The Theory Collection


Grundlagen der Rhythmik, Noten- und Pauserwerte, binäre und ternäre Teilung.

Das ist der Rhythmus ...

... wo man immer mit muss !

Ich gebe zu, dass ich dieses wichtige Thema lange vernachlässigt habe, aber ich wollte die Grundlagen der Akkorde möglichst zusammen halten. Rhythmik und Harmonik gehören zusammen wie Pfeffer und Salz, und sind doch auch erst einmal zwei getrennte Themen.

Prioritäten setzten

Was ist für einen Bassisten besonders wichtig? Fangen wir mal an:

  • Vor dem Auftritt frisches T-Shirt anziehen und kämmen,
  • Nicht mehr als fünf Flaschen Bier vor der ersten Pause,
  • Sich wieder mit den Gitarristen vertragen,
  • und: gutes Timing!

Letzteres setzt voraus, dass man eine Vorstellung und Regeln der Rhythmik parat hat. Und dafür wollen wir uns nun die Grundlagen aneignen.

Tiiiiiiiiiiming ...

Unter Timing versteht man landläufig die Fähigkeit, genau und zuverlässig einen vorgegebenen Rhythmus einschliesslich der zugehörigen Pausen zu spielen. Und doch ist das oft eine der kniffeligsten Sachen überhaupt.

Bevor Ihr an solche technischen Dinge wie Slappen oder Tappen denkt, kümmert Euch darum, dass Ihr absolut präzise und beinhart gängige Taktmasse und Notenlängen spielen könnt. Vergesst den SWR-Stack und den Sechssaiter, die Freundin und die Modern Talking-Auftritte. Investiert in ein gutes Metronom oder auch in einen einfachen Drum-Computer und übt Timing bis Euch die Finger bluten. Eure Band-Kollegen werden es Euch danken und Euer Ruf als absolut timing-fester Bassist wird Euch vorauseilen. Genug der Predigten. Ich glaube, Ihr wisst, was ich meine.

Wer zählt die Namen, kennt die Worte

Mal so ganz dumm formuliert: mit der Harmonik beschreiben wir, welche Noten in welcher Tonhöhe in welchem Zusammenhang wir spielen. Die Rhythmik dagegen sagt, wann und wo und wie lange wir sie spielen. Daher die Story mit Salt and Pepper.

Was ist Rhythmus?

 

Zwei der offensichtlichsten Parameter am Anfang.

Die Geschwindigkeit, in der wir spielen: Dieser Wert wird i.d.R. in bpm = beats per minute angegeben. Das sind Schläge pro Minute, wobei die Schläge meistens Viertelnoten sind. Wenn wir jetzt noch Viertelnoten definiert haben ...
Das Taktmass: Das halten wir so: wir teilen die Noten in zeitliche gleiche Päckchen. Jedes dieser Päckchen nennen wir einen Takt. Diesen Takt können wir nun in Einzelteile zerlegen ...

und kommen damit zu den Notenwerten.

Darf's ein Viertel mehr sein?

Das Taktmass, Fachbegriff ist Metrum, beschreibt, wieviele Noten in einen Takt gehören. Am häufigsten werden dazu Viertelnoten benutzt. Nehmen wir also unseren Fuss zuhilfe und geben damit einen Takt vor, so sagen wir, das wären Viertelnoten. Drei Schläge in einem Takt wäre dann ein 3/4-Takt, vier Schläge wären ein 4/4-Takt.

Einige Taktmasse sind die Renner überhaupt, andere fristen eher in Nischendasein.

4/4

3/4

2/4

5/4

7/8






Das ist überhaupt das einfachste, und daher auch das meistbenutzte Taktmass. Ich würde schätzen, dass 70% der Songs in Pop und Rock auf dem 4/4 basieren. Es sind einfach vier Viertelnoten als Basis vorhanden.

