The Theory Collection


Kadenzen und Modes, Korrelation der beiden Begriffe. Wiederholung der Modes.

Und nochmal: Die Modes

Dabei war dieses düstere Kapitel doch schon abgeschlossen. Aber nein, das Übel kehrt zurück. Und wird noch schlimmer und bekommt ein neues, grauenhaftes Antlitz: Modes, Stufenakkorde, Kadenzen. Oh Gott ... und dabei muss ich jetzt auch an Gitarristen denken und es so universal wie möglich halten. Wie wär's, wenn die Guitarreros ihr Holz auf BEADGC stimmen, dann könnte ich wenigstens Griffbrettbilder für Sechssaiter-Bässe machen...

So wurde aus der Beschäftigung mit den Modi ein Kapitel über Kadenzen, Songwriting, Schachbretter und Jazz.

Wie war das nochmal?

Zum Einen waren da die Modes, kurz erwähnt und schon wieder vergessen. Die entstehen, wenn man aus zwei Oktaven der C-Dur-Leiter jeweils für jede Note einen Ausschnitt von sieben Noten herausgreift und so eine Tonleiter mit einem Bildungsgesetz ungleich der Dur-Tonleiter erhält.

Dann war da das Thema Harmonisierung und Stufen-Akkorde. Die kommen zustande, wenn man für jede Note der Dur-Tonleiter einen Akkord bildet, der nur Noten aus der Basis-Leiter enthält (diatonische Harmonisierung). Und Kadenzen sind Abfolgen von Stufen-Akkorden. War bei den Stufen-Akkorden zu finden.

Und wie kommt das nun zusammen, zu einem Gesamtbild sozusagen? Im Grunde ist es einfach. Wenn sich die Stufen-Akkorde aus Noten bilden, die nur (d.h. diatonisch nämlich) aus der Basis-Leiter stammen dürfen, und ja wegen des Ausschnitts-Charakters der Modes das Gleiche gilt, ..., dann müssten eigentlich, ..., und es scheint logisch: Stufenakkorde und die Modes gehören zusammen, denn legen wir für die Stufen-Akkorde und für die sich bildenden Modi z.B. C-Dur zugrunde, so stammen alle Noten aller Akkorde und Modi aus ... ? C-Dur! Wollen wir das mal elektroakustisch überprüfen? Erst mal ganz vorsichtig für die Grundakkorde, feinstens harmonisiert für C-Dur und als Sahnehäubchen die relativen Modi als Leitern dazu:

Stufen-Akkorde und Modi - Hörtest #1 TablEdit MIDI

Na, das passt ja wirklich hervorrragend. Jetzt werden wir dreist: wenn das für die Grundakkorde geht, dann auch für die höheren Weihen der Akkordbildung, die Siebener-Akkorde und ihre Harmonisierung?

Stufen-Akkorde und Modi - Hörtest #2 TablEdit MIDI

Geil, 'ne? Und kommt irgendwie vertraut vor.

Was soll uns diese Werbung sagen?

Nehmen wir diese Aussagen an:

Die 'ii - V - I' Progression für C-Dur besteht aus den Akkorden Dm - G - C Richtig
Falsch
Daher würden als Folge der zugehörigen Leitern die Skalen D-Moll, G-Dur und C-Dur gespielt werden.
Richtig
Falsch

Und warum ist die zweite Aussage falsch? Weil zur zweiten Stufe der Dorische Modus gehört, und zur fünften der Mixolydische Modus, also D-Dorisch und G-Mixolydisch. So wäre es korrekt, im Sinne der Harmonisierung und der Bildung der Modi und überhaupt, denn die Stufenakkorde haben die Noten der Basis-Leiter, die normalen Dur- und Moll-Leitern für die Stufen nicht. Das ist nicht schwierig einzusehen, und auch logisch, und klingt auch gut. Wollen wir den Fehler von Aussage Numero 2 mal überprüfen? Zuerst richtig, dann falsch:

Stufen-Akkorde und Modi - Hörtest #3 TablEdit MIDI

Quod erat demonstrandum! Da stimmt ja wohl im zweiten Teil etwas nicht.

Und nun? Ist es tatsächlich so, dass wir seit Jahres etwas Falsches spielen und wir es nicht gehört haben? Müsste Stairway To Heaven in sechs verschiedenen Modi gespielt werden? De facto nicht.

