The Theory Collection


Grundlagen Akkorde, Definition. Die Terzschichtung, relative und absolute Intervall-Bezeichnungen. Akkord-Notation und -Symbole.

Akkord-Grundlagen

Wir haben's geschafft

Ja, wir können anfangen, Akkorde zu bauen. Wir wissen etwas über Tonleitern und über Intervalle. Das war schon eine ganze Menge, nicht wahr? Bisher hatten wir es mit Tonleitern zu tun, das heißt wir bewegten uns im Bereich der Melodik. Mit dem Übergang zu Akkorden kommen wir in das Gebiet Harmonik. die Melodie-Lehre handeln also von Leitern und Noten-Folgen, die Harmonie-Lehre von Intervallen und Akkorden. Manchmal ist das auch nicht so genau auseinander zu halten, zum Beispiel wenn Melodien aus Akkord-Tönen gebaut werden. Aber Harmonik ist eben weitläufig gesehen Akkord-Geschichte.

Als ich anfing, mich mit der Musiktheorie zu beschäftigen, habe ich oft versucht, für die Regeln und Verfahren, die angewendet werden, logische Begründungen zu finden. Warum ist das und dies so? Warum macht man es gerade so und nicht anders. Gibt es da Geheimnisse, die die Wissenden nicht weitergeben?

Nichts von alledem hat etwas gebracht. Stattdessen habe ich einsehen müssen, dass die Dinge, so wie sie sind, einfach ein Satz von Erfahrungen und Regeln sind sind, die scheinbar gottgegeben hingenommen werden müssen. Es ist einfach das Regelwerk, das unserer westlichen Musik zugrundeliegt. Es ist das Geheimnis der Musik selbst, dass diese Regeln so sind und so funktionieren. Und darum muss man eben viele Dinge so hinnehmen und akzeptieren. Was heisst: auswendiglernen und verinnerlichen.

Was ist ein Akkord?

Definition:

Ein Akkord ist eine Kombination von mindestens drei unterschiedlichen Noten. Diese können gleichzeitig oder nacheinander gespielt werden. Der Akkord bestimmt die Regeln, wie die einzelnen Noten gebildet werden.

Wie die Definition sagt, können es drei, vier oder sogar fünf Noten sein. Das heisst auch, dass die von Ketarristen so gern benutzten Powerchords, die nur zwei Noten haben, keine Akkorde sind. Aber da wird's philosophisch. Für uns Bassisten sind die Drei- und Viernoten-Akkorde die wichtigsten, und trotzdem sind einige Sonderformen hilfreich.

Die vier Akkorde, die jeder kennen muss

Für die Bildung von Akkorden gibt es viele Darstellungen. Aus meiner Sicht ist das Prinzip der stacked triads, der Terzschichtung der beste Weg. Dieses Verfahren geht so vor, dass wir auf einen Grundton Terzen stapeln. Sprich: für die erste Terz ist der Grundton die untere Note. Die obere Note der ersten Terz wird die untere Note der nächsten, aufgesetzten Terz und so weiter. Noch einmal an dieser Stelle wie bei den Intervallen der Hinweis, dass wir mit Tonleitern zur Zeit nix am Hut haben. Wir reden über Intervalle und Akkorde, ohne jeden Bezug zu irgendeiner Tonleiter.

Von den Terzen hatten wir da zwei, nämlich die kleine und die grosse Terz. Die tiefere Note ist immer der Grundton des nächsthöheren Intervalls. Hatten wir ja schon. Jede Terz ist eine Kombination von zwei Noten. Da wir aber für einen Akkord mindestens drei Noten brauchen, reicht dieses Wissen noch nicht aus. Aber es ist ganz einfach:

Man nehme zwei Terzen und schichte sie übereinander. Für die erste Terz ist der Grundton des Akkordes die untere Note. Dann schichte wir auf diese untere Terz eine weitere, wobei wir die höhere Note der ersten Terz als untere Note für die zweite Terz nehmen.

Und siehe da: wir haben danach drei Noten. Machen wir das mal anhand unserer vertrauten Note 'C' und denken daran, dass wir ja zwei Terz-Formen haben, und daher insgesamt vier mögliche Kombinationen:

1. Terz
2. Terz
1:

'1'

groß
groß
2:

'1'

klein
klein
3:

'1'

groß
klein
4:

'1'

klein
groß

Für den Grundton C sähe das dann so aus (bitte richtig rechnen oder die Chord Clock benutzen, kleine Terz = drei Halbtöne, grosse Terz = vier Halbtöne, die Intervall-Tabelle aus den Little Helpers ist hier auch hilfreich).