Nichts destotrotz ist der 4/4 in der Klassik genauso vertreten. Beachtet im MIDI-Sample mal die Bass-Linie. Dann wisst Ihr auch schon, was eine Walking Bassline ist, denn die basiert immer auf strammen Vierteln

Nicht ganz so verbreitet, aber immer noch weit genug. Viele denken an den Walzer als das 3/4-Stück per se. Aber auch im Folk ist der 3/4 gar nicht selten.

Hier bilden drei Viertelnoten einen Takt. Daher sind auch keine Werte kleiner als eine halbe Note verwendbar, denn die ganze Note hat ja schon vier Viertel.

Das ist nu wieder noch einfacher als der 4/4 und ist am einfachsten als Bumm-Tschak zu merken.

Die für mich immer charakteristische Musikart im 2/4 ist der Boogie. Aber im Rock kommt er auch nicht selten vor. Vom Blues und Ragtime ganz zu schweigen.

Gar nicht so abartig wie es zuerst aussieht. Und das 5/4-Stück überhaupt kennen wohl auch die meisten unter Euch.

Das Ungerade entsteht aber gar nicht allein aus dem Taktmass, sondern aus dem Wechsel von Notenwerten innerhalb des Taktes.

Verweise ich auf Wikipedia ...


2/2

6/8

12/8




Das gibt es auch, und den 2/2 benutzt man oft, wenn es sehr schnell ist und der 4/4 einfach schlecht zu zählen.

Genaugenommen nur ein Erweiterung des 3/4, aber genauer. Auch ein Fall für schnelle Rockthemen, aber auch balladenhaftes (Queen's We Are The Champions ist im 6/8) Genau das Richtige für Shuffle (siehe unten), Achtel in einem durch drei teilbaren Mass.

Die Länge der Note heisst Notenwert (oder eben Notenlänge). Die Notenlänge wird in der Standard-Notation wie folgt geschrieben:

Noten

Und wo Licht ist, da ist auch Schatten, darum gibt es auch Pausen, da wird nichts gespielt.

Pausen

Da die Bildung der Notenwerte aus der Teilung durch Zwei entsteht, heissen diese Notenwerte auch binäre Unterteilung. Was uns auch sagt, dass es andere Unterteilungen gibt. Eine nämlich.

Etwas Mathematik

Die Einteilung des Taktes in die verschiedenen Notenlängen kann man gut durch Zählen bewältigen. Dabei nimmt man sich das Taktmass als Limit und unterteilt mit Silben die Zwischenräume. Grossbuchstaben sind die echten Zählzeiten.

3/4 in Vierteln: EINS - ZWEI - DREI
4/4 in Halben: EINS - und - ZWEI - und
4/4 in Vierteln: EINS - ZWEI - DREI - VIER
4/4 in Achteln: EINS - und - ZWEI - und - DREI - und - VIER - und

Und für die, die eben hören wollen, hier eine kleine Ansammlung dieser Notenwerte. Wir geben eine Geschwindigkeit von 80bpm in einem 4/4-Takt vor und hören jeweils vier Takte:

Ganze Noten: Halbe Noten:
Viertelnoten: Achtelnoten:
Sechzehntel-Noten:

Wie die Notenlängen in der Tabulatur aussehen, hatten wir ja schon. Es soll auch Bassisten geben, die mit den Fingern 32tel spielen. Kann ich auch, bei 16 bpm

Hit me with your rhythm stick

Da war doch noch was, ..., ach ja: Betonte und unbetonte Zählzeiten. Ist aber was ganz Einfaches. In einer Taktart bzw. in einem Metrum unterscheidet man noch in stark/schwach betonte Zählzeiten. Das nun hier mal ohne Grafik.

Bsp.: 4/4:

Die 1 ist eine stark betonte Zählzeit, 2, 3 und 4 sind schwach betont. Könnte auch aber auch so gemacht werden:

Bsp.: 4/4:

Hier wäre EINS stark, DREI schwächer und ZWEI/VIER wenig betont. Wie die Betonung der Zählzeiten sind, hängt unter Anderem von der Musik ab. Die Betonung helfen aber auch in der Festlegung der Taktverläufe. Nur noch mal so am Rande.