Kadenzen im Detail

Eine Kadenz ist eine Folge von Stufen-Akkorden einer Leiter. Und es muss nicht aus der Dur-Leiter sein, man kann ja auch Moll-Leitern harmonisieren, oder im Prinzip jede Leiter. But ... :

Eine Kadenz ist eine Akkordfolge. Aber:
Eine Akkord-Folge ist nicht in jedem Fall eine Kadenz!

Noch'n Beispiel dazu:

I) Asus2 - F#7 - G7 Ist eine Akkord-Folge, aber keine Kadenz.
II) C - F - G Ist eine Kadenz, nämlich I - IV - V von C-Dur.
III) A5 - C5 - Bb5 Ist nicht mal eine Akkordfolge, da Powerchords keine Akkorde sind.

Und der Fall I unterliegt somit auch nicht den Zusammenhängen von Akkorden und Modi. Etwas genauer noch: bei einer Kadenz gibt es ein tonales Zentrum, die Tonika, auf die Bewegungen gerichtet sind. Und die Kadenzen sind ein Hin- und Weg-Bewegen in Bezug auf diese Tonika, so entsteht Spannung und Auflösung. Eine Akkord-Folge ganz allein hat diese Eigenschaft nicht unbedingt, und darum sind hier auch die Modi nicht von grösserer Bedeutung, weil es dann ja keine zwingende Auflösung/Hinführung zur Tonika geben muss (aber kann ...).

Und auch STH ist eben kein Song, der auf einer sichtbaren Kadenz aufgebaut ist. Darum brauchen wir uns dann auch nicht um Modi zu kümmern, obwohl man esin der Praxis doch desöfteren tut, denn man kann den Zusammenhang zwischen Akkord undModus auch über die Grenzen einer Leiter hinaus transportieren. Bewegt man sich aber innerhalb einer Kadenz, so sollte man sich auch bewusst sein, dass dieseModi relative Skalen sind, nämlich relativ zur zugrundeliegenden Skala, z.B.hier C-Dur, als tonales Zentrum.

Von der Kadenz zum Song

Schon manchmal gewundert, wie manche Akkord-Folgen und Kadenzen entstanden sind und sehr bekannt wurden? Einfach nur ein toller Einfall oder Zufall? Mitnichten! Auch hier sind Kadenzen und Modi im Spiel. Genauer: z.B. Voll-Kadenzen.

Eine Voll-Kadenz entsteht, indem man sich vom der Tonika (z.B. 'C') in konstanten Abständen aufwärts arbeitet, bis man wieder auf der Tonika landet. Macht man das für C-Dur und Quarten, kommt folgende Akkord-Sequenz heraus (einmal Grund-Akkorde, einmal Septim-Akkorde, oben die Stufe dazu):

I

IV

vii

iii

vi

ii

V

I

C

F

Bdim

Em

Am

Dm

G

C

Cmaj7

Fmaj7

Bm7b5

Em7

Am7

Dm7

G7

Cmaj7

Statt Quarten-Abständen gehen auch Quinten-Abstände, oder Terzen. So können enorme Spannungsbögen auftauchen, und viele weitere Kadenzen können aus diesen Voll-Kadenzen 'herausgeschnitten' werden. Ein Blick auf das Ende der obigen Voll-Kadenz offenbart es: ii - V - I, die alte Jazzer-Kadenz. Zwei Songs nach diesem Strickmuster 'Voll-Kadenz + Modi = Song' fallen da ein: Still Got The Blues von Gary Moore und das amerikanische Autumn Leaves (siehe auch Adam Nitti's Walking Bass Lines).

Und so klingt dann diese Voll-Kadenz mit den entsprechenden Modi dahinter:

Voll-Kadenz C-Dur und Modi: TablEdit MIDI

Und der Vollständigkeit halber:
Voll-Kadenz C-Dur und teil-modale WBL: TablEdit MIDI

Na, wenn das nun nicht von dem Sinn der Modi überzeugt ...

Die Crux mit den Modi und mein schlechtes Gedächtnis

Den Sinn und Nutzen der Modi haben wir wohl hoffentlich eingesehen. Und unsere Death-Metal-Gitarristen und Punk-Bassisten haben sich ja schon ganz am Anfang ausgeblendet. Die Schredder-Jünger aber hoffentlich noch nicht.

Für die Bassisten, die dem voll-chordalen Ansatz folgen, erst einmal Entwarnung. Akkord ist Akkord, und wenn der vorgegeben aktuelle Akkord A7 ist, dann passen eben die Intervalle 1, 3, 5 und b7, zusammen mit den oktavierten Noten der Intervalle (10, 12 etc.) hat man dann schon sieben oder acht Noten im Griff, und das soll für mindestens drei Takte dicke reichen. Aber es soll da ja auch den Fall der Solos und Bass'n'Drums-Parts geben, und da bewegen wir uns dann im vollen harmonischen Rahmen, der uns durch eine Kadenz vorgegeben ist. Kommen wir wohl dann nicht mehr drum'rum. Vor allem im Jazz nicht.

