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Wie viele Saiten hat eine E-Gitarre?

Wie viele Saiten hat eine E-Gitarre? Standard sind 6 – doch es gibt 7-, 8- und 12-saitige Modelle. Erklärung, Stimmung und welche Variante zu dir passt.

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Wie viele Saiten hat eine E-Gitarre? Die kurze Antwort lautet: sechs — zumindest bei der klassischen Form, wie sie seit den 1950er Jahren gespielt wird. Doch wer etwas tiefer in die Materie eintaucht, stößt schnell auf Instrumente mit sieben, acht oder zwölf Saiten, die jeweils eigene klangliche und spieltechnische Konsequenzen mit sich bringen. Dieser Artikel erklärt, warum die Sechssaiter zum Standard wurde, wie die Saiten benannt und gestimmt sind, und wann eine Sonderform sinnvoll sein kann.

Der Standard: Warum die klassische E-Gitarre 6 Saiten hat

Die E-Gitarre hat in ihrer gebräuchlichsten Ausführung sechs Saiten — und das ist kein historischer Zufall, sondern das Ergebnis einer langen Entwicklung, die bereits bei der akustischen Gitarre des 18. Jahrhunderts beginnt. Die damalige Konzertgitarre wurde mit sechs einzelnen Saiten bespannt, weil dieses Arrangement den größten Spielraum zwischen harmonischem Reichtum und ergonomischer Bespielbarkeit bot. Als Leo Fender 1950 mit der Telecaster die erste in Serie produzierte E-Gitarre auf den Markt brachte, übernahm er dieses bewährte Prinzip schlicht und konsequent.

Sechs Saiten erlauben es, alle gängigen Akkorde in Standardstimmung zu greifen, Melodielinien über mehrere Oktaven zu spielen und sowohl Rhythmus- als auch Lead-Parts auf demselben Instrument zu entwickeln. Das Griffbrett ist dabei schmal genug, um mit einer Hand komfortabel zu arbeiten — eine achtsaitige Gitarre erfordert schon deutlich mehr Spannweite in der Greifhand.

Heute ist die Sechssaiter-E-Gitarre der globale Standard, auf den sämtliches Lehr- und Notenmaterial, Tabulaturen und Grifftabellen ausgerichtet sind. Wer mit dem Gitarrenspielen beginnt, greift deshalb in aller Regel zu einem sechssaitigen Instrument — mehr zu den notwendigen ersten Ausrüstungsgegenständen findest du unter E-Gitarre Saiten.

Saitennamen und Stimmung der E-Gitarre

Die sechs Saiten einer E-Gitarre tragen feste Namen, die ihrer Tonhöhe in der sogenannten Standardstimmung entsprechen. Von der dicksten (tiefsten) bis zur dünnsten (höchsten) Saite lautet die Reihenfolge:

SaitennummerNameTon (wissenschaftliche Notation)
1Höchste E-Saite (High E)E4
2H-Saite (B-Saite)H3 / B3
3G-SaiteG3
4D-SaiteD3
5A-SaiteA2
6Tiefe E-Saite (Low E)E2

Die Merkhilfe E-A-D-G-H-E (von tief nach hoch) ist unter Gitarristen weit verbreitet. Manche benutzen Eselsbrücken wie „Ein Affe Darf Garnichts Haben, Ehrenwort" — ob das hilft, ist Geschmackssache, aber die Abfolge E-A-D-G-B-E brennt sich mit ein paar Wochen Übung ohnehin ins Gedächtnis.

Die Standardstimmung ist der Ausgangspunkt, von dem aus Gitarristen in alternative Stimmungen wechseln. Drop-D — dabei wird lediglich die tiefe E-Saite einen Ganzton auf D abgesenkt — ist im Rock und Metal weit verbreitet, weil Power-Chords auf den drei tiefen Saiten dann mit nur einem Finger gegriffen werden können. Andere gängige Alternativen sind Eb-Stimmung (alle Saiten einen Halbton tiefer, beliebt bei Slash und frühen Hendrix-Aufnahmen), Open-G (bevorzugt von Keith Richards für seine Rolling-Stones-Riffs) oder die DADGAD-Stimmung im Folk.

Die Materialstärke der Saiten — ihr sogenanntes Gauge — beeinflusst direkt den Ton und das Spielgefühl. Gebräuchliche Sätze für E-Gitarren liegen zwischen 0.009 und 0.010 Zoll für die Höchstsaite (sogenannte „Nines" oder „Tens"). Dünnere Saiten lassen sich leichter biegen (Bending) und sind für Einsteiger angenehmer zu spielen; dickere Saiten klingen voller, halten besser in Stimmung und verlangen mehr Kraft.

Mehr als Standard: E-Gitarren mit 7, 8 oder 12 Saiten

Die Frage „wie viele Saiten hat eine E-Gitarre" hat eben keine einzige Antwort — der Markt bietet neben dem Sechssaiter noch weitere Konfigurationen, die für bestimmte Genres und Spielstile entwickelt wurden.