Wenn dat man allet so einfach wär

Ausser den Grundnotenlängen sind da noch ein paar Sonderfälle.

Sonstiges

Fall #1: Punktierungen

Dass Musiker faule Säcke sind, hatten wir schon an uns selbst beobachtet. Und darum gibt es die Punktierungen. Die heissen:

Ein Punkt hinter einer Note verlängert diese um ihren halben Notenwert.

Zwei Punkte hiner einer Note verlängert diese
um einen halben und einen viertel Notenwert.

Ich glaub' Ihr werdet langsam MIDI-süchtig. Na ja gut, es ist schon nicht einfach vorzustellen. Das Geheimnis an der Sache ist aber gar nicht, dass sich dadurch eine Grundrhythmik ergibt, sondern die Punktierungen sparen Schreibarbeit bei aufeinander folgenden Noten und (für mich) zeigen solche 'ungeraden Betonungen' an.

Fall #2: Schuffle, Schuffle, Schuffle

Eine Sonderlocke sind die Triolen. Diese entstehen, wenn man eine Viertelnote nicht in zwei Achtelnoten, sondern in drei Achtel-Triolen teilt. Schluck. In diesem Fall haben wir es dann nicht mehr mit binärer Unterteilung, sondern mir ternärer Unterteilung zu tun. Aha, ...

Gar nicht so schwierig. Man nehme einen 4/4 als Basis und zähle


4/4 in Triolen: EINS - und - dann - ZWEI - und - dann - DREI - und - dann - VIER - und - dann

Ma' hörn? Zuerst einmal reine Triolen, genauer: Achtel-Triolen: Triolen

Und nun machen wir was ganz Intilljentes: Wir lassen die mittlere Triole weg und ersetzen sie durch eine gleichlange Pause. Und dann kommt diese tolle Rhythmusform heraus, die man Shuffle (engl.: Schlurfen) nennt, und das klingt dann so (der erste Takt zur Erinnerung noch komplett!): Triolen

Und wenn es Achtel-Triolen gibt, gibt es auch Halbnoten-Triolen. Wer sich quälen will, kann diesem Tip ja nachgehen.

Fall #3: Haltebögen

Die Haltebögen ermöglichen dann die Bildung von Notenwerte, für die es keine Grundnotierungen gibt. Ein Haltebogen heisst nichts anderes, als dass zwei Noten verbunden werden, also im praktischen Spiel gemeinsam, gespielt werden, wie eine einzelne Note. Was heisst: Eine Viertelnote und eine Achtelnote, die durch einen Haltebogen verbunden sind, werden wie eine punktierte Viertelnote gespielt. ABER: Haltebögen dürfen auch über eine Taktgrenze hinausgehen, das ist der Unterschied zu den Punktierten. Die liegen in einem und nur in einem Takt!

Und nu'?

Solltet Ihr zumindestens die wichtigsten Begriffe draufhaben und bis vier zählen können. Und wenn der Drummer mal wieder erzählt, er spiele jetzt einen 7/4, könnt Ihr ihm vielleicht das Gegenteil beweisen (bei Drummern wäre ich immer ein wenig vorsichtig; manche beissen).

Nun mal im Ernst: für mich ist in der Standard-Notation das Identifizieren der Notenlängen das Schwierigste. Trotzdem gilt der Satz 'Wer lesen kann, ist im Vorteil' auch für Musiker. Nun kann (und will) ich aber hier keine detaillierte Einführung geben, sondern eben nur Grundlagen schaffen. Also würde ich Euch als Bassisten dringend raten, Euch mit dem Thema Notenlesen noch einmal in stillen Stunden ausgiebig zu beschäftigen, nicht nur wegen des Lesens an sich, sondern auch wegen Verinnerlichung der Rhythmik. Die Bass Bible liefert Lesebeispiele und Notierungen, die man dann auch überprüfen kann.

 
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