Modes für Chicago ...


Schon wieder???????????

Modes again

Also .... weil das doch noch öfter nach gefragt wurde, so noch einmal als Wiederholung. Und die Frage war: wie verbinde ich denn nun eine Kadenz und welche Modes spiele ich wo?

Gehen wir noch mal einen Schritt zurück. Wenn ich auf jeder Note einer Tonleiter einen Akkord aufbaue, z.B. durch Terz-Stapelung, und dabei nur die Noten eben dieser Tonleiter verwenden darf, dann bekomme ich für die Leiter folgende Akkorde:

I
II
III
IV
V
VI
VII
Dur
Moll
Moll
Dur
Dur
Moll
Verm.

Beziehungsweise als Sept-Akkorde:

I

II

III

IV

V

VI

VII

maj7

m7

m7

maj7

dom7

m7

m7b5

Eine Abfolge dieser Akkorde mit der zu Grunde liegenden Tonleiter, der Tonika, die Stufe I, ist eine Kadenz. Nehme ich C-Dur, wären die möglichen, verfügbaren Akkorde:

I

II

III

IV

V

VI

VII

C

D

E

F

G

A

B

maj7

m7

m7

maj7

dom7

m7

m7b5

So ist die Akkordfolge Dm7 - Gdom7 - C eine ii-V-I-Kadenz, die Jazzer-Kadenz. Mit dieser Kadenz als Grundlage könnte man nun ein Stück schreiben. Ach ja, eine Kadenz ist nur dann eine, wenn die verwendeten Akkorde diatonisch = leitereigen sind. Nun möchte ich über diese Kadenz in vier Takte gepackt, als Verse markiert (denke Dir einen Keyboarder diese Akkorde vor sich hinklimpernd) ein Solo spielen (die drei größten Lügen der Gitarristen: 2. Ich will hier kein Solo spielen ...). Also der Tastenmann spielt auf seiner B3 diese Akkorde, und alle Akkorde enthalten ja nur Noten aus C-Dur, dann musst Du, um eben immer in der grundlegenden Tonika C-Dur zu bleiben, zu jeweils dem gerade aktuellen Akkord den passenden Mode von C-Dur spielen. In Tabellenform:

ii
V
I
I
Dm7
Gdom7
C
C
D dorisch
G mixolydisch
C ionisch
C ionisch

Die Knäcke an der Sache ist ja die: die Grundtonart ist C, und das Ohr orientiert sich darauf. Um jetzt wahrscheinlich nur für Friedlieb verständlich zu sagen: das Ohr hört, was nicht da ist, das Auge kann das nicht. Tatsächlich rastet das Ohr sozusagen auf die Tonart ein, und auch, wenn der erste Akkord gar nicht C ist, das Ohr orientiert sich. Die Akkorde der Kadenz enthalten ja auch nur Noten aus C-Dur. C-Dur herrscht vor, auch wenn in einem Takt ein anderer Akkord als C gespielt wird, das C ist die Tonika, die Tragende der Harmonik, das ist Esoterik und Fakt zugleich. Würde man nun über die Akkorde der Kadenz nicht die jeweiligen Modes der C-Dur-Leiter spielen, sondern z.B. D-Moll, G-Dur und dann C-Dur, kämen Noten in Dein Solo, die nicht zu C-Dur gehören, und es würde fürchterlich schief klingen. Kannst Du im Modes-Artikel auch hören. Der Ablauf wäre demnach, dass ich bei Akkord-Wechsel der Background-Rhythmus-Gruppe innerhalb des Verses in dieser Kadenz ii-V-I auch in meinem Solo die Tonart wechseln muss, aber eben in den passenden Mode.

Die Bezeichnung Kirchentonart ist übrigens in diesem Zusammenhang etwas verwirrend. Die historischen Kirchentonarten sind zwar sehr ähnlich, aber eher Erfahrungs-orientiert entstanden. Die Modes basieren rein auf Musiktheorie. Daher sollte man den Begriff Kirchentonart in diesem Zusammenhang vermeiden, Jazzer gehen eh nicht in die Kirche, ausser in den USA.

So, nun mal dat Jaze mit einer anderen Tonart, nämlich der Gitarristen-Tonart E. Zuerst machen wir uns E-Dur, entweder durch Anwendung der Bildungsregel oder durch Ausprobieren:

I
ii
iii
IV
V
vi
vii
I
E
F#
G#
A
B
C#
D#
E

Wären also vier Kreuze als Schlüssel, nun bilden wir die Stufen-Akkorde dazu:

I

II

III

IV

V

VI

VII

E

F#

G#

A

B

C#

D#

maj7

m7

m7

maj7

dom7

m7

m7b5

ii-V-I in E-Dur wäre demnach F#m7 - Bdom7 - E. Nun das gleiche Schema wieder übertragen:

ii
V
I
I
F#m7
Bdom7
E
E
F# dorisch
B mixolydisch
E ionisch
E ionisch

Oder für die Feld/Wald/Wiesen-Kadenz der Ötztaler Buarn, I - IV - V

I
IV
V
I
Emaj7
Amaj7
Bdom7
E
E ionisch
A lydisch
B mixolydisch
E ionisch

Wer spielt schon in Dur?

Genau, müsste man die Sache noch für Moll betrachten. E-Moll sei angesagt ... E-Moll ist die Parallel-Tonart von ... öh ... Quintenzirkel bitte:

 

Aha, da sehen wir es: wenn E aölischer Mode ist, ist die ionische Tonika G-Dur. Heisst: die beiden haben die gleichen Noten, und auch die gleichen Modes, nur in unterschiedlicher Reihenfolge. Sieht im Moment vielleicht etwas kompliziert aus, ist es gar nicht.

Noten, Stufen-Akkorde und Modes. Hm, nun müssten wir das wieder zu Fuß machen und die Terzen stapeln, die Stufen-Akkorde bilden, das sieht alles sehr sehr kompliziert aus. Ist es aber eben nicht, wir brauchen wegen der Parallel-Tonarten nur unsere Tabellen für G-Dur verlängern. Ein Kreuz, das ist das F# in G-Dur, und in E-Moll.

Äolisch ist auf der sechsten Stufe der C-Dur-Leiter als Mode zu finden.

Stufen-Dur:
I
ii
iii
IV
V
vi
vii
I
ii
iii
IV
V
vi
vii
I
Stufen-Moll:
i
ii
III
iv
v
VI
VII
i
G-Dur:
G
A
B
C
D
E
F#
G
             
E-Moll:
E
F#
G
A
B
C
D
E
Akkorde:
M7
m7
m7
M7
dom7
m7
m7b5
M
m7
m7
M7
dom7
m7
m7b5
M7
Modes:
Ion.
Dor.
Phry.
Lyd.
Mixolyd.
Äol.
Lokr.
Ion.
Dor.
Phry.
Lyd.
Mixolyd.
Äol.
Lokr.
Ion.

Was wäre nun 2-5-1 für E-Moll? Kann man in der Tabelle ablesen. Stufe V in Moll ist übrigens deshalb Dur, weil ein dom7-Akkord ja ein Dur-Akkord ist, wegen der großen Terz, nur die Septime ist eine kleine.

Soweit die klare, reine Theorie.

Klar? (Dont hesitate to call me ...)

Rainer

 
©Rainer Böttchers, 1998-2006      Impressum/Credits & Maintainer