Bleibt die Frage, wie wir uns diese Dinge nun zueigen machen können. Könnte man durch stures Auswendiglernen hinbekommen, bleibt dann aber nicht so gut haften. Und führt auch leider nicht zu eigenen Ergebnissen. Suchen wir uns einen Weg, die Modi einzuprogrammieren. Wie auch immer.

Machen wir uns erst einmal eine grafische Übersicht der Modi und der enthaltenen Intervalle.

7

b7

6

b6

5

#4/b5

4

3

b3

2

b2

1

Ionisch

Dorisch

Phrygisch

Lydisch

Mixolydisch

Äolisch

Lokrisch

Und was soll uns dieses verunglückte Schachbrett nutzen? Wir können es benutzen, um die Unterschiede der Modes ungleich Ionisch auf Ionisch zu relativieren. Und bekommen dann eine neue Tabelle:

Mode

Intervall
1 2 3 4 5 6 7
Ionisch - - - - - - -
Dorisch - - b - - - b
Phrygisch - b b - - b b
Lydisch - - - # - - -
Mixolydisch - - - - - - b
Äolisch - - b - - b b
Lokrisch - b b - b b b

Was nun heisst: Dorisch ergibt sich aus Ionisch (= Dur pur), indem man die dritte und siebte Stufe um einen Halbton verringert, Mixolydisch nur mit der siebten Stufe. Lydisch hat gegenüber Ionisch die vierte Stufe um einen Halbton erhöht. Und diese kleine Tabelle ist schon eher zu bewältigen. Ansonsten gilt die gleiche Regel wie bei den Intervallen: Spielen, Üben, Verinnerlichen. Tut mir auch leid. Noch'n kleiner Tip: Zeit nehmen und pro Woche einen Modus bearbeiten und in allen Tonarten spielen, sacken lassen und auf die nächste Woche warten. Beschäftigung allein ist Vertiefung, Griffbrett-Patterns malen, rechnen, vor Augen führen.

Und da wir gerade beim Malen sind: So sähe dann diese Tabelle auf konstante Position A im 5. Bund umgesetzt aus:

Ionisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|---|-0-|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|-0-|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|-0-|---|---|
Logo ... Dur pur.
Referenz-Leiter ...

Dorisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|-0-|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|---|-0-|-0-|---|---|---|
3 und 7 erniedrigt. Ein
Dur/Moll-Mischmasch, unten
und oben Moll, in der Mitte Dur.

Phrygisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|-0-|---|-0-|-0-|---|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|-0-|---|-0-|---|---|---|
2, 3, 6, 7 erniedrigt. Eine strenge
Moll-Leiter und etwas schief.

Lydisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|---|-0-|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|---|-0-|-0-|---|-0-|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|-0-|---|---|
Die mit der #4! Auch
nicht schwer zu behalten.

Mixolydisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|-0-|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|-0-|---|---|
Das ist einfach: aus 7 wird b7.
Erinnert an den dom7-Akkord!

Äolisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|-0-|---|-0-|-0-|---|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|---|-0-|-0-|---|---|---|
Natürlich Moll.
Genauer: 3, 6, 7 runter.

Lokrisch: MIDI
.0...1...2...3...4...5...6...7...8...9...10..11
G|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
D|---|---|---|---|-0-|---|-0-|---|---|---|---|
A|---|---|---|---|-0-|-0-|---|-0-|---|---|---|
E|---|---|---|---|-0-|-0-|---|-0-|---|---|---|
Betrifft: 2, 3, 5, 6, 7.
Ganz kryptisch.

Must I, Madame ... ?

Nicht unbedingt. Sollte hier der Vollständigkeit dienen und den Zusammenhang zwischen Kadenzen und Modi aufzeigen, und harmonisch korrektes Spiel, und Vorbereitung auf das Spiel in einer Jazz-Combo.

Das Gebiet Kadenzen, Modi und Harmonisierung ist endlos und niemals vollständig. Die TablEdit-Anwender können sich mindestens jetzt Kadenzen zusammenbauen und modale Bass-Linien bauen.

Oder einfach, wie schon erwähnt, zum rein chordalen Spiel zurückgehen. Für die Bassisten ein einfacher und übersichtlicher Weg.

 
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