltung und Bridge-Spule alleine.

Dass sich nur in den beiden Kombinations-Positionen der Brumm-mindernde Humbucker-Effekt ergibt, ist wohl selbstverständlich. Alles in allem wird aber durch den Einsatz des 3x4-Schalters die Sound-Variabilität des OLP enorm erhöht. Ganz zu schweigen vom nicht zu vergleichenden Sound des Harry Häussel-Pickup gegenüber dem Original-Chinesen-Spuler. Der HH-Pickup spielt in einer anderen Klasse.

Dat Janze mit Djäss-Bass

Ich konnte es natürlich nicht lassen diese Schaltungsvariante im Jazz-Bass zu versuchen. Allerdings habe ich dort zwei Bartolinis, bei denen als Pickup-Leitung einadriges Kabel(Seele = Plus, Abschirmung = Minus) verwendet wird. In der Serienschaltung der Spulen hängt also eine Abschirmung quasi in der Luft statt auf Masse. Mut zum Risiko. Tatsächlich funktioniert auch diese Variante ohne Probleme, wenn man

  • Das Elektronikfach sorgfältig mit Leitlack oder selbstklebender Alufolie (von Rockinger) auskleidet und mit Masse verbindet
  • Die Pickupkabel möglichst kurz hält

Während die Standardschaltungen (je ein PU allein sowie PUs parallel) immer noch die Abschirmungen ordnungsgemäß auf Masse legen und so für Singlecoil-entsprechendes Verhalten sorgen, ist selbst die Serienschaltung, bei der der Neck-PU mit der Abschirmung am heißen Anschluss des Bridge-PUs hängt, immer noch störungsarmer als befürchtet. Dafür hat diese Schaltungsposition einen Output und Druck, den man aus der normalen Jazz Bass-Schaltung nicht kennt. Und trotzdem verliert der Sound mit ordentlichen Pickups nicht an JB-typischen Twäng und Attack. Eine zusätzliche Abschirmung der PU-Kabel war nicht notwendig. Im Gegenteil, es wäre von den Kabeln her unterhalb des Schalters etwas arg eng geworden.

Allerdings war es ingesamt mechanisch etwas knapp im Fach meines Mexiko-Basses und der Schalter passte so gerade in die Position, ohne dass Holzarbeiten notwendig wurden. Netterweise ging sogar der Original-Knopf des ausrangierten Neck-PU-Volume-Reglers stramm auf die Achse des Schalters, so dass von außen keine Änderung zum Ausgangszustand zu sehen ist.


 

(to be continued ...)

 
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