Die siebensaitige E-Gitarre

Die siebensaitige Gitarre fügt der Standardstimmung eine tiefe H-Saite (B1) hinzu, die unterhalb der tiefen E-Saite liegt. Steve Vai und Korn-Gitarrist James Schaffer (Munky) popularisierten das Instrument in den 1990er Jahren; seither ist es im progressiven Metal, Djent und im modernen Shred kaum wegzudenken. Die Ibanez-Linie Universe — von Ibanez speziell für Vai entwickelt — gilt als die erste weit verbreitete Produktionslinie für Siebensaiter.

Der praktische Vorteil liegt auf der Hand: tiefere Riffs ohne Drop-Stimmung, mehr harmonischer Raum im Bassbereich. Der Nachteil ist ein breiteres Griffbrett (typischerweise etwa 48–52 mm Sattelbreite gegenüber 43 mm bei der Standard-Sechssaiter), was die Greifhand stärker fordert. Für Einsteiger ist die siebensaitige Gitarre deshalb selten ein sinnvoller Startpunkt.

Die achtsaitige E-Gitarre

Acht Saiten bedeuten in der Regel zwei Zusatzsaiten: eine tiefe F#-Saite (F#1) und manchmal auch eine hohe a-Saite, obwohl die meisten Achtaiter die zusätzliche Saite nach unten legen. Meshuggah ist das bekannteste Beispiel — die schwedische Metal-Band spielt seit den frühen 2000er Jahren auf achtaitigen Ibanez-Modellen und hat damit einen eigenen Klang geprägt, der heute als Djent-Blueprint gilt.

Das Griffbrett einer Achtsaiter ist nochmals deutlich breiter; Sattelbreiten um 54–56 mm sind üblich. Wer kleinere Hände hat, sollte das vor einem Kauf unbedingt anspielen. Zudem erfordern die tiefen Saiten bei gutem Sustain eine längere Mensur (typisch: 27 oder 27,75 Zoll statt der üblichen 25,5 Zoll).

Die zwölfsaitige E-Gitarre

Die zwölfsaitige Gitarre funktioniert nach einem anderen Prinzip: Sie hat keine zusätzlichen tiefen oder hohen Saiten, sondern jede der sechs normalen Saiten bekommt eine Begleitsaite (einen sogenannten Chorsaiten-Partner). Die E-, A-, D- und G-Saiten werden dabei eine Oktave höher begleitet; H- und höhe E-Saite werden unisono verdoppelt.

Das Ergebnis ist ein chorischer, glockenhafter Klang — man erkennt ihn sofort in Roger McGuinns Rickenbacker-Sound bei den Byrds oder in den Intro-Akkorden von Hotel California (Don Felder spielt die ersten Takte auf einer zwölfsaitigen Akustik). Als elektrische Version findet man zwölfsaitige Gitarren vor allem im britischen Folk-Rock und im Americana; als vollständig elektrisches Hauptinstrument im harten Rock ist sie eher ungewöhnlich.

7-Saiter: Sattelbreite typisch 48–52 mm | 8-Saiter: 54–56 mm | Standard-6-Saiter: 42–43 mm Messusur 8-Saiter: 27–27,75 Zoll | Standard-6-Saiter: 24,75–25,5 Zoll

Zum Vergleich: Eine Bassgitarre hat in der Standardversion vier Saiten (E-A-D-G), und auch Fünf- und Sechssaiter-Bässe existieren — mehr dazu erklärt der Artikel über Bassgitarre Saiten Anzahl.

Wie funktioniert eine E-Gitarre technisch?

Das Grundprinzip klingt simpel, ist aber physikalisch elegant: Die Saiten der E-Gitarre schwingen über magnetischen Tonabnehmern — den sogenannten Pickups. Diese bestehen aus einem Permanentmagneten, um den Kupferdraht gewickelt ist. Wenn eine Stahlsaite schwingt, verändert sie das Magnetfeld des Pickups, was in der Spule eine winzige Wechselspannung induziert — das elektrische Abbild der Saitenschwingung.

Dieses schwache Signal (typischerweise 100–300 mV) wird über das Klinkenkabel an einen Gitarrenamp geleitet, der es verstärkt und über einen Lautsprecher in Schall umwandelt. Zwischen Gitarre und Amp können Effektgeräte — Verzerrungen, Modulations- und Zeiteffekte — das Signal formen. Der Pickup ist damit der entscheidende Punkt, an dem das mechanische Schwingen einer Saite zur Elektronik wird.

Es gibt zwei grundlegende Pickup-Typen: Single-Coil (eine Spule) und Humbucker (zwei gegenphasig geschaltete Spulen). Single-Coils klingen klar, glasig und direkter — charakteristisch für Fender Stratocaster und Telecaster. Humbuckers liefern einen dickeren, wärmeren Ton mit weniger Brummgeräuschen, wie er von Gibson Les Paul und SG bekannt ist. Welcher Pickup für wen passt, hängt letztlich vom angestrebten Klangbild ab — und vom Genre.

Der Pickup ist die Übersetzungsstelle zwischen Physik und Elektronik — er macht die E-Gitarre zu dem, was sie ist: ein magnetisch-elektrisches Instrument, das ohne Verstärker nahezu stumm bleibt.