1. Terz
2. Terz
Noten
1: '1' => C
C + 4HS =>  E
E + 4HS => G#
C E G #
2: '1' => C
C + 3HS =>  D#
D + 3HS =>  F#
C D# F#
3: '1' => C
C + 4HS =>  E
E + 3HS => G
C E G
4: '1' => C
C + 3HS => D#
D# + 4HS => G
C D# G

Damit haben wir schon die vier Grundakkorde! Und wir können sie uns sogar anhören, nämlich auf unserem Bass. Damit das aber nicht zu mulmig klingt, machen wir das oben auf dem Griffbrett:

1. G --13------
D --14------
A --15------
E ----------
 
2. G --11------
D --13------
A --15------
E ----------
3. G --12------
D --14------
A --15------
E ----------
4. G --12------
D --13------
A --15------
E ----------

Kennt Ihr diese Akkorde? Jau, 3. und 4. sind der Dur- und der Moll-Akkord. Aber was sind 1. und 2. ? Nehmen wir uns diese beiden Exoten etwas genauer vor. Konstruiert wurden die Akkorde durch Aufeinanderschichten von Terzen, wodurch es vier mögliche Kombinationen gibt. Nehmen wir unsere Kenntnisse zu Intervallen zu Hilfe und betrachten die entstandenen Noten nicht mehr in den beiden Terzen, sondern relativ zum Grundton (hier war das C), und dann sieht die Geschichte so aus:

'Terz-relativ' 'Grundton-relativ' Intervallstruktur Akkordname
Note #1 Note #2 Note #3 Note #1 Note #2 Note #3
1.

1

3

#2 + 3

1

3

1 + 8HS => #5

1  3  #5

augmented/
übermässig
2.

1

b3

#2 + b3

1

b3

1 + 6HS => b5

1  b3  b5

diminished/
vermindert
3.

1

3

#2 + b3

1

3

1 + 7HS => 5

1  3  5

major/Dur
4.

1

b3

#2 + 3

1

b3

1 + 7HS => 5

1  b3  5

minor/Moll

Jetzt können wir auch sehen, was an den beiden ersten Akkorden so abartig ist. Dur- und Moll-Akkord enthalten eine reine Quinte. Aber die ersten enthalten eine übermässige bzw. eine verminderte Quinte. Daraus entsteht ihr seltsamer Klang und ihr Name.

Entstanden sind die Akkorde aus Terzschichtungen. Die Intervallstruktur in Beziehung zum Grundton ist aber genauso eindeutig. Ja, sie hat sogar noch einen Vorteil, denn man kann die beiden zusätzlichen Akkord-Mitglieder direkt in Beziehung zum Grundton berechnen, was die Chord Clock eben tut. Und noch etwas: Das macht man nämlich meistens bis fast immer so.

Die Struktur eines Akkords wird angegeben in Intervallen zum Grundton.

Für Dur ist das dann 1 - 3 - 5, für übermässig 1 - 3 - #5.

Die Quinten spielen in Akkorden eine gewichtige Rolle, denn sie bestimmen den Klang eines Akkords schon erheblich. Aber die Terzen haben's auch in sich: der Unterschied zwischen Dur- und Moll-Akkord liegt in den Terzen. Faszinierend, ne? Der Gesamtklang eines Akkords bildet sich aus jeder einzelnen Note, so wie eine Band eben durch jeden einzelnen Musiker geprägt wird. Manchmal ist der eine ein wenig dominater, mal der Andere.

Und was ist mit der Reihenfolge?

Gute Frage. Man könnte annehmen, die Akkord-Töne müssten nun immer in dieser Reihenfolge gespielt werden. Is' abber nich'.

Die Menge der Noten ist fest. Ein C-Dur hat ein C, ein E und ein G. Es ist aber nur wichtig, dass diese drei und nur diese drei Noten verwendet werden. Wie herum sie gespielt werden, ob a'la Wandergitarre angeschlagen oder als Sequenz (= Arpeggio) ist völlig egal. Die Unterschiede werden wir trotzdem noch einmal besprechen, aber es ist für den Akkord selbst total egal. Die Noten können auch in verschiedenen Oktaven gespielt werden, oder mehrfach in verschiedenen Oktaven. Es bleibt dieser eine Akkord. Speilt man ein C, ein E und ein G ist das der C-Dur-Akkord.