Wichtig zu wissen: Eine E-Gitarre kann prinzipiell auch mit Nylonsaiten bespannt werden, aber Nylon ist nicht magnetisch — die Pickups würden keinen Ton erzeugen. E-Gitarren benötigen zwingend Stahlsaiten (Stahl, Nickel-Stahl oder Edelstahl), damit das Prinzip der elektromagnetischen Induktion funktioniert. Das ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zur klassischen Konzertgitarre.

Fazit: Die richtige Saitenanzahl für deine Spielweise

Wer sich fragt, wie viele Saiten eine E-Gitarre haben soll, sollte die Antwort in erster Linie aus dem eigenen Spielkontext ableiten. Die sechssaitige Gitarre ist und bleibt die richtige Wahl für den Einstieg, für Pop, Rock, Blues, Jazz und alle Genres, in denen das klassische Gitarrenrepertoire zuhause ist. Sie ist optimal dokumentiert, bestens lehrbar und das Instrument, auf das sämtliche Tabulaturen, Apps und Unterrichtsressourcen ausgerichtet sind.

Die siebensaitige Gitarre ist sinnvoll, wenn tiefere Tunings zum festen Bestandteil des Sounds gehören und die Band in Bereichen wie progressivem Metal oder Djent unterwegs ist. Das Wechseln auf einen Siebensaiter setzt aber voraus, dass die technischen Grundlagen auf der Sechssaiter schon solide sitzen — das breitere Griffbrett verzeiht keine unsauber platzierten Greifhände.

Die achtsaitige Gitarre ist ein Spezialwerkzeug. Sie klingt in den Händen von Meshuggah und vergleichbaren Bands beeindruckend, aber für den Alltagsmusiker ist sie selten die erste oder zweite Wahl. Wer keine konkreten Pläne für Siebenstring-Riffs im Tiefstregister hat, fährt mit einer Sechssaiter in der Regel besser.

Die zwölfsaitige E-Gitarre schließlich ist weniger eine Frage des Könnens als des gewünschten Klangs. Ihr chorischer Ton ist etwas Besonderes — aber sie ist in der Praxis schwerer zu stimmen, empfindlicher auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen und deutlich physisch anspruchsvoller beim Spielen. Wer diesen Klang will, weiß meistens schon, warum.

Die meisten Gitarristen bleiben ein Leben lang beim Sechssaiter — und das aus gutem Grund. Die Bandbreite dieses Instruments ist weit genug, um eine komplette musikalische Karriere darauf aufzubauen, ohne auch nur einmal an seine Grenzen zu stoßen.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Wie viele Saiten hat eine normale E-Gitarre?
Eine normale E-Gitarre hat sechs Saiten. In der Standardstimmung sind sie von tief nach hoch auf E-A-D-G-H-E gestimmt. Dieses Format ist seit den 1950er Jahren der weltweite Standard und Grundlage für alle gängigen Tabulaturen und Lehrwerke.
Welche E-Gitarre hat 12 Saiten?
Zwölfsaitige E-Gitarren wie die Rickenbacker 360/12 oder verschiedene Danelectro-Modelle verdoppeln jede der sechs normalen Saiten. Die tiefen vier Paare werden oktavversetzt gespielt, die beiden hohen Paare unisono. Das Ergebnis ist ein chorischer, glockenhafter Klang, bekannt aus Folk-Rock und frühem Britpop.
Wie viele Saiten hat eine Bassgitarre im Vergleich zur E-Gitarre?
Eine Standard-Bassgitarre hat vier Saiten (E-A-D-G), also zwei weniger als eine normale E-Gitarre. Es gibt auch Fünfsaiter-Bässe mit einer zusätzlichen tiefen H-Saite sowie Sechssaiter-Bässe für erweitertes harmonisches Spiel.
Wer hat die E-Gitarre erfunden?
Als erstes kommerziell erfolgreiches Modell gilt die Fender Broadcaster (später Telecaster) von Leo Fender aus dem Jahr 1950. Frühere Versuche elektrischer Verstärkung von Gitarren, etwa die Gibson ES-150 aus den 1930er Jahren, bereiteten den Weg, aber Fender standardisierte das massive Holzkorpus und die fest montierte Brücke, die zum Vorbild aller späteren E-Gitarren wurden.
Gibt es E-Gitarren mit nur einer Saite?
Ja – sogenannte Lap-Steel-Einsaiter oder experimentelle Monocord-Gitarren existieren, sind aber keine Alltagsinstrumente. Im Blues-Kontext nutzen Spieler manchmal eine einzelne Saite auf einem selbstgebauten Diddley Bow, einem der ältesten elektrisch verstärkten Saiteninstrumente Nordamerikas.
Wie alt ist die Gitarre als Instrument?
Die Vorläufer der modernen Gitarre reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Die sechssaitige Konzertgitarre in ihrer heutigen Form entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts in Spanien, maßgeblich geprägt durch Luthiers wie Antonio de Torres Jurado im 19. Jahrhundert. Die elektrische Variante kam erst in den 1930er und 1950er Jahren auf.