Tja, das war schon eine Menge, aber jetzt wissen wir nicht nur, wie Akkorde aufgebaut werden, sondern auch wichtige Regeln. Also bitte keine Diskussionen mehr über Dur-Akkorde mit einem Neuner-Intervall.

Akkord-Notation

Um das Thema vollständig zu machen, noch ein Blick auf die Namensgebung und Begriffe bei Akkorden.

Akkordnamen Die Namen der Grund-Akkorde bestehen aus zwei Teilen: dem Grundton und dem Akkordgeschlecht. So sagt der Name 'A-Moll' (A minor), dass der Akkord den Grundton A und das Geschlecht Moll hat, also die Intervallstruktur 1 - b3 - 3 bzw. absolut zum Grundton 1 - b3 - 5. Eine Ausnahme: ist kein Geschlecht angegeben, ist Dur gemeint, sozusagen als Default.
Struktur Die Struktur ist direkt mit dem Akkordgeschlecht verbunden, d.h. hinter dieser Bezeichnung steht direkt die Struktur, z.B. 1 - 3 - 5 oder 1 - b3 - b5.
Grundton Das ist einfach vorgegeben. Wenn man in C-Dur singen will, sollte man einen C-Akkord dazu spielen (am Anfang jedenfalls ...)
Chord tokens Gibt es dafür ein passendes deutsches Wort? Egal. Akkord-Kürzel oder so wäre passend.

Nur zur Übersicht: Anstatt immer den Langtnamen zu verwenden, kann man auch Kürzel (ah, da is'ses ...) nehmen. Und gleichzeitig können wir auch sehen, dass es tatsächlich noch Dreiton-Akkorde gibt, die nicht aus Terzschichtung entstehen, sondern einfach aus Versuch und Irrtum. Und auch Vierton-Akkorde. Tja, das ist eben Musik, am Ende ist nichts restlos definiert, aber das werden wir in den nächsten Kapiteln noch nachholen. Hier also erst einmal nur zur Info:

Token Langname Struktur
maj (oder nichts) major/Dur 1 3 5
m, min minor/Moll 1 b3 5
dim, o diminished/vermindert 1 b3 b5
augm, + augmented/übermässig 1 3 #5
7, dom7 dominant 7 1 3 5 b7
6 sixth 1 3 5 6
sus2 suspended2 1 2 5
sus4 suspended4 1 4 5
sus47, 7sus4 suspended fourth with seventh 1 4 5 b7
Zusammenfassung

Das ist ja wohl nicht zu vermeiden.

  • Akkorde bstehen aus mindestens drei nicht-identischen Noten.
  • Die Grundakkorde bilden sich aus der Terzschichtung. Aus der Schichtung zweier Terzen bilden sich die vier Grundakkorde Dur, Moll, übermässig und vermindert.
  • Akkordstrukturen werden als Intervall-Liste relativ zum Grundton definiert.
  • Die Bildung von Akkorden ist unabhängig von Tonleitern. Jede Note kann Grundton eines Akkords sein.
  • Die vier Grundakkorde haben die Intervallstrukturen Dur = 1 3 5, Moll = 1 b3 5, vermindert = 1 b3 b5 und übermäßig = 1 3 #5
  • Die Reihenfolge der Noten ist für den Akkord nicht massgebend. Es dürfen aber nur die vorgegebenen Noten verwendet werden.

Obwohl es vielleicht etwas sinniger erscheint, mit den Vierton-Akkorden weiterzumachen, lege ich hier lieber ein Kapitel Leiter-Harmonisierung (scale harmonisation) ein, weil's ein bisschen mehr praktischer anwendbar ist.

Übungen
1.) Wiederhole das Bilden der Grundakkorde, z.B. anhand der Grundtöne G und B. Finden Fingersätze, um diese Akkorde als Vollakkorde oder als Arpeggios zu spielen.
2.) Finde Fingersätze für die Sequenzen 1 - 5 - 3 und 5 - 3 - 1.
3.) Wie können die augmented und diminished chords in Beziehung zu den major und minor chords ausgedrückt werden? Warum? (schwere Frage ...)
4.) Wenn es tatsächlich auch die Dreiton-Akkorde mit der Struktur 1 - 2 - 5 und 1 - 4 - 5 gibt: Was sind die Akkordnoten für A und D und wie sehen wiederum die Fingersätze aus?

So, dann wechseln wir ein wenig das Thema, oder auch eben nicht ...

 
©Rainer Böttchers, 1998-2006      Impressum/Credits & Maintainer